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(Ein „weinkauf"-ttrieg.
In Nr. 168 der „Gießener Familienblätter" vom 26. Oktober d. Js. bringt Herr Pfarrer Zinn in Herbstein eine interessante Arbeit ,Lur Geschichte des Weinbaues in Oberhessen". In den beiden letzten Absätzen seines Aufsatzes behandelt er auch den sogen. „Weinkauf": eine Abgabe vom Grund und Boden, die entrichtet werden mußte, wenn Grundstücke in andere Hände übergingen. Tie Abgabe betrug 5—10 Prozent des Verkaufs- Wertes. Ter Empfangsberechtigte war der Landesherr, damals der Reichsfreiherr v. Riedesel. Tiefes altadelige, reichsireiherrliche Geschlecht besaß und besitzt noch großen Grundbesitz in dem ehemaligen Kurhessen nnd in.der Großh. hessischen Provinz Oberhessen, von Lauterbach an südwärts bis in das sogen, blaue Ländchen nach Freiensteinau. Jenes Land heißt unter den dortigen Bewohnern „das Junkerland". ,
Wegen der Abgabe beim Ueberqang von Grundbesitz tit andere Hände kam es im Jahre 1754, also zwei Jahre vor dem siebenjährigen Kriege, zu einem Aufstand, der blutig niedergeschlagen werden mußte. Die erste Ursache war, daß der Riedesel sche Jagdhüter Harmeß den Schäfer in Hopfmannsfeld niedergeschossen hatte. Nicht unnwglich war es, daß der Schäfer cm wenig wilderte, daß er das Hasenknüppelen und Schlingenstellen, das Rehkitzgreifen verstand. Dazu ckam das exekutornche Eintreibeu des „Herren-W eiukaufs", worüber eine kurze.Erklärung hier folgen mag. Wenn ein Riedesel'scher Untertan fern Gütchen verkaufte, oder wenn ein Vater bei Lebzeiten seine Grundstücke seinem Sohne, seiner Tochter oder einem Tritten übergab, oder wenn die Geschwister das Gut nach dem Tode ihrer Elterir an eins der Geschwister überließen, so mußte jedesmal von dem Uebernehmer der 10te Pfennig an die Herrschaft als Abgabe entrichtet werden. Das Geld konnte auch zunr Ankauf von Wein Verwendung finden, der aber von der Herrschaft bezogen werden mußte, daher der Name „Herren-Weinkauf". In der Regel wurde der Wein durch Zitsatz von Honig, Zucker u. dgl. mund-
Btt, hto sich die Deltaarm« ves Flusses voneiwander trennen. Er fand die Stadt verlassen, denn die Einwohner waren ins Inne« des Landes entflohen. Alexander schickte ihnen leichte Truppen nach und ließ ihnen sagen, daß sie in Frieden in ihre Häuser und Hütten zurückkehren könnten. Bei der Stadt wurden eine Festung Nnd mehrere Schiffswerften erbaut.
König Alexander hatte große Pläne. Als Zwanzigjähriger hatte er die Herrschaft über das kleine Mazedonien angetreten Nnd nicht nur die Völker Thraziens, sondern auch Illyrien undj ganz Griechenland unterworfen. Er hatte seine Heeresmassen über den Hellespont geführt, die Perser geschlagen und die kleinasiatischen Reiche Lyzien, Kappadozien und Phrygien besiegt und mit einem Schwerthieb den gordischen Knoten zerteilt, das Sinnbild der Herrschaft über Asien. Bei SffitS, in der rechtwinkligen Bucht vor Cypern, besiegte er den persischen Großkönig 'Darius Kodomannus, der ihm mit seinem ganzen Heere entgegentrat. In Damaskus bemächtigte er sich des persischen Kronschatzes. Dann eroberte er Tyrus und Sidon, die berühmten Handelsstädte der Phönizier, und gründete an der Küste Aegyptens Alexandria, das noch heute nach 2240 Jahren eine blühende Stadt ist. 'Durch die Libysche Wüste zog er nach der Oase des Jupiter Ammon, wo die Priester ihm, nach alter Pharaonensitte, die Weihe eines Sohnes des Ammon verliehen.
