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dann mit Messer und Feile bearbeitet, unt glatt und ansehnlich zu werben. Ist der Kork von guter Qualität, so besteht er aus einem gleichmäßigen Gewebe von Zellen, die die Gestalt sechsseitiger Prismen besitzen und zur-Längsachse des Stammes parallel liegen. Hingegen ist er um so schlechter, je mehr er von Herden sogen. Steinzeiten durchsetzt ist, da diese beim Trocknen, Pressen und Be- arbeiten herausiallen, so daß ans > Kosten der Haltbarkeit und Elastizität Löcher und Risse entstehen.
Die Herstellung von Pfropfen und Stöpseln mittels schari- schneidender Messer geschah früher mit der Hand, jetzt säst nur noch mit der zwanzigmal schneller und bedeutend gleichmäßiger arbeitenden Maschine. Daß Kork auch zu nautischen, maschinellen, physikalischen, chemischen, medizinischen, hygienischen, baulichen und dekorativen Zwecken ausgedehnte Verwendung findet, steigert seinen Wert. Sogar die Kunst hat sich seiner schon längst bemächtigt: sie schasst aus ihm mit Messer, Stichel und Brenneisen völlig plastische oder relieiarlige Ansichten von Bauten und Landschaiten. Besonders beivundernswert sind die kleinen Kopien antiker Lau- werke und Ruinen, die zuerst die römischen Architekten Agosimo Rosa rmd Antonio Chichi, sowie der Deutsche Carl Atay in der zweiten Halste des 18. Jahrhunderts gearbeitet haben. Zahlreiche dieser Kopiert in Kork finden sich im Kunst- rmd Aniiken-Kabinett zu Gotha und in den Museen zu Kassel und zrr Schwerin. An den trefslichen Korkarbeiten Mays hat auch Goethe seine Freude gehabt. Und dieser May war, als er mit der Korkbildnerei begann, Konditor am Hoie des Koadjrrtors Freiherrn v. Dalberg in Erfurt. Er verschaffte sich mit dem Ertrage seiner kleinen Kunstwerke die Mittel zum Stridinm der Architektur rmd siedelte später nach Aschaffenburg über, wo er als Barwat noch lange gewirkt hat.
Vermitsehtss. e
* D i e Sprache der Hüte. Für die hübsche amerikanisch' Scharispielerin Billte Brrrke ist der Hrit nicht eine Kops bedeckrmg, sonderrr — eine Sprache, burd) die sie ihren etimnr nngen Ausdruck gibt. Wie sie sich überhaupt ihren Srimnrungen entsprechend kleidet, so eurpfindet sie auch das Bedürstris, den Hut stimmungsgemäß zrr wählen und da sie, wie sie offen gestehtz sehr wechselnder Strmrnrrng ist, so kann sie freilich nicht umgehen, sich außerordentlich viele Hüte zuzulegen. Wer aber Fräulem Billies Hutphilosophie genau kennt, der kann von ihrem Hute ablesen, welcher Stimmung sie gerade ist. Sie wählt nämlich rosa Hüte zum Ausdrrrck der Glückseligkeit, schwarze, wenn sie stattlich erscheinen will, weiße Hüte bedeuten Unschuld, nralvensarbene Llach- denklichkeit, goldene Hüte Extravaganz und grüne Hüte „I n - le l l ek t n a l i t ä t". 'Also daß man es Brllies Hüten sogleich an- seherr kann, ob sie heute glücklich, rmschuldig oder intellektuell ge- ftimmt ist. Es ist allerdings eine teure Sprache, diese Spraa-e der Hüte. Fräuleiir Brrrke braucht beinahe jeden Tag einen anderen, weil sie so sehr Stimmungsmensch ist und das kommt im Jahre auf etwa 8000 Mark zrr stehen. Diese Sprache hat, wie sick; hieraiis ergibt, eine sehr beschiverliche Grammatik.
