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Wegen, in Setten es zum Abfluß strömte. Auf den Dächern stanzten bte Hagelkörner noch wie vordem auf dem Rasen, an den Dachrinnen der Seitenflügel stießen sie sich ab und sprangen tn weitem Bogen in bett Hof, sie klirrten gegen Fenster nnd Mauern, platschte» ins Wasser mtb wurden fortgeschwemmt und immer neue kamen stürzend vom Himmel. Adeline war außer sich, thre grellen Jubelschreie tönten in das Getose des Unwetters.
Der Hausherr hatte gleich, als sie heraussturzte, den Kopf nach ihr gewendet, überrascht und unwtlltg. Er ging schweigend auf nnd ab, er litt für seine Bäume und feinen Park, für feilt Land und seine Bauern, kaum wagte er hinauszusehen und doch wurde fein Blick immer wieder angezogen von den wehenden Hagelsahnen, die der Sturm trieb und die die Luft mit sonder- barem Bleichen erfüllten. Fast versteckt in die Falten eines der schweren Vorhänge, stand au einem anderen Fenster Adele, sie hatte dem Unwetter den Rücken gekehrt nnd beobachtete mit unruhigen Augen ihren Vater, sie las ihm den Kummer vom Gesicht und litt mehr noch als er für alles, was er litt. Verständnislos starrte sie auf ihre Cousine und wäre nicht Alexander dagewesen, der sie zu beruhigen versuchte und zu entfernen, so hätte sie einfach die schmale, leichte Gestalt in ihre Arme genommen und hätte sie fortgetragen, Alexander war diese Erregung nichts neues. Bei einem Sturme auf bent Meere hatte er ähnliches an ihr erlebt, freilich war sie danach kränker geworden. Deshalb versuchte er sie von dem aufregeitben Schauspiel zu entfernen. Uninöglich!
„Das ist Leben! Das ist Leben, Kampf und Schönheit!" rief sie und ihr Körper bog sich, als wehe der Sturm auch über sie hin, jihre Hellen Haare hatten einen roten Schein bekommen und bei fettem Blitz leuchtete ihr fahles Gesicht erschreckend aus.
Endlich legte sich die Wut des Unwetters und auch Adeline Sonnte von dem Fenster fortgebrackst werden. Als der Hagel aufgehört und nur noch das gleichmäßige Rauschen des niederströmen- den Regens zu hören war, lag sie mit rasend beschleunigtem Puls auf der Couchette. Sie sprach unausgesetzt. Kein Beruhigungs- Mittel konnte helfen, weder Befehl noch Bitte. Sie behauptete, sich wohl zu fühlen, so wohl wie noch kaum je, und phantasierte mit offenen Augen von dem wundervollen Schauspiel. Dazwischen sprach sie in ruhigeren Sätzen zu ihrem Bruder, machte Pläne sür ihr künftiges Löben, für die nächste Reise, bei der sie nachdem ruhigen Sommer hier ganz erholt sein werde. Sie lächelte ihm gn. Das Rot war noch nicht wieder aus ihren Wangen gewichen, zusammen mit dem mühsam atmenden geöffneten Mund gab das hem schönen Gesicht etwas kindlich Hilfloses.
Mends verlangte sie mit den andern in den Park zu gehen, mitt den Schaden zu sehen. Alexander wehrte entsetzt. Die Temperatur war um 12 Grad gesunken. Gesunde konnten sich dabei erkälten. Aber Adeline hatte, wenn ihren Wünschen Widerstand geleistet wurde, eine Art die Hand auf ihr krankes Herz zu pressen, während ihre Augen sich ganz verdunkelten, daß er, wie unten einem furchtbaren Zwang, immer nachgeben mußte.
Sorgfältig in einen Pelz gehüllt, ging sie mit. Eben heiterte sich der Himmel wieder auf. Ein feuchter Sonnenstrahl fiel schräg durch die Stämme auf den Rasen, der noch immer einen weißen Schimmer trug, wie schmelzenden Schnee. In den Wegrändern lagen die losen Korner hoch anfgeschichtet, vom abfließenden Wasser hin geschwemmt. Die Wege waren mit Blättern, ganzen Zweigen Und kleinen Aesten dicht besät, unter denen sich die Blüten der beraubten Bäume bargen. Kastanien trugen ihr durchlöchertes Laub stolz wie Soldaten zerschossene Fahnen tragen. Traurig sah das alles aus und wehmütig floß das Gold der finkenden Sonne durch die Verwüstung. Adeles Augen füllten sich mit Tränen, Adeline aber verlangte mit den Hagelkörnern zu spielen und bat scherzend, man möge ihr eine Halskette davon aufreihen.
Bei der kranken Esche angekoimneu, versank sie in wortloses Entzücken. Der violette Stamm lenckstete jetzt wundervoll in der feuchten Lust vor dem smaragdenen Rasen und das stumpfe Schwarz der rauhen Stellen war wie ein Schmuck von Runen in feiner Ziselierung. Einzelne Inseln von Sonnengold lagen in der Tiefe des Parkes und schwammen in der Flut des grünen Lichts, ja die Luft selbst war jetzt grün geworden mtb die Bäume, wesenlos, nur wie verdichtete grüne Luft, schwebten darin. Alles war verzaubert, das Sonnenlicht lag wie ein fester Körper in der flüssig scheinenden Luft und die Bäume waren das Unwirklichste im Park geworden.
lieber all dem sah Adeline nickst, wie traurig ihre Esche zugerichtet war. Hier hatte der Hagel die einzelnen, schmalen Blätter Nicht getroffen, aber von ganzen Zweigen, die er abgeschlagen, den Boden ringsum besät. Viel war nicht mehr übrig von dem armen Laub.
