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festen Gestein bleiben werde. Leider sollte es sich am 24 Juli 1908 erweisen, daß diese Voraussetzungen, soweit die Nordseite in Betracht fiel, irrtümliche toaren. Morgens um 2 Uhr .30 des genannten Tages wurde mit der letzten Dynamitladung das Ende der Kalkzone durchschossen und das gegen alle Voraussagungen bis in diese Tiefen reichende und mit stark dnrchwässertem Glazml- schutt angefüllte Gasterental geöffnet. Dies hatte den katastro- p h a l e u Einbru ch von etwa 7000 Rammneter Schuttmassen zur Folge, welche innerhalb 10 Minuten den Tunnel vom Vorort bei km 2,675 bis km 1,100, also aus eine Länge von 1500 m ganz oder teilweise ansfüllten und 25 braven italienischen Arbeitern das Leben kosteten. Diese Katastrophe hatte eine mehr- monatliche Unterbrechung der Bolzung zur Folge, bis die Frage gelöst war, ob die alte Axe beibehalten und die Schwierigkeiten des Gasterentales mit den heutigen Mitteln der Technik überwunden werden könnten, oder ob ein neues Traes zu wählen sei. Nach den gründlichsten Untersuchungen entschied man sich endlich für das Verlassen der alten Tunnelaxe bei km 1,201 und für ein Umgehungstracs, welches den Tunnel nm 800 m verlängerte.
Es waren aber auch mancherlei äußere Schwierigkeiten zu überwinden, besonders mußte auf die Lawinen fälle dieser Bergtäler Rücksicht genommen werden. Ein Lawineusall in Goppen- stein am 29. Februar 1908, welcher über die Gebäulichkeiten der Bauunteruehmung nahe am Tunneleingang niedergiug und 30 Personen am Abendtisch jählings überraschte, hatte die Zerstörung des Hotels, die Beschädigung des Post-, Gendarmerie- und anderer Dienstgebäude, aber auch den unmittelbaren Tod von 12 Personen zur Folge. Der Tunnel selbst ivar durch den Schnee blockiert worden, !vie dies früher schon auf der Nordscitc der Fall gewesen tvar. Diese Ereignisse mahnten zur Abwehr und so wurden denn sowohl auf der Nordseite, auf denr Fisischafberg, als auch auf Faldnmalp der Südseite Lawinenverbauungen errichtet, welche, wie die Folge lehrte, den Gefahren der Lawineu;- überfahrung endgültig vorbeugten.
Im übrigen bezeichnet die Tunnelierung des LötschbergeS wiederum einen Fortschritt im Tunnelbau. Die neuen Bohrmaschinen — auf der Südseite wurden Jngersollsche Perkussionsbohrer, im Norden Meyersche Bohrmaschinen verwendet — machten Tagessortschritte möglich, die unter ähnlichen Verhältnissen bishin nicht erreicht worden sind. Ein Vorrücken um 10 m am Tag war wenigstens aus der Nordseite keine Seltenheit, wo das Maxinium des täglichen Fortschrittes 12 m 80 beträgt. Dabei wurde als bewegende Kraft sowohl für die Bohrer als auch für die Fördcr- lokomotiven Druckluft verwendet, was den Lötschbergttmnel z. B. lioin Simplontunnet unterscheidet, wo in der Hauptsache daS Hydraulische System Anwendung gefunden hat.
Eine französische Flotte auf der Fulda.
Stadtpsarrer Bocckner, Schlitz.
Den meisten Lesern wird cs tvohl unbekannt sein, daß vor setzt iys Jahrhundert während des 7 jährigen Kriegs eine Flotte von 17 Schiffen unter französischer Flagge zwischen Kassel und Fulda kreuzte. Freilich Ware» es nicht etwa für kriegerische Zwecke bestimmte Fahrzeuge, sondern sie wurden aus Befehl des französischen Marschalls Broglie im Fuldaer und Schützer Land gebaut, um, wie es in der Urkunde heißt: „die ergiebige fourage und Mehl transports bewerkstelligen zu können". Es tvar im Jahre 1761. Das Laudgräflich Hessen-Kasseler Land war, wie so oft schon, der Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen den Franzosen und dem Herzog Ferdinand von Braunschweig. Ueberraschcnd schnell war Ferdinand siegreich in Hessen eingerückt, trieb die Franzosen vor sich her und nahnr einen festen Platz nach dem andern ein. Die zahlreichen wohlgefüllten französischen Magazine fielen großenteils in die Hände der prentzisch-haniwverfchen Armee.
Jedoch das Kriegsglück wandte sich gar bald wieder; Ferdinand mußte wr der Uebermacht den Rückzug antreten. Was bei seinem Abzug aus den Magazinen nicht mitgefchleppt werden konnte, ließ er durch Feuer vernichten, damit es nicht in die Hände der Feinde fiel. So gingen die französischen Magazine zu Eschwege, Witzenhausen, Wanfried usw. in Flammen aus.
