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Seiten an ihnen gearbeitet wird', darf man hoffen, daß sie in absehbarer Zeit auch greifbare Resultate wird auftveisen können. Auf der Dresdener Ausstellung bedeutet die Gruppe für Rassen- Hygiene, die Hinter dem Vorsitze des bekannten Münchener Hygienikers Prof, von. Gruber steht, eine Anziehung ersten Ranges.
Aus der Geschichte des Branntweins.
Die statistisch erwiesene Tatsache, saß der deutsche Brannt- weinverbranch sich in anhaltendem, wenn auch langsamem Rückgang befindet, bringt die Lobeshymnen in Erinnerung, mit der man dieses Getränk bei seiner ersten Einführung in Deutschland auinahm. Er kam, wie das Buch des Florentiners Thaddäus be-, weist, aus Italien unter dem' einschmeichelnden Aushängeschild eines geradezu wundertätigen Arzneimittels, das die Bewohner von Modena durch arabische Händler kennen gelernt, in Zeiten besonders ergiebiger Weinlesen zu brennen begannen und vorn Anfang des 14. Jahrhunderts an nach Süddeutschland exportierten. Der Kardinal Vitalis de Turno preist den Branntwein in jener Zeit als wahres Lebenselixier. Um 1360 wird er hier und da auch schon außerhalb der Apotheken verschenkt und im Jahre 1440 wird ein Likör, den sich Kaiser Friedrich III, in Graz nach seinem besonderen Geschmack bereiten ließ, als Aqua vitae Frederiei tertii in weiteren Kreisen bekannt. Michael Schrick, Doktor der Arznei- gelehrsamkeit, sagt in einem 1483 in Augsburg bei Anton Song verlegten Buch: „Wer alle morgen trinkt gepranten Win ein halbe löiel vol, der wird nymer krank" und zählt im Anschluß daran 37 einzelne Leiden aui, bei denen er als Medikament besonders wirksam sei. Im Jahre 1493 erscheint unter dem Titel „Wemder Gebrandt Wein nutz sey oder schad. Und wie Er gerecht oder sälsch- lich gemacht sey" das erste den Alkohol in deutscher Sprache verherrlichende Gedicht, das mit den Worten beginnt:
Nach dem und nun schier yederman Gemaintlichen sich nymmet an, Zu trinken den gebrandten Wein, Soll hier seyn Lob gesungen feym
Bald aber wendet sich das Blättlein. Die hessische Reforma- tionsordnung von 1509 bestimmt: „Wer gebrandten Wyn seil hat, soll niemandt gestatten zechen in synein Huse. Es sei Heilig- ober Werktag, sondern den gebrandten Wyn in synem Huse verknusen. Welcher oder welche das verbrechen, es sey Kauffer ober 93er- kauffer, sollen das verbüssen mit ber höchsten Buße und darzu ihren gebranbien Wyn verloren haben". Im Jahre 1558 wird sogar verordnet: „Wir finden zu verordnen, daß solch übermäßig Sanken des brannten Weines gänzlich abgestellt, und damit kein Gelach mehr, weder von Wirten, Bürgern, Bauern, Edlen imb Unedlen gehalten, auch der gebrannte Wein hierzu nicht, sondern allein kranken und gebrechlichen Manus- und Weibspersonen verkauft .werden soll. Die dagegen handeln, sollen des Branntweins verlustig sein, zur Hälfte für Uns, zur anderen Hälfte für euch, unsere Amptknechte."
Die neuesten Forschungen haben dargetan, daß das wulkifrohe Rußland, wie eS sich auch von Rechts wegen gehört, allen anderen Ländern in der Einführung des Branntweins voraus war. Schon zur Zeit des heiligen Wladimir (980—1015) bezeichnete man ihn als die Freude des Volkes. Spätere Zaren waren aber dem Feuerwasser nicht wohlgesinnt. Wasilij III. Iwanowitsch gestattete das Branntweintrinken nur den Strelitzen, denen er aber in Moskau, damit sie die Bürgerschaft nicht zum Trinken verführten, einen besonderen Stadtteil erbaute. Boris Godunow ober meinte kurzweg, er wolle eher einem Ränder oder Mörder verzeihen, als einem, der es wagen würde, eine Branntweinschenke zu eröffnen. ______________
Vermischtes.
