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Wilhelm Raabe.
Btt seinem 80. Geburtstage, am 8. September 1911« Von Lehrer Hofmann, Langgöns.
Wir Deutsche sind im allgemeinen groß darin, einen bedeutenden Mann lange Zeit nicht zu kennen; dann aber plötzlich mit viel Lärm gelegentlich eines Geburtstages, oder wenn er auch schon tot ist, dieses Nichtkennen durch Reden, Feiern usw. wieder gut zu machen. Ich meine hier hauptsächlich unsere Dichter. Ob die Werke von ihnen dann auch immer gelesen werden, ist eine andere Frage. Der Deutsche hat manchmal so das Bedürfnis, jemand zu loben oder gar zu verherrlichen, das geht aber mit einigen billigen Redensarten auch. Wie sagt doch Lessing? »,Wir wollen weniger erhoben und fleißiger gelesen sein."
Wilhelm Raabe erging es auch so. Er mußte 70 Jahr« alt werden, bis man ibn „entdeckte", d. h. die Allgemeinheit. Lange hat er einsam gesessen und gedichtet, nur eine kleine Schar treuer Anhänger verehrte ihn. Ihm war es auch so recht, er wollte kein Modedichter sein. Er ging seine eigenen Wege. Sein Erstlingswerk „Tie Chronik der Sperlingsgasse" (1857) hatte zwar einigen Erfolg, wurde besonders von der Kritik günstig ausgenommen; das nächste Werk aber („Ein Frühling") blieb vollständig unbeachtet. Tann kam der Umschwung in der deutschen Literatur (zwischen 1870 und 80), der Realismus trat zurück. Und ein junges Geschlecht brach sich Bahn. Da wollte Raabe nicht mit, und so blieb er allein. Lange, lange kannte man ihn fast gar nicht, bis in den letzten zehn Jahren einige Literaturhistoriker (besonders Adolf Stern und Adolf Bartels) für ihn eine Lanze brachen.
Sein 70. Geburtstag (8. September 1901) war eine Feier, an der das deutsche Volk und die deutsche Presse großen Anteil nahm. Heinrich Spiero schildert uns sehr schön die Festlichkeit in seinem neuen Raabebuch:
„. . . . Nach den ersten begrüßenden Worten Engelbrecht- sprach Adolf Stern, dazu berufen wie kein anderer Literaturhistoriker seiner Zeit, er, der lange schon Raabe nicht nur gepriesen, sondern, was mehr ist, von allen Seiten charakterisiert und in seiner nationalen Bedeutung dargestellt hatte. Welch ein behagliches Lät^ln ging gleich, bei Raabe beginnend, durch die Versammlung, als Stern anhob: „Der weise Senk», nicht der römische Philosoph neronischen Angedenkens, sondern der Bürgermeister von Wanza an der Wipper sagt einmal. . . .". Und dieser heitere Grundton der Feier, der kein leeres Pathos aufkommen ließ und dem wahrhaft festlichen inneren Pathos der Stunde doch keinen Eintrag tat, hielt vor.....
Es war das erstemal, daß sich bei festlichem Anlaß ganz Deutschland huldigend bei Wilhelm Raabe einstellte. Es war gnch die höchste Zeit."
Am 15. November vorigen Jahres ist Raabe gestorben. — Heute ist Raabe ja bekannter, aber die meisten seiner Werke haben es noch nicht über zwei Auflagen gebracht. Doch immer größer wird die Äaabegemeinde, und ich glaube, daß sie auch immer noch wächst, wenn die heutigen Sensationsromane längst vergessen sind. Er ist eben einer unserer Größten, einer unserer Prosaisten, der sich der stolzen Reihe Goethe, Keller, Storm, Meyer, Fontane würdig anschließen kann.
Was iß es nun, daß er nicht so volkstümlich geworden ist, wie Fritz Reuter zum Beispiel? Das ist einmal sein Stil, dann aber besonders seine Eigenarten in seinen größeren Erzählungen. Ein Freund von mir nannte Raabes Erzählungsweise „wunderlich". Der Ausdruck trifft auch für manche Werke zu. So erzählt Raabe in den Krähenfelder Geschichten mit dem größten Ernste von einem Geist, der 30 Jahre hinter einer Tapete festgenagelt war. Ich könnte noch andere Beispiele anführen. Doch sind es Ausnahmen. Man muß eben eine feste Schale durchbeißen, um bei Raabe auf den Kern zu kommen, man muß sich im wahren Sinne des Wortes einstudieren. Es ist keine Lektüre für eine müßige Stunde, o nein, es ist zunächst eine Arbeit, dann aber auch höchster Genuß.
Wer ihn noch nicht.kernst, beginne mit den kleineren Erzählungen (Die schwarze Galeere, Zum wilden Mann, Else von der Tanne, Deutscher Mondschein, Lorenz Scheibenhart usw.), dann schreite man zu seinen größeren Werken (Hungerpastor, Die Leute aus dem Walde, Die Akten des Vogelsangs, Schüddernng, Hor- Scker usw.).
Raabe ist unser größter Humorist im 19. Jahrhundert. Das vor allem sollte ihn schon volkstümlich machen, wir besitzen nicht vncke wirkliche Humoristen. Zwar sind Busch (durch seine Verse Und Bilder) und Fritz Reuter (durch das Plattdeutsche) viel bekannter, aber deutscher sind sie nicht. Raabes Humor entspringt der Liebe, der Lieb« zu seinen Mitnrenschen, der Liebe mitunter M den wunderlichsten Sonderlingen. Da ist kein Menschlein, kein Flächen derErde, das er nicht mit seinem weltbesiegenden Humor umspinnt. Man sieht hinter jeder Gestalt des Dichters lächelndes Autlrtz hervorlugen, und jede Person seiner Dichtungen wird uns ueb und wert, mögen sie auch manche Zöpse anhängen haben. Wir lernen sie, tote der Dichter vor uns, lieben.
