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Ich bat fie, Mut zu fassen intit nicht zu verzweifeln, wählte einen großen Baum aus, dessen untere Zweige stark und breit waren und von unseren Feinden nicht erreicht werden konnten, Hais meiner Frau hinaufsteigen und vetterte ihr nach. Es war die höchste Zeit, denn kaum hatten wir uns in eine bequeme Stellung gesetzt, als das neue Rudel hungriger, wild heulender Bestien ankam, die ihre Feueraugen gierig nach uns emporrichteten. Wir waren sicher, mußten aber eine lange furchtbare Nacht zu- briugen und auf ihr scheußliches Wutgeheul hören, während wir schmerzerfüllt an unsere Kleinen daheim dachten. Tie Nacht war entsetzlich kalt, und trotz meiner Bemühungen, mein stockendes Blut in Umlauf zu erhalten, wurde ich noch vor Morgen so benommen, daß ich mich aufgegeben hätte und gestorben wäre, wenn nicht fortwährend meine Frau flehend gebeten hätte, um Gotteswillen auszuhalten und sie nicht zur Witwe und unsere Kinder zu vaterlosen Waisen zu machen. Endlich dämmerte der Morgen, und nie wurde das Tageslicht mit größerer Freude begrüßt. Unsere Feinde stahlen sich, einer nach dem andern, hinweg und ließen uns allein. Sowie sie erst fort waren, glitt ich herunter und brachte durch Herumlaufen Wärme in meine Glieder. Dann half ich meiner Frau herunter, und wir eilten nach Hause. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß wir gerade zur rechten Zeit kamen, um unsere armen, zu Tode erschreckten Kinder aus ihrer Angst zu befreien. Sie sprangen, als sie uns kommen sahen, halb sinnlos vor Freude uns entgegen und stürzten in stnsere Arme.
Die deutsche Tierwelt und die Dürre.
K-f. Der erstaunlich heiße, dürre Sommer dieses Jahres hat in der heimischen Tier- und Pflanzenwelt Erscheinungen bervor- gerufen, die meistens salsch gedeutet worden sind. Aus den außer« gewöhnlichen Erscheinungen in der Tier- und Pflanzenwelt glaubt man gewöbnlich, Schlüsse aus die künitige Witterung, insbesondere des Winters, ziehen zu können.
Demgegenüber betont nun der Meteorologe Dr. Wilhelm R. Eckard t in der „Natur", der Zeitschrist der Deutschen natur» wissenichaitlichen Gesellschaft, daß zwischen dem Perdalten der Tiere während des Sommers und der tmvtiqen Witterung durchaus kein Zusammenhang besteht, und setzt im Anschluß daran auseinander, wie das Verhalten unserer Tiere zu erklären ist. Am auffälligsten war das abiveicheiide Verhallen bei Bienen und Zugvögeln. In vielen Gegenden sind die Zugvögel sehr frühzeitig nach dem Süden geflogen. Tie Erklärung dafür ist die folgende: Unsere Ziigvögel iveilen im Sommer bei uns, um hier ungestört ihre Brutgeichäste erledigen zu können. Daraus folgt, daß sie desto früher abziehen können, je günstiger der Sommer für sie ist, denn weiin die Brutqeichäile erledigt sind, haben sie bei uns nichts mehr zu suchen, (sine Ausnahme hiervon hat tn diesem Jahre das tauge Verweilen der Schwalben in manchen Gegenden gebildet. Die Schivalben haiten in der Mitte des August ober gar noch früher die zweite Brut hinter sich und konnten, da dre gewöhnliche Zeit ihrer Abreise noch nicht gekommen war und sich ihnen viel Nahrung bot, noch zli einer dritten schreiten, während in den früheren, regnerischen Sommern der Jahre 1905, 1909 und 1919 nicht einmal die zwelte Brut hatte anigezo ien werden können.
Bei den Bienen war die Antwort auf den heißen Sommer ein Verkleben aller Fugen und Ritzen ihrer Behausung mit Wachs. Ter Zusammelihang ist folgender: In (Seqenben, wo es ferne Heide gibt, ober wo bleie infolge der Trockenheit schlecht honigte, gab es nach dem Aiblühen der Linden feine Blüten anderer Pflanzen mehr, aus denen die Bienen hätten Honig holen tonnen, da ja alle Wiesen und Raine voir der Sonne versengt touren. Infolgedessen war für die Bienen die Hauottracht, die übrigens tn diesem Sommer sehr reichlich war, beenbet; sie haben nun genug Vorrat für den Winter und schließen emiach die Wohnungen gegen den nustrocfnenben Luftzug, vor allem aber gegen das Eindringen gefürchteter Schmarotzer lustdichl ab.
Die Tiere, die im Erdboden hausen, stiegen infolge der Dürre in größere Tiefen hinab, z. B. Regenwürmer, Engerlinge und M a u l iv ü r f e. Der Grund hierfür ist, daß Engerlinge und Regenwürmer die Feuchtigfeit aufsuchen, während die Maul« tuürfe, die von Engerlingen und Regenwürmern leben, ihren Bewetteren in die Tiefe folgen mußten. Häusig war im Sommer auch die Beobachtilug zu machen, daß die Maulwürfe an die Erdoberfläche kamen, sich eine Zeitlang sehr auffällig gebärdeten und bann starben. Wahrscheinlich halle dieses 1 erhalten seinen Grund darin, daß die vom Maulwurf unterirdisch angelegten Tränken versiegt waren unb die Tiere infolgedessen, vom Durst geueuugt, in ihrer Todesangst an die Oberfläche kamen, um hier Wasser zu suchen. ______________
vermischtes.
