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Mt, plumU täte aus Eisenblech geMritten tii» lv »ildringlW W diese Masse von. Blättern, zudringlich ohne Macht, einen zu Kmen; dort unten quillt auch im Frühling das Grün upprg, usend, rauscheiid aus Strauch und Busch und Baum, ab«r das m
so mächtig, daß du dich gar nicht Mehren kannft, es nimmt dich, es raubt dich, es vernichtet dich . . ." .
„Wie schrecklich/' entfuhr es Wele. Adelrne schwreg. Was stutzte «s zu reden, Niemals wnnten diese begreifen, was die Schönheit des Südens war. Und hier sollte sie den Sommer zubrungen. Wie töricht Ivar sie gewesen, den Aerzten zu glauben, die Sitze könnte ihr schaden! Hier konnte sie nicht einmal atmen, weil hier keine Luft war, keine blaue Lust unter blauem HiMmel. Und ihren Augen taten die Linien der Landschaft weh, diese stümperhaften Versuche ohne Form. Sonderbar —. '"/mand murde fie zwingen wollen, den kindlichen Hebungen eines Anfängers aus der Violine zuzuhören, aber niemand bedachte die Grausamkeit« ihre armen Augen zu ähnlichem Martyrium zu verdammen. L>o gedankenlos waren die Menschen.
Plötzlich aber sah sie in dem verschmähten Park ihres Onkels doch etwas, das sie fesselte. Es wuchs da em Baum auf aus dem kurzgehaltenen grünen Rasen: edel, schlank und rund der dunkle Stamm, das violette Grau der Rmde war unterbrochen von schwärzlich braunen Stellen, in Ringenund Flecken willkürlich Über den Stamm verteilt. Hoch über Menichenhöhe teüte sich der Stamm, wuchs in etwa sechs Aesten auf; so rhythmisch, daß es fast gleichmäßig erschien. Seltsam waren die Blatter, halb ausgerollt, eine feine und krause Harmonie von Limen entstand, durch die das dunkelviolette Gezweig schimmerte. Wre Rauch einer Opferflammr kräuselte sich dies Laub!
„Der Bauni ist schön, hier will ich sitzen, was ist das für ein Bauni?" fragte Adeline mit lässig müder Sttntme und ging auf die Steinbank zu, die unweit unter hängendem Gebüsch stand. Adele suchte eine Weile mit ihren blauen Äugen m der Ferne nach denr Baum, den ihre Cousine meinen könnte, bis )ie endlich begriff, es sei dieser merkwürdige Baunr mit dem dünnen Laub, der bewundert werde. Beschämt gestand sie. daß sie den Baum gar nicht kenne, seinen Namen nicht wisse. Dwch dies macht Adeline den Baum noch lieber, es gefiel ihr, daß das Einzige, das sie in diesem Park erfreute, Don den Besitzern noch gar Nicht bemerkt war.
„'Ich werde hier bei Euch bleiben," entschied |te plötzlich voller Huld, als sie auf der 'Steinbank saß und fand, daß der Baum fufji so gesehen noch schöner mache. , v . .,
„Du willst hier bleiben! Wie herrliche, wie herrlich, wie werden sich alle freuen, wie glücklich wird Alexander sein!"
„Alexander, warum?" , .., , .
,Er wird ruhiger an sein Exanreu gehen, wenn er dich ber uns weiß," war die betretene Antwort.
