Ausgabe 
8.2.1911
 
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intb mir ists schon lieb, ba6 Mir jefet gar feilten Hund mehr haben, beim einen zweiten Spitz, wie ben ersten, bekämen wir doch niemals wieder, ____________

Von was man leben kann.

W gibt Menschen, denen es eilt gewisses Unbehagen verursacht, wem, sie nicht täglich ein reich besetztes Diner oder Souper em- nehmen können. Dabei kennen sie das Gefühl der Zufriedenheit nur dann, wenn die Gerichte so ausgesucht wie möglich sind und ihre Zubereitung einen Triumph der Gastronomie bedeutet.

folrßeLebenskünstler" damit wirklich gut daran sind, ist eine Frage; sie mögen es mit sich selbst ausmacheii. Jedenfalls huoen uicie Leute aoer auch ihre Antipoden und es ist originell, daß auch hier die Gegensätze sich berühren. Der Gourmet schlürft seine Auster und ißt seine Schnecken, während sein Antipode, der Australier im Busch, sich freut, wenn er eine Käferlarve als Atzung findet. Noch braucht man nicht zu erschrecken, denn es gibt iwch hübschere Dinge, die ihren Mann ernähren. Auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung, die im Mai in Dresden eröffnet wird, hat man eine Gruppe zusammengestellt, die die Ernährung unserer heute noch lebaiiden Primitivvölker umfassen wird.

Wie decken nun dieseeinfachstem" aller Menschen ihren Tisch? Da erregt zunächst Interesse, daß zwischen beiden Geschlech­tern eine scharf durchgeführte Arbeitsteilung besteht. Der Mann ist Jäger, bei einzelnen Stämmen auch Fischer und das Weib ist Sammlerin. Bei ben Buschleuten, diesem scheuen zwergen­haften Volke Südafrikas, ziehen am Schlüsse der Regenzeit die Stämme zur Nahrungsgewinnuilg aus. Kind und Kegel, wie ihre ganzen Habseligkeiten schleppen sie mit sich. Die Männer im Waffenschmuck, die Frauen mit ihren Hausgeräteii beladen. Unter diesen spielt für den Nahrungserwerb der sogenannte Grab­stock die Hauptrolle. Er ist den meisten primitiven Völkern, so besonders auch den Australiern eigen. Ein zugespitzter Stock aus hartem Holz, Wenns hoch kommt, mit einer schweren Stein­perle versehen, ist das ganze Arbeitsgerät der Frau; mit ihm sucht sie Larven und gräbt eßbare Wurzeln. Der Mann steuert Jagdbeute bei, die er mit feinen kleinen Giftpfeilen erlegt. Das Pfeilgift ist bekanntlich nur als Blutgift gefährlich; es wirkt an­scheinend im Magen nicht. Ja, die primitiven Indianer Süd­amerikas behaupten sogar, daß ihr Curare zur Verdaulichkeit des Fleisches der damit erlegten Tiere beiträgt. Ist ein Wild zur Strecke, daun wird es notdürftig ausgeweidet, die Stücke davon auf Stöcke gesteckt und am Feuergebraten". Gute Jagd­beute gibt es selbstverständlich nicht immer, es muß daher die vegetabilische Nahrung ergänzend eingreifen. Erstaunlich ist es, wie die Menschen des Busches die geeigneten Gewächse finden. Eine unscheinbare Pflanze steht am Boden. Das Weib kniet sich nieder, der Grabstock tut seine Schuldigkeit und der kärgliche Boden spendet einige Knollen vom Aussehen unserer Kartoffel. Ein Knollengewächs ist besonders beliebt. Die Betschuaum nennen es Lerischo. Es ist von der Größe eines Kinderkopfes und enthält einen milchartigen Saft. Mit Schmatzen und Schnalzen wird die Frucht verzehrt, sie ersetzt durch ihre durstlöschende Wirkung das Getränk. Das leuchtet dem Mlturmenschen noch alles ein. Plötzlich erspähen die Kinder der Natur aber ein windenartiges Gewächs. Es wird fein säuberlich abgesucht nach Raupen. Man zerquetscht ihnen den Kopf und sammelt sie ein. Da sie sehr leich sind, bedarf es besonderer Vorsicht für den Transport. Sie werden auf Gras gebettet, mit Gras zugedeckt und mit Akazienbast umwickelt. Je mehr man findet, desto lieber. Groß ist oft auch die Freude der Eingeborenen, wenn sie Wasser finden. Da werden denn die Wassersäcke, die sie bei sich tragen, frisch gefüllt. Diese Säcke sind aus dem Bauchfell einer Antilope gefertigt und enthalten etwa sechs Liter Wasser.

Originell ist die Ernährungsweise der Australier. Da spielen zunächst die Grassamen eine große Rolle. Es gibt eine Menge von Arten, mit deutlichen Unterschieden in Farbe und Form, die australischen Sprachen haben für jede Sorte einen eigenen Namen. An sie reiht sich der Same verschiedener Palmen, dann allerlei eßbare Knollen und Wurzeln und bas Harz der Bäume. Aus der Jnkuawurzel backen sic sogar eine Art Brot, während sie den Karangasamen mit Wasser zu einem flüssigen Brei verreiben. Die animalische Nahrung ist besonders eigen­tümlich. Zunächst erfreut uns da das Gericht Tuinaiuba. Dieses besteht aus ben roten Schutzdecken von Insektenlarven. Dazu werden Honigameisen, dann Raupen einer Wolfsmilchschwärmer­art, verschiedene Zikaden, Insektenlarven und allerlei Aehulichcs verzehrt. Als Dessert dient eine Art von Manna, oder Paraltja, wie es die Australier nennen. Die auf den Blättern einer Eukalyptusark lebende Larve eines Insektes (Psylla) bereitet näm­lich aus ihrem eigenen klebrigen Saft eine Art von zeltföriuigen Schutzdeckeln, die die (Singeborenen mit Vorliebe sammeln. Delika­tesse ist Schlangensteisch, das mnserem Gaumen wegen seiner Trocken­heit und Geschmacklosigkeit allerdings nicht zusagen würbe. Gut ist nur die Leber. Originell ist die Zubereitung. Lumholtz, der Queensland besucht hat, beschreibt die dorr übliche Art des Bratens.. Man gräbt ein etwa dreißig Zentimeter tiefes Loch in den Boden

