Lift auf die Straße, und James zog dein Bruder Utft Sette, unt ihn von Kopf bis Fuß zu musterns „Kopf hoch, John! Nimm dir
Miß Ffinch zu Hanse?" fragte James.
'Ja, mein berr. Wollen Sie sich bitte heraufbemülstn?" Bor einer Tür blieb das Mädchen stehen, „Wen darf ich melden?"
,Lames und John Moxon." .
In dem hübschen Wohnzimmer am Tisch ,aß Miß Ffinch. Bed» Eintritt der Gäste sah sie von einem Modejournal auf und erhob sich in reizender Verwirrung. Die Brüder verneigten sich tief, und James fing an: „ , , ,
„Verzeihen Sie, Miß Ffinch, daß wir ohne Erlaubnis zu Ihnen kommen. Aber der Grund unseres Besuches rechtfertigt wohl unser Eindringen hier. Vor einer halben Stimde erzählte sch meinem Bruder von unserer Verlobung —
Lächelnd neigte Miß Ffinch das Haupt. -
„Ich dachte dock, James", sagte sie dann saust, „es sollte vorläufig geheim bleiben. Selbst meine Mutter weiß noch nichts davon. Aber Mr. John wollte mir wohl sofort gratulieren?"
John schnappte nach Luft. Ihre Keckheit raubte ihm ein paar Sekunden lang den Atem.
„Schwerlich!" rief er dann zornig ans. „Ich wollte Sie Nur daran erinnern, daß Sie mir Freitag Ihre Hand versprochen
....._______' ein Beispiel an mir. Wir
müssen unser Schicksal mit Würde und Gelassenheit tragen und nicht vergessen, daß wir Männer sind, wenn man uns auch grausam behandelt hat."
John reichte dem Bruder die Hand.
„James, ich werde weder meinem Geschlecht noch meinem Namen Schande machen. Verlaß dich auf mich!
In West-Street 117 angelangt, schellten sie, und ein Dienst
haben."
Das junge Mädchen runzelte bte Stirn.
„Ich?" sagte sie daim in stagendem Tone. Ihr Gesicht war so ruhig und trug den Ausdruck so vollkommen höflicher Zurückweisung, daß der junge Mann im Moment überlegte, ob er jenen Zwischenfall nur geträumt hätte. Ob nur ihre weißen Veilchen und die Uhr im Armband (es war gerade James Bureauwoche) cs ihm so unmöglich scheinen ließen, daß er'ihr zärtliche Worte zugeflüstert und sie verliebt angesehen haben sollte — sie Freitag gar umarmt und geküßt hatte?
James Ihm ihm zu Hilfe.
„Leugnen Sie es," fragte er.
„Ganz entschieden," lautete die Aittwort.
>,Zeihen Sie meinen Bruder einer Unwahrheit?"
„Nicht direkt."
„Molleit Sie mir schleunigst Ihr „nicht direkt" näher «pklären?"
„Sie guälen mich so", schmollte die junge Dame. „Und doch fann ich mich wegen der Beschuldigung, die Mr. John gegen Mich erboten hat, vollkommen verantworten."
„Das will ich ja gerade hören!" entgegnete John.
„Sie sollen es nicht nur hören, sondern auch sehen."
Mit diesen mysteriösen Worten drehte sie sich um und öffnete die Tür nach dem Nebenzimmer.
„Violet!" ries sie.
Ein junges Mädchen kam herein, bessert Anblick geradezu lähmend auf die Brüder wirkte. Sie wurden blaß und atemlos vor Staunen. Und doch hatte diese Erscheinung durchaus nichts Schreckenerregendes an sich. Die Eingetretene sah vielmehr etn- nehmend genug aus und hatte ein ebenfalls blaues Chevrotkleid an wie Miß Ffinch, der sre überhaupt in allem glich.
John fand endlich die Sprache wieder und faßte des Mtsels Lösung in Worte:
„Himmlischer Vater — Es sind zwei!"
Wie die sprichwörtlichen beiden Erbsen ähnelten die Mädchen vor ihnen einander. Man konnte sie nur an den verschiedenfarbigen Veilchen, die sie angesteckt hatteit, unterscheiden.
Die Damen Finch — das zweite ,,f" war ein Scherz, mit dem sie leise andeuten wollten, daß sich zwei unter dem Namen verbargen — waren Zwillinge, die sich außergewöhnlich, ja beunruhigend glichen. Auf diese Aehnlichkeit bauend, hatten sie es zu ermöglichen gewußt, Heim- und Bureauleben zu verbinden. Die Mutter brauchte stets nur eine zur Gesellschaft, und da ilhnen die Zeit lang wurde, sollte die andere Korrespondentin werden. Blanche fand ihre Stellung und gewann Einblick in das Arbeitsteilungssystem der Brüder. Da erst kam ihr der Einfall, daß'sie mit ihrer Schwester gemeinsam, bei wöchentlicher Abwechslung, ihr Amt verwalten könnte.
Der Versuch gelang. Aber als die Brüder sich in ihre Korrespondentin verliebten, wurde die Lage schwieriger. Wiederum vereinfachte sich die Lösung dadurch, daß Blanche wirklich James zugetan war, während Violet John liebte. Jetzt konnten die Mädchen den Brüdern erklären, wie sie in den Verdacht der „Falschheit" gekommen waren. So mußte Mrs. Finch beide Töchter hergeben und die Chefs verloren ihre Korrespondentin.
