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gerecht gemacht. Diese Abgabe bestand in Hessen, Hannover, Bayern nnd anderen Ländern, weil der Landesherr der Ober- rigentümer war. In der Fveiherrnschaft Riedesel war die Ab­gabe mäßig, weil die Bauern ihre Grundstücke selbst taxieren dursten. Tast die Abschätzung möglichst niedrig aussiel, war ver­zeihlich. Trotzdem konnten unerträglick>e Lasten entstehen, wenn schnelle Uebergänge wegen Todesfälle vom Vater aus den Sohn, den Enkel, oder Seitenverwandte vorkamen. Erwägt man, daß das Geld damals sehr rar, daß keine Gelegenheit zu Neben­verdiensten gegeben war, so ist begreiflich, daß derHerren- Weinkauf" zu .einer sehr drückenden Last werden konnte.

Um das Jahr 1750 wurden die Zahlungspflichtigen hals­starrig, sie rückten nicht mehr heraus. Der Riedesel'sche Bei­lreibungsbeamte konnte keine Zahlungen mehr eintreiben. Drohun­gen waren ebenso erfolglos als gute Worte. So vergingen zwei Jahre. Da wandte sich Freiherr von Riedesel an den Land­grafen Ludwig VIII. in Darmstadt und bat um ein Pikett Soldaten, die den halsstarrigen Steuerverweigern Respekt ein- flößen sollten. Es wurde auch ein kleiner Trupp Musketiere von Gießen nach Engelrodt gesandt, wo der Riedesel'sche Gesamt-, schultheiß Habicht seinen Wohnsitz hatte. Habicht war ein ge­rechter und ivohlwotlender Beamter, der das Interesse der Herr­schaft wahrte, aber die Zahlungspflichtigen nicht drückte. Di« wenigm Musketiere aus Gießen gaben einige blinde Schüsse ab und zogen unverrichteter Sache .wieder nach Hause.

Diese halbe oder Viertelsmaßregel bewirkte genau daS Gegen­teil davon, was beabsichtigt war, nämlich die Bauern wurden jetzt erst recht halsstarrig und übermütig: sie verspotteten die herrschaftlichen Beitreibungsbeamten.

Da nahte das Verhängnis ! Es war in der ersten November- Woche des Jahres 1754. Von allen Seiten strömten eigenartig bewaffnete Bauersleute nach Engelrod: sie trugen gradgebogene Sensen, Aexte, Beile, rostige Feuerschloßflinten, Säbel, Heu­gabeln, Säcke mit Kieselsteinen, zum werfen geeignet, mit sich. Die Weiber, Knechte und Mägde in Engelrod füllten Kessel mit Wasser und brachten es zum Kochen und das alles geschah, tat den Feind, der von Gießen heranmarschierte, zurückzuschlagen. Der westliche Eingang des Dorfes Engelrod war von Bürger­meister Frank aus Eichenrod, der einer von den Haupträdels­führern war, stark besetzt worden. Frank feuerte seine Leute an und wies "die Ermahnungen des Schultheißen Habicht: die Leute möchten anseiuandergehen und es nicht zum Aeußersten " kommen lassen, schroff zurück.

Gegen Mittag kam ein Engelröder Reiter von Ulrichstein, her gesprengt, der die Nachricht brachte:Sie kommen!" wobei er ein rotes Tuch schwang.

Da rutschte manchem Leonidas das Herz in die Hosen. Bürgermeister Frank feuerte seine Leute von Neuem an und wies darauf hin, daß die Soldaten int vorigen Jahre beim ersten Versuche in die Luft geschossen und unverrichteter Sache labmaschiert seien.

An der Wegkrüm'müng vor Engelrod erschien jetzt die Spitze des Regiments, das von Oberst Stutzert kommandiert wurde. Nachdem das Regiment herangerückt war, sandte der Oberst, der sah, daß der Eingang des Dorfes von den bewaffneten Bauern besetzt ivar, einen Parlamentär mit weißer Flagge und einen Trontpeter ab und ließ die Leute auffordern, den Platz zu räumen.

Die Bauern antworteten Mit Gröhlen, Pfeifen und Schreien, worauf der Parlamentär zurückmarschierte und seinen Mißerfolg Meldete. Alsbald gab der Oberst den Befehl: Ich halte mit der ersten Kolr uc hier, die zweite besetzt die Dorfmühle, die dritte den Friedhof, die vierte das Pfarrhaus, die fünfte den Kälberberg. Die erste Salve wird in die Luft geschossen. Ziehen sich die Aufwiegler nicht zurück, so wird scharf geschossen. Eine Rakete gibt das Zeichen zum Angriff." Die Offiziere traten ab, in kurzer Zeit war das Dorf nmzingelt.

Jetzt, nachdem alle Meldungen eingetroffen waren, sauste eine Rakete über das Dorf hin; der Oberst kommandierte Feuer! Eine Salve krachte und Schlag auf Schlag folgten diejenigen der vier anderen Abteilungen. Ms die Aufwiegler sahen, daß die Soldaten in die Luft geschossen und keinen Schaden ange­richtet hatten, brachen sie in ein höhnisches Gelächter, Heulen, Pfeifen und Gröhlen aus; dann trat tiefe Stille ein.

Die Soldaten luden ihre Gewehre von neuem und rückten näher an das Dorf heran.Feuer!" kommandierte der Oberst. Tie Salve krachte und diejenigen der vier anderen Kolonnen folgten in kurzen Zwischenräumen.