* Das Dorf der Hosettrücke. Währerrd der Hosenrock in allen Kulturstaaten der Gegenstand des Spottes und des Gespräches ist, erinnert ein italienisches Blatt daran, daß diese Neuheit in einem kleinen freundlichen Schweizer Dorfe im Kanton Wallis seit Jahrhunderten und ohne die Hilfe der Reklame bei den Frauen Sitte und Braud) ist. 1052 Meter über dem Meeresspiegel liegt zwischen grünenbeit Wiesen und lauschigen Wäldern das anmutige Dörfchen Champery. Einige hundert Meter höher entspringt in den Bergen eine alkalische Schwefelquelle. Die 596 Menschen, die die Gemeinde Champery bilden, ernähren sich fast ausschließlich durch Viehzucht, das Amt der Hirten ist ihr Lebensinhalt. In den Sommermonaten verlassen die Seilte das Dorf und ziehen hinauf au? die benachbarten Berge, den Winter wiederum vereinigen sich alle im Tale. Die Frauen Dort Champery aber tragen seit mwordeuklichen Zeiten den Hosenrock, ja sie sind plannräßiger als die Pariser Schneider, suchen ihre Tracht nicht unter Stoff und Chifsoiiwolken zu verhüllen, sonderil tragen einfach Männerhosen, ohne darauf besoiwers stolz zu sein. Sie benutzen sogar die gfeid)en Stoffe wie ihre Gatten, in der Regel blauen Cheviot, und die einzige fröhlichere Farbennote in dieser durch das Alter geheiligten Frauentracht ist das rote Tuch, das um den Kopf geschlungen wird und dessen Ende Malerisck) über die Schulter herabhängt. So lauge die Frauen von Champery denken können, haben ihre Mütter und Großmütter diese blauen Cheviothosen getragen, wie auch ihre Enkel und Urenkel sie wohl tragen werden. So besitzen die Bewohner jenes weltabgeschiedenen Schweizerdörfchens schon lauge das, was die Launen der Pariser Schneider dem eleganten Europa bescheren tooUen, nur daß die Schönen von Champery keine Gründe ästhetischen Reizes in die Rechtfertigung dieser Tracht eiirschmuggeln, ja sie grübeln über den Hoseirrock nicht einmal nach: sie tragen tfjn, weil er für ihr Hirtenleben in Berg und Tal praktisch ist.
* Der „Manu mit den meisten Flöhen". In Londoil lebt ein Manu, der nicht wenig stolz darauf ist, die meisten Flohe zu besitzen. Das ist Sir Walter Rothschild, der freilill) eine engere Berührung mit seinen Pfleglingen ängstlich
vermachet und den nur tvissenschaftliche Interessen mit ihnen bindet. Er kann sich rühmen, heute eine Sammlung von mehr als 3000 verschiedenen Floharten sein eigen zu nennen. Aber trotz dieses schönen Bewußtseins, so erzählt der Ganlois, hatte Sir Walter Rothschild bis vor kurzem feine schweren Sorgen: trotz aller Bemühungen wollte es ihm nickst gelingen, einen echten Fuchsfloh aus den Polarregionen seiner Sammlung einzuverleiben. Bis ihm die Erlenchtmrg kam. In einer kanadischen Zeitung ließ er ein großes Inserat erscheinen, und zu seinem lebhaften Entzücken empfing er vor einigen Tagen auch richtig eine sorgsam! versiegelte Flasche, in der drei prächtige Exemplare der so lange vergeblich gesuchten Flohart verwahrt waren. In seiner Freude schickte Sir Walter Rothschild dem kanadischeir Flohjäger einen Scheck über 2400 Mark für drei Flöhe — der Fall ist riicht alltäglich.
* R a t. „Ja, ja, als vermögensloser Künstler bleibt mast sem Leben lang ein armer Schlucker — man hätte eben in der Wahl seiner Eltern vorsichtiger sein sollen!" — „Das kannslj du doch bei der Wahl deiner Schwiegereltern wieder gut machen!"
* W i ii k. Junge Witwe: „Sie glauben gar nicht, Hery Kraft, tote entzückt mein Töchterchen von Ihnen ist; sie sagte neulich erst zu mir: Siehst du Mama, das ist ein Sperr, den ich mir zum Papa toünsche!"
