Ausgabe 
6.12.1911
 
Einzelbild herunterladen

762

haben.

(Fortsetzung folgt.)

*) Eine Weltreise mit Sven Hedirr das ist das Neueste auf dem Büchermarkt. Der berühmte Forscher hat ein Volks- und Jugendbuch unter dem TitelBon Pol zu Pol" geschrieben, das soeben bei Brockhaius in Leipzig erscheint, und dem wir das obige Kapitel entnehmeir.

Alexander der Große.

Von Sven Hedin.*)

Im Juli des Jahres 325 vor Christi Geburt fuhr Alexander der Große, König von Mazedonien, mit einer Flotte neuerbauter! Schisse den Indus hinunter Md landete in der Stadt Pattalax

Wie kann sie fester werden? frug sie.

Das will ich dir sagen, wenn die Zeit kommt, enttz tzegnete ich. Bis jetzt ist sie noch nicht gekommen, und vielleicht kommt sie niemals. Ich mag vielleicht zu Laura auf immer darüber schweigen, und selbst zu dir muß ich jetzt noch schweigen, bis ich sehe, daß ich rechtschasfener- und redlicherweise sprechen kann. Doch wollen wir den Gegenstand fallen lassen. Ein anderer hat noch dringen­deres Recht an unsere Beachtung. Du hast Laura hast sie mitleidsvoll über ihres Mannes Tod in Unwissenheit gelassen?

O Walter, muß sie es nicht noch lange bleiben?

Nein, Marianne. Es wird besser sein, daß du es ihr jetzt sagst, als daß der Zufall, gegen den uns zu verwahren uns unmöglich ist, es ihr später verriete. Ver­schone sie mit den Einzelheiten bereite sie sehr sorg­fältig darauf vor aber sage ihr, daß er tot ist.

Du hast außer dem Grunde, den du angibst, noch einen, der dich wünschen läßt, sie von dem Tode ihres Mannes zu unterrichten, Walter?

Ja, erklärte ich.

Einen Grund, der mit dem Gegenstände in Verbindung steht, dessen wir noch nicht weiter erwähnen wollen? dessen vielleicht zu Laura niemals erwähnt werden soll?

Sie sagte diese letzten .Worte mit bedeutungsvollem Ausdrucke, und mit einem ebensolchen gab ich ihr die be­jahende Antwort.

Sie erbleichte und schaute mich eine Weile mit einer traurigen, zögernden Teilnahme an. Eine ungewohnte Zärtlichkeit zitterte in ihren dunklen Augen und verlieh ihren festen Lippen einen weicheren Ausdruck, als sie zur Seite auf den leeren Sessel blickte, in welchem die geliebte Gefährtm all unserer Freuden und Schmerzen geiesseu baue.

Ich glaube, ich verstehe dich, sagte sie. Ich glaube, ich bin es dir und ihr schuldig, ihr den Tod ihres Mannes mitzuteilen, Walter.

Sie seufzte uud hielt einen Augenblick meine Hand fest in der ihrigen dann ließ sie sie plötzlich sinken und! verließ das Zimmer. Am folgenden Tage wußte Laura, daß sein Tod sie freigegeben, und daß der Irrtum und das Unglück ihres Lebens mit ihm begraben seien.

XVI.

Sir Percivals Name wurde unter uns nicht mehr er­wähnt. Und ebenso gewissenhaft enthielten Marianne und ich uns jeder Erwähnung jenes anderen Gegenstandes, dessen wir fürs erste nicht wieder zu gedenken übereingekommen waren. Er war oeshalb uns nicht weniger g genwärtig er wurde im Gegenteil durch die Zurückhaltung, die wir uns auferlegt, noch lebendiger erhalten. Wir beob­achteten beide Laura aufmerkfamer denn je; einmal wartend und hoffend, dann wieder wartend uno fürchtend bis die Zeit käme.

Allmählich kehrten wir wieder zu unserer gewohnten Lebensweise zurück. Ich nahm die tägliche Arbeit wieder auf, welche ich durch meine Mwesenheit in Hampshire unterbrochen hatte. Unsere neue Wohnung kostete mehr als die kleinere und weniger bequeme, welche wir ver­lassen hatten; und die Notwendigkeit verdoppelter An­strengungen wurde noch durch das Zweifelhafte unserer ferneren Aussichten vermehrt. Ich mußte mich nun nach einer einträglichen Beschäftigung umsehen.

Man denke nicht, daß ich in dem Zwischenräume von Ruhe und Zurückgezogenheit, von welchem ich jetzt schreibe, ganz und gar die Verfolgung des einen Zweckes aufgab, mit dem alle meine Gedanken und Absichten in diesen Blät­tern verknüpft sind. Dieser Zweck ließ während vieler Monate nicht nach in seinen Forderungen an mich. Sein langsames Reifen ließ mir noch immer Zeit, eine Vor- sichlsniaßregel zu treffen und eine zweifelhafte Frage zu lösen.

