Ausgabe 
10.4.1911
 
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Montag den KO. April ÄS.

Nr. 5l

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KtlechLlümz-blM M MeßemrZHÄzer (GetMtl-ZltMch.

(Nachdruck verboten!.)

Gortsetztmg.)

Stube.

Das Witwenhaus.

Roman von Helene von Mühlau.

Frau von Hilbach mtb Kofy saßen nun während der letzten, grauen Tage, die der November brachte, im Alkoven- zimmer utch fabrizierten Wachsrosen und sprachen von der Zukunft, das heißt, die Alte sprach, und Frau von Hilbach träumte, oder nein, sie dachte etwas, aber sie dachte wieder ohne ihren Willen, ließ einfach ihre Gedanken denken, was sie wollten; die schwirrten wieder wie verängstigte Vögel in ihrem Kopf.

Zn der Kosh Freude hatte sie schnell begriffen, wie «ran die Wachsrosen herstellte; sie übertraf die Alte sogar in Schnelligkeit und auch in der Schönheit der Formen.

Das sind lauter Prachtexemplare, die Sie da machen, Frau von Hilbach, die sind ganz herrlich! Sehn Sie mal, so ein Bukett aufs Grab zu bekommen, man meint, da müßt sich ein Toter noch drüber freuen!"

Der kleine Erwin versuchte auch, Wachsrosen zu machen, und der Duft des warmen Wachses durchzog die niedere Stube. Frau von Hilbach wußte nicht warmn: aber es war ihr oft, als sei das Zimmer ein Friedhof ge-

die Kraft, dann war sie verloren, sie und ihr Kind,doch gewann sie Land - - - Ach, was nutzte es ihr o> M Land geivann oder nicht--und wieso oft tnletzü .*,8, »

weinte sie sich in den Schlaf und wachte am Morgen mit müdem, schwerem Kopf auf.

Elftes Kapitel.

Frau von Hilbach lies nun jeden Dag nut ihrem Kind auf eine der Burgen, die ihr Tcmringei .tcskhen schmückten, auch nach Psorta zu ging ie oft. Die Kosh wollte es so, sie sollte sich zerstreuen, sollte nn Appetit nach Hause kommen, und ihre bleichen Wangen sollten rot

Es war ja auch ein so wundervoller Dezember in diesem Jahr, kalt, und doch nicht so, daß man ö^m Frieren kam. Windstill war die Luft und der Himmel blau und Äat'9He hatte F-rau von Hilbach ihr Witwenhaus so ge­sehen, wie sie es jetzt sah, wenn sie auf der Derrasse der Wilhelmsburg stand. Das hatte jetzt ordentlich Wurde be­kommen, stand still und ruhig und vornehm da, wie em Mensch, der sich verletzt Mlt, der /ber weun ihm ein ! tiefes Leid widerfahren, nicht reden kann, der m(e» stumm in sich verschließt. . ,

Ach mein liebes, liebes Hans," mmmerte sre oft. Sieb ich muß ja fort, die Kosh will es ja, aber du bleibst doch mein Eigentum! Kein Mensch darf Mr was antun, darf dich niederreißen oder irgend etwas an dir zerstören, ich geb es nicht zu, das verspreche ich dw Und wenn ich sterben muß, daun ich dich Erwin ans Her^ und schreib ihin einen Bries, daß er dich tu Ehren halt!

Aber das Haus blieb stumm und würdevoll, und grau von Hilbachs Blicke blieben an der braunen Haustur mW der blitzenden Messingklinke hängen. Kaum em Mensch ging da jetzt tagsüber ein und aus, nur Laugmann oder der Bäckerjunge imd das Milchmädchen, sonst niemand! Wer sollte beim auch zu ihnen kommen, zu ihr und Mr Koch I _ w, zwei so einsamen Frauen? ,

Und doch wartete sie, und wenn sie rn ihrem stubmen I am Fenster saß, lauschte sie, schalt sich töricht, wollte nicht I lauschen und lauschte doch wieder. Dann war es ihr I oft, als tanze alles vor ihren Augen; sw warf Me Arbeit hm und lief mit ihrem Kind auf die WilhelmsbuW sprach mit ihrem Haus und fragte die braune Haustür, ob sie wohl glaube, daß bald jentmtb durch sie eto

I treten würde, jemand, ach jemand, der so oft, so> oft, mw

heißer Sehnsucht erwartet worden war. sie wemte d« oben und schickte ihr Kind em paar Schritte wert fort«

I damit es ihre Tränen nicht sah, und toenü sie Nicht mehr

weinen konnte, sah sie starr zu der langen Reihe von | Fenstern im zweiten Stock. , .

Alle drei, die da oben wohnten, haben es nicht ev7 I trauen'-" sagte sie trostlos,haben ihren Verstand tier* I loren; wenn er nicht kommt, ivertu Gott nicht ein Wunder | schickt =i"

worden.

Der ganze Tisch lag voll von Rosen; die Alte sang geistliche Lieder und sprach viel von Begräbnissen und von W-enschen, die gestorben waren.Denn wenn man für Tote arbeitet, beschäftigt inan sich unwillkürlich mit ihnen!" sagt« sie, aber ihrer gesunden Seele konnte es nichts an- haben, ivenn sie an überirdische Dinge dachte.

Sie staunte nur, daß Frau von Hilbach von Dag zu Tag bleicher wurde und viel weinte.

Es ist Zeit, daß ich wieder die Wirtschaft übernehme, sonst wird sie mir krank!" sagte sie oft zu sich und war unglücklich, daß sie nicht gleich, tote sie zum ersten Mal ausstehen durste, nach dem Rechten sehen konnte. .

Jeden Tag saß sie nun ein paar Stunden tut Lehn­sessel am Ofen, aber nach einer Woche ging sie ohne des Doktors Erlaubnis zum ersten Male in die Küche und einen Tag später zum Bergabhang hinauf in ihre kleine Wohnung. Als am ersten Dezember Herr Belzig kam und die Sache mit der Pacht perfekt machte, war die Kosh so weit hergestellt, daß sie ihm und seiner Frau eigenhändig den Kaffee kochen konnte.

Sie saßen dann alle im Wohnzimmerchen am Kaffee­tisch und fetzten einen Kontrakt auf. Frau von Hilbachs Hand zitterte stark, wie sie ihren Namen schrieb.

Nun hatte sie ihr Witwenhaus nicht mehr, und wie sie an diesem Abend in ihr Bett ging, war ihr, als habe sie jemand in ein Wasser gedrängt, und es käme nun «wrauf an, ob sie zu schwimmen verstände. Gebrach ihr