Da entstand ein schreckliches Jammern, Schreien und Stöhnen. 15 Tote, 26 Schwerverwundete und 5060 Leichtverwundete, im Ganzen 90 bis 100 Mann Kampfunfähige, deckten die Wal­statt. Wahrscheinlich waren es mehr, denn viele Leichtverwundet« flüchteten und verbissen ihre Schmerzen, um nicht angezeigt zu werden. Der Bürgermeister erschien mit einer weißen Fahne Nnd bat um Gnade und Schonung für das Dorf.

Sind Eure Krawaller jetzt zahm Nnd gehorsam geworden?" fragte der Oberst.

Ja Herr Oberster!" antworte?« das Torfoberhaupt,ste Wollen alles tun, nur laßt nicht mehr schießen." Tas Militär biwakierte und schloß einen dichten Kreis um das Dorf. Be­reitwillig brachten die Leute Nahrungsmittel, Holz und Strotz für das Militär, der Oberst quartierte sich beim Pfarrer ein. Viele Gerüchte gingen im Dorfe um: der zehnte Mann soll er­schossen werden, hieß es und noch vieles andere, weil die Bauern seit vier Jahren hartnäckig und widerspenstig waren.

Am folgenden Morgen marschierte das Regiment nach Gießen zurück. Bürgermeister Frank und Henrich Schaaf, nebst acht anderen Männern wurden mit nach Gießen genommen, wo fte verhört und ab geurteilt wurden. Dort saßen di« Leute monatelang im Gefängnis und einer suchte die Schuld auf den anderen abzuwälzen.

Der Prozeß dauerte jahrelang,' der Landesherr, Freihent von Riedesel gewann ihn. Trotzdem behandelte er die Auf­wiegler milde; ja .er unterstützte sie noch, als in einem d« folgenden Jahre Mißwachs eintrat. Diejenigen Dörfer, die sich an dem Aufruhr nicht beteiligten, wurden besonders berücksichtigt: sie brauchten nur einen ganz geringen Betrag zu entrichten, wenn durch Besitzwechsel derHerren-Weinkauf" fällig wurde.

Nachdem der Eroberer Bonaparte im ersten Dezenium des 19. Jahrhunderts der Kleinstaaterei in Deutschland ein End« gemacht hatte, kam die Reichsfreiherrnschaft Riedesel unter daS Großherzogtum Hessen zu stehen. Durch die großen Ablösungs­gesetze in den 30er Jahren wurden alle Grundlasten in Geld­beträge umgewandelt, die durch eine sehr mäßige Grundrenten» zahlung in 40 Jahren getilgt werden konnten. Dann war der Bauer ein freier Herr auf seinem eigenen Grund und Bo dem vorausgesetzt, daß er nicht etwa eine Hypothek darauf errichten liefe.

Aus der MünchenerJugend".

Der alte Medizinalrat ist ein tüchtiger, aber saugrober Arzt. Er ist auch Hausarzt bei Regierungsrats, wo eine überängstlich« Mutter dauernd über das Wohl ihres verzärtelten Sproßlings wacht. Eines Tages kommt die Frau Regierungsrat in die Sprechstunde:O Gott, Herr Rat, Willychen ist so schrecklich erkältet, er hat einen fürchterlichen Schnupfen."Das ist ia bedauerlich," sagt der vielbeschäftigte Arzt, ,-aber ich habe absolrck keine Zeit!"Ja, aber was soll ich bloß tun, wenn das Kind fortwährend niest?" 'Da sagt der Doktor:Dann sagen Sie Prost", .gnädige Frau!" *

Aus dem fernen Osten. Unteroffizier Pollak erteilt Unterricht und fragt den Musketier Katschmarek, was er zu tun hat, weml er als Posten einen Wann in der Nähe des Pulver- Hauses rauchen sieht. Katschmarek:Ich sage ihm:Nimm den Stummel aus der Fresse." Unteroffizier:Nein, du mußt viel höflicher sein und wirst sagen:Nehmen Sie, bitte, ben Zigarrn aus dem Maul."

Herr X geht mit Herrn P vvm Pferderennen nach Haus, wo Herr N wieder einmal beim Wetten eine größere Summ« verloren hat.Merkwürdig," sagt X,beim Kartenspiel gewinnst du immer und beim Rennen verlierst du immer,"Kunststück," sagt D,kann man Pferde mischen?"

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Kirchgang. Ter Herr Hauptmann sieht seine Kerls in der Kirche schlafen. Während des Ausgehappels fährt er di« Leute an:Wenn euch die Predigt schon zu langweilig ist, dan« schlaft wenigstens nicht, sondern übt euch int Entfernung schätze« von eurem Platz bis zur Kanzel!"

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Ein zielbewußter Anarchist. >,Was Machen Sie den» eigentlich den gaiyen Tag im Cafe?" ,Jch entziehe der bürgerlichen Gesellschaft meine Arbeitskraft!"

Der Fabrikbesitzer. ..Neapel haben Sie auf Ihrer italienischen Reise auch besucht, Herr Äßhauer? Was sagen Sie Mm Vesuv?!"Sv 'n Schwindel mein Fabriksckwrnsteü» raucht viel doller!"

Logogriph.

Bin zwar geschwätzig mitQ", doch spend' ich dir kühle Erquickung Wortlos und furchtbar mitD" brachte ich Manchem den Tod.

Auflösung in nächster Nummer,

Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.

1. Sc5-d7f Kf8n.f7.

2. Dg4n.g6 K17 n. g 6.

3. 8 d 7 e 5 f Kg6 -h6.

4. Kg2-h3 Beliebig

5. Bauer g 3 macht Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Liehe»