Die Vorsichtsmaßregel bezog sich natürlich auf den Grafen Fosco. Es war von der größten Wichtigkeit, wo­möglich. zu erfahren, ob seine Pläne ihn nötigten, in Eng­land oder mit anderen Worten innerhalb meines Be­reiches zu bleiben. Es gelang mir durch sehr einfache Wittel, diefen Zweifel zu lösen. Da mir seine Adresse in St Johns Wood bekannt war, stellte ich in der Nachbar- fchi'.ft meine Nachfragen an; und als ich ausfindig gemacht, welcher Hausagent über das möblierte Haus zu verfügen hatte, in dem der Graf wohnte, frug ich ihn, ob Numero 5, Forest Road, bald zu vermieten sein werde. Die Antwort toax eine verneinende. Man unterrichtete mich, daß der

fremde Herr, welcher es bewohnte, seinen Kontrakt auf sechs Monate erneuert habe und bis Ende Juni nächsten Jahres dort wohnen bleiben werde. Wir waren jetzt erst im Anfänge des Monat Dezember. Ich verließ den Agen­ten mit beruhigtem Gemüte, daß mir der Graf wenigstens fürs erste nicht entwischen weroe.

Die zweifelhafte Frage war die nach dem Vater Anna Cathericks.

Eine Menge kleiner Betrachtungen in Verbindung mit diesem Gegenstände hatten mich neuerdings zu einer Mut­maßung geführt, die ich zu bestätigen beschloß. Ich er­hielt Erlaubnis von Mariannen, an Major Donthore auf Varneck Hall zu "schreiben (in dessen Hause Mrs. Cathcrick einige Jahre vor ihrer Verheiratung gedient hakte), nm gewisse Fragen an ihn zu tun. Ich tat dies in Mariannens' Namen und entschuldigte mein Ersuchen dadurch, daß die Sache für gewisse persönliche Interessen der Familie von Wichtigkeit sei.

Nach Verlauf von zwei Tagen kam in der Gestalt eines Briefes der Beweis, daß der Major lebte und bereit war uns zu helfen.

Der Gedanke, welcher meinen Brief an ihn diktiert, und die Beschaffenheit meiner Fragen wird leicht ans seiner Antwort entnommen werden können. Sie enthielt folgende wichtige Tatsachen:

Erstens warder verstorbene Sir Percival Glyde von Blackwater Park" in seinem Leben mit keinem Fuß in Varneck Hall gewesen. Er war dem Major Donthorne und seiner aanzen Familie persönlich Dolifomu.cn imbcfomit qciveien.

Zweitens warder verstorbene Mir. Philipp Fairlie von Limmeridge House" in seinen jüngeren Tagen Major Donthornes vertrauter Freund und häufiger Gast gewesen. Nachdem er sein Gedächtnis dadurch aufgefrischt, daß er in alten Briefen und Papieren nachgesehen, konnte Miajor Donthorne mit 'Gewißheit sagen, daß Mr. Philipp Fairlie ihn im Monat August 1823 in Varneck Hall besucht hatte und während der "Monate September und Oitober dort zur Jagd geblieben war. Er reifte dann von dort, soviel der Major sich erinnerte, nach Schottland und kehrte erst nach geraumer Zeit, und zwar in der veränderten Eigen­schaft eines Neuvermählten, nach Varneck Hall zurück.

An sich selbst war diese Mitteilung vielleicht von ge­ringem positivem Werte aber in Verbindung mit ge­wissen Tatsachen, die sowohl Mariannen wie mir als voll­kommen richtig bekannt waren führte sie zu einem Schlüsse, der für uns augenfällig war.

Nachdem uns jetzt bekannt geworden, daß Mr. Philipp Fairlie im Herbste " des Jahres 1828 sich als Gast in Varneck Hall aufgehalten, wo zur selben Zeit Mrs. Ca- therick im Dienste gewesen, wußten wir außerdem: erstens, daß Anna Catherick im Juni 1827 geboren war; zweitens, daß sie stets eine ganz auffallende persönliche Aehnlichkeit mit Laura gehabt; und drittens, daß Laura selbst ein genaues Ebenbild ihres Vaters gewesen. Mr. Philipp Fcnrlie war einer der für ihre Schönheit berühm­ten Männer seiner Zeit gewesen. Seinen Gemütsanlagen nach seinem Bruder Frederick vollkommen unähnlich, war er der verzogene Liebling der Gesellschaft, besonders aber der Frauen ein gefälliger, warmherziger, liebenswürdiger Mann; großmütig bis zum Fehler, ohne befonders 'feste Grundsätze und bekannt als durchaus rücksichtslos in Bezug auf moralische Verbindlichkeiten gegen Frauen. "Dies waren die uns bekannten Facta und dies der Charakter des Man­nes. Gewiß bedarf doch der hieraus sich ergebende klare Schluß keiner näheren Erllärung?

Jetzt endlich nach dieser Feststellung durfte ich hoffen, vor der gespenftischen Frau in Weiß Ruhe zu