Ausgabe 
5.10.1911
 
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angesehen wird, und daraus' immer kleine Vorteile erwachsen, besonders wenn die Verbindung zur gegenseitigen Zufriedenheit ausfällt, so werden solche Aufträge mit Vergnügen angenommen Und, abgesehen von den Instruktionen, nach eigenem besten Er­messen ausgeführt. Lebt die Mutter des jungen Mannes noch, so kann er mit Bestimmtheit darauf rechnen, mit einer derselben anständig erscheinenden Gattin versehen zu werden, wobei sein Geschmack aber am wenigsten berücksichtigt wird.

Die Stifterinnen von Heiraten beschreiben wohl Gesichtszüge, Figur usw. der von ihnen erwählten Braut, wenn auch nicht mit der Treue des Signalements eines Steckbriefes, doch immer ver­schönernd; nicht selten belügt in solchen Fällen die Mutter ihren eigenen Sohu. Eigenes Urteil selbst des vermummten Mäd­chens ist nicht möglich, denn eine anständige Person verweigert es immer, an einem Orte zu erscheinen, wo sie der Bewerber auch nur aus der Ferne sehen könnte. Den Bewerber hingegen zeigt man nicht selten dem Mädchen, besonders wenn seine äußere Erscheinung vorteilhaft ist. Der junge Mann glaubt noch an die Garantie des Harems und hofft vielleicht bei der Jugend des Mädchens auf eine Bildsamkeit und Gefügigkeit, die er selten findet, und die besonders durch die Beratungen älterer weiblicher Famitienglieder gestört wird.

Das Vermögen der Braut kommt in der Regel nur insofern in Betracht, als ihre vollständige Aussteuer dem Gatten ge­stattet, durch eine längere Zeit keine wesentlichen Anschaffungen machen zil müssen; außerdem ist durch den Besitz von Realitäten dem Gatten freie Wohnung und mancher anderer Bedürfnisse des Hauswesens gewährt. Bare Einnahmen, Renten- und dergl. gehen aus dem eigenen Vermögen jedem Teile zu, und jene der Frau fließen nie in eine gemeinschaftliche Wirtschaftskasse, denn der Unterhalt des Hauses ist ausschließlich Sache des Mannes. Ganz bezeichnend sagt ein türkisches Sprüchwort:Wenn die Braut auch goldene Leuchter ins Haus brächte, so wird der Mann doch stets die. Kerzen herbeischaffen müssen."

(Schluß folgt.)

Gin Besuch der ersten deutschen Naturschutzparks in der Lüneburger Zentralheide.

Von einem Freunde unseres Mattes wird uns ge­schrieben :

Die deutsche Naturschntzparkbewegung hat in den letzten Fahren große Fortschritte gemacht und auch schon mancherlei bedeutsame Erfolge zu verzeichnen. Angesichts der zunehmenden Verelendung Unserer Landschaft durch intensive Bewirtschaftung (Aufforstung, yeldbereinigung usw.) und rücksichtslose Ausbeutung landschaftlich hervorragender Gegenden durch die Spekulation nahmen sich Dürerbund, Kosmos und Oesterreichischer Reichsbund für Vogel­kunde und Vogelschutz (Wien) kräftig der guten Sache an und suchten vor allem dem deutschen Volke die Augen darüber zu öffnen, welche Werte hier eigentlich in Gefahr stehen. Es ent­stand weiterhin ein besondererVerein für Naturschutzpark" (Stutt­gart), der sich die Erhaltung der deutschen Heimat in ihrer Sonder­ort zu« besonderen Aufgabe stellte. In Aussicht genommen sind zunächst drei solcher Parke: in den Alpen (Steiermark), im Mittelland (bayerischer Wald Urwald) und in der Lüneburger Heide. Allerdings wäre mancherorts die Hilfe zu spät gekommen, wenn sich nicht ideal gesinnte Leute gefunden hätten, die bereit gewesen wären, durch große persönliche Opfer ihrem Volke ein ansprechenden Stück Heimat zu erhalten.

. Das Gesagte trifft insbesondere auf die Lüneburger Heide zu. Von dem Fiskus wurden dort in den letzten Jahrzehnten Auf­forstungen in solchem Umfange vorgenommen, daß das Verschwin­den des typischen Landschaftsbildes in aller kürze zu gewärtigen stand. Dies für die prachtvolle Zentralheide verhütet zu haben, ist das große Verdienst zweier Männer: Pfarrer Bode in Egestorf Und Prof. Thomsen in Münster. Sie erwarben die höchste Er­hebung der Heide (169 Meter), den Wilseder Berg, und dicht dabei ein schluchtartiges Tal, den Totengrund, um sie den Vereinigungen als ersten Besitzstand zu übergeben. Außer­dem ist dem preußischen Abgeordnetenhaus eine Vorlage zu­gegangen, zehn Jahre lang jährlich 40 000 Mark für die Natur­schutzparke einzustellen.