* Ein witziger Librettist. Bon Sir Gilbert, dem Librettisten Arthur Sullivans, der, wie wir berichteten, plötzlich verstorben ist, werden in den Londoner Blättern eine Reihe von Beispielen seines gewöhnlich sehr beißenden Witzes erzählt. Bei einem Diner saß er einmal neben einem früheren Herausgeber des „Punch", als davon die Rede war, wie massenhaft täglich die Gin- sendungen von „draußen" bei der Redaktion einlieien. „Ja, sagen Sie," warf Gilbert ein, „kommt beim dabei niemals etwas Gittes mit?" „O doch, manchmal ist auch etwas dabei." „Dann verstehe ich es nicht," sagte Gilbert ruhig, „warum Sie n i e m a.l s etwas davon bringen." — Als Gilbert mit Sullivan in Newyork war, war er eines Abends als Glast bei einer Dame, die zu den „neuen Reichen" gehörte und sich als große Musikfrenndin auSgab, „O, Mister Gilbert," ließ sich die Dame vernehmen, „die Musik Ihres Freundes Sullivan ist wirklich zu entzückend. Sie erinnert mich immer an den reizenden Bach (gesprochen Bätsch). Sagen Sie mir doch, was tut denn dieser Bätsch jetzt? Setzt er wieder mal was neues?" „Ach nein, Madame," erwiderte Gilbert mit tödlichem Ernst, „er zer setzt jetzt." — Als Gilbert zum Friedensrichter ernannt wurde, sagte der Beamte zu ihm: „Sie haben ja das Recht studiert als ehemaliger Anwalt, Sie kennen es daher doch gut?" „Freilich," sagte Gilbert, „ich hoffe jedoch, daß Sie das nicht als em Hindernis ansehen werden."
* Der Dauuien als' Charakker spiegel. „Bein? Fehlen eines anderen Beweises würde mich der Damnen von der Existenz Gottes überzeugen," so schrieb einst Isaac Newton, doch er mag wohl kaum daran gedacht haben, daß in späteren Zeiten die rührige Schar der Charakterdenter diesen Beweis für das Dasein Gottes zum Gegenstand tiefgründiger Betrachtungen über den Charakter der Menschen machen würden. Aber hig Charalterpropheten, die in jeder Bewegung, jedem Gestus, jeder Gewohnheit ein tiefes Symbol vom inneren Wesen des Meufchest sehen, haben nun auch den Daumen in den Bereich ihrer Betrach-i tungcn gezogen. An ihrem 'Damnen sollt ihr sie erkennen, so behaupten diese Scelenergründer, und eine englische Wochenschrift! gibt auch einige ergötzliche Beispiele von diesem System des Charalterlesens unter Zugrundelegung des Daumens. Wenn man den verräterischen Finger glätt an die Handfläche, anlegt »Ut.ds dabei findet) daß, sein Ende etwa 60 Millimeter von ber Spitze, vor dem zweiten Glied des Zeigefingers endet, so ist der Daumen normal gebildet, erreicht er das zweite Glied des Zeigefingers, so ist er lang, und bleibt er mehr als einen Zentimeter hinten dem zweiten Gliede zurück, so ist er kurz. Diese Feststellung ist für den Charakterdenter bereits von großer Bedeutung, beim die Beobachtung lehrt in Uebereinstiinmnng. mit der unendlichen Harmonie der Natur, daß ein normaler Daumen auf einen ruhigen, ausgeglichenen Geist schließen läßt, auf im Grunde ihres Wesens gütige und sympathische Menschen, die in allen Fragen des Lebens Extreme vermeiden. Der lange Daumen dagegen verrät seinen Besitzer als einen sentimentalen und sehr gefühlvollen Menschen, der aber zugleich ein lebenstüchtiger Bürger dieser