Ausgabe 
9.11.1911
 
Einzelbild herunterladen

704

Saviony stellte mich ihm vorher vor. Es mar bei Tisch eine Art feierlicher Diunlerkeit Es war eine große Tafel; die Familie von Guaita und Senator Thomas waren noch dabei. Eine Stunde nach Tafel sagte der Wilhelm:Der Goethe wünscht deine Skizzen­bücher! Und was du noch von Zeichnungen von Kassel Hash nimm mit!" Wir gingen zu ihm und da sah ich dann von Kopf bis zu Fuß den berühmten Mann. Er war nicht groß, aber gut proportioniert, hatte einen kleinen Ministerbauch und war schwarz angezagen, reichte uns beiden die Hand und war sehr freundlich, sprach langsam. Wir setzten uns dann alle drei und er sprach zuerst mit Wilhelm über gelehrte Sachen. Sein Gesiebt war von Tisch, roo er dem Johannisberger (Silier gehörig zugesprochen hatte,

Wie er meine Bücher bemerkte, sagte er:Ah, da bekommen wir auch etwas von der Kunst zu sehen!"

Goethe betrachtete alle Skizzen, Bildnisse und Landschaitsstiidien sehr langsam und eingehend. Nach Boisserees Angabe sagte er nachher:Jeden Sommer wachsen Rosen; die Talente sind immer da, wenn sie mir entwickelt werden."Ich hatte das Gefühl," erzählt Ludwig Grimm iveiter,daß er bei den meinen feiner Aeußerungen den Nagel auf den Kops treffe. Bei manchen Skizzen riet er mir an, dazu ernste Studien zu machen, davon würde er raten, ein Bild zu malen usw. Aber ich muß gestehen, daß die meisten, die er als die gelungensten nannte, mir am wenigsten ge­fielen. Die Kopie iand er nicht ausgeiührt genug.Freilich," setzte er hinzu,Umstände und Zeit erlauben nicht immer eine größere Ausführung." Aber mit Stellungen und charakteristischer Auffassung war er zufrieden, gab auch an, zu ivelchem Bilde dieser oder jener Kopf sich eigne. Einen lebensgroß ausgeführten Kopi unserer schönen Cousine Amalie Bnrchardt lobte er sehr und sagte sehr ernst:Ich wüßte zu einer Eva keinen schöneren, passenderen Kopf" usw. Mit den Landschaftsstudien >var er, ivas mich sehr wundert, auch lobend; ich hatte ivenig Uebuug, und gar nicht, was die Landschaftsmaler eine Manier nennen. Ich habe Bäume, Baumstämme, Wurzeln, Blätter, Pflanzen ohne irgend eine Planier nachgezeichnet, aber man sah, es war Natur in den Zeichnungen, und das mochte er wohl lobend hervorheben. Auch mit der Auf­fassung ganzer Gegenden war er zufrieden. Er sprach noch lange über Kunst und kam so nach und nach in sein Lieblingsthema, die Mythologie, die mir von jeher zuwider war. Es mar aber höchst interessant, ihm zuzuhören, nnb da konnte man den Glanz und Geist feiner Augen recht erkennen. Nach und nach kamen bann mehrere ins Zimmer, und das Gespräch wurde allgemeiner . . .*

Sterbende Elefanten.

Es klingt wie eine Sage, daß ein Elefant, der feinen Tod herannahen fühlt, ein Versteck anffucht, um dort in Ruhe zu sterben. Keinem anbereit Tiere würden wir die Ausübung einer solchen sGewohnheit zutrauen. Gegenüber diesem weisesten aller Tiere laber werden wir unsere Zweifel etwas einzuschränken haben. Hat man doch schon seit den ältesten Zeiten den Elefanten besondere geistige Kräfte, ja geradezu eine fast menschliche Weisheit zu- getraut. Die Inder haben alle anderen Tiere in ihren Schöpfungs- sagen von den Göttern erschaffen lassen der Elefant aber war schon vorher da.

Bon manchen Seiten sind Zweifel ausgesprochen worden, ob der Elefant wirklich sich beim Herannahen seines Todes in ein Versteck zurückziehe. Tatsächlich sprechen mancherlei Gründe für die Berechtigung dieser Ansicht. Erzählen uns doch erfahrene afri­kanische Elefantenjäger, daß es zu den allergrößten Seltenheiten gehört, wenn man den Leichnam eines Elefanten trifft, der eines Natürlichen Todes gestorben ist. Nun könnte man meinen, daß Geier und andere Geschöpfe, die sich vom Fleisch gefallener Tiere nähren, die Leichname der Elefanten bald verschwinden lassen. Dann müßten doch aber ihre riesigen Skelette übrig bleiben, und vor allem müßten ihre Zähne gefunden werden. Schon ans diesem Grunde ist es also wahrscheinlich, daß -der Elefant wirklich einen Versteck aufsucht, wenn er seinen Tod herannahen fühlt.

Das allerwunderbarste an der Sache ist aber dies, daß wir lanzunehmen gezwungen sind, daß Hunderte von Elefanten im Lause der Zeit denselben Versteck zu wählen pflegen.

