Ausgabe 
6.2.1911
 
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* Der

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, Wieben.

versteckrcitse!.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, rvie die Silbean" inWanderer'.

Bohnensalat - Neqermädchen Gabelirühstück Ueberfluß Geschwisterliebe - Taugenichts Wintervergnügen Wanderlust Künstlerwelt.

(Auflösung in der nächsten Nummer.)

Auflösung des Ergänzuugsrärsels in voriger Nummer: Kannst dem Schicksal widerstehen, Aber manchmal giebt es Schläge; Wilk's nicht aus dem Wege gehen, Ei l so geh' du aus dem Wege.

vom Morgen- und Abendrot.

«u keiner Zeit des Jahres können wir das herrliche Schau­sviel der Vlorgen- und Wendröte so tn seiner ganzen Schönheit bewundern, wie an klaren Winter tagen, dre uns ost besonders farbenprächtige Sonnenuntergänge bescheren. Wenn der Sonnen­ball sich dem Horizont nähert, überzieht zuerst em zartes ^urpur rot den ganzen Westhimmel, emzelne Wölkchen, d« hoch mt Wether dahinschwimmen, erglühen rosig und Warben sich immer intensiver, die ties am Horizont stehenden Wolken erscheinen dunkel­rot, und wenn die Sonne verschwunden rst, flammt der ganze Himmel wie in lohendem Feuer. Eunge Minuten blaibt die Glut bestehen, dann fangt sie an, allmählich zu erblassen, sre durchläuft die ganze Skala der roten Farbentone, um schließlich einen violetten Schimmer anzunehmen, der immer dunkler wird und endlich ganz erlischt; bte Dämmerung ist fortgeschritten die Dunkelheit bricht herein. Von tausend und abertausend Men­schen wird das herrliche Schauspiel bewundert, aber die wenigsten von ihnen wissen, wie diese Lichterschernung zustande kommt, und merkwürdigerweise hat auch die Wissenschaft erst tn neuester Zeit dieses Phänomen richtig gedeutet.

Früher nahm man an, daß bte Morgen- ober Abendröte nur bei hohem Wasserdauipfgehalt der Luft entstehen ko nm, und daß sie daher das Vorzeichen für den Eintritt laichten Wetters fei Das ist nun keineswegs der Fall, und der Wasierdampf der Luft kann allein die Erscheinung auch nicht Hervorrufen, trotz­dem er dabei eine wichtige Rolle spielt. Wenn der Wasferdampf sich mit den immer in der Luft schwebenden feinsten Staubteilchen vermischt, dan schlägt er sich an diesen winzigen festen Körpern in Form ganz unendlich feiner Wasserbläschen nieder, bte Luft ist dann also auf weite Strecken erfüllt mit biefen schwebenden Wassertröpfchen, die so klein sind, daß sie unserem Auge nicht sichtbar werden. Die Sonnenstrahlen werden in diesen Tröpfchen in die bekannten sieben Spektralfarben zerlegt, und zwar, wenn die Sonne tief steht, von der Seite. Von diesem Sonnenspektrum wird nun der eine Teil natürlich nach oben in den Himmelsraum abgelenkt, während der andere Teil nach unten in unser Auge gelangt. Das ist aber der Teil, der die roten Spektralfarben trägt. Und deshalb erscheint uns die ganze Atmosphäre tn rotem Licht, das je nach der Lage und Dichte der brechenden Schichten einen tiefdunklen oder auch mehr gelblichen Ton annimmt. Pracht­voll dunkelrot oder auch schwefelgelb leuchten die Wolken, die tie in der Nähe des Horizonts stehen, während bei völlig klarem, blauen Himmel das Abendrot den zarten, rosigen Schimmer an­

