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Durfklub nach Hause gerufen Gerden. Das erinnert an ein ähnliches Abenteuer, das die Königin Mktorra Mit dem 'Herzog von Devonshire erleben mußte. Dre Königin erzählte dem Herzog von ihrer Absicht, Irland zu besmhen, ein Plan, der in jenen Zeiten die größte lleberraschung Hervorrufen mußte. Der Herzog würde von der Monarchm beauftragt, dem Ministerpräsidenten Salisbury davon zu benachrichtigen, damit er Zeit habe, dre Angelegenheit zu überlegen und zu prüferr. Als die Könrgrn emrge Tage später Lord Salisbury sah, fragte sie in größter Spannung: -„Und was denken Sie von meinem rrrschen Plan? Salrs- bury starrte die Königin fassungslos an: er hatte kerne Ahnung, wovon die Rede war. Als man den Herzog von Devonshire dann fragte, war er nicht wenig verblüfft: „Meiner Seel, ich hab die Geschichte total vergessen// Und diese gelassene Vergeßlichkeit, die seinen Ministersessel immer umschwebte, verließ ihn auch nicht als Gastgeber und Wrrt. In Wirklichkeit machte er sich über seine gesellschaftlichen Verpflichtungen wenig Sorge. Sein Haus war als gastfrei bekannt, Hunderte von Menschen gingen im Devonshrre- Haus ein und aus, aber der Herr des Hauses kannte rn der Regel nur die wenigsten seiner Gäste: die Namen und dre Persönlichkeit der meisten waren ihm natürlich entfallen. Er war, wie eine witzige Dame ber Gesellschaft bemerkte, fin seinem eigenen Hause der beliebteste und häufigste Gast". Der Verfasser der Biographie erinnert sich noch an eine Gesellschaft beim Herzoge; die Gäste waren in der Bibliothek von Chatsworth bereits versammelt, ein Werner erlesener Kreis. Der Herzog blickte erstaunt um sich und wandte sich schließliche hilfesuchend an Mr. Holland: „Das ist alles recht schön und gut, wenn ich nur wüßte, wer meine Gäste sind. Wissen Sie vielleicht den Namen von jenem Manne mit dem roten Gesicht da hinten?" Die fremden fanden den Herzog oft kühl und unnahbar, in Wirklichkeit war er meist zerstreut und konnte dann plötzlich mit den naivsten Bemerkungen herausplatzen. So geschah es auch bei einem Keinen Diner in London, bei dem eine Fülle erlesener französischer Leckerbissen serviert wurde, kokette Meisterwerke der Kochkunst, aber keine Speisen, an denen man sich satt essen konnte. Der Herzog wurde uw ruhig, blickte wie fragend rings umher, als plötzlich etn prächtiger Roastbeef serviert wurde. „Hurra!" rief der schweigsame Staatsmann plötzlich aus der Tiefe seines hungrigen Gemütes: „Endlich etwas zum Essen." Seine politische Tätigkeit betrachtete er oft mit dem! Lächeln humorvoller Selbstironie. „Die politischen Verhältnisse meiner Familie find ziemlich gemischt," sagte er einmal zu entern Freunde, „Viktor ist Balfourianer, Dick mit Leib und Seele Freihändler, und was ich bin, mag der liebe Gott wissen." Er, der seinen Parteifreunden und seinen Gegnern von Anfang an als ein hervorragender Gegner galt, hatte zu seiner oratorischen Begabung nicht das geringste Vertrauen, ja er behauptete immer, daß seine Reden die langweiligsten von der Welt sein müßten. Und er glaubte es auch.
Für dieses unerschütterliche Phlegma bleibt es charakteristisch, daß er als neugebackener Abgeordneter im Unterhaus bei seiner Jungfernrede kein Hehl daraus machte, wie sehr die ganze Geschichte ihn langweile. Mitten in seiner Rede gähnte er mehrmals. Später stellte ihn ein Freund zur Rede: „Aber Sie haben ja während ihrer Rede gegähnt!" „Tat ich das, na ja, wahrscheinlich ist es schrecklich langweilig gewesen."
Vermischter.
