Ausgabe 
6.3.1911
 
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Ueder -re Vedeutmlg -er frühzeitigen Erkennung tze§ Lupus für die Heilung.

Von Privatdozent Dr. Hübner, Marburg.

Aus denr Mittelalter wird uns von schlinnnen Srucherl er­zählt, die durch das Land zogen und das Volk.dezmiierien. Heute haben diese Krankheiten, Aussatz, Pest, Pocken ehre Schrecken für uns verloren. Wir können daraus vertrauen, daß es einet weisen Medizinal-Äesetzgebung und Verwaltung gelingen wird, diese Krankheiten unseren Grenzen stets sernzuhalten, trotz der durch die dichte Bevölkerung und tat

herkehr gegen früher so enorm vermehrten Möglichkeit zur Ver-

Mer neben dem Fernhalten dieser im Ausland heimischen Krankheiten, bleibt der Hygiene noch ein großes Mw in der Be­kämpfung derjenigen übertragbaren Krankheiten, welch-: Bet uns heimisch geworden sind, in erster Limeber Tuoerkutosc. Der Erreger dieser Krankheit, der Tuberkelbazillus, muss als der am weitesten verbreitete krankmachende Pilz bezeichnet werden. Em Siebentel aller Menschen sinkt durch ihn in das Grab., Unzählige gehen durch das Leben, deren Körper die Spuren feiner, krank- machenden Tätigkeit trägt. Wo immer dieserBazMus m den Körper eindringt, in welchem Organe er sich festsetzt, überall findet er die geeigneten Verhältnisse zn seiner Entwicklung uiw ent­facht er seine schleichend eiusetzende zerstörende Tätigkeit. Von der Widerstandsfähigkeit des Körpers wird eS abhaugen, ob schließlich die Krankheit über den Menschen, oder dieser über den Kraukheits- keim den Sieg davon trägt. ,

Meist gelangt das Krankheitsgift in bie Atmungsorgans und führt zur Lungen- und Kehlkopfschwindsucht. Nicht selten siedelt cs sich in den Verdauungswerkzeugen an und führt, naurentlich, bei Kindern, zu Darmtuberkulose. Auch in den Hauten des Gehirns und Rückenmarks oder in den Knochen und Gelenken kann es sich entwickeln und schweres Siechtum herbeifuhren. Wenn es sich in der äußeren Haut oder der SchMmMt der Nase oder des Mundes sestsetzt, so entsteht dort allmählich jene Krankheit, die alsLupus" oderFressende Flechte" bezenhnet imrd.

Das äußere Bild dieser, stets chronisch verlaufenden Haut­krankheit kann sehr verschieden sein. Bald sehen wir nur einen düsterroten, abschilfernden Herd, bald Geschwürsbildung mit ost kirschgroßen Wuchermlgen. Gemeinsam bleibt stets die Neigung, unter Verheilung und Narbenbildung an der Stelle der ersten Erkrankung in die Umgebung weiterfortzuschrcitcn. Große Flächen der Haut tonnen so von der Krankheit überzogen werden. _

Diese Narben beiveisen das Bestreben des Körpers, oesem- aedrilngenen Giftes Herr zu werden, führen, aber bei größerer Ausdehnung zu erheblichen Störungen; beschrankende nach ihrem Sitz die Bewegungen der Gelenke, hindern den Schluß des Mundes oder der Augenlider und können so zur Blindheit führen. Schwere Entstellungen können zustande kommen durch das Uebergrenen des Lupus auf Nase und Ohren, deren Knorpel dadurch zerstört werden können. , ~ ,

Der Lupus kann also die schwersten Folgen haben, iuenn er nicht frühzeitig in rechtmäßige Behandlung kommt. Eine Selbst- Heilung dieser Krankheit kommt niemals vor. Zwar bedroht der Lupus nicht das Leben direkt; aber die Befallenen werden in­folge der entstellenden Narben und ihres entsetzlichen Anblickes von allen gemieden, verlieren die Freude am Leben, nnden keine Arbeit und fallen schließlich oft jahrzehntelang der öffentlichen Armenpflege zur Last. . , . .

Glücklicherweise ist der Lupus eine vermeidbare und, wenn er nicht schon allzu groß geworden ist, auch eine heilbare Krankheit.

