Krankenwärterin mitbringen, welche vorzügliche Eigenschaften als solche besitzt und augenblicklich frei äst. Sre ist meiner Frau als eine Person bekannt, auf die man sich unbedingt verlassen kann. «Bitte, sprechen Sie hierüber nicht zu dem Arzte, ehe sie da ist; denn er wird eine Krankenwärterin meiner Wahl jedenfalls mit scheelem Auge ausehen. Sobald sie aber im Hause erscheint, wird sie für sich selber sprechen, und Mr. Dawson wird genötigt sein, zuzugeben, daß man keine Entschuldigung haben würde, falls man sich nicht ihrer bediente. Lady Glyde wird dasselbe sagen. Bitte, bestellen Sie Lady Glyde meine besten Empfehlungen und versichern sie meiner aufrichtigsten Teilnahme! „„ _ .
Ich sprach meine dankbare Anerkennung für Semer Gnaden gütige Rücksichten aus.
Nach zwei Tagen brachte die Frau Gräfin die Kranken- wärterin aus London mit. Man sagte mir, daß der Name dieser Person Mrs. Rubelle sei. Ihr Aussehen und ihr unvollkommenes Englisch belehrten mich, daß sie eine Ausländerin sei. Mrs. Rubelle machte mir den Eindruck einer kleinen, steifen, listigen Person von ungefähr fünfzig Jahren, mit einer dunkeln, braunen oder kreolischen Hautfarbe und wachsamen, hellgrauen Augen.
Ich will bloß erwähnen, daß ihr Wesen auffallend ruhig und zurückhaltend war; daß sie viel umherblickte unb sehr wenig sprach, was natürlich ebenso sehr die Folge ihrer Bescheidenheit, als des Mißtrauens gegen ihre Stellung in Blackwater Park sein mochte; und daß sie das Abendessen ausschlug (was vielleicht sonderbar war, aber doch nicht verdächtig?), obgleich ich selbst sie mit der größten! Höflichkeit einlud, dieses Mahl in meinem Zimmer mit mir zu teilen.
Am folgenden Morgen würde Mrs. Rubelle in das Wohnzimmer geschickt, um von dem Arzte in Augenschein genommen zu werden, wenn er durch dieses in Miß Hal- combes Schlafzimmer gehen würde. Als ich sie dem Arzte vorstellte, schien sie weder durch seine zweifelhaften Blicke, noch durch seine scharfen Fragen im geringsten verlegen zu werden. Sie antwortete ihm mit großer Ruhe in gebrochenem Englisch, und obgleich er alles tat, um sie verwirrt zu machen, verriet sie soweit doch nicht die kleinste Unwissenheit über ihre Pflichten. Und so bezog sie das cttt er. >
Indem ich mich einer mir von Mr. Dawson gegebenen Warnung erinnerte, beobachtete ich Mrs. Rubelle während der ersten drei bis vier Tage in gewissen Zwischenräumen sehr scharf. Ich trat zu wiederholten Malen leise und plötzlich ins Zimmer, ertappte sie aber nie bei irgend einer verdächtigen Handlung. Lady Glyde, welche sie ebenso auf- merksam beobachtete, wie ich, wurde ebenfalls nie etwas gewahr. „
Der nächste Umstand von Wichtigkeit, welcher srch rm Hause ereignete, war eine kurze Abwesenheit des Grafen, der in .Geschäften nach London gerufen wurde. Er reiste
Die weiße Frau.
Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Aussage der Elisa Michelson, Hauhälierin zu Blackwater Park.
Als Miß Halcombe erkrankte — es war in der ersten Jüliwoche —, sandten wir nach Doktor Dawson, einem achtbaren ältlichen Arzte, der den Anfall als einen höchst -ernsten bezeichnete.
Trotzdem er sich schon am ersten Tage mit hem Grafen Fosco überwarf, wurden seine Anordnungen befolgt. Aber beider waren sie nicht von Erfolg begleitet.
Miß Halcombes Zustand' besserte sich nicht, und die zweite Nacht war womöglich noch schlimmer, als die erste. Mü. Damwosn kam mit regelmäßiger Beständigkeit. Die Baltischen Pflichten des Pflegens wurden noch immer von
Frau Gräfin und mir geteilt, währende Lady, Glyde auf bestand, mit uns aufzusitzen, obgleich wir beide sie auf das dringendste baten, sich etwas Erholung zu gönnen.
Gegen Mittag ging ich hinunter, um einigen meiner regelmäßigen Pflichten nachzukommen. Eine Stunde später, als ich wieder ins Krankenzimmer zurückkehrte,, sah ich den Grafen (welcher zum dritten Male früh des Morgens ausgegangen war) in den Flur kommen, und zwar dem Anscheine nach in der besten Laune. Sir Percival steckte zu gleicher Zeit den Kopf durch die Tür der Bibliothek und sagte mit großem Mfer folgende Worte zu seinem hohen Freunde:
Hast du sie gefunden?
Ein zufriedenes Lächeln zeichnete tausend Grübchen in Seiner Gnaden großem Gesichte, aber er gab keine Antwort. Wen er damit meinte, ist mir unbekannt.,
Komm hier herein und erzähle mir das Ganze, sagte Sir Percival zum Grafen. Wenn man Weiber im Hause hat, kann man stets sicher sein, sie auf den Treppen zu fcl)CTL
Mein lieber Percival, sagte der Graf gütig, Mrs. Michelson hat ihre Pflichten. Ich bitte dich, sie für deren höchst bewunderungswürdige Ausübung zu achten, wie ich xs tue. Wie geht es unserer Leidenden, Mts. Michelson?
Nicht besser, Mylord, wie ich zu meinem Bedauern sagen muß.
Ttaurig — sehr traurig ! sagte der Graf. Sie sehen angegriffen aus, Mrs. Michelson. Es' ist wirklich Zeit, daß Sie und meine Frau Hilfe in der Pflege bekommen. Ich denke, daß ich imstande sein werde, Ihnen diese Hilfe zu verschaffen. Es haben sich Sachen zugetragen, welche die Gräfin Fosco nötigen werden, entweder morgen oder Übermorgen nach London zu reisen. Sie wird früh abveisen und abends zurückkehren und wird zu ihrer Ablösung einr


