Ausgabe 
8.4.1911
 
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gezLick der Genniainste» tim die Nibelungen, i» feem SKüHeTJ^ff üls wildester ,,Stufet int Streit" stand. Lokalstnvie» wurden tot Ort und Stelle gemacht, bt Passau und aus der Wartburg, Belegstellen in Massen aufgesührt und darunter ein« Unmenge ferner dichterischer Ideen zerstreut. Der Künstler konnte aber Nicht mehr über den Stoss Macht aewrnnen, sondern dreser über­wältigte ihn, und so blieb ein GedMbandFran Aventinre" das einzige Ergebnis des langjährigen verzweifelten biuigms. Die Themen, die sich Scheffel nun stellte, zeigen die Unslcherhett teures ästhetischen Gefühls. 9tur die Heine ErzählungHugidco" gibtoch einiges SiÄinerzlich-Erlebte. Der ,Lnniperns" null gar- nichts anderes sein als eine kulturhistorische Studie und die LiedersammlnngenFran Äventinre" undBergpsalmen" möch­ten dichterische Produkte des Mittelalters vortäuschen und wirken Unnatürlich, wo sie es tun, ergreiseild und stark mir, wo ein Naturlaut des modernM Dichters hindurchbricht.

Zur selben Zeit, da Scheffel sich vergebens einen realistischen Geschichtsroimm zu schaffen mühte, sammelte ein Franzose im glühenden Afrika an der Stätte ds einstigen Karthago, mit gleicher Inbrunst zu gleichem Ziel: FlaubertsSalammbo" hat Scheffels Ideal erreicht! Aber die trügerische Irrlehre, daß Dichtung und Wissenschaft das Gleiche wären und das Gleiche wollten, ward bald darauf durch ihren fanatischsten Propheten, durch Zola, ad absurdum geführt. Scheffels Ringen und Streben war so lebten Endes begründet in der Zeit, in der er schuf. Die Romantik hatte die historische Wissenschaft geboren und als Gegensatz zu ihr war der Realismus entstanden. Historismus uufe Realismus, di« geistigen Haupttriebkräfte der Zeit, miteinander zu vereinen, versuchte Scheffel int realistisch historischen Roman, nachdem ihm in einem glücklichen Zufall ein Adusterwerk der Gattung gelungen. Es war ehrenvoll für ihn und ein Beweis seiner echten Begabung, daß er da scheiterte, wo das platte Heer seiner Nachahmer, die archäologischen und Bntzenscheiben-Poeten ein halbgelehrtes, halb- poetisches Mischmasch lieferten, das von Dichtung und Wissen­schaft gleich weit entfernt war.