„Er soll gar kein Examen machen, wozu? Ich glaube ihm, daß er alles weiß, ein Examen kann jeder machen . . Sie sagte es leise und die Worte fielen so nachlässig von ihren Lippen, als sei es nicht der Mühe wert, zii reden. Adele hatte eine nagest huldige Antwort auf den Lippen, aber der jammervolle Zustand ihrer Cousins ließ sie schweigen, sie lief, UM Kissen zu holen., Allein gelassen sank Adeline noch mehr zusammen, die Arme auf die Bank gestützt, zog sie den Kopf zwischen die Schultern, schob ihn vor und starrte unbeweglich), mühsaiii atmend aus den Baum. Sie träumte sich in sein Leben ein und langentbehrt» Sensationen rieselten durch ihre Nerven. Fast tote ein Buh von Stein saß sie in der grünen BlätterWmmerung. Das Gesicht war in seiner Magerkeit wie gemeißelt, darüber lag das ganz Helle Haar duftig lose und unterschied sich kaum als Farbe von dem gleichmäßig matten Ton der Haut, auch das Gewand aus roher Seide stimmte merkwürdig zu dielen Tonen, Um >o auffallew- der waren die blauen Augen. Sie waren nur Farbe, werchle, wundersüße blaue Farbe. Und dann waren da noch die schmalen qlühend roten Lippe», wie ein Schrei nach Leben m diesem er- lö scheu den Gesicht, und sie standen in sonderbarem Wider,PNM zu der königlichen Linie, mit der die Augenbrauen in die Stirn aufwuchsen fand sanft in die eingefalleneil Schlafen flössen, ^n ihrer willenlosen weichen, etwas fleischigeii Hand hielt sie em kleines Taschentuch mit rotem Rande. Das war em falsches Rot, ein Rot, das nicht hätte da sein dürfen, bläulich und Aankhaft Und störend im Gegensatz zu dem purpurnen Rot der schmalen Lippen. Aber Adeline liebte diese Farbe und trug sie stets an ihren Taschentüchern. Eine lange matte Silberkette mit einzelnen ganz fahlen Chrysoprasen war der einzige Schmuck an ihr.
Ein Gärtner, der in der Entfernimg vorbeiging, erschrak und. schlug eilt Kreuz über sich, er glaubte eine Erscheinung zu sehen, seltsame Gerüchte lebten im Herrenhau.se von einer steinernen Frau, die bös und grausam gewesen und nun umgehen mußte ।— dort saß sie! ,
Mit Gepolter ließ er ein Gerät fallen, da wandte die Er- jcheinuug den Kopf nach deni störenden Geräusch und ein Blick aus dm weichen blauen Augen beruhigte den Mann, noch bevor ihm die kranke Komtesse eingefallen, die am Tage vorher angenommen war.
Jetzt kam Alexander, er trug einen bequemen Korbsessel triumphierend hoch über seinem Kopfe und hinter ihm lief Adele Mit Kissen herbei. Adeline lächelte beim Anblick ihres Bruders, er kam ihr immer vor wie ein junger Bernhardiner, den sie zu Lebzeiten ihrer Eltern zu Hanse gehabt, von allen Menschen war
er «ihr der liebste, er gehörte ihr, sie wußte, daß er sein warmtch Blut bis auf beit letzten Tropfen in ihre Adern würde fließest lassen, wenn ihr das helfen könnte — er sagte es oft scherzhaft? und sie liebte sich das träumend vorzustellen ■— einzig bei ihm konnte sie Gesundheit und Kraft ertragen, sie gehörte ja ibu
„Sieh, Alex, den schönen Baum, ist er nicht ganz japanisch? sagte sie, während er sie in den bequemen Sessel setzte und Kissest nach Bedürfnis unterschob. Er sah auf. „
„Japanisch? Ich finde, die Blätter sehen aus wie gedorrth Bohnenschuitzs," antwortete er, und eben wollte Adeline Metz seine verdutzte Aufrichtigkeit lachen, als sitz Meles beistimmendes unterdrücktes Kichern hörte. Da sah sie müde fort von den beiden, die sich nm sie bemühten. ,
Der Hausherr kam vorüber unb Adeline fragte Wieder, was das für ein Baum sei. ., , ,
„Eine kranke Esche ist es," war die Antwort, 7,ich habe ver« gessen, sie schlagen zu lassen, schon vorigen SomMer war sie krank; Bn sie wieder ihre armen, dünnen Blättchen getrieben W?
ttt ich mich nicht dazu entschließen."
„Mer warum auch, sie ist ja schön so wie sie ist, warum millst du sie schlagen lassen?" fragte bestürzt Adeline.
„Sie ist krank, mein Kind." t .
„Sie erholt sich vielleicht wieder," meinte AlexaMer. Seine Schwester streifte ihn mit einem kalten Blick, das war das Einzige, was den Menschen einfiel bei Krankheit — wenn doch Krankheit schön malAe, warum sollte es nicht so bleiben?
„Ich werde den Baum nicht ganz schlagen lassen, em gut Stück soll stehen bleiben und Schlingpflanzen sollen ihn van oben Und von unten umwachsen, ein würdiger Grabstein seiner selbst — sagte der Hausherr.
