Ausgabe 
7.9.1911
 
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(Fortsetzung folgt.)

und Seele zerfleischen zu lassen. Ich brauchte das) eA war mir ein Heilmittel--es war eine vortreffliche

Kur ... So ist Las Grab Trudes ein Markstein in mein ent Leben geworden . .

Er hatte schnell gesprochen und sehr einfach. Nun fuhr er langsamer fort:

Es mar für mich eine selbstverständliche Pflicht, die Eltern Trudes zu unterstützen. Das mußte unter der Hand geschehen; die Freundschaft oder Verwandtschaft der Ma- zanka mit Len Leuten machte es mir bequem. Auch die Mutter Trudes ist inzwischen verstorben; der Vater möchte zu seinem Sohne ziehen, der in einer Fabrik in Manchester arbeitet. Da habe ich den Reisezuschuß für ihn herge­bracht . . . Und nun bitte ich Sie, Fräulein Traute, ant­worten Sie mir nicht auf meine Erklärung. Ich will keine Antwort. Aber beurteilen Sie menschlich, was menschlich ist. Und dann sagen Sie mir offenherzig: was führt Sre in dieses verdammte Haus?"

Sein Blick hing mit Spannung aus ihrem Gesicht. Da mußte ffe die Wahrheit sagen. Und sie sprach sre ruhig aus. ., .

Ich wollte mir Geld holen nichts werter." Geld holen?" wiederholte er staunend.Bon der . . . ah, mir fällt ein: die Mazanka verleiht auch auf Pfänder!"

Sie nickte, und ihre Augen verschleierten sich.

Ja," sagte sie mit tränenerstickter Stimme,ich war schon öfters hier. Ich bin sehr arm. Und ich schulde Ihnen noch zwanzig Mark. . Sie zog das Kettchen mit denk Goldherzen hervor. . .Ich wollte das das da ver­setzen . . ."

Um meinetwillen?"

Der Marinemrtrag.

Eine Detektivgeschichte des Sherlock HolmeK von Conan Doyle.

(Fortsetzung.)

Wir dürfen über diesen untergeordneten Fall Me Hauptsache nicht aus den Augen lassen. Es wäre nur eine große Hilfe, wenn Sie mit uns nach London kommen könnten." 1

Sofort?"

Ja, das heißt, so rasch es sich einrichten läßt. Etwaj in einer Stunde." ,,

Ich fühle mich stark genug dazu, wenn ttf) Ihnen wirklich nützen Tonn."

Ohne allen Zweifel."

Vielleicht möchten Sie, daß ich über Nacht dort blerbe!?

Das wollte ich Ihnen gerade Vorschlägen."

Wenn dann mein Freund seinen nächtlichen Besuch wiederholen will, findet er den Vogel ausgeflvgen. Wir geben nns ganz in Ihre Hände, Herr Holmes. Sie brauchen nur zu sagen, was geschehen soll. Wünschen Sre vielleicht, daß Josef mitkommt, um für mich zu sorgeir?"

O nein; mein Freund Watson ist Arzt, wie Sie wissen, und wird sich Ihrer annehmen. Wenn es Ihnen recht ist, frühstücken wir erst hier und fahren dann alle bre< zusammen nach der Stadt."

Alles wurde eingerichtet, wie er es wollte. Fraulem Harrison erschien nicht bei der Mahlzeit. Sie durfte ja nach Holmes' Anordnung das Zimmer nicht verlassen. Was der Zweck von allen diesen Veranstaltungen war, begriff ich nicht; ich konnte mir nur denken, daß mein Freund die junge Dame von Phelps trennen wollte, der voll Freude über seine wiederkehrende Gesundheit und Tatkraft mit uns im Eßzimmer frühstückte. Die größte Ueberraschung erwartete nns indessen noch, als Holmes mit auf den Bahn­hof ging, nns beim Einsteigen in den Zug behilflich war und dann ruhig erklärte, er habe nicht die Absicht, Woking zu verlassen. ' , , . .

Ehe ich fortgehe, muß ich erst noch über einige Kleinig­keiten ins reine kommen," sagte er.In gewisser Hinsicht wird mir das durch Ihre Abwesenheit erleichtert, Herr Phelps. Du tust mir wohl den Gefallen, Watson, so­bald Ihr in London angekommen seid, mit unserem Freunde nach der Bakerstraße zu fahren und bei ihm zu bleiben, bis ich zu euch komme. Es trifft sich gut, daß ihr alte Schulkameraden seid und mancherlei Erinnerungen zu be­sprechen haben werdet. Herr Phelps kann in deinem ehe-

Tür und riß sie auf. Jetzt zuckte etwas >vie boshafte Furcht um ihren zerfaserten, gemeinen Mund.

