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giere in Deutschland' verhätschelt. Nur immer Rücksicht nehmen auf die ritterliche französische Station, die soweit geht, daß man die Ruhmestage der deutschen Armee nicht mehr feiern will. Lieber die eigenen Veteranen auch in dieser Beziehung vernachlässigen, als der französischen Nation ein Aergernis geben! Die Franzosen feiern heute noch ihre sogenannten Siege aus 1870/71 mit großem Spektakel und unverschämten Reden — wir unterlassen es aus Schonung der Eitelkeit dieser selben Nation. Das ist dumm!
Doch zurück zu unseren Verwundeten. Die Schußwunden Meines Schulkameraden waren noch nicht geheilt. Ich hatte ihn mit in mein Quartier genommen. Als er sich am Abend entkleidete, sagte er: Du, sieh mal hier. Tie Brustwunde war noch offen. Am Rand derselben zeigte sich ein schwarzer Gegenstand, er zog lifm mit den Fingernägeln heraus. Es war der untere Teil des jUniformknopfes, den das Geschoß mit in die Wunde gerissen hatte, ein Stück Weißblech, auf dem die Firma der Knopffabrik eingepreßt Mar. Beinahe 5 Monate hatte der Fremdkörper in der Wunde gesteckt. Unsere drei Verwundeten wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und freigesprochen. Man konnte ihnen unter den Umständen aus ihrer Gefangenschaft keinen Vorwurf machen. Aber eins muß ich noch anfügen zur Ehre der Fvanzosm. Als dis Soldaten unsere Verwundeten von ihrem Wundlager holten aus den Privathäusern — man hatte den französischen Soldaten verraten, daß da und da deutsche Offiziere in Pflege lägen — versteckten die Wirte unserer Verwundeten in aller Eile die Degen derselben und überreichten sie ihnen wieder, als sie aus der Gefangenschaft über Orleans zurückkamen und ihre Wirte aufsuchten. — Mein Gast erzählte mir vor dem Einschlafen, wie er sich gefreut habe, aus dem Zuge heraus auf der Fahrt aus der Gefangenschaft nach Orleans die ersten deutschen Vorposten zu sehen.
Am 1. März zogen die ersten unserer Truppen in Paris ein, zirka 30 000 Mann. Mein Regiment war daran mit dem ausgelosten 2. Bataillon beteiligt. Am 3. März sollten die Garde und andere Truppen einrücken, am 5. März die restlichen 100 000 Mann. 'Aber schon am 2. März abends wurde bekannt, daß die 2. und 3. Staffel nicht mehr einrücken dürfe, da die Friedenspräliminarien in Bordeaux unterzeichnet seien. War man in der Bh'ni'ec, schon darüber entrüstet, daß nur ein kleiner Teil derselben Nur einen kleinen Teil der Stadt besehen solle, so steigerte sich die Unzufriedenheit nun noch mehr. Dio Armee hätte gern ganz Paris beseht auch auf die Gefahr hin, daß das noch einmal zu einer tüchtigen Rauferei führen könne. Es war anders beschlossen und die Armee fügte sich, wie immer, den gegebenes Befehlen.
Am 12. März räumten wir nach den Vereinbarungen das linke Ufer der Seine und damit auch Versailles. Unser alter Freund von der Loire, dem Lvir und der Sarthe, der französische General Ehaney, stmid mit einer Division vor dem Tore der Stadt und erwartete ungeduldig unseren Abzug, den er da unten im Kampf vergeblich erstrebt hatte. Jetzt machten wir ihm friedlich und gutwillig Platz. Im nächsten Artikel, im September, werde ich erzählen, wie es auf der anderen Seite von Paris aussah, bis zu Unserem Abzüge in die Heimat am 21, September 1871,
vermachtes.
* Deutsche Ehemänner, die den Namen der Si'ftu annehm en. Die Meldung, daß es in Deutschland Bezirke gibt, in denen nicht die Frau bei Verheiratung den Namen des Mannes, sondern umgekehrt, der Mann den Namen der Frau ünnimmt, klingt wie ein schlech- ter Scherz, ohne doch ein solcher zu sein. Dieser eigene Artige Brailch ist in Deutschland nur in einem verhältnis- knäßig kleinen Bezirk zu finden, und zwar im Osnabrückschen Gebiete, ausschließlich auf dem Lande. Der Grund für die eigenartige Sitte, die uralt ist, ist rein wirtschaftlicher Natur und hängt mit der konservativen Gesinnung der Landbewohner zusammen. Der G-atte nimmt nämlich auch hier nicht immer den Namen der Frau an, sondern nur in einzelnen Sonderfällen, in denen es durch die Nützlichkeit geboten ist, und zwar dann, wenn der Mann in ein Gut heiratet, das von altersher der betreffenden Familie gehört. Das Gut eines gewissen Weber gehört dieser Familie schon seit vielen Jahrzehnten und heißt ttn ganzen Landkreise nur das Webersche Gut. Wenn nun ein unmittelbarer männlicher Nachfolger nicht vorhanden ist, der das Gut übernehmen Und ihm dadurch seinen Namen erhalten könnte, sondern nur eine Tochter, dann muß etien der künftige Ehemann dieser Töchter, der vielleicht den Namen Schmidt führt, seinen eigenen Namen ablegen und den Namen Weber annehmen, da der Bolksmund das Webersche Gut nicht plötzlich umnennt und sich sonst Mißverständnisse ergeben würden. Der betreffende Schmidt heißt nun von dem Tage seiner Verehelichung ab! Karl Weber, geb. Schmidt, lvährend seine Gattin weiterhin ihren bisherigen Namen
Anna Weber führt. Den Namen führt der Betreffende dann nicht nur int Bolksmunde, sondern auch amtlich. Auch vor Gericht werden Leute, die so ihren Namen geändert haben, mit ihrem neuen Namen genannt. Ja, man kann in kleinen Lokalzeitungen sogar Heiratsanzeigen finden, die folgende Form haben: „Karl Weber, geb. Schmidt r— Anna Weber, Vermählte."
