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herzeloide.
ERontan von Georg Freiherrn von Ompteöcr« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Als .der Abschied nun aber wirklich kam, waren wir — .wie so oft im Leben — gefaßt. Maria sagte, daß wir uns ja in vierzehn Tagen Wiedersehen würden. Sie sprach so vernünftig, als herrsche bei ihr nur der Verstand, Während doch ihr kleines Herz dieses Menschenkind regierte. Nicht, daß sie kopflos gewesen wäre, nein, die Klugheit redete .aus diesem langen, schmalen - Gesicht, so gewiß sie nur je aus einem Antlitze gesprochen; aber was Maria tat, geschah mit dem Herzen. Nie habe ich von ihr ein liebloses .Urteil über einen Dritten gehört. Wohl erkannte sie Schwächen, .aber immer fand sie die Entschuldigung, zum mindesten die Erklärung dazu. Und die kam aus ihrem Herzen.
Beim Abschiede fehlte Herzeloide. Maria lief hinauf, um sie zu" holen. Sie kam herab ohne Hut. Maria, die sich nun du mit ihr nannte, fragte:
r— Kommst du nicht mit zum Bahnhof?
Sie.ward ein klein wenig rot:
j— Ich "habe oben zu tun!
Der Geheimrat jedoch, der mit ihr auf dem Fuße stand wie ein Vater, stellte sich! empört:
— Aber, Herzeloide! Das tun Sie Ihrem Pflegepapa an? Sie lassen ihn so ganz ohne Sang und Klang abschwirren? Na., hören Sie mal, das hätte ich aber von Ihnen nicht gedacht.
Nun ward die Arme ganz rot und lief schließlich auf ihr Zimmer, um sich fertig zu machen. Wir gingen langsam voraus, denn mein Schwiegervater hatte fürchterliches Eisenbähnfieber. Er lachte selbst darüber, aber es war .nun einmal so. Die Koffer hatten wir schon abgeschickt, die Fahrkarten besaßen wir, so hätten wir eigentlich Zeit 'gehabt, aber schon nach den ersten Schritten artete unjer Gehen in einen Wettlauf aus, und wir waren richtig eine halbe Stunde vor Abgang des Zuges auf dem Bahuhdf. Die arme Herzeloide konnte uns gar nicht mehr eiuhölen.
Sie erschien erst sehr viel später mit „ihren Kindern , die neben ihr standen, rechts und links, als wollte sie sagen: seht, ich habe ausch etwas, ich bin nicht ganz allein, hin nicht zu bedauern. — Aber sie nahm gleich Abschied und .ließ sich auch nicht bewegen, zu bleiben. Maria küßte sie, bann reichte sie mir die Hand und sprach —- sie hatte oft äjefonbere Worte:
i— Glück auf den Weg!
Ich sagte nur: Dank, Herzeloide.
Wrr halb war ich m.if meinest Gedanken dabei, W
sah Maria an; als ich mich zu Herzeloide wenden wollte^ war sie verschwunden. Dann gab es einen kurzen AbschicL. Maria winkte mir noch lange .nach. Jetzt hatte sie doch die Tränen in den Augen. .. .
Während ich dann dem Geheimrat gegenüber faß> verglich ich seine Züge mit denen meiner Braut. Die Aehn- lichkeit war so groß, daß ich immer Maria wieder fand. Ab und zu jedoch nahm ich meine Brieftasche heraus, m der ich ein Bild verwahrt trug, das mich mit ernsten Augen anblickte. Gott sei Dank, nicht lächelnd. Ist em Lächeln nicht furchtbar auf die Dauer? Es wird notwendig zur Fratze. Maria war oft ernst, Meist ernst, wenn sie auch lachen konnte, daß einem selbst vor Freude die Tranen in die Augen traten. r .... , ,,
Wie diese schwarzen Augen micty ansahen! Wie der kleine Mund .zusammengepveßt war in süßer Herbigkeit. Und dieses tiefschwarze Haar! Auf dem Bild sah bte glatte, weiße Haut blaß aus, und darin log es: denn es unterschlug das zarte Rot der Wangen! _
Da übermannte mich eine solche Sehnsucht, daß ich die .Photographie an die Lippen drückte
Der Geheimrat hatte es bemerkt und fragte lächelnd: Was küßt du denn da?
i— Maria!
*
Auch diese Prüfungszeit ging vorüber, und Mutter und Tochter kamen nach Berlin. Es gefiel Maria nicht, trotz unseres Glückes des Wiedersehens. Sie verlangte nach dem Meer und den Blumen, nach der weichen, warmen Luft. Wir hatten einen verspäteten, häßlichen Frühling, es war, als sollte es in diesem Jahre gar nicht grün und warm werden. Erst als unsere Hochzeit stattfand, war der Lenz und mit ihm zugleich der Sommer eingezogen..
Natürlich war Herzeloide eingeladen, doch fte schrieb an Maria einen langen Brief, aus dem die Augst klang, wir möchten ihre Absage übel nehmen. Als äußerer Grund! war angegeben, daß sie, die ungesellig lebe, kein Kleid zur Hochzeit besitze und die Kinder nicht längere Zeit verlassen könne. Sie hielt sich mit ihnen in der Schweiz auf — Meine Braut antwortete sehr traurig und redete ihr zu, doch zu kommen, aber wir sahen bald em, daß es vergebens war. Je näher dann der Jubeltag ruckte, der unser Glück voll machen sollte, desto mehr vergaßen wir Herzeloide. Das ist nun einmal Meuschenart! Und wir waren keine höheren, größeren, besseren Menschen als andere. Wir fühlten uns mit unferen Angelegenheiten so beschäftigt, daß die ganze übrige Welt hinter uns versank.
Wir lebten jenen Traum, von dem ich nicht mehr ge- hofft hatte, daß er mir beschieden werden sollte, jenen Traum junger Seelen, die allein füreinander smd. Die Erde berührten wir nicht mehr mit unseren Gedanken, wir befaiiden uns in einem fremden, nie gekannten Land, jenem erster Liebe, wo Bäume wachsen nie geahnt und nie gesehen, wo Blumen duften nicht von dieser Welt, wo Wasser