Nun könnte leicht die Frage aufgeworfen werden, ob denn 0Uch eine öde, wüste Heidegegend so große Opfer wert sei. Wir Binnenländer stellen uns la doch die Heide meistens flach wie ein Kuchenbrett vor, als eine Einöde, in der außer Sand und Heidekraut weder Baum, noch Strauch, noch Hügel zu sehen ist. Für die Zentralheide trifft aber nun diese Vorstellung ganz und M« nicht zu. Diese zeigt durchaus den Charakter unserer Mittel­gebirgslandschaften und ist weder öde noch langweilig. Von Döhle aus, wo ich den Zug verlasse, um das Dorf Wilsede auf- Ausuchen, führt mich eine prachtvolle Birkenallee, in reizvollster Weise mit Vogelbeerbäumen (Sorbus aucuparia) untermischt, durch Niedriges Kiefernholz sanft bergan. Mit Findlingen eingefaßte Wege und herumstehende Malerinnen zeigen mir bald die Nähe des Ortes an, und schon sehe ich hinter einem uralten Buchen-, bestand die ersten mit Stroh bedeckten Dächer der niedersächsischen

Bauernhäuser a'uftagen. Die Naturschutzparkvereinigung Hat 8oi4 ein äußerst sehenswertes Heidemukeum geschaffen und zu­gleich durch Errichtung eines Hotels rn altlüneburger Stil für gute Unterkunft gesorgt. Ueber Mittag geht ein heftiger Gewittern regen nieder; doch bald lacht wieder die Sonne strahlend auf die erfrischende Erde hernieder. Beim Ausstieg auf den Wilseder Berg erfreut uns würziger Birkenduft, der sandige Boden ist fester geworden durch das eingedrungene Naß es ist ein wonniges Wandern! DieserBerg" würde bei uns kaum als solcher an­gesprochen werden. Doch hier, wo alle Maßstäbe zum Vergleich fehlen, wirkt er recht stattlich und gewährt bei klarem Wette« eine umfassende Rundsicht. Auf seiner kahlen Spitze steht eine zerzauste Signalfichte. An seinen Abhängen steigt die rot an­gehauchte Heide ins Tal hinab, hier und da überragt von mächtigen Findlingsblöcken. Große Bienenstände mit den alten Rundkörben verraten uns die Standguartiere der fleißigen Honigsammlerinnen^ die allerorts die blühende Heide umsummen. Sie bestes hier nür aus denk Heidekraut (Calluna vulgaris), während die schönere Glockenheide (Erica tetrahx) hauptsächlich an tiefen (Stellen wächst und meist schon verblüht ist. Unterbrochen wird zwar auch hier die Heide durch Wachholderbüiche (Juniperus communis); wollen wir aber diese Heidecharakterpflanze in idealer Gestalt sehen, so müssen wir den nahen Totengrund auffuchen. Die Abhänge dieser rotherauslenchtenden Schlucht sind mit Wachholder in allen Formen bestanden: hoch aufgeschossene Säulen, geheimnisvoll die Köpfe zusammenneigende Gruppen, massige Protzen uitb kümmerliche Zwerge, kurz ein Formenreichtum, daß man geneigt wäre, alles der Kunst eines erfahrenen Gärtners zuzuschrciben, was hier von der Natur in freiem Schaffen hervvrgebracht wurde. Hinter den kulissenartigen Wänden versteckt, liegt ein erratischer Block von wahrhaft riesenhafter Größe. Etwas abseits lugt unter starken Eichbäumen ein eigentümliches Bauwerk hervor. Es ist ein dem Boden aufsitzendes Dach, mit Heidefladen gedeckt und an den beiden Giebelseiten mit torartigen Eingängen versehen. Wir haben hier einen Uebernachtungsraum der großen Schnuckenherden, die uns schon mehrfach unterwegs begegnet sind, vor uns. Doch die Nebelschwaden, die aus dem Totengrund aufsteigen und in Fetzen -wischen dm Wachholderbüschen hindurchjagen, so daß diese die abentmerlichsten Formen annehmen, mahnen zum Aufbruch Nach dem nahegelegenen Kurhaus Heidetal.

Der nächste Tag ist ein Soimtag, und ivährend ich auf wunderbar rot eingefaßtem Heideweg durch urwüchsigen Bauern­wald hindurch zum Bahnhof Wintermoor wandere, begegnen mir Scharen von lufthungrigen Großstädtern, die für heute der Heid« ihr köstlichstes Besitztum, die absolute Ruhe, beträchtlich mindern werden. An einem der letztm Sonntage hat Hamburg allein/ laut amtlicher Mitteilung, gegen 40 000 Ausflügler in die Heide befördert. ______________

humoristisches.

* Von seinem Standpunkte. Trinker (welcher liest/ daß Tiogmes am hellen Tag mit einer Laterne herumging); Himmel, muß der bezecht gewesen sein!"

* Ein guter Kerl. Stammgast (zur Kellnerin):Anna, die Köchin braucht sich nicht zu beunruhigen, wenn sie einige Haare vermissen sollte, ich habe sie eben in der Suppe gefunden^

Kössrlsprung.

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(Auflösung in der nächsten Nummer.)

Auflösung des Rätsels in voriger Nummerk Wesel, Wiesel.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckereü R. Lana«. Gießen.