nimmt Da es nun immer Staubteilchen tn der Lust gibt, und -war überall, sowohl über dem Meer wie über dem höchsten Gebirge, so ist auch überall die Möglichkeit zu dieser prächtigen Lichterscheinung vorhanden. Der ferne, in der Luft schwebende Staub rührt zum größten Teil aus den Vulkanen unterer Erbe her, bte bei jebent Ausbruch große Mengen von ihm in bte Atmosphäre ausstoßen; er verbreitet sich m großen Hohen mit bem Winde über den ganzen Erdball und erhalt sich viele ^ahre in der Luft schwebend, ehe er sich auf dem Erdboden abfetzt. In­folgedessen treten nach großen Vulkanausbrüchen die Morgen- und Abendröte am schönsten und intensivsten auf. So hat die gewaltige Eruption des Kratakaua tn Südamerika vor einer Reihe von Jahren lange Zeit hindurch auf der ganzen ^de dte herr­lichsten, an Farbenpracht ohnegleichen dastehenden Sonnenunter­gänge hervorgerufen, und der Staub dieser groben Erdrevolutton spielt auch heute noch in dem Farbenwunder des Abendrotes sein, Rolle, da er immer noch nicht vollständig aus der Atmosphäre verschwunden ist. Daß die Himmelserscheinung Nitr auf dem ge- schilderten Wege zu Stande kommt, kann man übrigens auch experimentell Nachweisen, wenn man durch em mit Wasserdampf gefülltes Glasgefäß das Licht der Sonne fallen laßt. Es ev» scheint das durchscheinende Licht naturgemäß weiß, bläst man nun aber ganz feinen Staub in das Gefäß, dann ntmnUt bg Licht sofort eine rötliche Färbung an. Also ist der Staub s die Erscheinung unbedingt notig, da sich ohne ihn die Jemen Wassertröpfchen nicht bilden können, bte bte Brechung des Lichts erst ermöglichen. Wir sehen also, wie bte herrliche Farben­erscheinung, die wir morgens und abends am Himmel bewun­dern Lnnen, durch ganz einfache physikalische Gesetze bedingt ist. und zustande kommt.

-insbesondere lernt der Gymnasiast nicht mehr ,o viel Griechisch, daß er die griechische Literatur beherrschen kann. Das Betreiben der griechischen Grammatik aber als VerstandEexerzttium oder Ata Tm XSrt für den Verstand istdie größte Entwürdigung,, die man der Smache einLder ersten Kulturvölker aller Zeiten antun" kann. Den unglücklichen Versuchskaninchen die gerade an den Geheimnissen griechischer Konjugatton und Syntax ihren Verstand aefchärft bekommen haben, ist gewöhnlich die Sprache in dem Blaße verleidet, daß ihnen das Bildungselement der griechischen Sprache verloren"bleibt. Das Griechgche hat a so

als solches ausgehört, Element der Allgemeinbildung iu Jem. Die Arbeit der sechs Jahre griechischen Studiums auf oem Gynt- tiassttm befähigen den Gymnasiasten gerade noch, das Etikett au einer griechischen Weinflasche zu lesen. D« antiken Btl- dungselemente werden aber nicht mehr durch bte Vermittlung der ^griechischen Sprache gewonnen. Diese ist heute nur noch nötig für bas Berufsstubinm bes Altphilologen, wie etwa das Hebräische für den Theologen. Ist nun Griechisch noch für bat Juristen nötig, weil einzelne Teile des Eorpus juri§ griechisch geschrieben sind? Das ist nicht der Fall; denn für ^Sememe Recht und damit als Grundlage des heutigen Privatt^echts konr- men überhaupt nur bte lateinischen Teile des Eorpusfums in Betracht. Trotzdem wird auch die moderne.Rechtswtsfatfchaft d-t-e griechisch geschriebenen Teile des Eorpus furcs studieren. -Iber der Jurist, der sich diesem Studium widmet, ist, Nicht mehr Jurist im eigentlichen Sinne; er ist Philologe. Für den, aber bleibt Griechisch stets Hilfsmittel seiner Fachstudien, wie.es für den Germanisten, der nordisches Recht.studiert, die nordiichcn Sprachen sind. Schon heute wird der Jurist, der auf dem Gym­nasium sechs Jahre Griechisch gelenit hatte, nie mehr ernc! Zeile Griechisch lesen, sobald er bte Schule verlassen hat. nur Der erwähnte Rechtsphilologe wird es weiter betreiben als Erfordernis seiner Berufsbildung. Seit 1902 sind die Abiturienten der Real­schulen auch zum Studium der Rechtswissenschaften zugelassat. Sie sind angehalten, soviel Lateinisch zu lernen, daß !te das Corpus juris lesen können. Vom Erlernen der griechischen Smache tft keine Rede bei ihnen. Die alten Gebiete der Rechtswissenschaft werden also für die Zukunft den Rechtsphilologen bletben, wahrend sich die Realschüler den modernen Zweigen der Rechtswissenschaft, dem Urheber-, Patentrecht u. a. widmen werden, zu denen dw Kenntnis der modernen Sprachen und der Rj^jwisscm, chaften unentbehrlich ist. Die Doppelbildung hat also als letzten der Akademischen Stände auch den Juristenstand ergriffen.