Daß er vermeidbar ist, beweist die Tatsache, daß er in Volks- kreisen, die ihre Kinder in Reinlichkeit erziehen, kaum vorkommt.

Der Lupus ist nämlich eine Krankheit der Nukultnr. Tuberkel­bazillen finden sich überall in der Umgebung von SnMndsuch- tigen, von denen sie ausgehustet und mit den feinen Schleim- bläSchcn, welche sic beim Räuspern, Husten, Niesen versprühen, verbreitet werden. Sie finden sich daher häufig im Staube von Wohnungen, in denen ein Schwindsüchtiger wohnt oder gewohnt hat. In solchen zumal schlecht gereinigten Wohnungen können schlechtbehütete Kinder, wenn diese mit ihren Händen auf dem Fußboden herumfahren und sich dann mit ungewaschenen Händen im Gesicht kratzen oder in der Nase bohren, an Lupus erkranken. Reinlichkeit in Wohnung und am Körper ist also das veste Äcittel zur Verhütung des Lupus. Gefährlich ist auch das Tragen von Ohr­ringen. Wird der blutende Stich im Ohrläppchen mit unreinen Fingern berührt, oder wohl gar mit den Lippen ansgesogen, so könncii von dem Stichkanal Tuberkelbazillen einbringen und Veranlassung zur Entstehung von Lupus geben.

Unendlichen Segen hat die Asepsis, d. h. bie Lehre von der Vermeidung von Mundkrankheiten durch Sauberkeit, gebracht. Dieser ©egen kommt aber erst recht zur Geltung, wenn diese Lehre bis tief in das Volk hineinleuchtet. Jedes Kind müßte in dem Gefühl aufwachsen, im Schmutz nicht nur etwas Un­schönes zn sehen, sondern etwas Lebenbedrohendes und nnbebingt zu Meidendes. Jeder im Volke müßte wissen, daß Sonne und Seife die willkommensten Feinde der Krankheitskeime sind. Dann wird der Lupus, der auch zu den Wunderkrankheiten gehört, immer seltener werden und schließlich ganz verschwinden.

Der Lupus ist aber auch heilbar, tvenn er frühzeitig zur Behandlung kommt. Hat er schon einen größeren Umfang ge­nommen, so bleiben auch nach der Heilung entstellende Narben zurück. Daher gilt es bei dieser Krankheit, vielleicht mehr als hei jeder anderen, dem Anfang entgegenzutreten. So leicht es ist, einen erbfen- oder pfennigstückgroßen Lupusherd zu entfernen, so schwer ist die ärztliche^ Aufgabe einem ausgedehnten Lupus gegenüber, der vielleicht schon große Teile des.Gefichts eingenom­men hat, well dann die Krankheitserreger tiefer in die Gewebe eingedrungen und der Behandlung gar nicht mehr oder nur schwer zugänglich sind. , .

Das Schicksal eines jeden Lupuskranten hängt von der möglichst frühen Entdeckung seiner Krankheit ab. An Eltern, Geistliche, Lehrer ergeht daher die dringende Mahnung, Kinder, bei denen sie Vermuten können, daß ein Lupus im Entstehen ist, ungesäumt der ärztlichen Untersuchung und Behandlung zuzuführen.

Zeichen, die hierauf hindeuteu, sind: Schwerheilende Einriße an Mund- und Rasenwinkeln, nässende Flechten, die von dort ihren Ausgang nehmen, Krusten, die auf kleinen Hautgeschwurcn sich bilden. Oft kann- man in der gesunden Haut der Umgebung solcher Veränderungen kleine, kaum stecknadelkopfgroße, milchkanee- sarbene Flecke erkeuuen, besonders, wem, man auf die erkrankte Hantstelte ein Stück Fensterglas auflegt und durch sanften Druck auf dieses die Haut blutleer macht. Setzt man auf einen solchen Fleck einen stumpfspitzen Gegenstand, z. B. em Bleistift,^ so ent­steht ohne Auweiiduiig besonderen Druckes eine bleibende stelle in der Haut, ein Zeichen dafür, daß das neu gebildete krankhafte Gewebe in der. Tiefe, das Tnberkelknötche.n, morsch ist und die Haut infolgedessen ihrer normalen Elastizität entbehrt.

