Ausgabe 
9.8.1911
 
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war das schon rein

Das nette Mädel.

Roman von Fedor von Zobeltttz. tNachdruck verboten,) (Fortsetzung.)

Wenn Kruse warm wurde, war er ein prächtiger Sprecher. Er hatte ein schönes sonores Organ. Die Worte formten sich ihm leicht, und wenn sie wie em Wirbel inetallener Klänge von seinen Lippen fielen, so war das schon rein phonetisch so bestechend, daß man darüber das Paradoxe seiner Gedankensprünge vergessen

konnte.

Auch Traute stand unter der Wirkung seiner Sprache. Sie sah aber auch den Mann, der ein anderer geworden zu sein schien, als er vordem gewesen war. Sein Gesicht war wie mit frischem Mut übergossen, und unter dem schwarzen Sammet seiner Augen brannte es. Jetzt wen­dete er sich wieder seinem Bilde zu. Er drehte ihr halb den Micken. Der Daumen seiner Linken zeichnete m der Luft die Konturen des Irrlichts ab und plötzlich kehrte er sich mit ruckartiger Bewegung um und sah sie an. ,

Bor diesem Blick empfand fie fast etwas wie Furcht. Es war nicht mehr der Künstlerblick, der überlegende und zugleich verklärende. Sie fühlte diesen Blick auf ihrer bloßen .Haut, und instinktiv schob sie wieder ihr Haar über Schultern und Hals.

Er lächelte.Sie sind feige, Traute," sagte er. ,,^ch verstehe Ihre Bewegung. Sie sollte eine Abwehr sein gegen Begehrendes. Und in der Tat: jetzt bm ich ern Mgehreu- der Ich will Sie besitzen als Künstler und als Mensch. Ich weiß: das Bild, in das ich mich vernarrt und verrannt habe, wird nie fertig iverden, so lange Sre nicht die Mrrne sind. Auch der Nebelreif soll sich noch tn Formen wandeln, der Kopf verlangt nach einem Mädchenleid, der mit ihm ut Eins verfließt. Denn so erst wird meine Gestalt zu iem, was ich will: zu einer Personifakation der verführenden Keuschheit." , _

Traute fuhr jäh tn die Höhe. Der künstliche Mondenschein spielte über kalkige Wangen. Sre hob die Hände: sie wollte etwas sagen. Aber er faßte ne an den Armen, weich und zart, und drückte sie vorsichtig wieder iticbcr.

Bitte," sagte er,ich bin noch nicht zu Ende. Es komnlt auch nichts Fürchterliches mehr. Bis jetzt sprach der Künstler. Der Mensch möchte ein Wort hmzufngen. Ich habe Sie lieb gewonnen. Ich iveiß nicht weshalb. Mag sein» daß auch mich das Irrlicht lockt. Aber was rein zu den Sinnen spricht, spricht auch zum Herzen: es sind keine Kontraste dabei. Ich bitte Sie: werden Sie mein Weib. So wie Sie wollen: in freier Hingebung oder durch gesetzliche Bindung. Weim Sie mich genauer kennen wur­

den, würden Sie wissen: es ist viel, daß^ichi das sa^ Aber ich respektiere Ihre Wunsche - und fehlt ^hnen auch noch der Segen des Himmels, so mag^Moebms setnes Amtes walten. Ich bitte nur um raschen Ent, chluß^ Wemr Sie ja sagen, können wir den nächsten Mond schon über dem Lido aufgehen sehen."

Er stand jetzt dicht vor ihr, und da hatte sie keine Anast mehr. Auch die Augenblicksstimmung der Empö­rung hatte sich verflüchtigt. Es lag in seiner Art der Wer­bung so viel Originelles, daß ste fast heiter war. Aber sie blieb geflissentlich ernst. Sie wollte den Mann nicht kränken. Sie fühlte doch, daß aus ferner Etgenart ettte ^""^Jch^möc^te^ Ihre Hand haben, Professor," entwortete sie und erhob sich langsam und nahm dabet feilte Rechte und schüttelte sie kräftig.So das ist metn Dank mr Ihr ehrliches Wollen. Darüber hinaus komme ich nicht. Ich würde eine schlechte Frau .für Sie sem. Ich bin zu klein für Ihre Größe. Ich bin tn allem ^hr ^Die^Flurklingel schlug an. Traute schrak leicht zu­sammen und wollte hinter die spanische Wand huschen. Aber Niels hielt sie zurück.

Keine Sorge," sagte er.Adan überrascht, uns nicht. Die Zwölfmark hat ihre Weisung. Traute, was Sie reden, Bbraic. Ah ja, ganz einfach Phrase. Ich konnte mit Phrasen antworten, zum Exempel die alte Weisheit von der Anziehung der Gegensätze neu aufwarmen. Aber jen» seit der schönen Schlagworte steht mir Höheres, ^ch war me kühl und berechnend. Ich war immer em Enthusiast Als Sie mir am Sonntag sagten, Sie wollten heute zum ätzten Mal zu mir kommen, war ich mit imr im Remen. Da kam mir ohne Uebergang das Bewußt,em nierner Liebe. Aber Ruhe auch die Liebe soll keine tönernen Fuße haben Bei uns hat sie wenigstens Füße aus Silber, habe keine Reichtümer erspart, weil ich immer em Verschwender war. Doch ich verdiene v.iel; ich bin, es clmgt ekelhaft, ich bm in der Mode. Trotzdem nicht modern; mehr von der alten Art: ein wenig Grübler, ein wenig Phantast, sogar em bissel hausbacken. Immerhin ein guter Kerl. Sie können es beruhigt mit mir versuchen."

Das wäre ein Frevel, lieber ^reund. Dazu bm ich nickt leicbtherzia genug. Meinzweites Gesicht tauscht Sw Wir würden unglückliche Leute werden, wenn wrr uns finden wollten." . . . Sie lächelte gutmütig . . .Pro- fefoi eiqenW follte ich toi« fein. R- UetaM hat intcb erschreckt Aber ich bin schon wieder darüber hinaus. Ich will auch mein Versprechen halten. Ich sehe, dw Mög- lickkeit lieat vor, daß Sie den Kopf des Irrlicht» heute beenden"können. Ich will artig posieren bis Sie fertig sind. Aber ich muß Ihr Wort haben, daß Lre nicht mehr von Ihren Torheiten anfangen. Sonst gehe ich lieber

i nicht," sagte er.Traute, Sie haben recht: eK.