286

rauschen, bereit Tropfensall und Wellenschlag Märchen er­zählen und Sagen von der Siebte immer von der Siebe.

.Als wir vor der Hochzeitsgesellschaft standen, wußten wir nicht, wer diese Seilte waren, die hier zusammengeeilt, uns zu verbinden. Wie im wachen Traum knieten wir Nebeneinander vor dem Altar. Nur dumpf klangen die Worte an unser Ohr, nur dumpf benebelnd umschwirrte Uns der Gesang. Und dann, als die Hochzeitsgesellschaft uns begrüßte, xnichten wir freundlich lächelnd die Hand und wußten nach einer Minute nicht, was die mit uns gesprochen.

Wir haben es uns später gestanden.

Dann aber ging es in die Wett hinaus, nicht mit Urlaub ich hatte mehr getan, ich war eilt Jahr ä la suite gegangen. Ich sagte mir: setzen sie mich dann in ein Regiment, das mir nicht paßt, betrachte ich es als Orakel und nehme sofort meinen Abschied. Sonst bleibe ich. So meinte ich einen Mittelweg zwischen dem Mat meines Schwiegervaters und den eigenen Wünschen ge­sunden zu haben.

Nun fühlte ich mich so frei, wie nie wahrend meiner 'ganzen Dienstzeit bisher. Ich genoß zum ersten Male jenes herrliche Bewußtsein, das der Unabhängige nicht schätzt: Tein Mensch darf mir befehlen. Und doch eines, ja, eines Menschen Knecht war ich, der hieß Maria. Nur ge­hörte sie mir so gut wie ich ihr. Und was ich wollte, tat auch sie. Wir waren eins, als hätten wir nur einen Willen, einen Gedanken. , .

Ich hatte immer an die Ehe gedacht wie an ein Myste-- rium, ein Rätsel. Wie war es möglich, daß zwei Menschen Uiiteinander lebten, die doch verschiedenen Temperaments waren, und trotz aller Siebe nicht einmal aneinander ge­rieten? Ich hatte gemeint, trotz allem guten Willen von Heiden Seiten müsse dieses geschehen! Und daß ich es nur ehrlich sage ich hatte mich gefürchtet davor.

Aber zwischen uns beiden, Maria und mir, gab es nie teilten Streit, eine Spannung, ja auch nur ein Mißver­ständnis. Nie, niemals hat etwas zwischen uns gestanden, nie hat auch nur ein Gedanke sich zwischen uns gedrängt. Ich habe nie das Gefühl empfunden, daß sie etwas anderes wollte, etwas anders ansähe, als ich.

Wie in den ersten Tagen ist es geblieben.

Diese ersten Tage waren ein reines Glück, wie ich ge­glaubt habe, es könnte uns Menschen auf dieser unvoll­kommenen Erde nicht zuteil werden, ein Glück, mich so be­seligend, daß eS mir war, als würde ich wieder jun st als erwachten in mir alte Gedanken und Wonnen meiner ersten Seutnantsjahre, ba mein Herz, mein armes Herz, täglich für eine andere gebrannt. All dieses Feuer, das da unruhig, zwecklos geloht hatte, schien sich wieder zu entzünden mit derselben Glut, mit gleicher Poesie, die da­mals jene Mädchen alle umkleidete mit Tugenden, die ihnen nicht eigen waren, mit einer Schönheit, die sie nicht beschien.

Aber alles entbrannte nur in einen, alles galt allein diesem einzigen köstlichen Geschöpf, Vas ein Zufall mir in den Arm geführt, das zu gewinnen ich mir selbst nickst wert schien.

Ich umgab Maria mit aller Siebe und Sorge, die mir ein gütiger Gott für sie geschenkt, und sie reichte mir alles doppelt und dreifach zurück. Es war Kinderei in unserer Siebe, wenn ich es heute bedenke, aber selig sind die, deren Herz nach dem Kampf der Jahre, bei allem dem Ernst, dem Ekel, dem Schmutz des Daseins noch sein kann, wie das eines Kindes. Kinder lernen. Wir lernten, nicht allein sie von mir, dem Manne, dem Erfahreneren, dem soviel Aelteren, sondern auch ich von ihr. Ich lernte die Hingebung des liebenden Weibes kennen, die da ohne Grenzen ist, von der jener nichts ahnen kann, der sie nicht an sich erfahren hat. . Ich lernte die Kraft der Siebe, jener Siebe, davon der Apostel spricht, denn ich sah wie im Ver­kehr mit mir, unter dem Hauch meiner Worte, dem An­in eh en meiner Gedanken, Wünsche, Ueberzengungen, jene junge Mädchenseele, die sich mir geschenkt hätte, sich ver­änderte, wuchs, andere Gestalt annahm und mir ähnlich ward.

Ich spürte aber auch zugleich, wie meine verknöcherte Altjunggesellenscele weich ward, schmolz, sich bog und anders formte durch den Einfluß meiner jungen Frau.