„Nun werde ich die kranke Esche doch schlagen lassen müssen," sagte der Hausherr und sah mit kühlem Blicke über Adeline fort, bereu grelle Jnbelrnse, während der Hagel sein Land zerstörte, Mn unverständlich und unverzeihlich schienen.
„Mein Baum!" sagte Adeline, nicht bittend, sondern mit abwehrenden Befehl und legte den Arm um den rmtben Stamm.
„Er ist doch krank," sagte nun auch Adele bittend zu ihrem Vater — als fei gerade das ein Grund ihn zu hegen und zu pflegen und bat fitr ihn. Warmes Mitleid sprach aus ihrer Stimme, Adelins wandte den Blick von ihr fort: Mitleid, gelte es ihr oder anderen, war ihr ein ganz unerträgliches Gefühl.
„Du kannst den Bäum schlage» lassen," sagte sie hart zst ihrem Onkel, aber kaum war das letzte Wort von ihren Lipmn gekommen, als das fahl gewordene Gesicht hintenüber sank. Die Hand an das Herz krampfend, fiel sie tn die Arme ihres Bruders« schwer, ohne Zeichen von Löben.
Auf seinen Armen trug er sie ins Haus. Me Bemühungen blieben fruchtlos.
Aufgepeitscht durch den Aufruhr der Elemente zu einer letztest großen Anstrengung, erlag das kranke Herz, nachdem es noch einmal die Wonne des Lebens gefühlt.
Man schlug die kranke Esche am andern Tag und füllte AdelinM Grab mit allen Zweiglein, die das Unwetter verschont.
Vermied?!«*
* Ein Zweikampf der Schlangen. Eine anschauliche Schilderung des vor einigen Jahren in Brasilien gegründeten sero- therapeutischen Institutes von Butantan, das von dem berühmten Gntlorscher Dr. Vital Brazil geleitet wird und seinem Bestehen in kurzer Zeit bereits Segensreiches geleistet hat, gibt Prob Pozzi von der iranzösischen Akademie der Medizin in einem interessanten Aussatz des „Figaro". In dem Institut wird eine Schlangenart gezüchtet, die von Natur gegen die Bisse der Giftschlangen immun ist und als ein Freund der Menschheit angesprochen werden darf, weil diese „gute Schlange" die gütigen Reptilien verfolgt und vertilgt. Pros. Pozst hat einen Zweikamps zwischen dieser giftfesten Schlange, dem Rachidelus brasili, und der todbringenden Lachesis laneeolatus mit angesehen. Tie beiden Schlangen murben aus ihren Behältern genommen und einander gegenüber gelegt. Sie schienen einander zu ignorieren, rührten sich kaum, als plötzlich die „gute Schlange" mit einer unbeschreiblich flinken Bewegung sich der gefährlichen Feindin nähert. Die hat den Gegner bereits erkannt, setzt sich in Kampfstellung, die tückischen Augen blitzen. In diesem Augenblick schießt die „gute Schlange" atü den Fetnd zu; sie wist ihn offenbar am Nacken packen und lähmen, aber das giftige Reptil ist auf der Hut und gräbt seine Fangzähne tief in den Körper des anderen. Dann gleitet sie zurück und scheint auf die Wirkung des Giftes zti roarteii. Umsonst: die Natur bat die „gute Schlange" gegen diese tückische Waffe geschützt. Uitd mm entfpinnt sich eilt grauenvolles Ringen, die Scdlangenleiber schlingen sich um einander, es ist, als ob der stärkere Rachidelus brasili den Gegner ersticken will. .Er wird ihm die Rückenmarkknochen zerbrechen", sagt leise der Dr. Brazil zit mir, „passen Sie auf, das ist sehr interessant". Ja, es ist iutereffant, aber zugleich grauenhaft anzusehen. Wohl zwölf Minuten lang haben bte beiden Reptilien bereits mit einander gerungen, bis endlich die Giftschlange überwältigt erscheint, ihre Bewegungen werden matt und matter, bis der Feind sie erwürgt hat. Als wir gehen, ist die giftige Viper tot und der Sieger macht sich daran, die Beute langsam zu verschlingen. Erst eine Stunde später kehren mir zum Kampfplatz zurück. Die „gute Schlange" liegt lang ausgebreitet auf dem Boden, sie hat den Gegner fast blnabgefcblungen, nur ein Stuck des Schwanzes ragt noch zwischen den Kiefern hervor. Dian kennt die Dauer der Reflexbewegungen und ihr mibewitßtes Wirken: dieses letzte Schweifende schlang sich noch mit zitternden Bewegungen um ein Tischbein und schien hier konvulsivisch einen letzten Halt zu suchen.
* Mißverständnis. „9hm, Frau Nachbarin, gehen Sw auf keinen Ball?" — „Nein, mir ist mein Bett lieber," — „In,: da müssen St« eben was anderes versetzen!"
* Bedenklich. „Wenn ich Sie nun bitte, sämtliche Tänze mit mir zu tanzen, was wäre bann?" — „Dann iriegaten, N zum Schluß noch an Dauz mit meinem Manu!"
* U m schrieben. „Als ich gestern abend spät nach Haust kam, bekam ich auf dem Hausflur eine derbe Ohrfeige!" —: „Und was sagtest bu?" — „Guten Abend, Frauchen!"
Skat-Ausgabe.
Vorhand hat 20, Mittelhand 39 Augen in ihren Karten r Hinterhand spielt Treff-Solo mit:
+ +
*+* * *
°i»
Das Spiel wird verloren, obwohl noch 21 Augen im Ska liegen. — Wie waren die Karten verteilt und wie mußte gespielt werden?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflistung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer: Laute.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckereh R. Lange, Vieh«»


