Donnerstag den 6. Juli
KJ
-, - *
■Mi
B
'v il
I
1
H N U i
Das nette Mädel.
Roman von Fedor von Zobeltt^ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
, Eberstedt faltete die Hände. Jetzt schwamm wieder über seinen Augen das flache Wasser gewohnheitsmäßiger Lie- benswurdigkeit. „Oh," wiederholte er, „warum behandeln Vie mich so schlecht, Fräulein Köhler? Womit habe ich das verdient?"
Wenn er besonders artig sein wollte, bekam seine Stimme eilten süßlichen Beiklang. Das fand Traute sehr häßlich Sie hatte das unbestimmte Gefühl, als treibe Everstedt mit allen um ihn nur seinen übermütigen Spaß. Über sie war vorsichtig genug, sich Ur Empfinden nicht merken zu lassen.
„Seien Sie nicht böse," sagte sie, „es war nicht mehr als eute Redensart. Uebrigens kann auch eine Laune heilbringend sein, wenn sie gut ist."
„Ich danke Ihnen," entgegnete Everstedt, „dies Wort söhnt mich wieder aus . . ." Er verneigte sich mit scherzhafter Würde und nahm ihre Hand. Sie fühlte, daß er sie mehr drückte, als nötig war; die Spitze des Nagels an seinem kleinen Finger preßte sich in ihr Fleisch. Das verwirrte sie; ein zartes Rot stieg in ihre Wangen.
Run war es abgemacht, daß Traute auch mit nach Wörres'hoop kommen mußte. Man war sich ganz klar darüber: es mußte Aufsehen erregen, wenn Mels Kruse das Arrangement des Maifestes übernehmen würde. Mels Kruse — der Name war schon ein Programm. Die Mädchen befanden sich in großer Erregung. Die Bürgermeisterstochter schwabbelte unaufhörlich; ihr stand der Mund nicht still. Sie Hatte auch starken Mut. Die Eltern — ah, nach den Eltern fragte man gar nicht! Die wurden überrumpelt. - Wenn alle dabei waren, konnten sie nicht nein sagen. Man fuußte nur ein wenig diplomatisch zu Werke gehen und ihnen nicht gleich von der bevorstehenden „Gesindelsaison"
Strafpredigten halten,.
Übrigen kümmerten sich die alten um f!- " " -
Auch den Herren machte die Sache Spaß. Es konnte zweifellos sehr pikant iverden, wenn alles glückte. Und daran war nicht zu zweifeln. Die alte Goldene Horde hätte 1 »s-HA .in der Hand. Die.Arrangements aller großen Festlichkeiten gingen von ihr aus — Und nun trat ja auch Everstedt wieder an die Spitze. Der der regierte; gegen ihn trat sogar der Bürgermeister und der Handelspräsident zurück. Im kümmerten sich die alten Herren überhaupt nicht der Stadt; die Frauen waren viel mehr zu fürchten. Aber auch sie sollten überrumpelt wer- schimpfen und ihren Töchtern
Ja, die Töchter! Mürsinna schmunzelte und warf unter halb gesenkten Lidern einen Schiefblick auf die wispernde Rotte Kora. Ein ihn als Dichter reizendes psychologisches Moment sprach da mit. In allen diesen kleinen Weiberseelen steckte ein leiser Hang für das Sensationelle, ein unbewußter Zug zum Regellosen. Keiner von ihnen konnte man etwas nachsagen, i Gott bewahre! Mer wenn m em Schuft wäre — diese reizenden Knospen wären leicht zu berchen. So dachte Walter Mürsinna, der Poet.
Und ähnliches dachten auch die übrigen Herren. Sie taugte nicht viel, diese goldene Jugend. Und der nun wieder ihr Führer werden sollte, der taugte am wenigsten, und es steckte doch der beste Kern in ihm. Aber es war einer, der einmal an seiner spöttischen Weltverachtuna zugrunde gehen konnte.
Herr von Avedon umschnüffelte wieder Suse Appelmann. Die stämmige Rhederstochter hatte es ihm angetan. Sie war recht hübsch in ihrer weißen Drallheit. Aber der Sprachlehrer mit dem verlorenen Märauisat sah noch mehr auf die Millionen des Paters.
Der Konsul Friederiei hatte seine Minen gelegt. Er wollte dem Freunde helfen — und selbst dabei sein Schäfchen ins Trockene bringen. Er liebte derlei heimliche Geschäfte, die man diskret handhaben mußte, die aber viel abwarfen.
Traute Köhler sagte plötzlich adieu. Ihre Schwester sei krank, sie müsse nach Hause. Und da fiel auch Herrn Everstedt ein, daß er sich nach dem gebrochenen Schlüsselbein seines Niggerjungen umtuen müsse. Das sei ein verflixter Junge, der es nicht im Wette aushalte; Everstedt sagte, er werde ihn wohl noch festbinden müssen.
Nun wollte alles auseinander flattern. Aber Eva Del- brück wurde böse. Es hätte doch nicht jeder eine kranke Schwester und einen kranken Negerboy zu Hause. Und dann! fragte sie rasch: „Lili, ziehst du zur Radfahrt nach Wörres- hoop deine Bloomers an?" Jetzt wurde die Kostümfrage besprochen, und da blieb man noch. Auch die Herren wollten initreden; es handelte sich um interessante Kleidungsstücke.
Draußen half Everstedt Traute in ihr Jäckchen.
„Ich habe mein Auto unten, gnädiges Fräulein," sagte er. „Darf ich Sie heimfahren?"
Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort. Dann bejahte sie dankend. Es schmeichelte ihr doch, von dem vielbegehrten Löwen geleitet zu werden — noch dazu jn seinem Automobil. Freilich schoß ihr im Moment darnach die bange Frage durch den Kopf, ob es auch Passend sei. Aber nun hatte sie einmal zugesagt. „Ach was," murmelte sie leise und steckte mit heftiger Bewegung die Radel durch ihren Hut.
Der Kraftwagen war halbverdeüt. Everstedt legte sorglich die gesteppte Decke über die Kniee Trautes.
„Sitzen Sie bequem?" fragte er. Es war ein törichte Dräste, M nickte, Wan saß wMe.rp.oK in den Micherp