Dann aber zog er weiter ostwärts nach Asien, Werschritt den Euphrat, besiegte am Tigris noch einmal den Darius und eroberte das stolze Babylon und Susa, wo 150 Jahre vor ihm der Perserkönig Ahasverus (Xerxes), der über „127 Provinzen von Indien bis Kus" herrschte, seine Häuptlinge zu einem Gastmahl geladen und ihnen „den herrlichen Reichtum seiner Macht und- dre köstliche Pracht seiner Größe" gezeigt hatte. Und dann zog Alexander nach Persepolis und ließ den Palast des persischen Großkönigs einäschern, zum Zeichen, daß es nun mit der alten Herr- gift vorbei sei. Den Darius über Jspahan und Hamadan ver- ;end, wandte er sich weiter östlich nach Baktrien, dem heutigen ssisch-Zentralasien, und ging nordwärts nach dem Syr-darja iunb dem Lande der Skythen. Von hier zog er mit einem über 100000 Mann starken Heer südwärts, nach Indien, eroberte das ganze Tiefland des Pendschab und unterwarf sich alle Völker, die im Westen des Indus wohnen.
Jetzt war er nach Patiala gelangt Uiid! gedachte nun der zahlreichen Siege, die er erkämpft, und der weiten Länder, die er, erobert hatte. Ueberall hatte er Griechen und Mazedonier eingesetzt, die an der Seite der eingeborenen Fürsten und Satrapen das Regiment führen sollten. Aber dieses große Reich mußte zu fester Einheit zusammengesügt werden, und Babylon sollte seine Hauptstadt sein. Rur im Westen war noch eine ungeheure Lücke auszufüllen, die Wüstengegenden, die wir eben auf dem Wege von Teheran über die Oase Tebbes durch Sei'stan nach Belutschistan durchwanderö haben.
Um die hier wohnenden Bölter zu unterwerfen, schickte er einen Teil des Heeres auf einer nördlicheren Straße über Seistan nach Nordpersien. 12 000 Mann aber sollten auf neugebauten Schiffen an der Küste des Indisch-arabischen Meeres entlang durch die Meerenge von Hormns und den Persischen Golf bis zur Euphratmündung segeln und rudern. Kein Grieche hatte bis dahin diese Meere befahren. Und mit den Schiffen jener Zeit bei völliger! Unkenntnis der Küsten war dies Unternehmen auch ein gefährliches Wagnis. Aber es mußte versucht werden, denn Mexander wollte sich zwischen der Mündung des Euphrat und der des Indus einen Seeweg sichern, der den westlichen Teil des Reiches mit dem östlichen verband. Um die Flotte mit Lebensrnitteln und Trinkwasser versehen zu können, entschied er selber sich für den gefährlichen Wüstenweg längs der Küste. Von seinen 40000 Kriegern Wer, die ihn auf diesem Marsch begleiteten, starben 30 000 vor Durst!
Ter Großadmiral Nearchus aus Kreta führte Mexanders Auftrag in glänzendster Weise aus, und seine Fahrt ist eine der merkwürdigsten Reisen, die je gemacht wurden. Die von ihm «rufgenommenen Seekarten sind so genau und zuverlässig, daß man sie noch heute benutzen kann, obwohl sich die Mste seit jener Zeit an mehreren Stellen verändert hat, stärker versandet und seichter geworden ist. _ . v ,
Aber Mexander wollte ferne Flottt mcht zu dieser waghalsigen Fahrt auslausen lassen, ehe er sich selbst von der Befahrbarkeit der Jndusmündung und dem Aussehen des großen Weltmeeres überzeugt hatte. 'Daher fuhr er mit den schnellsten Schiffen der Flotte, Dreißigrnderern und kleinen Trirernen, die von 150 nackten Ruderknechten in drei Bankreihen übereinander mit langen Rudern durch die Oeffnungen im Schisfsrumpf hindurch fortbewegt wurden, den westlichen Jndusarm hinunter, während Truppen am Ufer entlang zogen, um die Schiffe zu decken.