Der Heilkunde stehen heute verschiedene Wege zu Gebote, beginnende Lupusfälle restlos und ohne bleibende -Narben zu heilen. Den altbewährten wundärztlichen Verfahren, kleine Lupus- Herde durch Aetzung oder mit dem Messer zu entiernen, ist eine der schönsten Segnungen der modernen vellkunde, das Fnßensche Lichtheilverfahren, ebenbürtig an die Seite getreten. Durch dies es Heilverfahren ist das Vaterland des Erfinders, Dänemark, früher ein stark von Lupus durchseuchtes Land, jetzt von schweren Fallen fast vollkommen frei geworden.

, Naturheilmethoden", Blutreinigungstees und ähnliche Dinge können gegen den Lupus nicht helfen. Im Gegenteil kann durch solche nutzlosen Versuche nur kostbare Zeit verloren gehen. Möge daher ein jeder, der einen beginnenden Lupus sieht, sich der Ver­antwortung bewnßt werden, die er auf sich nimmt, wenn er dura, Unachtsamkeit mit dazu beiträgt, daß vielleicht noch heilbare Kranke zu unheilbaren Krüppeln werden. . .

Das Deutsche Zentral-Konntee zur Bekämpfung der Tuoer- kulofe und die von diesem eingesetzte Lupus-Kommißion gehen Mein mit Rat und Tat an die Hand, der unbemittelten Lupus- krauken Heilung und Hilfe verschaffen möchte.

Einiges vom Korf.

Der Sekt läßt mit zäher Energie die Straft seiner Kohlensäure gegen den Piroosen wirken, der aber ist ein unbarmherziger Kerker­meister und gibt dein stürmischen 'Bedangen des euleii Reberna les nach Freiheit nicht nach: er halt fest, ob auch Jahre vergeben. Wohlverstanden, der Pfropfen muß aus Kork von Katalonien ge- schuilien fein, denn der ist der allerbeste: er bekommt oeun (Sin- prcssen in den Flafcheichals keine Haarrisse, und wenner nach iavrelangem Verbleiben in gepreßtem Zustande tm '-Sager guo.nt wird, so kehrt er in feine ursprüngliche Form und seinen iruheren Umfang wieder zurück. Aehnlich lobenswert verhalt sich der Pfropfen ans dein Kort Andalusiens. Beide Gebiete, die wohl­habendsten Spaiiiens und ungemein reich an Korkeichen, senden Jahr für Jahr viele Millionen Sltto Kork ins Ausland, Auch Porluaal besitzt Waldungen von Korkeichen. Aber ferne Aiioinyr an Stork ist gegenüber der von Spanien und der von zwei anderen Ländern, nämlich der von Südsrankreich und Algier, nullt mu,- schlaggebenü auf dein Weltmärkte. Wenn daher fegt, laut vlach- riditen ans Lissabon, zahlreiche portugiesische.Korkarbelierm den AiiSstand getreten find, so dürfte davon das Ausland nicht sonder­lich berührt werden. Der Kork, den SÜdirankreich und Algier liefern, ist ebenfalls vorzüglich Aus letzterem Lande, delsen Vro- viiiz Eonstantine ein wahres Dorado für Korkeichen ist, werden jährlich zwischen fünf bis sechs Millionen Kilo ausgemhrt. Was aber an Kork ans den Küstengegenden der Adria unö ans cito- tiro( koniint, ist, iveil nicht von der echten Korkeiche staniinend, recht minderwertig. , , . ms

Die gebratenen Tanben fliegen keinem in den Mund. Uno j so erfordert auch die Kultur der echten Korkeiche viel Zeit und I große Mühe; wird doch der. Baum er|t dann ertragreich, wenn sich am jungen Stamm nach behutsamem Abschalen der uubiauch- ' baren Oberhaut die .Anßeniliide gebildet und nach LeAaiN von acht bis zehn Jahren zur Dicke von 1 < Ins ,.5 ober üilsimster entwickelt hat. Diese Autzeiirinde ist Stört und gib., in möglichst großen Platten mit höchster Sorgfalt abgelöst, den Ertrag. Nach dem Ablösen müssen sechs bis acht Jahre verstreichen, ehe der Stamm wieder neuen Ertrag liefert. So hemt es denn lange warten, bevor da? Geld in den ©artet rollt. Die Zurichtung der Platten ,st ziemlich einfach: sie werden..s

et. j ir. beschwert oder in große Pressen gebracht, getrocknet uno