Adeline zog fröstelnd die Schultern zusammen, das war noch schlimmer, als ihn ganz zu schlagen, und sie bat für den Baum, sie bat, der Onkel möge ihn ihr schenken, da sie ihn ließe und ihre großen, blauen Augen sahen so süß und hilflos zu dem gesunden, kräftigen Mann auf, daß. er weich wurde und ftch be- innend, es könnte die Verwerfung des kranken Baumes bittere Gedanken in seiner kranken Nichte erwecken, ihn ihr schenkte Wr eines Jahves Frist. , .
Sie war zufrieden und erklärte Noch einmal, daß sie den Sommer hier bleiben wolle. ,
Mittagssülle sank über den Park, der frischgrune Rasen leuchtete im flimmernden Sonnenglcmz, weiße Wolken fliegen E Himmel auf, geballt und drohend, obwohl ganz weiß, Jasminduft durchzog die Luft, Alexander ging dem Duft nach wett hinten blühte der erste Busch und besonders ein Zweig war wunderoar, reich schmelzend reihten sich Blüten an Blüten. Er fratte itt Kn geschnitten, als chm erst einfiel, daß er tn diesem Park
; Recht habe, die Blüten in Zweigen für seine Schwester W brechen. Mit dem Zweig lockte er sie ins Hans, draußen wurde es nun zu heiß. c
AM Nachmittag lag sie rn ihrem dunketgemachten 6immer, schwül war der Duft des Jasminzweiges in der Luft, er stand am Boden dicht bei ihrer Cousine und bog seine Blüten fast über ihr helles Haar.
„Daß du dieseii starken Geruch aushalten kannst, Meline,' Unterbrach Alexander sein Vorlesen, „ich Bann es kaum/. & stand auf, um mehr Luft ins Zimmer zu lassen und sah am Fenster, daß ein Gewitter int Anzug fei, der Himmel war grau bezogen, Wind hatte sich erhoben, jetzt zog eine gelbe Wand mi Südvsten auf, es wurde finster, fast Nacht, eine unheimliche Stimmung verbreitete sich draußen. Alexander zählte laut alles aus, was er sah: schon wehten einzelne Blätter auf den Rasen herab, dir Kronen bogen sich im Wind — da — ein sonderbar pfeifender Tom gleich darauf vereinzeltes Knattern und Krachen: Hagel fiel; groß, wie kleine Eier, tanzten die Eisstücke über den grünen Rasen«
Beim exften Ton war Adeline aufgesprungen und stand neben dem Bruder, sich) fest an ihn klammernd:
„Oh, wie sie tanzen! Wie Kobolde! Man sieht sie nicht falten, Mer aufspringen, vom Boden. Siehst du sie, ausschnellen, toll« Sprünge machen sie, lustig, lustig und dann liegen sie und der Rasen bedeckt sie nicht, sieh, er wird ganz weiß!" sagte sie lachend mit wachsender Erregung. Zwischen den ausgestellten Stäben der Jalousie sah sie in den Park und prallte erschrocken zurück bei jedem Eisstück, das gegen das Holz schlug. Aber Freude/ leiser Jubel war diesem Schnecken beigemischt. Sie entzückte sich an den gebogenen Wipfeln, an dem grünen Wirbel der abge- toiagenen Blätter, der zusammen mit den tanzenden Eisstucken ein heftiges Gewirr ergab. Es war, als strömten von den end- fesselten Gewalten auch Kräfte in ihren armen Körper, ^hr« Wangen röteten sich, ihre Augen leuchteten, der milde Glanz war aewichen und etwas Stahlhartes darin erwacht. Mit unsicheren, fast tanzenden Schritten lief sie plötzlich zur Wir hinaus aufdie lange Galerie. Von da konnte man den Schloßhof übersehen. Mit lautem Jubelschrei warf sie sich gegen das Fenster, hier war erst recht der Kampf und das Toben großartig. Der Hagel siel nun nicht mehr in vereinzelten Riesenstücken, er war kleiner geworden, aber dichter und der Wind peitschte ihn schräg über den Schloßhof Nn daß die Luft wie. von weißen Fahnen erfüllt war und bas Regenwasser - denn Regen fiel außerdent inStromen - fufc wild empört auf, wenn solch eine hergewehte vagelflut es traf, »Md Ivars die Körner, hie es tanzend trug, hin und her SUl wl