Everstedt hatte Traute am Handgelenk gepackt und zog sie nut sich. Sie ließ es wehrlos geschehen. Sie hatte keinen Mut mehr, zu widerstreben; alle Selbständigkeit war einem Gefühl greilzenloser Ohnmacht gewichen.

Er stieß sie rauh vor fick; her und schloß die Tur.

Wie kommen Sie hierher?" fragte er nochmals, schroff und befehlend. Sein Auge bohrte sich in das ihre. Es lag eine grimmige Wut in seinem Blick.

Traute schielte Angstvoll zu ihm auf. So hatte sie ihn noch nie gesehen. Sein Gesicht war fahl und entstellt; unter der gespannten Stirn lagen die Brauen fingerdick.

Ich woll l ich wollte," begann sie zu stottern. Dann gab sie sich einen Ruck. Ihre Finger schlossen sich krampf­haft. Sie warf den Kopf in den Nacken und wurde trotzig. Nun sprühte es auch in ihrem Auge auf.Was fragen Sie?" sagte sie.Kann ich nicht tun, was ich will!?"

Nein! Ein Mädchen, das auf Anstand hält, geht nicht zur Mazanka." . T

Aber sie war ja doch meine Amme!" rtef Traute. Kann ich dafür, daß sie so gräßlich geworden ist!?"

Everstedt strich sich über die Stirn.Dieses Werb," sagte er,diese. . ." Es lag etwas Sinnwidriges ip der Annahme, daß die schreckliche Frail einst das geliebte Mäd­chen an ihrer Brust getragen hatte; etwas Störendes. Er­ging an das Fenster und drückte die Stirn an die Scheibe. Er sah oben einen grauen Wolkenhimmel und unten das schwarze Wasser des Kanals; dazwischen bauten die bunten Laternenschilder der verrufenen Straße sich auf. Mechanisch begann er die Schilder zu zählen.

Traute hielt sich nicht mehr aus den Fußen. Sie mußte sich setzen. Sie schaute gedankenlos im Zimmer umher. Gelbe Birkenmöbel standen an der Wand; auf einer Bank aus Strohgeflecht lag ein flittriges Maskenkostüm; in einer Ecke lehnte ein Mannequin, dem eine blauweiß gestreifte Holländer Haube aufgestülpt war. Dann flog der Blick weiter zu Everstedt.Weshalb schaute er zum Fenster hinaus?" fragte sie sich. Und fügte in Gedanken eine zweite Frage an:Was hat er hier zu suchen?" und ein dunkles Erinnern kam an ihren Besuch un April, an eine zweideutige Bemerkung der Mazanka, an einen Blick in ein halbdunkles Gemach mit vielen Polstern und einem lichtgrauen Teppich, in den große rote Buketts eingewebt waren. rt .

Everstedt wandte sich um. Er wär ruhiger geworden: sie sah es sofort. Auch seine Stimme klang geschmeidiger und minder erregt. , ,

Verzeihen Sie, daß ich wieder einmal rauh war," sagte er.Aber Sie müssen wissen, daß mich Ihr uw­vermuteter Anblick heftig erschreckt hat. Dies Haus steht in schlechtestem Rufe."

Wenn das der Fäll ist," entgegnete sie,warum sind Ste dann hier?" , ,

Er stutzte ein wenig. Wieder sewkten ferne Brauen sich tiefer. Er zögerte mit der Antwort. Dann nickte er kurz und energisch.

Sie sollen wissen, weshalb," sagte er.Erne Beichte, Fräulein Traute: eine, die aus dem Herzen kommt. An dem Abend am Meer, als ich Sie aus der Villa Hönigs- wald nach Hanse begleitete, riefen Sie eine böse Erinnerung in mir wach. Nannten auch einen Namen, den eines armen Kindes: der kleinen Trude ... Ich weiß heute, wer Ihnen die Geschichte erzählt hat und ich zürne dem Maime nicht mehr: seine Warnung war gut gemeint. Aber jeder Verbrecher hat das Recht der Verteidigung, und was ich Ihnen Nun sagen werde, soll eine Verteidigung sein. Die Kleine liebte mich sehr und wir waren beide jung. Wrr waren auch leichtsinnig. Trude kam aus einer Welt, in der die Lebensanschauungen andre sind als in der unfern. Was bei uns zu Konflikten führt, findet im Volke Duldung. Das muß ich vorausschicken. Ich muß auch ehrlich sagen, daß ich damals ein wilder Bursche war. Ja, das war ich: bedenkenlos aber nicht roh. Ich brauchte feine Don Juan-Kunststückchen anzuwenden und keine Listen der ars amandi: Trude flog mir entgegen und wir hatten uns lieb. Daß der Schrecken nachkam, ist wahr. Aber es gab keinen Ankläger, nur einen tragischen Zufall. Ich habe Trude ehrlich beweint und noch mehr: ich habe mich von Kruse wie einen Schulbuben schelten lassen. DaA war mir recht so; ich war in der Laune, mir Herz