Ausgabe 
6.5.1911
 
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Samrtag den 6. Mal

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No man von Georg Freiherrn von O mpte d 0, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ich ging mit Maria. Langsam schritten wir durch den langen Gang des Hotels, dann stiegen wir Stufe um Stufe die Treppe hinauf. Auf dem Absatz blieb Mariw stehen, griff nach meiner Hand und sprach leise:

Ich habe solche Angst!

Wovor denn, du Närrchen?

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Ich lachte sie aus, doch ich fühlte Marias kleine Hand zittern, und ich scherzte: r y

Herzeloide ist wie alle anderen Menschen, wr besser, als die meisten. Aber nicht so wie meine kleine. Hebe, süße, einzige Maria.

Ein dankbarer Blick belohnte mich. Nun standen wer vor der Tür. Maria flüsterte mir noch zu:

Aber du hilfst mir!

Ich nickte. Ich klopfte. Maria sagte ängstlich r

. Du mußt dicht neben mir sitzen!

Dann ging die Tür auf, und wir traten ein. Herze- loide stand mitten im Raum. Gegen das Licht erblickten wir nur eine dunkle Gestalt, und um den Kopf ward von der Blendung das leicht abstehende Blondhaar vergoldet, als trüge sie einen Heiligenschein. Die beiden Mädchen blieben einen Augenblick voreinander stehen. Herzelvidens Blick schien Maria durchdringen zu wollen, um zu erkennen, wer sie sei. Marias Augen ruhten auf dem lieben, armen Wesen, dessen Blässe noch von dem Unfall sprach. Aber eine Blutwelle färbte bald die Züge, wie auch Warm er­rötete über das ganze Gesicht bis tief in den Hals hinein.

Dann, als mich schon der Zweifel überkam, was ge­schehen sollte, öffnete Herzeloide die Arme, trat auf Maria zu, und die beiden hielten sich umschlungen. Lange blieben sie so, iind als sie sich endlich losließen, ward ich eines seltsamen Schauspieles Zeuge: voreinander standen sie, sich bei beiden Händen haltend, Herzeloide blond, bleich, zitternde Tränen En deii Augen, Maria schwarz, mit strahlendien Augen und lachenden Wangen, versöhnt, beruhigt, die Siegerin. Wie ich die beiden Mädchen so sah, schoß e» mir tote ein Blitz in die Seele, ein jähes Ahnen, ja fast. Begreifen. Empfindungen kamen mir herauf aus vergange- uen Jahren, das Bewußtsein einer einstigen Schwärmerei für dieses blonde, nun langsam alternde Mädchen dort. Im Untergrund der Seele hatte es geschlafen, aufgeflammt war es, dann verdämmert, durch mangelnde Gelegenheit, durch Zufälle gänzlich verlöscht. Es hätte etwas werden können. Können aber war nichts gewordien.

Oder doch: zur Liebe nicht gewachsen war es Kamerad-- schaft, Freundschaft geworden. Und mein schwankendes.

morsches, totes, leeres, altes Herz stand heute iN sengen* den Flammen für eine andere.

Sie aber, Herzeloide, hatte es anders empfuiiden. wußte ich nun in diesem Augenblick. Wie wir oft Mre. lang blind herumtappen im Verkehr mit Menschen und eine Sekunde bringt uns die Erleuchtung. Warum nicht früher? Zufall, oder war unser Fassen noch nicht reif? Warum überhaupt? Was wissen wir davon? Genug, daß das Erkennen kam! Nun begriff ich auch die letzte Ver­stimmung, verstand, warum sie nur, dem einzigen aller Bekannten, damals die Todesanzeige, nicht geschickt hatte, im mädchenfeinen Zartgefühl, daß ich. Nicht aufNierlfam würde auf ihr Alleinstehen, damit es Nicht klänge wie em Ruf nach mir. Jetzt wußte ich, warum das arme Geschöpf vorhin vor mir zusammengebrochen war. , s

Nun, ich, wir, wir beide, Mana und ich, sollten sss ihr vergelten. Ich trat zu meiner Braut, nahm ihre Hand und ergriff die Herzeloideus. Dann sagte ich:

Herzeloide, seien Sie gut gegen sie!

Sie antwortete nicht, sie nickte nur langsam. Ich sprach zum zweiten Mal:

Maria, habe sie lieb. ___

Meine Braut sah mich an, als habe fee nur solches Wort von mir erwartet. Sie versuchte Herzeloideus Hand pn die Lippen zu ziehen und sagte bewegt:

Ich habe Ihnen etwas abzubitten.

j Sie, Maria, mir?

Ich. ... . ich bin eifersüchtig geweM . v -1

hZ Ja, ja^anf Sie, oh, so eifersüchtig! Ich haßte Sie.....ja, ich haßte Sie! , , . ,

Da begann Herzeloide zu lächeln, wahrend noch immer in ihren Äugen Tränen zitterten. Sie zog Maria an sich ^ud^Aufsmich Arme? Mer jetzt nicht mehr, Maria?

Nein, jetzt nicht mehr. c K n r.

Die Aeliere zog die Jüngere nieder aufs Sofa Und bat. i Nennen Sie mich beim Namen.

«. M »m -MM "'"Wd"lh'°id°, unb ihr Lächeln war LMückgekehrih last mit einem Jubel im Ton:

Ich aber ging leise hinaus, während die beiden mit* einander sprachen, ohne aufzublicken.

*

Mein Urlaub ging zu Ende. Auch der Geheimrat mußts nach Berlin zurück. Wir wollten zusammen reisen. Die Trennung von meiner Braut lastete die letzten ^age auf mir und schon dachte ich daran, den Abschied zu uehmeu, doch mein Schwiegervater redete mir zu, nicht einen Schritt zu tun, der unwiderruflich und den ich möglicherweise 6t> reu an würde. Auch Maria schloß, sich chrem Vater am yjS