Wir beide, Maria und ich, gaben nach, wie es in einer rechten Ehe sein soll. Wir gaben nach, nicht unter dem

Zwang eines Druckes, fonbern im Gefühl, daß es nicht anders ging. Beide glaubten wir immer voneinander, der andere habe recht. Und abends, ehe wir das Sicht löschten^ nahm ich die kleinen Hände meines Weihes in meine großen und sprach zu ihr:

r- Maria, ich danke dir, daß du mein geworden bist. Durch dich erst bin ich zum Seb en erwacht, denn das, was vorher gewesen ist, war des Sehens nicht wert. Das er*, kenne ich heute.

Wenn meine Frau mich dann küßte, gab! sie zurück in ihrer lieben, stillen Art:

i Mein Sebert war zu kurz, Um das zu wissen. Es fing erst an, als ich dich zum ersten Male gesehen.

Da ward in jenen Tagen der jungen Ehe mein Weih für mich mein eigen Selbst. Und mir schien es gewiß, daß fortan für mich ein Dasein nicht mehr möglich wäre ohne m Maria! i

*

Ja, wir waren wie die Kinder, wir waren arglos, ver­trauend, heiter, sorgenlos. Wir lebten in den Tag hinein, von der Hand in den Mund, denn ich, der schon ein Stück Kleinmeister geworden war, der jeden Pfennig, wenn auch nicht umzudrehen, so doch anfzuschreiben gelernt, führte nicht mehr Buch. Ich hatte keine Zeit wahrhaftig! Von früh bis abends dachte ich an Maria, von früh bis abends saßen wir beieinander, gingen wir zusammen, lebten einer nur für den anderen.

Abends, wenn wir nicht zu müde waren von dem! Herumstreichen den ganzen Tag, nahm Maria ein Buch und las mir vor. Sie las nicht mit Kunst, wie ein SchaNi- spieler, im Gegenteil, ganz schlicht und einfach, fast ohne Betoiiiing. Aber wenn sie las mit ihrer ein wenig ver­schleierten Stimme, klang es so heimelig, so einschmeichelnd^, so weich, so zart, daß es mir nicht möglich war, die Augen von ihr zu wenden. Sie saß gerade im Stuhl am Tisch, den einen Ellenbogen aufgestützt, mit der Hand die Augen be­schattend. Der Arm in seiner runden Schlankheit bildete einen sanften Bogen, einen Sinienfluß, au dem ich mich nickst sattsehen konnte.

Da verlor ich oft den Fäden, hörte nicht mehr zu, sondern in den Anblick meiner Frau versunken, dachte ich an all mein unsägliches Glück. Ich erhob mich dann leise und schlich auf den Zehen hinüber zu Maria. Sie merkte es nicht, vertieft in das Buch. Da kniete ich nieder neben' meinem Weibe, ganz sacht, und während sie immer weiter las, immer ihre verschleierte Stimme klang, senkte ich be­hutsam meine Sippen auf ihre Hand, die im Schoße ruhte.

Nun sah sie'auf. Sie schien erschrocken im ersten Augen­blick. Doch sofort schob sie das Buch zurück und schlang die Arme um meinen Nacken. Ich lehnte ben Kopf an ihre Schulter und sprach:

t So möchte ich einig bleiben!

Maria rührte sich nicht, aber sie flüsterte, als saglS sie es nur so vor sich hin:

j HM du mich denn so lieb? i (Fortsetzung folgt.)

Geschichte des Postwesens im Grohherzogtum Hessen.

Von M. Koehler Und R. Goldmann.

3. Postverbindungen nach Darmstadt und Gießen im Jahre 18O4'.;

Nach Durchführung der Neugestaltung und nachdem zwischen Darmstadt und Gießen am 14. Februar 1804 eine dritte Post eingerichtet worden war, bestanden nach Darmstadt Und Gießest folgende Postverbindungen:

A. nach Darmstadt: 1. von Gießen an Darmstadt: Donners­tags, Sonnabends und Montags mittags; 2. von Franlfuro (Taxissche Post) an Darmstadt: Montags und Donnerstags 7°; 3. von Heidelberg (Taxissche Post) vn Darmstadt: Samstags und Mittwochs 7°;

B. nach Gießen: 1. von Darmstadt kn Gießen: MittwoW,- Freitags und Sonntags morgens; (Die Briespakete nach Grün­berg und Alsfeld wurden sogleich durch reitende Post nach Grün­berg weiter gebracht und kamen an den genannten Tagen mittags um 12 Uhr in Grünberg an. Bon hier wurde das Alsfelder Bricf- paket um 2 Uhr durch eisten Alsfelder Boten, der bereits um! 11 Uhr in Grünberg mit den Briefen usw. aus Alsfeld cinge- troffen war, westerbefördert. Die Rückposten ans Alsfeld. Grünberg trafen noch am selben Tage, nämlich Mittwochs, Freitags und Sonntags in Gießen ein.) 2. vion Frankfurt (Main) über Bad-Nauheim und Wetzlar, an Gießest: Sonntags und Mitt­wochs 2°, diese Post ging sogleich Weit# st.aK Münster ,(WS