Ausgabe 
7.10.1911
 
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Samstag Sen 7. Moder

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Die weiße Frau.

Roman von 33. Collins.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Zu meiner großen Erleichterung ließ Sir Perc'wal sich beim Frühstück entschuldigen. Er hatte schon beizeiten eine Tasse Kaffee auf seinem Zimmer getrunken und war dort noch mit Griefen beschäftigt. Um elf Uhr, falls diese Stunde uns bequem sei, werde er die Ehre haben, Miß Fairlie und Miß Halcombe seine Aufwartung zu machen.

Das Ergebnis der Unterredung selbst ist in zwei Sätzen erzählt. Laura erklärte, daß sie einen anderen liebe und stellte ihm frei, zurückzutreten. Sir Percival antwortete in höchster Ehrerbietung, aber ablehnend. Kaum hatte er sich zurückgezogen, als Laura in einen heftigen Wein­krampf verfiel.

Den 9. November. Da ich sie heute morgen etwas beruhigter und gefaßter fand, nahm ich den pein­lichen Gegenstand von gestern in der Absicht wieder auf, sie zu bitten, mich deutlicher und entschiedener über diese beklagenswerte Heirat mit Sir Percival und Mr. Fairle sprechen zu lassen, als sie selbst dies mit dem einen oder dem andern tun konnte. Sie unterbrach mich sanft aber fest mitten in meinen Vorstellungen. .

Ich ließ den gestrigen Tag entscheiden, sagte sie, und er hat entschieden. Es ist zu spät, um wieder umzukehren.

Sir Percival sprach diesen Nachmittag voll Gefühl und ohne Rückhalt mit mir über seine Unterredung mit Laura. Er versicherte mich, daß das beispiellose Vertrauen, welches sie in ihn gesetzt, eine so entsprechende Ueberzeuguug von ihrer Unschuld und Reinheit in seinem Herzen erweckt, daß er weder in ihrer Gegenwart, noch, nachdem er sie verlassen, auch nur einen Augenblick sich einer unwürdigen Eifersucht schuldig gemacht habe, und daß er weder in bezug auf den Zeitpunkt des Entstehens dieser Neigung, noch m bezug auf ihren Gegenstand irgend wie Neugierde. fühle.

Er wartete, nachdem er dies gesagt, und sah mich an. Ich war mir meines ungerechten Vorurteils und eines unwürdigen Verdachtes, daß er wohl gar darauf spekuliere, daß ich aus eignem Antriebe gerade jene Fragen beant­worten werde, über die er sich den Anschein so vollkom­mener Gleichgültigkeit gegeben, so bewußt daß ich aller ferneren Erwähnung dieses Gegenstandes wie mit Ber- wirrung auswich. Zugleich aber war ich entschlossen, jede, auch die kleinste Gelegenheit zu einem Versuche zu be­nutzen, Lauras Sache zu führen; und ich gestand ihm geradezu, daß ich bedauere, daß seine Großmut ihn nicht noch einen Schritt weiter geführt und bewogen habe, ganz von dem Verlöbnisse zuriickzutreten.

Aber auch hier entwaffnete er mich dadurch, daß er sich nicht zu verteidigen suchte. Er bitte mich nur,, den

Unterschied zu bedenken, der darin liege, daß er Miß Fairlie gestatte, ihn aufzugeben, was eine Sache bloßer Unterwerfung sei, und darin, daß er sich zwinge, Miß Fairlie aufzugeben, wodurch man mit andern Worten von ihm verlange, Selbstmord an seinen eigenen Hoffnungen zu begehen. Ihr Betragen am gestrigen Tage habe die unveränderliche Liebe und Bewunderung, die er seit zwei langen Jahren für sie gehegt, so befestigt, daß ein tätiger Kampf von seiner Seite gegen diese Gefühle hinfort nicht mehr in seiner Macht sei.

Den 11. November. In einer Unterredung, die Mr. Fairlie in meiner Gegenwart heute mit Sir Percival hatte, schlug der schmachtende Egoist vor, Laura solle den Termin zur Hochzeit bestimmeu, damit er endlich zur Ruhe komme. Ich schlug platterdings aus, die Sache gegen Laura zu erwähnen.

Nachher aber erklärte sie trotz meiner Vorstellungen! rund heraus, die Sache Sir Percival überlassen zu wollen.

Ich bin außer mir. Bei der Bestimmung des Hoch­zeitstages, wie bet jeder andern hat Sir Percival, un­geachtet alles dessen, was ich sagen oder tun kann, seinen Zweck auf die ehrenvollste Weise erreicht. Seine Wünsche sind dieselben jetzt, die sie waren, als er ankam; und Laura bleibt, nachdem sie sich in das unvermeidliche Opfer der Heirat ergeben, so kalt, hoffnungslos und duldend wie vorher. Indem sie von den kleinen Beschäftigungen und Reliquien schied, die sie an Hartright erinnerten, scheint sie auch von aller Zärtlichkeit und Empfänglich­keit geschieden zu sein. Es ist erst drei Uhr nachmittags, während ich diese Zeilen schreibe, und schon hat uns Sir Percifal in der frohen Eile eines Bräutiganis verlassen, um sein Hans in Hampshire zu dem Empfange seiner jungen Fran vorzubereiten. Wenn sich nicht irgeitb etwas ganz Außerordentliches ereignet, um es zu verhindern, so wird ihre Vermählung genau zu der Zeit stattfinden, da er es wünschte vor Ablauf des Jahres. Meine Finger brennen, indem ich es schreibe!

Den 12. November. Eine schlaflose Nacht, aus Unrulie um Laura. Gegen Morgen kam ich zu dem Ent­schlüsse, zu versuchen, ob nicht eine Veränderung der Um­gebung günstig auf sie wirken werde. Nach einiger Ueber- legung entschied ich mich, an die Arnolds in Porkshrre zu schreiben. Sie sind einfache, liebevolle, gastfreundliche! Leute; und sie kennt sie seit ihrer Kindheit. ,

Den 14. November. Drei Briefe für mich. Der erste von den Arnolds voller Freude über die Aussicht, Laura und mich bei sich zu sehen. Der zweite von einem der Herren, an die ich in Walter Hartrights Interesse ge­schrieben habe und der mich benachrichtigt, daß er das Glück gehabt, eine Gelegenheit zu finden, mein Anliegen zu erfüllen. Der dritte von Walter selbst; er dankt mir, der arme Junge, in den wärmsten Ausdrücken dafür, daß ich ihm Gelegenheit verschafft, seine Heimat, sein Vater­land und alle feine Lieben zu verlassen. Es soll eine