— Inte t u ationaler Frauenbund für freie Liebe. Diese höchst ntoberne Aufschrift tragen Zirkulare, die von Mailand nuS an viele Frauen der besseren Gesellschaft in B n ka r e st seit einiger Zeit versandt werden. In diesenr Rnndschreiben wird, man muß cs zngeben, in schriftstellerisch äußerst gewandter Weise auf die Psyche der ungeliebten, von ihren Gatten' vernachlässigten oder der sich unverstanden fühlenden Frauen eingewirkt. Unter dem Hinweis auf das schöne Wort „Gleiches Recht für alle" empfiehlt das Zirkular den Leserinnen, ihr Unglück in das Gegenteil zu kehren, indem sie — durch Vermittlung des Frauenbundes und gegen Entrichtung einer Taxe — diskreten Anschluß an gleichgestimmte Seelen, die in männlichen Körpern wohnen, suchen mögen. Wie die Bukarester Zeitung „Epoca" meldet, hat sich die Bukarester Polizeidirektion an die Regierung gewandt, welche auf diplomatischem Wege die Polizeibehörde von Mailand um Untersuchung des Falles bitten ließ. Es stellte sich heraus, daß sich die aus Bukarest stammende Emilie Raieoviceanu vor einiger Zeit in Mailand niedergelassen und als Stenographin da ihr Leben gefristet hat. Dann verheiratete sie sich mit einem geivissen Longhi Jgino und gründete hieran» den fraglichen Bund. Bei ihrem ersten Verhör bestritt sie entschieden jede „häßliche" und im besoiideren auch gewinnsüchtige Absicht und behauptete, der Bund zähle Tausende von Mitgliedern in verschiedenen Ländern. Tie Mailänder Polizei hat vorläufig keine Handhabe, um dieser Oberpriesterin der freien Liebe beizukommen.
* „Freitag ist solch ein Unglückstag!" seufzte sie. — „Ers ist nicht halb so unglücklich, wie Menstag!" entgegnete ihr Gefährte. „Letzten Dienstag z. B. fiel ich aus einem Fensterl des zweiten Stockes und wurde von einem Wagen überfahren." — „Wie schrecklich!" rief sie schaudernd aus. — „Ja, und flirt Dienstag vorher," fuhr der Dulder fort, „fiel ich in einen Ententeich und wurde mit einem Bootshaken wieder herausgezog.'n. Arni Dienstage davor wurde ich von einem wild gewordenen Bullen gehetzt. Am Dienstag davor — doch wozu die Liste fortsetzen!" — „Warum blieben Sie denn nicht an den Dienstagen zu Hause?" meinte die Dame. „Sie würden in Ihren vier Pfählen sicherer fein." — „Weil ich, wenn ich es täte, weine Stellung »edieren würde," antwortete er. „Ich bin Kinematographenschauspieler, sehen Sie, und am! Dienstag wachen wir unsere humoristischen Films." __
vüchettifch.
>— Die Bluse. Die diesjährigen Blusen haben die Eigeu- ttrt, bei größter Einfachheit elegant und vornehm zu wirken. Es wird also die vielfach mißachtete, aber immer beguerne und praktische Bluse in diesem Jahre eine besonders große Zahl vost Anhängerinnen finden. Welch reizende Modelle die Mode in dem wichtigen Kleidungsstück bringt, zeigt am besten das soeben int Vertage von F. Bruckmaun Ä.-G., Berlin W. 35, erschienene Blusen-Album. Infolge des großen Bedarfes, den die Frau! an Blusen hat, ist in dem Album auf deren ^elbstherstellung Rücksicht genommen und in Wort und Bild ist in leichtsaßlicher Weise veranschaulicht, wie man die Blusen ohne große Kosten selbst Herstellen kann. Besonders hingewiesen fei aus die große Auswahl der teilweise farbigen Blusenmodelle, sowie auf das reiche Schnittmustermaterial,
Diamanträtse!.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a b d d et eefgghklmrrr rrtuuu derart einzutragen, daß die wagercchten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Poetischen Namen für ein Tier. LJ 3. Ein Musikinstrument.
©
Auflösung
4. Weiblichen Vornamen.
5. Ein Fahrzeug.
6. Alkoholhaltiges Getränk.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagcrechte Mittel- rcihe ergeben das Gleiche.
in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer r NELKE E S A U LAR
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UntversttSts-Buch» und Steindruckerii, R. Lange, Gieße»


