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auch hier jeder das tut, was am bequemsten ist, selbst beim Spiele; er schmuggelt in das Spiel eine Karte, die breiter ist als die andern, und diese bringt er wieder dahin, wo abgehoben werden |cU. Geht das nicht, io preßt er den Teil der Karten, die eben ge- uonunen werden sollen, der Länge nach etivas zusammen, so daß dieser Teil der Karten hohl liegt. Der Abhebende hebt gewöhnlich entweder an der breiten Karte oder dem hohlliegenden Päckchen ab, wie es der Gree habeir ivill. Tiit er dies aber nicht, so ergreift der Gree unverfroren zuerst das abgehobene Päckchen, nnb legt es auf das zurückgebliebene Päckchen, so daß die Sache wieder beim alten ist.
Die Tätigkeit der Helfer des Falschspielers laust meistens darauf hinaus, daß sie entweber als „Schlepper" fungieren oder den Falschspieler über die Karten seiner Mitspieler verständigen. Die Verständignngsntittel dürfen natürlich in keiner Weise auffallend sei». Zeichen mit den Händen sind daher wenig beliebt, besser ist die Verstäiidigung z. B. mit einer Zigarre, Je nachdem der Gehilfe diese int Mund hält, den Rauch ivegbläst ober einsaugt, durch beide ober ein Nasenloch ausstößt usw., kamt er dem Gree alles Wissenswerte mitteilen. Um beim Abziehen das Bild ber Karte sehen zu können, wirb irgenb ein zufällig auf dem Tisch stehendes blank poliertes Metallgefaß, eine silberne Zuckerbüchse, ein Teekessel als Spiegel benützt. Auch die spiegelnde Fläche ber silbernen Zigarettendose ober der Deckel ber goldenen Taschenuhr geben das Bild.der Karte beullich wieder
VeL'mkZehts».
* D ie Zahl bet Studentinnen an der Pariser Universität hat in den letzten Jahren eine so schnelle Steigerung erfahren, daß die Professoren und die ©tubenten sich lebhaft über den Stand ber Dinge beunruhigen und die leitenden Behörden zu einer grsindlicheit Prüfung der Sachlage aufforbern. Die letzte Statistik zeigt, baß gegenwärtig bei beit verschiebenen Fakultäten in Frankreich immatrikuliert sind: bei bet literarischen Fakultät 1147 Französinnen und 1002 Auslänbermnen, bei bet naturwissen- fchaftlichen Fakultät 303 Französinnen und 150 Ausländerinnen, bei der medizinischen 618 Französinnen und 530 Ausländerinnen, bei ber juristischen 62 Französinnen und 88 Ausländerinnen, und in ber pharmazeutischen Schule 51 Französinnen und 3 Ausländerinnen. In Paris allein ist die Zahl ber Studentimien 2121, V8 von bet Gesamtzahl bet ©tuSierenben, während die Gesamtheit der etwa 4000 Studentinnen Vio der gesamten Studentenschaft des Landes ausmacht. Das Auffälligste bei diesen Zahlen ist, daß die Zahl der französischen Studenten in Paris seit dem Vorjahre nur um 2 ^genommen hat, während 144 junge Französinnen mehr studieren als 1910. Es ist begreiflich, daß angesichts dieser Zahlen ber drohende Wettbewerb ber Fratteit in ben gelehrten Bernsen die Männer mit einiger Sorge erfüllt.
* Der Appetit ber Sonbonct Krönungsgäste. Was wird bet Krönungstag für Wettet bringen ? Um diese Frage drehen sich die sorgenvollen Erwägungen der zahllosen Teestubenbesitzer in London. Wird es warm sein, so muß man Mineralwasser und Limonaden in ungeheiiren Mengen bereit halten; im entgegengesetzten Falle werden die Krönungsgäste nur Tee und Kaffee fordern. Die Firma Lyons, die etwa 2000 Tea-rooms in allen Teilen bet Stadt unterhält, bereitet sich auf wenigstens anderthalb Millionen Besuchet vor. Was das bedeutet, kann man aus den Angaben des Leiters einet anderen Gesellschaft, die etwa 80 Teestuben besitzt, entnehmen; danach sind für ben Krömmgstag vorbereitet: 1 Million gestrichene Brötchen, 30 Tonnen Butter, 80 000 Liter Milch, 500 ÖOO Taffen Tee, 250000 Tassen Kaffee, 10 Tonnen Kuchen und 1 Million Flaschen Mineralwasser.