* Im Restaurant. „Wieso können Sie denn als Vegetarier hier Fleisch essen?" — „Ich esse es als — verbotene Frucht!"
Vüchertjich.
— Das deutsche Wörterbuch von Weigand ist! in seiner fünften von dem Leipziger Universitätsprofessor H. H i r t gänzlich neiwearbeiteten Auflage mit der Vollendung des zweiten Bandes soeben abgeschlossen worden. Der Verlag von Alfred T ö p e l in a n n in Gießen hat dem Werk eine gute, forgfälkige Ausstattung gegeben; Übersichtlicher klarer Druck und gutes Papier zeichnet es besotchers aus, dazu kommt das in zwei Teile geschiedene handliche Format. Vom sprachgeschichtlichen Ausgangspunkte be- giniiend, —' durch die genügende Berücksichtigung der Etymologie hat sich Weigands Werk hauptsächlich sein Ansehen erworben — werden die Umformungen und lautlichen Entwicklungsstufen, das Vorkonuneu des Wortes von der althochdeutscheit Zeit an bis heute nachgewiesen; auch auf den Wandel der Bedeutung des Wortes im Laufe der Zeit wird aufmerksam gemacht. Dabei kann man öfters eine Rücksicht auf das Sachliche gegenüber dem Sprachlichen beobachten; Schlagwörter, und was dergleichen mehr ist, werden herangezogen, die den Blick auf Tatsachen oder Fragen dev Welt- imb Sittengeschichte lenken. Hierfür ein Beispiel: Fiaker m. (— 8, Pl. wie Sg.): Lohnkntscher; Mietkutsche. Nach dem franz, am Ende des 17. Jahrh. üblichen fiacre. Von dein heiligen Fiacre (latinisiert Fiaerius), dessen Bild das Zeichen des in Ser Straße St. Antoine zu Paris gelegenen Hauses war, in dem man solche Mietskutschen haben konnte, und das der Franzose Sauvage, dem 1650 das Privilegium zur Einrichtung öffentlicher Kutschen verliehen wurde, bewohnt haben wird. 1728 bei S per ander nur der Pl. Fiacres, im Sinne von „Mictskutschcn auf den Straßen von Paris". — Man sieht, ein kleiner kulturgeschichtlicher Ausblick wird hier geboten, den wir mannigfaltiger gestalten können, wenn wir die Wörter Berllne, Droschke, Kalösche, Karckssc, Karrete,- Karriol, Kremser, Kutsche und Omnibus aufschlagen. — Schätzenswert sind dabei auch die an passender Stelle eingefügten Angaben grammatischer Art, namentlich Konjugationsformen und Mehrzahl- bildnng und in allen Zweifelsfällen auch die Bezeichnung der betonten Silbe durch den Akzent. Und nennt sich der Weigand auch ein deutsches Wörterbuch, so zeigt uns doch schon unser Beispiel, daß er zugleich auch ein Fremdwörterbuch in sich schließt, das — wo nötig, mit der Umschreibung der fremden Laute — wissenschaftlich zuverlässige Verdeutschungen aller gangbaren oder literarisch bis auf unsere Tage in den Sprachbestand aufgenomnieucn Fremdwörter bietet, diese gleich dem eignen Sprachgut etymologisch erklärt und durch die Anführung ihres Vorkommens in Druckwerken belegt. — Auch die Eigennamen sind zahlreich mit ihrer Herkunft und ihren Umwandlungen ausgenommen und mundartliche, dialektische und provinzielle Formen werden verzeichnet, die unserem Sprachschatz manches Kleinod erhalten.
Hättet
Nahrhaft und wohlschmeckend bin ich, man sieht mich auf heimischen Fluren,
Setz' an das Ende mein Haupt, hält inid) die Meerflut umringt Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:
M
A
U
8
A
N
N
A
U
N
N
A
8
A
A
R
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Steindrnckerei, R. Lange, Gieße»,


