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klärt ihn der sich scheidende Mann vor dem Richter, zahlt die Nikiah ans und das Ehebündnis ist nun auch gesetzlich aufgelöst. Der schriftliche Vertrag wird vernichtet, und die geschiedene Fran zieht mit ihrer Habe, wozu auch alle vom Gatten empfangenen Geschenke gehören, weg, oder wenn die Wohnung ihr Eigentum wäre, verläßt dieselbe Der Mann mit seiner Habe.

Kann der Gatte aber vor dem Richter gesetzliche Scheidungs- gründe vorbringen, welche dem weiblichen Teile eine Schuld, ein Verbrechen auflasten, oder eilt vor der Verheiratung be­standenes Gebrechen nachweisen, das die Ehe oder deren Zweck unerfüllbar macht, so kann der Richter unter Zuziehung der Aeltesteu die Ehe auflösen, ohne daß der Mann die Nikiah zu bezahlen nötig hätte. Hat endlich ein der Frau bewußter Be­trug bei dem Abschluß der ehelichen Verbindung stattgehabt, namentlich was deren Jungsräulichkeit betrifft, so geht nicht nur der ganze Ehevertrag zurück, sondern der überwiesene betrügerische ist zu jedem Kostenersatz verpflichtet. Wie schwer die bezüglichen Beweise zu führen find, erhellt aus dem Umstand, daß die Untersuchung nur durch alte Frauen gepflogen werden kann, die weder die erforderlichen Kenntnisse besitzen, noch nubeftechlich sind.

Schwieriger ist es für die Frau, die Scheidung durchzusctzen, denn sie muß Gründe angeben und beweisen; Mißhandlungen, Verweigerung des nötigen Lebensunterhaltes, Unsittlichkeit, phy­sische Gebrechen und ansteckende oder ekelhafte Krankheiten, wenn solche durch eigene Schuld des Gatten entstanden, sind als trif­tige Gründe anerkannt, doch werden der Trennung immer noch Schwierigkeiten entgegengesetzt, wenn der Mann dem Verlangen der Frau nicht zustimmt. Oft entsagt, trotz ihres guten Rechts die Frau der Auszahlung der Nikiah, um von dem ihr ver­haßten Manne losznkontmen, ja zuweilen werden von feiten der Frau noch pekuniäre Opfer gebracht.

Welcher Teil auch immer die erfolgte Scheidung beantragt hatte, so bleibt die Frau verpflichtet, drei Monate nach derselben unverheiratet zu bleiben, während welcher Zeit ihr gewesener Gatte ihren Lebensunterhalt bestreiten muß, wenn fie hierauf nicht speziell verzichtet. Zeigt sich innerhalb dieser drei Monate eine Schwangerschaft es wäre denn, daß die Scheidung infolge eines erlviesenen Ehebruchs stattgefunden hätte, so ist der ge­schiedene Gatte verpflichtet, der Frau eine Summe für den Unter­halt des Kindes auszuwerfen, bis dasselbe das Alter erreicht, in welchem es von der Mutter getrennt werden kann.

Schon die bloß religiöse, auf den Ausspruch des Gatten ge­gründete Scheidung ist unwiderruflich, und wenn eine Aussöhnung stattfände, so muß ein neuer Kontrakt geschlossen werden. Nach den Lehren der herrschenden Sekte kann eine solche Aussöhnung nur zweimal statthaben; nach einer dritten Scheidung muß die Frau einen anderen Mann heiraten, mit ihm das Beilager halten und sich von ihm wieder scheiden lassen, ehe sie sich mit ihrem ersten Manne wieder vereinigen kann. Diesem .Gesetze entspricht man oft durch eine provisorische Heirat.

