1911 - Nr. 191
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Roman von W. Collins, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Er traf sofort seine Vorbereitungen, um mit dem Besitzer der Irrenanstalt in London zusamenzutreffen und rhn an den Ort zu führen, wo sich seine weggelaufene Patientin befinde; in dem Glauben, daß die Folge hiervon, wie sie auch immer enden möge, die sein würde, dich in endlose gerichtliche Streitigkeiten und Schwierigkeiten zu verwickeln, und es dir so unmöglich zu machen, deine Angriffe gegen ihn zu richten. Dies war sein Zweck, wie er mir selbst bekannte. Das einzige, was ihm im letzten Augenblicke zögern ließ —
Nun?
Es ist hart, es eingestehen zu müssen, Walter — und doch muß es sein! I ch war der Gegenstand seiner Rücksicht. Er erklärte, daß in dem Augenblicke, wo er dem Irrenärzte das Haus zeigte, er meines Jammers gedachte, wenn ich von Laura.getrennt würde, und daraufhin den Arzt wegschickte. — Jedenfalls ist es gewiß, daß ich den Mann ihn verlassen sah, ohne ein einziges Mal nach unseren Fenstern oder auch nur nach unserer Straßenseite hinüberzublicken.
Ich glaube es wohl, Marianne. Die besten Menschen sind im guten nicht konsequent, — wie sollten es da die Schlimmsten im Bösen sein? Zu gleicher Zeit aber habe ich ihn im Verdacht, dich bloß mit etwas erschreckt zu haben, was er in Wirklichkeit gar nicht ausführen kann. Ich bezweifle, daß er imstande ist, uns jetzt, da Sir Per- cival tot und Mrs. Catherick frei von allem Zwange ist, durch den Besitzer der Irrenanstalt Schwierigkeiten oder Unannehmlichkeiten zu bereiten. Doch laß mich werter hören. Was sagte der Gras von mir?
Er sprach von dir zuletzt. Seine Augen wurden klarer und härter, und sein Wesen, wie es mir früher oft erschienen war, veränderte sich in jene Mischung erbarmungsloser Entschlossenheit und theatralischen Hohnes, durch den er so unergründlich wird. „Warnen Sie Mr. Hartright!" sagte er mit seiner hochtrabenden Miene. „Er hat es mit einem Manne von Klugheit zu tun, einem Manne, her den Gesetzen und Gebräuchen der Gesellschaft nut fernen großen dicken Fingern ein Schnippchen schlägt, falls er sich mit mir messen will. Hätte mein armer verstorbener Freund meinen Rat .angehört, so wäre die Leichenschau mit Mr. Hartrights Körper vorgenommen worden. Aber mein armer verstorbener Freund war halsstarrig. Sehen Sie! Ich betraure seinen Verlust — im Innern meiner Seele und auswendig auf meinem Hute. Dieser unbe- deutende Flor drückt Gefühle ans, die ich Mr. Hartright W achten «nffordere. Sie Wunen sich in unermeßliche
Feindseligkeiten verändern, falls er sie zu stören ivagt. Sei er zufrieden mit dem, was er erlangt hat — mit dem) was ich ihm und Ihnen um Ihretwillen ungestört lassen will. Sagen Sie ihm (mit meiner Empfehlung), daß, falls er mich anrührt, er es mit Fosco zu tun haben wird." Nun eilte ich zu Laura zurück. Ehe ich noch wieder im Hause anlangte, war ich schon zu dem Entschlüsse gekommen, daß wir fort müßten.
Wie kamst du auf den Gedanken, hierher zu ziehen?
Durch meine Unkenntnis anderer Teile von London. Ich fühlte die Notwendigkeit, möglichst weit von unserer alten Wohnung fortzugehen; und ich kannte Fulham etwas, weil ich hier früher einmal in Pension war. Ich schickte in der Hoffnung, daß diese Pension noch existierte, einest Bot-m an ihre Besitzerin ab. Die Schule existierte, jedoch unter der Leitung der Töchter meiner alten Lehrerin, welche indessen, nach dem in meinem Briefe ausgesprochenen Wunsche, dieses Logis für mich mieteten. Es war gerade vor Abgang der Post, als der Bote mit der Adresse des Hauses zurückkam. Wir zogen nach dem Dunkelwerden fort — und langten ganz unbeinerkt hier an. Habe ich recht getan, Walter? Habe ich dein Vertrauen auf mich gerechtfertigt?
Ich antwortete ihr mit der Wärme und Dankbarkeit, die ich in Wirttichkeit fühlte. Aber der sorgenvolle Ausdruck verließ ihr Gesicht noch immer nicht, während ich sprach, und ihre erste Frage, nachdem ich geendet, bezog sich auf Graf Fosco. 1
Ich sah, daß sie jetzt in veränderter Weise an ihn dachte. Ihre Ueberzeugung, daß jenes Mannes hassenswerte Bewunderung für sie wirklich aufrichtig war, schien um das Hundertfache ihren Argwohn seiner unergründlichen Hinterlist und ihre tiefgewurzelte Furcht vor der boshaften Energie und Wachsamkeit all seiner Fähigkeiten vermehrt zu haben. 'Ihre Stimme wurde leiser, ihr Wesen zögernd, und ihre Augen lasen mit einer eifrigen Angst in den meinigen, als sie mich frug, was ich über feinen Auftrag an mich denke, und was ich demnächst zu tun beabsichtige. .
Ich bin nicht so unbesonnen, mich mit einem Manne tote Graf Fosco messen zu wollen, antwortete ich, ehe ich nicht wohl aus ihn vorbereitet bin. Ich habe Geduld gelernt; ich kann warten. Wir wollen ihn glauben lassen, daß ferne Botschaft an mich ihre Wirkung gehabt; wollen ihn nichts von uns hören oder erfahren lassen; wir wollen ihm volle Zeit geben, sich sicher zu fühlen — und ferst eigener prahlerischer Charakter wird, wenn rch mrch nicht sehr in ihm getäuscht habe, den Erfolg beschleunigen. Dies ist ein Grund, zu warten; aber ich- habe noch einen wichtigeren. Meine Stellung, Marianne, dir und Laura gegenüber, muß noch fester sein als sie jetzt ist, ehe ich unser« letzte Chance versuche. —
Sie beugte sich mit einem Blicke der UeberrMtMg ist mfc herüber ■