Mitten im Sommer, wenn der Indus seinen höchsten Wafser- stand erreicht nnd die Ufer meilenweit Werschwemmt hat, zwischen den Sand- und Schlammbänken ohne Lotsen durchzurudern, ist keine Vergnügungsfahrt. Am zweiten Tag schon erhob sich ein heftiger Südsturm, und der tückische Seegang in den Wasserwirbeln des Stromes beschädigte mehrere Fahrzeuge und brachte einige zum Kentern Mexander ging daher an Land, um einige Fischer aufzutreiben, die ihm als Lotsen dienen sollten, und nun ging es weiter stromabwärts. Der Fluß wurde immer breiter und breiter, tztüd immer deutlicher verspürte man die frische Brise vom Meere
her. Der WiiÄ totale stärker, der Südostmonsun hatte seine« Höhepunkt erreicht. Das grautrübe Flußwasser schlug immer höhere Wellen, das Rudern wurde immer schwerer, da die Ruder! bald nicht ins Wasser hineinreichten, bald zu tief eintauchten. Man wußte damals noch nichts von Ebbe und Flut. Bald schien es, als ob der Fluß vom Meere zurückkehre, und die Lotsen rieten dem König, in einem Kanalarm Schutz zu suchen, wo die Schiffe aufs Land gezogen wurden. Nun trat die Ebbe ein, und das Wasser sank, als ob es vom Meere aufgesogen würde. Die Boote lagen auf dem Trocknen, und manche sanken tief in den Schlamm ein. Alexander und seine Leute waren ratlos, denn sie konnten weder vor noch zurück. Ms sie aber mit dem Flottmachen der Schiffe beschäftigt waren, kam die Flut vom Meere wieder und nahm sie auf ihren Rücken.
Nachdem man nun die regelmäßige Wiederkehr von Ebbe' und Flut beobachtet hatte, ließen sich deren Gefahren vermeiden, und Mexanders Flotte kam schließlich zu einer Insel, die süßes Wasser in Hülle und Fülle hatte. Von hier aus sah er die schäumende, donnernde Brandung an der äußersten Jndusmündung und oberhalb der rollenden Wstenwellen den hohen, gleichmäßigen Horizont! . des Ozeans. Und als er sich nun überzeugt hatte, daß auch von den obersten Bankreihen der Triremen nichts anderes mehr als Himmel und Wasser zu erblicken war, da opferte er dem Gott des Meeres, Poseidon, den Nereiden und der silberfüßigen Meeresgöttin Thetis, der Mutter seines Stammvaters Achilleus, und bah die Götter um Schutz für die weitere Fahrt nach dem Euphrat; Und als er das Gebet beendet hatte, warf er einen golbenot Becher in die Flut.
In einem weißen Mantel, einen goldenen Gürtel um die Lenden und ein turbanartiges Tuch um die kastanienbraunen Locken, stand der dreißigjährige König der Mazedonier hoch aufgerichtet und schlank am Achtersteven der Trireme und schaute auf das herrliche Meer hinaus, das er mit derselben Entschlossenheit zu besiegen gedachte, wie er bisher drei Weltteile unterworfen hatte! Er atmete den kühlen, salzigen Monsun und dachte wohl an die endlosen! Heerstraßen der Wüste, wo erstickender Staub Pferde und Transportwagen umwirbelt. Er war.der mächtigste Herrscher der Erde und sich seiner Machtfülle wohl bewußt. Aber schwerlich ahnte er, daß sein Name noch nach mehr als 2000 Jahren bei den Kindern später Zeiten fortleben würde. Es gibt Städte in Aegypten, Wüsten in Persien und Bergketten und Seen in Zentralasien, die noch heute Mexanders Namen tragen!
Drei Jahre später, 323 v. Ehr., starb er in Babylon, chist dreiunddreißig Jahre alt. Sein weltumspannender Heereszug aber verbreitete in ganz Asien griechische Bildung. Daher verlöschte sein tatenreiches Leben nicht spurlos wie ein Meteor in der Nacht der Zeiten.
Heute, wo verständige Leute sich die dicken Röcke bis unters Kinn zuknöpfen und auf Friedenskongressen kluge Reden halten, dürften Knaben und Jünglinge gut tun, sich gelegentlich einmal der ritterlichen, sonnigen Zeit zu erinnern, als noch die Schwerthiebe der Mazedonier auf die Köpfe und Schilde der Feinde niedersau sten, der Ruf der Sieger ein Echo in Asiens Tälern weckte und junge Krieger sich einen Weg durch den heißen Sand der Wüste bahnten. ____________