So weit die vorgefundene Skizze. So ganz wie in ihr die türkische Familie geschildert wird, ist sie heute nicht mehr, doch sind die hauptsächlichsten Gebräuche dieselben geblieben. Da sie von den unseren Jo sehr verschieden sind, hoffe ich, daß diese Skizze das Interesse der Leser gefunden hat, und wenn dem so sein sollte, beabsichtige ich noch andere Aufsätze über türkische Verhältnisse zu bringen, unter denen die persönlichen Erlebnisse meines Großvaters als politischer Gefangener im Bagno, dem türkischen Staatsgesängnis, wohl von ganz besonderem Interesse sein dürsten.

Vermischtes.

kf. E in er, der noch NapoleonI. gesehen hat. Einer der Mitarbeiter desGaulois" hat in letzter Zeit eine Unter­redung mit einem Manne gehabt, der am 26. Anguß 1807 zu Versailles geboren, Napoleon I. noch persönlich kennen gelernt hat. Bei einem der großen Maskenbälle in den Tuilerien war er durch irgend einen Zulall zugegen, wurde von der Kaiserin Marie Louise aui das Knie genommen und von dem großen Kaiser in treund- licher Weile angesprochen. Dieser Mann hat weiterhin eine Reibe bedeutender Dimmer der Kunst und Wissenschaft, einen Viktor Hugo, Muffet, Horace und andere kennen gelernt. Jetzt lebt der Greis in Paris und sein Geist, der in den Erinnerungen einer fernen Zeit schweist, ist trotz der Last der Jahre noch heute vollkommen frisch und klar.

* Eine gründliche Untersuchung. Eine lustige Episode aus dem Leben eines sehr bekannten unb gesuchten Pariser Arztes weiß derCri de Paris" seinen Leiern z»i erzählen. Diese Woche war bei Dr. L. große Gesellschafi; es war schon spät, die genossenen guten Weine machten Stinnuung, als plötzlich dem Hausherrn ein Patient gemeldet wird. Resigniert geht der Arzt in sein Sprechzimmer. Der Besucher ist ein schwerer Asthma­tiker, die Bronchien sind in einem traut igen Zustande und die Stimmbänder vermögen kaum noch seinen Worten Klang gn geben. Ter Doktor greift zum Hörrohr, um die Untersuchung zil beginnen. Gewohnheitsmäßig fordert er, um die Aufmerksamkeit des Patienten von der Untersuchung abzulenken, den Kranken auf, langsam und gleichmäßig zu zählen: eins, zivei, drei, vier, iüns ... Tie Zeit

verstreicht, und die Freunde und Gäste im Salon und Rauchzimmer werden unruhig, nach langem Zögern entschließen sich ein paar Intime des Hauses, vorsichtig die Tür zum Sprechzimmer zu öffnen. Da sah man den pflichtgetreuen Arzt über das Hörrohr gebeugt, an seinem Patienten lehnen, die Dtüdigkeit hatte ihn überwältigt, während der Patient, den empfangeneil Weisungen getreu, ruhig imb gleichmäßig weiterzählte:Ächthuubertjechsunbfiebzig, acht- hunbertachtundkiebug . . .

kf. D i e G änseprob e. Die Londoner bekommen nun auch HumperdincksKönigskinder" zu sehen, und die Leiter des Covent- Garden-Theater haben natürlich den Ehrgeiz, es den deutschen Theaterdirektoren darin gleich zu tun, daß sie lebendige Gänsö auf die Bühne bringen; sie haben sich bereits um eine Herde Gänse sür die Aufführungen des Werkes bemüht. Einer der bekanntesten Londoner Tierzüchter, Hale, hat den Auftrag be­kommen, eine Herde Gänse für die Aufführung des Werkes aus­zubilden; und er hat 40 gut gebaute, hübsche, schneeweiße Tiere ausgesucht, die er nun. allmählich mit Hilfe von Gerste und guten Worten zu Schauspielern erzieht. In den nächsten Tagen sollen bereits die Bühnenprvben beginnen, »it deren Hauptzwecken es gehören wird, daß sich die Gänse an die Sängerin, die das Gänsemädchen spielt, gewöhnen.