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K. F. Frühlingsblusen. Seit dem Beginne der tvär- nieten Tage sind in Paris Frühlingsblusen in reichhaltigster Aus­wahl zu sehen. Neben bunten Pekings sieht man besonders zahl­reich schwarz und weist gemusterte Stoffe; außerdem erfreuen sich die sogenanntenmiparties" einer steigenden Beliebtheit, Satin- stoffe, die zu einem Teile Streifen und Punkte, zum anderen red och persische oder andere orientalische Muster in den lebhaftesten Farben ausweisen. Außer diesen Stoffen werden Tüll und andere leichte Stoffe, Spitzen, Bänder und Stickereibesatz in ausgedehntenr Blaße verarbeitet. Vorläufig scheint sich die Kimono form an die Spitze aller Blusenformen stellen zu wollen. Außer dem eigent­lichen Kimono sieht man jedoch eine Abart dieser orientalischen Blnsenform, eine Art falschen Kimono, bei dem zwar Schulter und Aermel durch keine Naht getrennt sind, bei dem jedoch der Kimonoärmel zu einem richtigen Unterärmel verlängert ist, der eng ist und bis ans Handgelenk reichen kann. Der ständige Modenberichterstatter desNew Tvrk Herald" beschreibt aus eigener Anschauung eine Auswahl von modernen Pariser Früh- tingsblusen, deren Einzelheiten am besten zeigen, welches die Grundlinien der diesjährigen Blusenmode sind. Bei einem rot und weiß gestreiften falschen Kimono aus Vale reichen z. B. die eigentlichen Aermel bis beinahe zum Ellbogen. Hier ist ein voller Puff aus rotem Chiffon angebracht, an den sich zwei gefaltete Einsätze anschließen. Born in der Mitte der Bluse läuft ein Alteisen von rotem Chiffon abwärts, der mit kleinen Knifefchm geziert ist, seitlich davon ist ein Jabot ans Leinen und Spitze, aus den gleichen Stoffen besteht her Kragen. Eine andere Bluse, grau und weiß gestreift, zeigt einen weißen Spitzenaufschlag; Einsatz und Aermel sind aus grauem Chiffon über weiß hergestellt und grau soutachiert. Eine Chissonbluse, die sehr breite schwarze und weiße Streifen aufroeift, hat Kragen und Klappen aus schwar­zem Satin; auf dem Oberärmel läuft eilt Streifen von dem gleichen Stoffe vom Kragen bis zur Manschette abwärts. Bei einer einfarbigen Bluse ist das ganze Vorderteil von der Schulter abwärts mit Stickereistreifen bedeckt. Der Kragen zu dieser Bluse ist ans einem ebensolche» Streifen hergestellt, ebenso die Ein­fassung der Aermel. Für die teure Spitzenbluse ist in Gestatt eines sogenannten Phantasietülls verschiedenen hübschen Mustern ein Ersatz ausgelauscht, der von echten Spitzen nicht zu unterscheiden sein soll, dabei aber viel weniger kostspielig ist. Die Satin- b f u s e n sind meistens kragenlos. Bei einem ziemlich ein­fachen Modell aus SatinFleurs de pscher" (Pfirsichblütenfarbe) besteht die Einfassung aus einem schwarzen Satinstreifeu mit Soutachiernng. Ein ähnlicher Streifen läuft vorn die Astittel­linie entlang, nicht nur bis zur halben Höhe, während ein Soutache- besatz daneben noch weiter abwärts reicht. Ganz leichte Blusem- modelle für sehr warmes Wetter werden aus feinem, weißem Baumwollkrepp gearbeitet, und mit gleichfarbiger Stickerei ver­ziert. 3 in veil eit sind die Stickerermuster dabei sehr groß und werden dann in ihren Umrissen mit irgend einer bunten Farbel nachgestickt.

* Ein ftotterüber König. König Ludwig XIII. von Frankreich war altes andere, als ein guter Redner, die Laime der Natur batte ihn mit einem Sora ch fehler bedacht, der dem Träger der Krone manche peinliche Erinnerung eingetragen haben mag : Ludwig XIII. stotterte. Ans der Jagd verlor er eines Tages de» Falken ans dem Gesicht, den er kurz vorher hatte aufsteigen lassen, und in seiner Erregung wandte er sich zu dem hinter ihm reitenden Herrn des Gefolges und rief:Loi . . . Foi . . . l'oi . . . l'oiseau!" Er wollte den Herrn tragen, ob er vielleicht den Vogel im Auge behalten habe. Aber das Unglück wollte, daß der Be­gleiter des Königs, der Graf von Theiras, zum ersten Male beim König Dienst tat und zudem an dem gleiche» Sprachfehler litt. Der Gras streckte die Hand ans, weist in die Lüfte und ruft: Le voi . . . voi . . . voi . . . voilä. Der König ist außer sich vor Entrüstung, er glaubt, der Hofmann erlaube sich, ihm nach­zuäffen, und schlendert bet» armen Grafen seinen Handschuh ms Gesicht. Zum Glück kam in diesem Augenblick ein anderer Höfling hinzu und erklärte dem SiÖnig den Fall. Ludwig entschuldigte sich und wies dem stotternden Grasen ei» anderes Amt am Hofe zu. Aber dies blieb nicht der einzige Fall, bei dem der König einen Unglückskollegen von sich verkannte und eine Mafestätsbeleidtgung witterte. Bei einer öffentlichen Zeremonie richtete Ludwig XIII. eine Frage an Herrn d'Atamont, der ihm erst kurz vorher vor­gestellt worden mar. d'Alamont war ebenfalls der bedauerns­werte Besitzer eines Sprachfehlers und antwortete dem König so gut, als seine störrische Zunge es eben zulieb. In höchster Em­pörung packte Ludtvig de» Stotterer beim Arm und tief nach dem Hauptmann der Wache. Dem armen d'Alamont tuärc es wagr- scheinlich sehr schlimm ergangen, wenn sich nicht der Kardinal von Richelieu eingemengt und den König gebeten hatte, den Zwischenfall zu entschuldigen, für den allein der Himmel verant­wortlich sei.