Und iver sich einmal in Raabes Erzählungen eingelebt hak, der wird ost wtedev gern danach greifen, her wird oft, wie Bartel- sagt, Raabe-Heimweh bekommen.
vermischtes.
'Wie man früher vom Kaufmann dachte. Die Klagen, daß man in Deutschland dem Kaufmann nicht den gebührenden Platz einräume, verstummen allmählich: man weiß den Kaufmann und die Wichtigkeit des Handels zu würdigen. Unsere Vorfahren standen aber in der Tat beit Kaufleuten weniger freundlich gegenüber und Luther hat wenigstens gegen die größten Handelshäuser und ihre Inhaber häufig sehr scharte Worte gefunden. Ihre Spekulationen waren ihm ein Greuel. «Tenn st« haben alle Waren unter ihren Händen und machen's damit, wie sie's wollen und treiben ohne alle Scheu die obberührten Stücke, daß sie steigen und niedrigen nach ihrem Gefallen.....' Eine
bösere Meinung spricht sich noch in den Worten aus, in denen er davon spricht, daß die Raubritter den Kaufleuten auflauern. Die Plackereien seien diesen gesund , da die Fürsten sie nicht strafen, müsse es Gott tun, «also stäupt er einen Buben mit dem anderen". Ganz das ist auch die Meinung des bekannten Tübinger Professors Heinrich Bebel. Der sagt in seinen facet ae: „Tie Straßenränder sind segensreich, denn die Kaufleute erwerben sich ihren Reichtum doch mehr durch Wucher als durch ehrliche Verträge, so daß sie nicht leicht in den Himmel kämen, wenn jene ihnen die Schuld nicht etwas erleichterten." Hutten und andere einflußreiche Männer und Schriftsteller dachten nicht anders. Stur vereinzelt läßt sich eine andere Stimme hören, so die des Sebastian Brant: «Nachdem die Deutsche» haben angeiangen, Kaufleute zu werden und über ihr« Schwelle in andere Nationen zu retsen, ist kein Volk nicht weiter kommen, oder mehr eriahren. Deutschland hat die wettreisendsten und reichsten Kaufleute, die ausgebildetsten Gewerbe, so künstliche Arbeit in Malen, Sticken, Graben, Schnitzen, Bauen, Gießen, Schreiben und allerlei Kunst, wie sonst nirgends."
'Da» unschädlichste und bekömmlichste Getränk. Man hat es längst gewußt, so lange schon, daß man es in weiten Kreisen — lanß wieder vergessen zu haben scheint und die Erkenntnis davon rote ein verschütteter Brunnen wieder ausgegraben werden muß: das unschädlichste und bekömmlichste Getränk "ist gesundes, reines Master. Die hygienischen Anforderungen an ein gute? Trinkwaster sind, so toretbt Dr. med- E. Meyer in «Gute Gesundheit", 1911 Sir. 4, einfach ausgedrückt folgende: Es soll farblos und klar, geruchlos und ohne besonderen Geschmack, aber doch erfrischend sei». Will man ganz sicher gehen, so gewährt gegen etwa beigemsngte Krankheitskeime den beste» Schutz längeres Abkochen deS Wassers. Sodann ist aus die Zckrone als Beisatz noch besonders hinzuweisen. «Der Sait einer Zitrone ist imstande, zahllose Keime, speziell Cholera- und Typhuskeime, im Verlauf von wenigen Stunden völlig abzutöten." Dr. Meyer bemerkt aber: „Uns ist kein Fall bekannt, wo durch den Genuß von Master jemand eine Krankheit oder chronisches Siechtum sich zugezogen hat, wohl aber sind uns zahllose Leiden bekannt, herrührend von Bier, Wein, Branntwein und anderen alkoholischen Getränken" und — fährt dann fort: «Ter Ausscheidung durch die Ausscheidungsorgane entsprechend, hat der Mensch innerhalb 24 Stunden etwa 1-1% Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen; bet vorwiegend trockener Diät mehr, bet flüssiger Diät weniger. Es soll hier noch kurz gestreift werden, daß das Trinken nicht während der Mahlzeiten, sonder» hauptsächlich zwischen den Mahlzeite» zu geschehen hat".
* Vom Kasernenhofe. Sergeant: „Lehmann II., wa- sind Sie in Ihrem Zivilverhältnis?" — „Kassierer, Herr Sergeant." — Na, die Herren Ihrer Branche pflegen laut Zeitungsnachrichten bessere Griffe zu machen."
* Am Stammtisch. „Hab' ich nicht eine klassische Nase?" — „Na, sie fängt wenigstens an, es zu werden!" — „Sie sängt an?" —. „Ja — zu „schillern"!"
Ertter-Rätse!.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a ---------aaa, bb, dddddd, eeee,
g g, h h, i i i i i i i i, k, 1 1, n
_______ n n n n n, r r r r, n u der« art einzutragen, daß die senk-
—--- rechten und wagerechten Reihen
— gleichlautend folgendes ergeben:
------ 1. Einen Teil Europas.
_________2. Stadt in Schottland.
3. Fluß in Sibirien.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer« Des Lebens Mai blüht einmal und nicht tvieder.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