C. K. Hedwig Niemann-Raabe nnd die Wahr­sagerin. Der berühmte Klaviervirtuose und Komponist Gsza Graf Zichy veröffeirtlicht in der Deutschen Revue einen Abschnitt aus seinen Lebenserinnerungen, die demnächst erscheinen sollen. Der Gras berichtet mit anmutiger Lebhaftigkeit von seinen Stu­dien, die er unter Robert Volkmann eifrig betrieb, von der Förderung, die er durch Liszt erhielt, von seiner Heirat und seinem Leben als ungarischer Magnat vor seinen internattonalen Triumphen als Pianist. Dabei erzählt er auch von drmi tiefen Eindruck, den in seiner Jugend die bezaubernde Narve Hedwig Raabe auf ihn machte, und von der Freundschaft, die er mit der großen kleinen Person" schloß.Es war wirklich zu reizend, wenn sie auf einem ihrer .kleinen Füßchen herumtanzte und dazu das Liedchen sang:Im Garten meines Vaters, da stand 'ne kleine Blum', bum, bum." Eines Nachmittags bat sie mich, ich solle Mit ihr die berühmte Wahrsagerin in Ofen austuchen. Ganz verwundert antwortete ich, daß ich nie etwas über eine Wahrsagerin in Ofen gehört habe.Sie ist sehr berühmt , war die Antwort,fahren wir!" In Ofen, links über dem Tunnel, in einer entlegenen kleinen Gasse, fanden totr die alte zahnlose Frau, die uns grinsend empfing und lange und forschend mit ihren Heinen stechenden Augen anblickte.Merkwürdig, merk­würdig," kreischte sie,ihr beide werdet bald heiraten, aber Nicht euch. Du, kleine Dame, bekommst einen langen Mann, wie du einer bist, und du bekommst eine kleine Frau, wie sie eure ist. Es ist buchstäblich eingetroffeu. Hedwig Raabe heiratete den großen und langen Niemann und ich eine ebenfo kleine Braut als sie war Die Hexe legte uns dann noch die Karten, Mir prophezeit sie viel Schmerz und Sorge, aber auch Erfolg und Anerkennung. Zum Schluß sagte sie mit erhobener .Stimme:Tein größter Feind ist das Wasser hüte dich, hüte dich!" Ich hoffe sie hat das gebrannte Wasser gemeint. Da ich aber nie welches trinke, so bleibt nur noch das Meer übrig und darauf wird mich Gott schon mit seiner Gnade beschützen.

*Frerndwörter. Auf bent Dienstzeugnis, das der Dorf­schulze seinem scheidenden Dienstmädchen ausfertigt, steht am un­teren Rande vorgedruckt:Dient nicht als Legitimation." Zut Erläuterung schreibt der Schulze dahinter:sondern als Vieh-

* Ihre Ansicht.Wenn ich noch jüüger und rüstiger wäre, möchte ich Ihnen mein Herz und mein Vermögen zu Füßen legen."Na, zu letzterem sind Sie doch noch rüstig genug!"

* Hindernis.Wie sind die Zigarren, die Sie neulich bei dem Reisenden bestellt haben?"I ch ko n nt e sie ni ch t rauchen!"So schlecht?" «Nein, aber der Kerl schickte sie gegen Nachnahm e."

* Verfängliche Frag e. Mieter:Alles gefällt mit hier recht gut in Ihrer Wohnung, bis auf den Spiegel, der taugt nichts, darin habe ich ein so schrecklich dummes Gesicht." Vermieterin: ,Ha, war denn das in Ihrer früheren Wohnung anders?" ___________

versteckrätsel.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenben Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer". Weizengarbe Lochbeitel Balsam Eitelkeit Kriegslist Dienstag Heugabel Sammetweste Solothurn Guts­verwalter Riefengebirge.

Auflösung in nächster Nummer»

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: 8eige bei trübseliger Zeit dich tapfer nd von unerfchüttertem Mut; doch lern auch, Schwellt ein allzu günstiger Wind dein Segel, Klüglich es einzieh'nl

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lang«, Gießen.