* Die Kochtüte. Es ist noch nicht lange her, daß bie Kochkiste eine Revolution in bet Küche verursacht hat und von allen Seiten bie glänzendsten Erfahrungen mit diesem Kochinstrument mitgeteilt wurden. Jetzt ist eS darüber wieder still geworden, aber eine neue Revolution in ber Küche wirb von England aus vorbereitet, wo eine große Zeitung — allen epochemachenden Er» finbungen ber Neuzeit hat ja die Presse durch Wort und Tat die größte Förderung angedeihen lassen — bie Methobe bet Kochtüte verkündet. Diese Tüte ist ans einem wasser- und settdichlen Papier gefertigt und in den verschiedensten Größen zu haben. Die zu kochenden Speisen kommen mit ben nötigen Zutaten in Sie Tüte, bann wird diese geschlossen, wie man bei uns Drucksachen- kuverts schließt, mit Drahtpinnen. Auf dem Herd, ber vorher stark geheizt ist, wird bie Tüte auf ein Drahtgestell ober ein Blech gelegt. Die Vorzüge bet Tüte gegenüber dem Topf sind : bie Speisen behalten ihren spezifischen Geschmack, ihren vollen Nährwert, es entwickelt sich beim Kochen kein Rauch und bet Herd bleibt sauber. Man kann auf einem und demselben Blech bie verschiedensten Speisen in ben Tüten nebeneinander, zubeteiien, bie bebeutenb schneller als in Töpfen gar werben, so baß Gas- und Kohleu- verbrauch geringer sind. Ob die Kochtüte, deren Erfinder ein Londoner Küchenchef — Mr. ©oiier — ist, sich über ben Leserkreis Se§ betreffenden Blattes hinaus Geltung verschaffen wird, kann man noch nicht sagen. Diese Leser wenigstens, die gegen Einsendung bet Abonnementsquittuug je eine Tute gratis zugesandt erhalten,
intereifieren sich lebhaft dafür tmb berichten bereits von den glänzendsten Erfolgen ihrer neuen Kochmethode.
* E i n k o sts p i e l i g e s T e e g e s ch irr. Eine lustige Anekdote von dem Pariser Baron Rothschild wirb in ber Tribuna erzählt. Vor einer Reihe von Iahten erbte ein junger Schauspieler nach dem Tobe seiner Mutter ein schönes Teegeschirr in Meißener Porzellan, bas von einem Kunsthändler auf gut 50 000 Frs. geschätzt wurde. „Nur der Baron Rothschild wird "ein solches Wunderwerk kaufen wollen", sagte ber Händler. Darauf setzte sich ber Schauspieler eine Perücke auf und schminkte sich, daß er wie ein Achzigjähriger aussah, und begab sich mit dem kostbaren Geschirr zu dem Bankier. „Ich will Ihnen 45 000 Frs. dafür geben", meinte Rothschild, nachdem er es eingehend geprüft hatte. „Wollen wir nicht eine Leibrente ausmachenerwiderte ber Verkäufer; „ich lasse Ihnen bas Porzellan, und Sie geben mir 4 000 Frs. jährlich auf Lebenszeit." „Na schön," sagte ber Baron, „gehen Sie zur Kasse." Nach fünf Jahren hörte Rothschild, baß bet Mann mit ber Leibrente noch immer alljährlich erschien und seine 4 000 Frs. abholte. Das erschien ihm merfwürbig, er ließ ihn kommen rind sagte zu ihiii: „Hören Sie, mein Lieber, Sie haben aber eine sehr kräftige Natur." „Es geht, Herr Baton," sagte bet andere, bet wieSer im selben Auszug vor ihm erschienen war. „Wie alt sind sie beim eigentlich?" Daraus nahm ber Schauspieler bie Perücke und den grauen Bart ab und sagte: „Fast. 28 Jahre." Rothschild lachte und fand ben Scherz augenscheinlich so gut, daß et die Rente weiter zahlte. So ist oaS berühmte Teegeschirr in Meißener Porzellan mittlerweile schon recht teuer geworben: es kostet bis heute 80 000 Frs. I
* lieber flüssige Frage. Klara: „Gestern abend, als Arthur bei uns war, umarmte er mich stürmisch und rief: „Ich muß Sich küssen ober ich sterbe!" — Ella: „Um, Gottes willen, hat er dich Senn geküßt?" — Klara: „Na, hast tu vielleicht gehört, daß er gestorben ist?"
Büchert'isch.
— Joseph v. Eichendor sss Dichtungen. Aus- gewählt und heratisgegeben von Franz Schultz. 2 Bände. — Die schöne Verheißung, bie der von ber Goethe-Gesellschaft veranstaltete billige Volksgoethe bes Insel-Verlages bebeutete, beginnt sich zu erfüllen. In derselben guten Ausstattung liegt ein Eichendorfs vor, bet sich schon allein in ber Auswahl aufs vorteilhafteste von bem unterscheiSet, was wir auf biefem Gebiete leider gewöhnt sind. Da sind, wahrlich zum Vorteil des Ganzen, einzelne Abteilungen ber Gedichte (Zeitlieder, Romanzen, Aus dem ©panisclien) gekürzt, und ein paar Zyklen des altgeworbenen Romantikers werben mit Recht Sem Leser ganz erspart, ©o ist Raum nicht nur für die beiben großen Romane „Ahnung und Gegenwart" und „Dichter und ihre Gesellen", sondern auch für eine umfangreiche Abteilung „Erlebtes" mit fesselnden Schilderungen über das ©tubententum in Halle und Heidelberg und das Adelsleben am Ausgang des 18. Jahrhunderts.
Schachaufgabe.
Von W. G a l i tz k y. Schwarz.
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Weiß.
Weiß setzt mit bem britten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: CHINA H A. H N I H R N N A
Redaktion : I. B.: E. He ß. — Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen»