kf. Der Hund des Roten Kreuzes. Das italienische Rote Kreuz rühmt sich des Besitzes eines hervorragenden Hundes, der sich gegenwärtig auf dem Kriegsschauplatz in Tripolis sehr nützlich erweist. Der Hund hört auf den Namen Jimmi, ist seiner Abstammung nach ein kräftiger Däne, und da er ein besonders gelehriges und geschicktes Tier ist, so hat ihn das Rote Kreuz in
folgeicher Weise in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Ans Jimmis Hals ist auf passende Weise eine Büchse befestigt, und so ausgerüstet, wird der Hund auf die belebtesten Plätze, an di« Straßenkreuzungen, auf die Märkte und wo sich sonst in Tripolis Menfchen zusammenzufinden pflegen, geführt. Dort vollführt er allerlei Künste, Tänze, possierliche Sprünge und dergleichen mehr, die das Volk ergötzen. Es regnet Münzen in seinen Kasten und Jimmi bringt regelmäßig eine schöne Tagesernte heim, die int Interesse der verwundeten Bersaglieri verwandt wird. Wenn man der Mitteilung eines Pariser Blattes Glauben schenken darf, so hat Jimmi in einer knappen Woche dem Roten Kreuz drej Summe von 30 000 Lire durch seine Künste eingebracht.
* Tie Kommandouse. „Also Ihr Herr Gemahl haß das Rauchen aufgegeben? Dazu gehört aber eine fabelhaft« Energie, gnädige Frau--". — „Ja, die habe ich — —
* Aufmunterung. „Fräulein Lieschen, ich kann mich an Ihnen gar nicht satt sehen!" — „Nun, so beißen Sie doch an, Herr Knebbchen!"
Büchertisch.
—> Zeiten und Völker. Monatshefte für Geschichte, Kulturgeschichte, Länder- und Völkerkunde. Heft 5—10. Franck h- sche Berlagshandlung, Stuttgart. Preis für den Jahrgang (12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen) 4,80 Mark. Tie Monatsschrift „Zeiten und Völker" bietet dem für alle bedeutenden Erscheinungen des Kultuslebens Interessierten eine gediegene und vielseitige Ueberschau. Namentlich dem geschichtlichen und politischen Leben sind eine Reibe hervorragender Aussätze gewidmet. So behandelt Alb. Wirth Probleme der Weltpolitik in der Abhandlung „Von Tanger bis Kuldscha"; Karl Lamprecht würdigt „'Die Weltstellung des alten Reiches". Höchst interessante und überzeugende Tatsachen bringt Prof. W. F. v. Mülinen zur oft erörterten Frag« von Ludwig XVII. und Naundorfs. Auch Marokko wird völkerkundlich beleuchtet in dem Auffatz „Das Judentum in Marokko". Und aus der Feder Fr. Ratzels stammen noch eine Reihe von! Artikeln, die das Schicksal der vielbeliebten Reisebeschreibungert eingehend und geistvoll besprechen. In die zugleich gefühlsrohe und geWhlstiefe Zeit des Raubrittertums versetzt uns 'Dr. F. Riefer, dessen Darstellung aus den Chroniken und Liedern jener schwankenden Zeit schöpft. — Sehr mannigfaltige Anregung bietet die Beilage „Der Sammler", die sich mit kulturgeschichtlich wertvollen Drucken, Büchern, Kunstwerken aller Art beschäftigt. Ein« Rundschau und eine sorgfältig gepflegte Bücherschau ergänzen den reichhalttgen Gesichtskreis der gediegenen Zeitschrift. Eine wertvolle Zugabe für die Abonnenten bilden die Buchbeilagen, die zweimal jährlich erscheinen.
— Fahrten und Abenteuer des Herrn Steckel- bein. Eine wunderbare und ergötzliche Historie. Nach Zeichnungen von Rudolf Töpffer. In Reimen von Julius Kell. 6. Auflage. Mit 150 farbigen Bildern und buntem Einband. Verlag F. A. Brockhaus. Nichts für Leute, die ihre Kinder statt ins „Weihnachtsmärchen", zu Ibsen und Hauptmann ins Theater führen. Modern ist der Steckelbein trotzdem. Er fährt zwar nicht int Luftschiff, aber, was erstaunlicher ist, im Walsischbauch. Er erfriert und wird wieder aufgetaut, er rennt schneller als bet Löwe — kurz, er erlebt Wunderbares. In neuem, modernen Gewände wird das lustige Buch sich unausgesetzt neue Freunde erwerben.
— Theaterkalender auf das Jahr 1912. Im Verlag von Oesterheld u. Go., Berlin, ist soeben der von Dr. H. Landsberg und Dr. A. R u n d t herausgegebene, bestens bekannte Theaterkalender für das nächste Jahr in bcr schönen und schlichten Ausstattung erschienen, die wir an ihm gewöhnt sind. Der reiche Inhalt beschäftigt sich mit allen die Bühne betreffenbett Fragen und wird sowohl dem Schauspieler, als auch dem Theater« liebhaber ein willkommenes Büchlein sein»
rlreuzratsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben
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iii 111 n nnnnnnn oo ppprrs ttuuuu derart einzutragen, daß bi« senkrechten unb wagerechten Reihen gleichlautend solgenbes ergeben:
1. Stabt in Württemberg,
2. Eine Krankheit.
8. Stabt in Norbbeutschland.
Auflöiung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer» Wiege, Rufen: »rote gerufenl*
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße»