kf. Die Diagnostik der Haare. Die wissenschaftliche Diagnostik auf die Beschaffenheit der Haare zu stützen, hat, wie eine italienische Zeitung erzählt, kürzlich ein japanischer Arzt versucht. Von der bekannten Tatsache ausgehend, daß Krankheiten die Länge und Dicke der Nägel herabsetzen, kam er zu der Ueberzeugung, daß sich der Einfluß organischer Störungen auch bei den Haaren bemerkbar machen müßte. Auf Grund ausgedehnter Beobachtungen und Nachforschungen ist der Japaner tzu dem Ergebnis gekommen, daß durch eine Krankheit der Durchmesser des Haares verringert wird. Dieser Einfluß macht sich verzugsweise bei denjenigen Rassen und Individuen geltend, die über ein besonders starkes und volles Haar verfügen. Es soll nun möglich sein durch Untersuchung der Haare festzustellen, ab ein Mensch vor nicht allzu langer Zeit eine Krankheit durchgemacht und sogar wie lange eine solche gedauert hat. Die Verdünnung beschränkt sich nämlich nur auf einen Teil des Haares
Und die Länge dieses Stückes ist von der Dauer der MaNkheij abhängig. Die Forschungen des, Arztes. würden, falls sie sich vollkommen bestätigen, auch für ine Kriminalistik von Bedeutung
* D i e reich st en Indianer der Welt. Die reichsten Indianer der Welt sind nach einem Berichte des Gouverneurs von Oklahoma die Choctaws, von denen im Staate nahezu 23 000 Stammesangehörige gezählt werden, unter ihnen 9000 remblüttge Indianer. Nach den Schätzungen der Steuerbehörde entfallt durchschnittlich auf jeden Choctaw ein Vermögen von rund 2u000 Aik., die teils bar vorhanden sind, von den klugen Indianern in gewinn- bringenden Unternehmungen angelegt werden oder im Grundbesitz enthalten sind. Außer den großen Lünderstrecken, die diese guter- gesegneten Rothäute gepachtet haben, besitzen die Choctaws an dem Regierungsland noch einen Anteil von inebr als einer u!illion Acres. Wenn diese Gebiete zitm Berkaus kommen, muß den Indianern ihr Anteil bar ausgezahlt werden. Die Choctaws sind nach den Berichten des Goiiverneurs Locke die am weitesten sort- geschrittenen Indianer Amerikas. Sie haben sich glücklich der Zaster erwehrt, die die Volkskrast der anderen roten Stämme gebrochen haben, haben sich bis zu einem gewissen Grade den Lebensverhaltnissen moderner Kultur angepaßt. Trotzdem geht dieZahlcher rem- blütigen Choctaws immer mehr zurück. Es ist nur eine präge der Zeit, wann diese letzten reinen Abkömmlinge ihres Stammes aus- gestorben sein werden; in einem Vierteljahrhundeck wird es vor- aussichtlich nur noch wenige geben, während die mlschblutigen Ungehörigen des Stammes sich gesund weiter entwickeln. Es wenn, als ob der reinblütige Indianer sich deut zivilisierten Leben nicht anzupassen vermag, der an die Freiheit der Walder gewöhnte Rote siecht dahin und stirbt. Lehrreich ist die Tatsache, daß die Choctar^ Indianer sich rege an dem staatsbürgerlichen Leben beteiligen, sich für die Verwaltung lebhaft interessieren, die politischen Strömungen verfolgen und von dem ihnen eingeräumten Wahlrecht in immer wachsendem Maße Gebrauch machen.
kf. Briefmarken im 17. Jahrhundert! Als Erfinder der heutigen Briefmarke gilt fälschlich der englische General- postmeister Rowland Hill, der in der Tat im Jahre 1840 für die allgemeine Einführung der Briefmarke sorgte. Allem es gab vor seiner Zeit bereits Briefmarken. Eme italienische Zeitung verfolgt die Entstehungsgeschichte his ins 17. Jahrhundert zuruck. Wenn ihre Angaben richtig sind, hat der Franzose V 6 l a h e r tm Jahre 1653 die Briefmarke erfunden. In diesem Jahre sollen in Paris eine Art bedruckter Briefumschläge zum Preise von etwa 1 <Son verkauft worden sein, bei denen die Postgebühr im Voraus bezahlt war und ein Zeichen für die geschehene Freimachung aufgedruckt war: dies entspräche also einer Briefmarke oder vielleicht einem Streifbande. Die nächste Stufe der Entwicklung zur^ßeu-- tigen Briefmarke ist dann der „cavallotto", eme Art Postkarte, die im Jahre 1818 in Piemont auftauchte Ihren Namen hat sie daher, daß auf denk Wertzeichen ein zu Pferde sitzender Gemus gezeichnet war. IM Jahre drauf, 1819, gab das Königreich Sardinien gestempelte Bogen als Briefumschläge aus, dre verschiedene Werte aufwiesen, 1837 erfand schließlich Rowland Hill die Briefmarke, und drei Jahre später wurde seine Erfindung amtlich eingeführt.
* Verblümt. Herr (zu dem stellesuchenden ^Dienerst „Warum sind Sie von Ihrem vorigen Herrn entlassen worden?" — Diener: „Weil ich einmal vergessen hatte, mir Zigarren zik kaufen!" ____________
Bilderrätsel.
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Auflösung in nächster Nummer :
H. pA.
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erhält Hinterhand; somit ist Mittelhand
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H. trB.
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1. V. carA
2. H. trK
3. V. carD
4. H. trD
5. V. car9
6. H. pK
Die übrigen Stiche schwarz geworden.
Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Garreau trB = Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. s. s- ' M.pZ * '
V.p8
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen.