Von de» Familiennamen. Als im 12. und 13. Jahr­hundert die Familiennamen aufkamen, gab es keine über das ganze deutsche Sprachgebiet verbreitete Schriftsprache, jede Gegend redete In ihrer eigenen Mundart. Kem Wunder drum, daß die Familiet^ »amen in rein mundartlicher Form erschienen, und da sie auch aus leicht einzujehenden Gründen viele Wandlungen unserer spräche nicht mitgemachl haben, so zeigen viele von ihnen beute noch em mundartliches Gepräge. Man braucht gar nicht viel sprackwiffen- schasiliche Kenntnisse zu haben, um aus der Form ihres Namens die Herkunft einer Familie herauszulesen. Wer 91 i e b u h r heißt, dessen Familie stammt aus niederdeutschem Gebiete, die oberdeutsche Form ist Neubauer, ebenso ist Norddeutschlaiid die Heimat des N i e m a n n; der Name Nau m a n n entstammt meist mittel­deutschem Gebiete, Neu m a n n oberdeutschem. Aus der ver­schiedenen Form der Verkleiuerungssilbe am Ende ihres Namens kann man wobl schließen, daß Di et le und Merkle schwäbischer, Dietl und Merkt bayerischer oder österreichischer, Welkt und Burcki aber schweizerischer Abstammung sind, während Re i ne cke und Wilke niederdeutscher Herkunft find. Leute namens Hansen, Jensen und Thomsen mögen noch so sehr daraus hinwetsen, daß ihre Familien seit langer Zeit im Süden wohnen, die Endung -sen, eute abgefchliffene Form fürsohn" deutet auf norddeutiche ober auch auf friesische ober dänische Abstammung. Int 18. Jahr­hundert bemühten sich süddeutsche Schriftsteller erfolglos, ihre heimischen Formen Blum, Füß, Glaub, Wöls gegen das e Luthers zu schützen, heute schreibt man allenthalben int denischeu «pracy» gebicte Blume, Füße, Glaube, Wölfe; einzelne Familiennamen aber haben diese süddeutsche Art bewahrt, jetzt noch findet matt z. B. in München die Name» Kraus, Lang viel häufiger als Krause, Lange, wie ja auch neben dem niederdeutschen Becker der oberdeutsche Beck steht. So findet man in den Wohnungsanzeigern der Großstädte ein wunderliches Gemisch von Mundarten: neben den niederdeutschen Namen Bödeker, Schulte, Piper, Voß stehen die gleichbedeutenden hochdeutschen Namen Bötticher, Schulze, Pfeifer, Fuchs. In erster Linie verdankt ja unsere Sprache den wunderbaren Reichtum an Familiemtamen ihrer groß­artigen Gestaltungskraft; daß aber auch unsere Mundarten reich­lichen Anteil daran haben, ist wohl dem Leser schon ans den Bei­spiele» klar geworden, die sich leicht hätten vermehren kaffen. (Sprachecke des Allg. Deutschen Sprachvereins.)

Gleichliang-Nätsel.

Wir sind nicht Worte, nur die ersten Töne Des Kindes, daß es sich an's Wort gewöhne. Den gleichen Namen hat auch einst getragen Ein Saiteuspiel in längst vergangenen Tagen- Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Diamanträlsels in voriger Nummer:

M

Aal

Gries

Kai land Stade Gnu d

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversttäts-Buch- »md Steindrnckerei, R. Langem