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Samstag den 8.3uli
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Das nette Mädel.
Roman von Fedor von Zobelti^
(Nachdruck verboten,).
(Fortsetzung.)
Im Frühling rauchte das Moor, so daß es aussah, als schwele nach dem Meer zu ein großer verglimmender Brand.
Vom Luftballon aus war das ein eigentümlicher An- Sblrck. Es schwebten häufig Luftschiffe über der Gegend. (Einmal war auch Walter Mursinna mitgefahren und hatte Uber den Ausflug einen wunderschönen Bericht geschrieben, voll fremdartiger Wendungen und in einem ganz feinen, überaus preziösen <SiiL Diesen Bericht hatte er drucken lasseir, doch nur in zwölf Exemplaren für die Allerintimsten.
Wenn man sich an die königlichen Lettern und die künstlerischen Schweifungen der Stilistik einigermaßen gewöhnt hatte, ersah man aber auch aus diesem Druckwerk, daß der Mick vom Ballon aus erdabwärts wirklich berückend schön sein mußte: zumal in den Frühstunden, wenn dre Sonne noch mit Nebel und Höhenrauch zu kämpfen hatte und der goldig durchrieselte Brodem sich mählich lichtete, um dann plötzlich, wie von einem geheimnisvollen Odem aufgerührt, in alle Winde zu zerflattern und Pie Landschaft freizulegen. Nordfeits das Meer: ein tiefes Mau, von weißgrünen Rinnen durchzogen oder auch schwarz durchfurcht; der Strand eine gelbe Kurve mit den helleren Punkten einer Häuserreihe: dem Seebad Sanderkroog, einem kleinen Fischerdorf, das die wohllöbliche Regierung der -Freien und Hanse-Stadt in einen Weltkürort verwandeln wollte (doch es ging nicht so rasch). Landeinwärts die alte Stadt mit den schönen Bauten der Vergangenheit und den architektonischen Mißgeburten der Gegenwart, mit dem Ge- rinsel ihrer Kanäle und ihrem stattlichen Freihafen, und zwischen Stadt und Strand erst Wiese, dann Moor, und Aschen Wiese und Moor auf einer gelben, rötlich geätzten Sandzunge das Dörfchen Wörreshoop.
Das hatte Niels Kruse entdeckt. Die Farbentöne beim Sonnenuntergang hatten es ihm angetan: die gebrochenen Lrafter im Herbst und die Feuerburg an den Sommer- avenden. Und dann noch mehr: die silbrige Märchenstim- mung der Mondnächte, wenn der Nebel die karge Kiefern- herde umfließt und weiße Zapfen zwischen das Nadelgrün hangtpdre sturmftche Größe des heranbrausenden Frühlings, der auf Wmdesflugeln sprühende Grüße vom Meer herüber- trcrgt, dre fahlen Töne unter den Wolkenschleppen, der rau» über dem Moor; dann wieder das Flimmern der Mrttagsglut im hohen Sommer, anders als tiefer im Lande: unter einem Himmel, der so hoch gerückt scheint, daß sern Blau srch zu lichtem. Weiß abtönt, und über einer! Erde,dre ein feines, violett gemischtes Rot ausstrahlt. Und Wxchlrch der Wsnter^ ähnliZ dem i.n der holländischen Nie
derung, wo . Wiese und Moorland ein strahlender Panzer deckt und bet Tauwetter ein milchiger Dampf aus der quellenden Krume steigt. Und überall zwischen den Reizen dieser eigentümlichen Natur hatte er seine Märchenfiguren gefundeu, die ihn berühmt gemacht hatten.
Niels hatte das Beispiel gegeben. Andere waren ihm gefolgt. So war aus Wörreshoop eine Malerkolonie geworden. Man hätte ein paar Bauernhäuser gekauft: alte Dinger, aber mit prachtvollen steilen Strohdächern, deren Zoddeln über geschwärztes Gebälk hingen, mit Ställen seitlich der Diele und gestanrpftem Estrich im Piesel. Wie hatte man ausgebant und eingerichtet — nach persönlichem Geschmack; die Möbel selber gezeichnet und bemalt, den Kachelherd mit Bänken umgeben, die Scheiben in den Fenstern,mit Blei umgossen, die Ställe in Ateliers verwandt und in die Gärten altmodische Blumen gepflanzt.
Vieles ärgerte Niels. Dem Stil trotzte er. Die Biedermannsmode zog ein in Wörreshoop; das fand er gräulich. Auch sein eigenes Haus hatte einem Bauern gehört. Aeußerlich war es Bauernhaus geblieben; aber wenn du eintrittst, merkst du, daß ein phantastischer. Geist hier sein Wesen entfaltet: eine Natur, die sich in kein Schema zwängen läßt. Das war ein Triumph der Stillosigkeit, L>ie mancher eine künstlerische Ungeheuerlichkeit nannte, und wenn Niels Kruse so etwas Hörte, freute er sich. Er ging ungern mit andern in Schritt und Tritt, und seinem Querkopf behagte ein Lob durchaus nicht immer, wogegen ein giftiger Tadel zuweilen wie eine Erfrischung auf ihn ein» wirken konnte.
Vor dem großen Nordfenster lag eine bernsteingelbe Gardine. Es war um die Mittagszeit oder nur ein weniges darüber, uni) das Helle Frühlingslicht störte. Allerdings arbeitete Niels,im Augenblick nicht. Die Vierth alern, die Haushälterin Kruses,' von ihm der landesüblichen 'Währung halber gewöhnlich die „Zwölfmark" genannt — ein Witz, der in grimmer Stunde entstanden war und den weder Freund noch Feind respektierte — diese brave Merthalern hatte zum Frühstück ein paar Koteletts gebraten und Niels dazu seinem Freunde Moebins einen ganz erlesenen alten Portwein vorgesetzt: ein Geschenk des Generalkonsuls Schneider, die Quittung für eine Gefälligkeit. Der Portwein forderte eine Ruhestunde. So-saßen die Freunde sich denn im Atelier gegenüber und sprachen nicht. Aber jeder hätte eine Tasse türkischen Kaffees vor sich und jeder rauchte.
Moebius war der berühmte freigeistige Kanzelredner, aber hatte er schon sonst wenig vom Thpns des norddeutschen Pfarrherrn an sich: in dieser Stunde hätte man ihn für alles mögliche halten können, nur nicht für einen Geistlichen von heutzutage. Er sah eher wie der Johannes aus: doch nicht der, der aus der Wüste kam und der verderbten Jungfer Salome zum Opfer fiel, sondern wie man sich den Evangelisten vorstellt, mit weichen Zügen und einer träumerischen Milde jn den blauen Augen, die das Spiel der Blicke vortrefflich verstanden. Woebjus war.heute wirklich,