und brennt darin ein Feuer an, über das Steine gelegt iuerben. Sind diese erhitzt, wird das Feuer gelöscht, die Steine mit grünen Blättern bedeckt und das Fleisch darauf gelegt. Dann wird das Ganze mit Erde bedeckt und erst wieder geöffnet, wenn man glaubt, daß derBraten" fertig ist. v, R,

Vermifcbtes.

* DerPascha - Ro ck"Haben Sie schon einenPascha* gesehen?" Tas ist die neueste Frage der Londoner Gesellschaft, die sich elegante Frauen in höchster Spannung zuwerien. Was hat ein Pascha so Interessantes an sich, daß die Londoner Schönen so sehnlich nach seinem Anblick verlangen? Nun, dieser Pascha ist kein lebendiger türkischer Würdenträger, sondern er ist eine neue Form des Frauenrocks, die ihren Namen nur von den weiten, faltigen Beinkleidern der türkischen Tracht übernimmt. Ter Pasckm- Rock ist eine neue Etappe auf dem Wege bet Revolution, die in der neuesten Tameutoilette auszubrechen droht. Alan hat ihn mit Interesse und Beiiall begrüßt, ja man fängt au, ihn zu tragen, wenn auch vorläufig nur in Gesellschaften und noch nicht auf der Straße. Das war ein wilder Tag un Leben der britischen Alode- damen, als ein bekanntes Alodehaus der Ablemarle-Street zu seiner ersten g>oßenPascha-Parade" einlud! Tie Automobile und die eleganten Equipagen stauten sich vor dem Hause; da war keine Dame der Welt, bte zurückbleiben wollte. Und in den Spiegel­sälen der Modesalons richteten sich die Lorgnetten prüfend auf die graziösen Alannegums, die mit lässiger Anmut in kurzen, geteilten Röcken daherivaudelleu, unter denen Wunder des Wunders! richtige Pluderhosen hervorlugieu. ManchesShocking!" entfloh da entrüstet geschürzten holden Lippen, ober es gab auch kühnere Geister, die zu 6u0 Alk. das Stück em Pascha-Kostüm bestellten, und ein tue führende Sussragettes erklärten un hohen Ton der An­erkennung, dieser Pascha-Rock sei der erste Schritt zur Gleich» fieliung der Geschlechter Die Saat, die in der Abelmarle-Street in so viele kapriziöse Frauenköpfe gelegt wurde, ist in der letzten Zeit bereits zum Reimen gekommen: bei verschiedenen Empfäimen und Gesellschaften erschienen Damen im Pascha-Rock, und das halb tuiberftrebeiibe, halb bewundernde Alm mein ihrer Alitjchwestern war ihneii Lohns genug und läßt ahnen, daß die neue Alode reißend um sich greifen wird. Ter erste Anblick diesesPascha" hat ivirk- lich etwas Lerblüfseudes. Während sich der geraffte, kurze 'Rock in reicher (önrnicrung anmutig mit seinen runden Linien um öte Figur schmiegt, treten da, wo der Nock geteilt ist, plötzlich em Paar weite Pluderhosen von gleichem Stofs hervor. Tie Trägerinnen behaiipleu aber, man werde sich schon mit diesem ungewöhnlichen Anblick abfinden, und jedenfalls fei derPascha" ein außerordent­lich bequemes Kleidungsstück, bas einen neuen Reu und eine neue Stimmung in das Leben der Frau bringe. Vorläufig haben sich aber bte betreffenden Damen nur dazu verstanden, Geselllchafts- toileiten ä la Pascha anzulegen, die mit vielem Geschmack und reicher Verwendung von Schmuck kreiert worden find und noch durch orientalische Schuhe zu einer Symphonie & la Tura ver­vollständigt werden. Tas Promenaben-Paschakostüm, das einfacher und knapper ist und dadurch die Hose noch mehr betont, ist bisher auch von den kühnsten Suffraggetles nicht angelegt worden. Dte erste, die mit einem solchen Pascha-Rock auf der Straße erscheint, ivird dem Alärtyreriimenschickjal nicht entgehen, das schon so manchen Revolutionärinnen der Alode von der ivenig rücksichts­vollen Schar des StraßenpublikninS bereitet morden ist.

* Nischt zu machen! Ein Hausierer bietet einem reichen Bauern im Wirtshaus Hosenträger an.Nee, nee, ich kauf' nischt!"Wenn Sie die Hosenträger zu dem Schundprets nicht kaufen, sind Sie bas größte Kamel, Rindvieh und Heu­pferd, das jemals gelebt bat!"Sie können mir schmeichelns wie Sie wollen, aber ich kauf' nischt!"

* Aus einer Antrittsrebe. Amtmann:Sieht fest zu mir, allzusammen; das nenne ich wahre Eintracht, wenn bi« Bauern ihrem Oberhaupt folgen wie bte Herbe ihrem ihrem Bauer (einfallenb):Ihrem Leithammel!"

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Anstösimg des Bersteckrätsels in voriger Nummer: Ohne Arbeit i st nichts in der Welt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»,