Infolgedessen sahen sich die Franzosen, als sie Hessen wieder besetzten, genötigt, vor allen Dingen auf Errichtung von neuen Magazinen und aus Füllung derselben bedacht zu sein. Und in dieser Hinsicht ließen sie es au Ausschreibungen aller Art nicht fehlen. So erging am 7. Oktober 1761 an das Hochstist Fulda der Befehl, 20 Stämme Holz fällen zu lassen zur Erbauung von 12 Schiffen, ein jedes 60 Fuß in der Länge und 4 Fuß 6 Zoll in der Bodenbrcite, sodann. 7 Fuß in der oberen Weite. Die nötigen Bohlen sollten % bis ’/4 Zoll dick fein; das Material solle nach Pfordt, einem Dorf au der Fulda int Schlitzen Land geliefert. werden. Schiffsbau« sollten von Fulda aus gestellt werden, in französischem Solde stehen, Nägel, Eisen und sonstiger Eisenbeschlag und Schiffstaue würden ans dem Magazin zu Hersfeld unentgeltlich geliefert werden. Jedes Schiff sei mit allein Segelwerk und komplettem Geschirr auf kgl. französische Kosten zu versehen und durch besoldete königliche Schiffsleute hin- und
herfahren zu lassen, um die ergiebige Fourage und Mehltransports bewerkstelligen zu können. Die Grafschaft Schlitz erhielt den Befehl, fünf solch« Schiffe bauen zu lassen. Zur Erleichterung der Schiffahrt gingen dann die Franzosen mit anerkennenswerter Energie an die Errichtung groß« Schleusen, darunter 4 im Schlitzerland bei Hemmen, Pfordt, Frau-Rombach und Rimbach. Von diesen Anlagen ist heute keine Spur mehr zu, bemerken. Jedenfalls ist es interessant, zu sehen, wie die Franzosen auf die Benutzung dieser Wasserstraße verfielen, um ihre Magazine in den Städten an der unteren Fulda ans dem reichen Hinterland mit Lebensmitteln, Fourage u. d«gl. zu füllen.
Ende des Jahres 1761 war der Schleusenbau zu Ende, die Fertigstellung der Schiffe ließ dagegen auf sich länger warten., Aris einem Schreiben vom 11. November 1762 aus Hersfeld geht hervor, daß die von Fulda zu stellenden Schiffe bereits vor längerer Zeit abgeliefert worden waren, und daß dis von der Grafschaft Schlitz zu lies«nden Fahrzeuge nunmehr nach Fertigstellung den von Hersfeld aus abgesandten Schiffsleuten zu übergeben seien. Die Bewohner der an der Fulda liegenden Dörfer sollen dabei hilfreiche Hand leisten. Auf „Parole d'honneur" wird. versichert, daß sogleich nach Empfang der Nachricht vorn Abgang der Schiffe eine Quittung über die Lieferung derselben erteilt toerben soll. Doch die Herrlichkeit der französischen Flotts sollte nur noch wenige Stunden dauern. Denn unterdessen Halts Herzog Ferdinand wieder die Offensive ergriffen und ivar in Hessen-Kassel eingcrückt. Kassel wurde belagert und schließlich durch Hunger zur Uebergabe gezwungen. Die Franzosen erhielten einen ehrenvollen Abzug. Sie benutzten, die Fuldaschiffe, um ihre Effekten stromaufwärts zu schaffen. Bei dem Dorfe Sandlofs, in der Nähe der Mündung der Schlitz in die Fulda, brachten sie ihre Effekten aus Land und ließen die Schiffe zurück.
Ain 14. November erliefe Prinz Friedrich August von Braunschweig aus seinem Hauptquartier zu Kassel den Befehl, die von den Franzosen teils bei Hersfeld und teils _6ci Schlitz zurück» gelassenen Schiffe auszuliefern „um im Dienste des Königs und- bei d« Zufuhr zur armse gebraucht zu werden".
Bald kam der Friede. Die Schiffe sind dann vermutlich dem Hochstift Fiilda und der Grafschaft Schlitz zurückgegeben worden, dis sie einst «bauen ließen. Wir hören jedenfalls aus den Unnnben nichts mehr von ihiren. Man hatte anscheinend für diese Fahrzeuge, die in den Kriegszeiten ihre besondere Aufgabe ßu erfüllen hatten, keine Verwendung mehr. Und so haben wohl die einstigen französische!! Schiffe gar bald am User der Fulda ein beschauliches Dasein geführt, find mit der Zeit verfault und die. Schleus?« sind zerfallen. . .
Und heutzutage, wo auf der oberen Fulda von einer Sanfffahrt nichts mehr zu bemerken ist, erzählt man noch in den Dörfern daselbst als eine dunkle, kaum glaubhafte Geschichte, daß die Franzosen einst „große Schiffe aus dem Wasser gehabt gatten < Sic transit gloria muudi!
* U u ter F reuudc n. „Nachdem du erst aus dem Süden zurückgekehrt bist, gehst du jetzt auch noch nach Meran?" -- „Na, man muß sich doch seinen Gläubigern ge>und erhalten!" #
* Sein Eheglück. „Sie sagen immer, S,e leben ut glücklicher Ehe, dabei sind Sie zwölf Monate im Jahre verreist." — „Das ist ja eben das Glück!" .
* Immer dienstlich.' Als kürzlich nach einem Hoch- zeitsbatte ein jüngerer Leutnant die ihm anvertrautc Dame tn chr Hotel geleitete, fragte er beim Abschied, unt eine kleine Gesprächspause auszusüllen: „Auf welch« Stube liegen gnädiges Fräulein?" a .
* Unverfroren. Theaterdrrektor: „^fer neue» Sttich das Sie als „Lustspiel" bezeichnen,, habe ich beim Lestn für ein „Trauerspiel" gehalten!" — Junger Dramatiker: „Hat es denn als solches Ihren Beifall gefunden^"
NiamMträtsel.
In die Seiber nebenstehender Figur sind die Buchstaben a aaaaddd e e g gtillmmnnr ssta derart einzutragen, daß die wagerechken Rethen ioigendes bedeuten:
1, Einen Buchstaben.
2. Edelfisch.
3. Nahrungsmittel.
4. Stadt in Italien.
5. Stadt in Hannover.
6. Ein Tier.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.
Atislösuug in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckräffels in voriger Nummer;
Ein Sperling in der Hand ist besser, als eine Taube arä dem Dache-
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Unwersnäls-Buch- und Steindruck«^ R, Lange, ®tefee&