Erde fein kann und über ein schönes Organisationstalent verfügen mag. Wer dagegen einen kurzen Daumen hat, kann int allgemeinen als ein Charakter angesehen werden, dessen Handlungen leicht von plötzlichen Impulsen bestimmt werden und der sich überhaupt zuviel dem Augenblicke hingibt. Solche Menschen haben meist auch eine Vorliebe für viele Worte, ja sie können geradezu schwatzhaft fein, aber jeder Appell an ihr gutes Herz wird sofort Widerhall finden. Ein Mann mit einem sehr kurzen Damnen wird als nnbeständigt hingestellt, er ist romantisch, in feinen Gefühlen schwankend und außerstande,ein Versprechen zu halten. Ein sehr dicker, plumper, Daumen läßt auf brutale Instinkte schließen. Ist der indiskrete Finger aber in seinen äußeren Umrissen gar etwas keulenförmig, dann hütet euch: fein Besitzer ist ein gewaltsames, rohes Temperament und neigt zu verbrecherischen Taten. In diesem Punkte werden die Hypothesen der Charakterdenter übrigens durch die Feststellungen des Bertillonschen Systems bestätigt, die gezeigt haben, daß alle Mörder am Daumen diese kenlenähnliche Form aufweisen. Zeigt der Daumen eines Bekannten eine leichte Krümmung nach rückwärts, so darf man sich angeblich auf ihn verlassen, er wird in keiner schwierigen Situation versagen. Er ist zwar'neugierig, hat aber auch Takt genug, nm in allen schwierigen Lagen zum Retter zn werden. Er ist edelmütig und verläßlich, nachsichtig, aber nicht leicht zu täuschen. Bei einer Fran deutet die gleiche Krümmung des Daumens ans ein wißbegieriges und enthusiastisches Temperament hin, sie kamt manchmal vielleicht sogar aufdringlich werden, ist aber im Grunde gut und gemütvoll, und jemand, dem man schwer zürnen kann. Nie soll man, so raten die Daumenpsychologen, einem Menschen vertrauen, der am Daumen einen ausfällig kürzen Nagel hat. Das ist ein Mensch, der seine Zunge nicht beherrscht. Entspricht die Länge des Nagels etwa der Distanz vom Nagelansatz bis zum ersten Glied des Daumens, so hat man es mit einer Persönlichkeit zu tun, die ein ausgezeichnetes Urteil hat, ihre Beschlüsse sorgsam faßt und auch genügend Energie zu deren Ausführung besitzt. Ist der Nagel aber sehr lang, so steigert sich diese Entschlossenheit fast zur Herrschsucht und Tyrannei, —• So, nun wissen wirs also!
* Der Stuben t. „Möchten Sie nicht auch 'mal eine Seereise machen, Herr Spund?" —, Student: „Nein, ich mache lieber Bierreisen."
* Kein Nachteil. Ziminervermieteriit: ,,. , $ . und dann hat das Zimmer Morgensonne." — Student: „Das macht! nichts, wenn nur die Vorhänge gut schließen!"
»
Magisches Dreieck.
I Jn die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben aaachhhhii n n nur derart einzutragen, daß die einander eirt- ----------L-J sprechenden ivagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: -------1=”"* 1. Asiatisches Reich.
___ 2. Kampflustiges Tier.
3. Ein Fürwort.
4. Ist in Pennfylvanien zu finden.
5. Einen Buchstaben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Fronten — Beftame — OOnct — Morntiits — Ebinburg — Pyreiinen — Ferrnri; Frohe Pfingsten.
'edaktion : I. B.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen,