Ihre Frauen bestehen darauf, daß fortan ein Sekretär die Schreibarbeit im Bureau übernimmt.
vermrschtss.
* Die „Examenskrankheit". In der eifrigen Er« örterung pädagogischer Probleme, die gerade in unserem Zeitalter sich so lebhaft mit dem Seelenlebeir des Schülers beschäftigt- spielt die Examensfrage eine besondere Rolle, und es fehlt nicht an Pädagogen, die die Prüfungen beseitigen möchten, weil bte Examinanden diesem entscheidenden Tage ost mit so großer Gr* regung entgegen gehen, daß ihre Leistungen im Examen dann eins völlig falsches Bild von den Fähigkeiten des Prüflings geben, der auf der anderen Sette durch die ExamensfmM nicht feiten; das Opfer schwerer nervöser Erregungen wird. Ein französischer! Pädagoge, Binnet in Versailles, hat nun eine Reihe außerordentlich lehrreicher Versuche angestellt, die ein Bild von den körperlichen Folgewirkungen der Examensfurcht vermitteln. Bei dieser^ Versuchen, so teilt Prof. Frassi in der Jgieue della Scuola mit, zeigte es sich, daß in der Zeit von Mai bis August, den Monaten, die dem Examen voraufgingen, von 20 Schülern nicht weniger als 12 eine erhebliche Abnahme des Körpergewichts aufwiesen. Dies« französischen Beobachtungen werden durch die Studiert eines rufst* scheu Pädagogen in ihrer Tragweite noch verstärkt. Am Moskauer Gymnasium hat der Prof. Jguatieff ähnliche Versuche angestellt.! Seine Untersuchungen erstreckten sich auf die Schüler der höchste»! Lehrklassen, auf junge Leute von 18 Jahren, die vor der Reifeprüfung standen. Dabei zeigte sich, daß mit Ausnahme eines einzigen Schülers sämtliche angehenden Prüflinge in den letzten Tage» vor und während des Examens eine so erhebliche Einbuße an Körpergewicht erlitten, daß man zweifellos berechtigt ist, von einer „Examenskrankheit" zu sprechen. Wenn sich auch bei den meisten SckMern die Folgert dieser von körperlicher Schwächung begleiteten seelischen (Erregung mit der Zeit wieder verwtsüMt mögen, so bleibt es doch fraglich, ob gerade in unserem Zettalter der Nervosität nicht doch viele durch die Examenskraukhett einen Schaden erleiden, der sich nie mehr völlig beseitigen läßt. Die Geschichte der Prüfungen kennt übrigens attd) schwerere Fälle: erst vor wenigen Jahren fiel eilt Student an der Universität Madrid während des Examens infolge der Austegung zu Boden: er war tot. An der Universität Salamanca füllte kürzlich bei einem Examinanden die Aufregung eine solche Ueberreizung des Geistes herbei, daß er vor und während des Examens deutliche Zeichen von Geistesverwirrung ablegte. Der italienische Pädagoge, der sich mit diesen charakteristischen Fällen eingehend beschäftigt, kommt dann auch auf die Einteilung des Stundenplanes an den Schulen zu sprechen und tritt mit aller Energie dafür ein, an allen Lehranstalten ein für allemal die Schulzeit ausschließlich auf den Vormittag zu begrenzen und dabei niemals ein Maximum von fünf Stunden zu überschreiten. Diese fünfstündige, von kurzen Pausen durchbrochene Arbeitszeit ermögliche es dem Schüler, sich am Nachmittage frei zu fühlen und wirklich auszuruhen,: zugleich würden sich dadurch die Früchte der Lehrarbeit verbessern, weil das Gehirn dann ruht tmb die am Vormittag aufgenommenen Eindrücke sozusagen verdauen kann. „Man weiß sehr gut, daß die zweistündige Mittagspause in Wirklichkeit keine Rul-epause ist, und die Erfahrung zeigt auch, daß alle Kinder in den Nachmittagsstunden unter einer Anspannung leiden, die die Aufmerksamkeit beeinträchtigt und damit die Arbeit für die Schüler verdoppelt, ohne damit entsprechend größere Ergebnisse erreichbar zu machen."
* Erledigt. „Du — eben hat mir Ernst um 'n Dahlev angepumpt! Weeste--„ja" könnt ick nich sagen imb so
flottweg „nee" wollt ick ooch nich sagen, da hab ick denn bett joldnen Mittelweg einjeschlagen ..." — „Na — und —? 1 — „. . . und hab ihm eens in die Schnauze lefraun!
Logognph.
Wenn an schönen Frühlingstagen Dich die Pflicht geiangen halt, Wünschst du wohl, ich könnt' dich tragen In die weite, weite Welt.
Doch wenn meine beiden Enden Tu mir abgeschnitten hast, Wirst du wohl dich,.von mir wenden, Ten» nun bin ich dir verhaßt.
Auflösung in nächster Nummer;
Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer k Abkürzungen: tr = Treff, p — Pique, c — Coeur, cm = Garreau, trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. s. f.
Vorderhand erhielt: cB, carB, trK, trö, tr8, tri, carA, carD, car8, cnr7, int Skat liegen trD und car9, Mittelhand hat den Rest,
Spielg> n.i:
1. V. carA SOI. trZ £>. carK= — 25,
2. V. caiD M. cZ H- carZ — — 23.
3. Dl. pK H. cK B. carB — - 10.
4. V. trK M. c7 H.' trA — — 15.
Somit ist das Spiel verloren.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gieße«,