Emin Pascha war wohl der erste, der das tatsächliche Vor- handmsein solcher Sterbeplätze feststellte. Auch zeigte er, daß -einige Männer, die Vorgaben, große Elefantenjäger zu sein, diesen Berus tatsächlich gar nicht ausübten, vielleicht, weil sie die Ge­fahren fürchteten: sie verschafften sich das Elfenbein, das als Beweis der Tötung eines Elefanten zu gelten pflegt, nur dadurch, daß sie durch Zufall einen dieser Verstecke entdeckt hatten und sich dort genügend Elefantenzähne holen konnten.

t Ein weiterer Beweis für das Vorhandensein dieser Massen­sterbeplätze ist die Tatsache, daß es zuweilen vorkommt, wenn ein­geborene Elfenbeinhändler einen Auftrag zur Lieferung einer bestimmten Menge von Elfenbein in besonders kurzer Zeit er­halten, während gleichzeitig die Zahl utib der Umfang der vor­handenen Elefautenherden, wie man weiß, gering ist, daß sie dann doch imstande sind, den Bedarf in ganz kurzer Zeit zu decken. Vielfach fehlen dann alle Anzeichen dafür, daß eine große lElefantenjagd stattgefunden hat. Es liegt also aller Grund zu

der Annahtne vor, daß'ch diese Männer sich art einem EkefaMH* Sterbeplatz mit einer genügenden Menge Elfenbein versehen Havert/ Afrikanische Jäger sind der festen Ueberzeugung, daß Emir« Pascha weit mehr als einen dieser Sterbeplätze getgnnt habe. Sid glauben aber auch, daß die Männer, die die Expedition zu seine« Aufsuchung betrieben und ausführten, mindestens ebensosehr darauf aus waren, das Elfenbein dieser Sterbeplätze zu entdecken wie den verloren gegangenen Emin Pascha. Es liegt eben im Interesse eines jeden Weißen und eines jeden Eingeborenen, der durch einen günstigen Zufall einen dieser Verstecke entdeckt hat, seine! Kenntnis geheim zu halten. So ist es ein rein finanzieller Grund/ der uns bisher nähere Mitteilungen über die geheimen Verstecke de« Elefanten nicht hat erhalten lassen.

Vermischte».

* Der Einfluß der Wolkenkratzer auf die W it- f erlun g. Im Jahre 1898 wurde das Wetterbureau von Neuyor? im 20. Stockwerk beä American Surety Building, Broadway No. 100 untergebracht. Damals ragten die auf einem 14 Meter hohen Stahl türm des Daches angebrachten 'A-ufirahmeapparate/ Windfahne und Windmesser weit über die Dächer der Nachbarschaft hinaus. Seit 1902 sind aber in einem Umkreis von 200 Metern um das Wetterbureau nicht weniger als 14 annähernd ebenso höhst neue Gebäude entstanden, vvn beiten drei Höhen von 197, 156 und 133 Metern erreichen und es erheblich überragen. ®te Folge davon ist, wie Wilhelm Krebs in der Wiener ZeitschriftUrania mitteilt, daß die vom Wetterbureau verzeichneten Windrichtungen! ganz andere sind als früher eine Tatsache, die also nicht von! klimatischen, sondern von baulichen A-euderungen veranlaßt ist. Es besteht ganz deutlich eine Abnahme der gemessenen Wind-, geschwindigkeiten und eine Ablenkung mancher Winbrichtungen.- Unb zwar sind, wie Vergleiche mit bett früheren Messungen anj der Station selbst unb mit gleichzeitigen Messungen an vier oben fünf benachbarten Stationen ergaben, die Aenderungen über Er­warten bedeutend. Besonders die Nordwinde haben ab genommen, solche von mittlerer Stärke (6 Meter in der Sekunde) um 45 Proz. Aber nicht nur die Windgeschwindigkeiten, sondern auch die Anzahl der Tage mit Wind lassen seit .1902 eine starke 'Abnahme gegen­über Nachbarstationen erkennen. Von dein Windrichtungen weisen überhaupt Nord und Süd ein -erheblich geringeres Vorkommen in den späteren Aufzeichnungen auf, während Nordost-, Ost- und' Südwestwinde in ungefähr der gleichen Häufigkeit bemerkt werdest wie früher. Das entspricht -der von Norden nach Süden lang­gestreckten Gestalt des Hauptteils von Neuhork auf der Manhattan- Insel. ________

Vüchertisch.

Georg Freiherr von Ompteba: Die To chket! des großen Georgi. Theater-Roman. Verlag von Egon Fleischel & Co., Berlin W. Von jeher hat die Welt der Bretter die Dichter gefesselt, und in seinem neusten Roman führt uns auch Ompteda auf den heißen Boden des Theaters. Wie die Tochter des großen Schauspielers alter Schule, die ängstlich der Sphäre des Vaters ferngehalten wird, den Weg findet, dahin, wo ihres Ruhmes Stern leuchten soll, wie sie von kleinen An­fängen, durch alle Widerwärtigkeiten des Schmi-erendaseins, immer bewußt des künstlerischen Zieles, langsam auffteigt, wie sie durch die Tiefen der Leidenschaft geht, um- im Innersten zu empfinden,- was sie durch ihre Kunst andere empfinden lassen will; wie die Schlacken der Alltäglichkeit, die Kleinlichkeiten und Hindernisse allmählich zurücktreten und ihr Flug frei wird zu bett Höhen> wie sie endlich ihr Ziel erreicht unb als -eine große Künstlerin basteht, das hat der Dichter mit viel feinen und geistvollen Zügen aufgezeichnet, und es ist ihm gelungen, ein Meuschenschicksal vor dem Leser zu entrollen, bas ihn aufs tiefste -ergreift unb fesselt. _______________

Logogriph.

Ich bin aus altem Geschlechte Und hatte der Brüder viel. Mein Vater mußte einst fliehen; Er trieb ein falsches Spiel.

Statt ,,e" füg' ein anderes Zeichen In meinen Namen hinein.

Sogleich hast du geformt dir Einen schönen Edelstein.

Auflösung in nächster Nummer»

Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummert

E B D

Erdbeeren d c 1

b h 1

B ec h s tein e t n

r e g

Dellinger nur

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lang«, Gießen.