öermiid>te».

Einfluß von Alter und Geschlecht bei Erkrankungen. Eine interessante Stattsttk über bte Häufig­keit von Erkrankungen bei den beiden Geschlechtern und m den verschiedenen Altersstufen veröffentlicht ^r Glasgower Arzt Tr. James Grant Andrew auf Grund emes an 42603Orantenjn halb der letzten zehn Jahre gesammelten Materials, xte groge Zahl der Erkrankten gehörte dem männlichen Geschlecht an nam ttch 61 v. H. Erkrankungen der Lunge traten bet den Mannern bedeutend häufiger auf, als bei den Frauen und zwar tu bent Verhältnis von % zu %. Unter den von einer a^en Lungen­entzündung Befallenen befanden sich 82 v. H. Ä«, ui den Lugenschwindsüchtigen 67 v. H unter den an Bronchttts Erkrankten 71 v. H., unter den von Rippenfell- und eitrigen Brustfellentzündung Ergriffenen waren 74 v. H. Männ^. Tis Zahl der erkrankten Frauen überwog nur bet ben an Asthma- Leidenden, von benm 64 v. H. aufs weibliche Geschlecht kamai. Die größte Zahl von Krankheiten der Lunge wurde zwischen 20 und 30 Jahren festgestellt. In dies er. Alterspenodewurden die meisten Fälle von akuter Lungaientzundung beobachtet unv. auch die Fälle von akuter Rippenfellentzündung waren häufiger als in irgend einem anderen Alter. Auch Lungenentzündung trat in der Zeit vom 20. bis zum 30. Jahre häufiger auf, als in allen anderen Jahrzehnten des Lebens; ebenso Asthma. Tie vorherrschenbe Krankheit wahrend des 40. bis 50. Jahres war chronische Bronchitis; auch akute Lungenentzündung trat tn bietet «eit häufiger auf, als vorher; doch läßt stch bann tut höheren Alter ein beständiges Mnehmen dieser Krankheit feststellen, eben- so bei der Ltrngattttberkulose. Nächst den Lungenkrankheiten kamen die Krankheiten des Magens, die 4 v. H der GesamterkrankungM ausmachten. Sie traten bei Frauen häufiger auf als bet ..innnern und zwar int Verhältnis von a/3 juVs. Die größte Zahl der magenerkrankten Frauen, nämlich 90 v. H. litt an Jiagen- aeschwüren, der verbreitetsten Magenkrankheit überhaupt. Fast die Hälfte aller Fälle litt an Magengeschwüren; die größte Anzahl fand sich in der Zeit zwischen 20 und 30 Jahren Unter den 42 603 Fällen befanden sich 1474 Erkrankungen des Herzens, zu denen die Männer eine größere Anzahl stellten als die Frauen. Auch Erkrankungen der Blutgefäße Warnt bemt männlichen Ge­schlecht häufiger als beim weiblichen. Unter den 1475 Fallen von Nierenkrankheiten kamen 62,9 v. H. auf männliche Patienten. Tie Zahl der männlichen Erkrankungen überwiegt also in de« allermeisten Fällen die der weiblichen.