Donnerstag -en 5. Oktober

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Die weiße Frau.

Roman von. Collins.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Diese (Summe tour, sobald Miß Fairlie ihr einund- ztoanzigstes Jahr erreichte, ihr unbeschränktes Eigentum, und die ganze zukünftige Verfügung darüber hing vorerst von den Bedingungen ab, die es mir gelingen würde, in dem Heiratskontrakte für sie zu machen. Die andern Klau­seln, die das Dokunient enthielt, betrafen bloße Formen und brauchen hier nicht wiederholt zu werden. Aber die Klausel in Bezug auf das Geld ist zu wichtig, um hier übergangen zu werden. Wenige Zeilen werden genügen, um uns den notwendigen Auszug zu geben.

Meine Bedingung in Bezug auf die zwanzigtaufend Pfund war einfach diese: die Zinsen der Summe sollten der Dame auf Lebenszeit und nach ihrem Tode Sir Per- cival seinerseits auf Lebenszeit gehören, das Kapital selbst aber den Kindern der Ehe. In Ermangelung von Leibes­erben sollte über das Kapital nach dem Wunsche der Dame verfügt werden, zu welchem Ende ich ihr das Recht, ein Testament zu machen, vorbehielt. Die Wirkungen dieser Bedingungen lassen sich auf folgende Weise zusammen­fassen. Falls Lady Glyde starb, ohne Kinder zu hinter­lassen, so durften ihre Halbschwester, Miß Halcombe, und sonstige Verwandte oder Freunde, die sie zu begünstigen wünschte, sich bei Ableben ihres Gemahls nach solchen An­teilen in das Geld teilen, tvie sie ihnen ausgesetzt hatte. Hinterließ sie dagegen Kinder, so mußte deren Interesse natürlich jedem andern Interesse vorgehen. Ich hatte den Kontrakt in weniger als einer Woche nach Empfang von Miß Halcombes Briefe aufgesetzt und Sir Percivals Ad- vokaten zur Genehmigung zugesandt.

Nach Verlauf von zwei Tagen erhielt ich das Doku­ment mit den Notizen und Anmerkungen von Sir Perci­vals Advokaten zurück. Seine Einwendungen ertviesen sich im allgemeinen als unbedeutend und bloße Formen be­treffend, bis er zu der Klausel über die zwanzigtausend Pfund kam. An dieser entlang waren mit roter Tinte doppelte Linien gezogen und folgende Bemerkung hinzu- gefügt:

Unzulässig. Das Kapital an Sir Percival übergehen lassen, falls er Lady Glyde überlebt, und keine Leiheserben da sind."

Das hieß also, daß kein Heller von den ganzen zwanzig- tausend Pfund weder Miß Halcombe, noch sonst einem Mitglieds der Familie von Lady Glyde zukommen sollte. Die ganze Summe, falls sie keine Kinder hinterließ, sollte in Sir Percivals Taschen schlüpfen.

Die Antwort^ welche ich auf diesen unverschämten Vor­

schlag schrieb, war so kurz und scharf, wie ich sie nur geben konnte.

Geehrter Herr! Ich behaupte Klausel so und so gerade wie sie dasteht.

Hochachtend der Ihrige.^

Die Erwiderung kam in einer Viertelstunde.

Geehrter Herr! Ich behaupte die Klausel in roter Tinte gerade wie sie dasteht.

Hochachtend der Ihrige."

In dem abscheulichen Kauderwälfch unserer Zeit hatten wir uns jetzt beidefestgefahren" und es blieb uns nichts weiter übrig, als an unsere beiderseitigen Klienten zu appellieren.

Wie die Sachen standen, war mein Ment ihr Vor­mund, Mr. Frederick Fairlie. Ich schrieb mit der Nach­mittagspost an ihn und legte die Sache gerade so vor ihn, wie sie stand, indem ich nicht nur nachdrücklich jeden Be­weisgrund, der mir nur einfiel, anführte, um ihn zu be­wegen, die Klausel so zu behaupten, wie ich sie aufgesetzt hatte, sondern auch deutlich den gewinnsüchtigen Beweg­grund hervorhob, welcher oer Einwendung gegen meine Verfügung zugrunde lag. Die Kenntnis von Sir Percivals Angelegenheiten, die ich notwendigerweise gewonnen, yls die Maßregeln der Akte auf feifter Seite mir zur Einsicht vorgelegt worden, hatte mir nur zu klar bewiesen, haß außerordentliche Schulden auf dem Gute lasteten und daß sein Einkommen, obgleich nominell ein bedeutendes, in der Wirklichkeit aber für einen Mann seines Standes beinahe nichts war. Das Bedürfnis baren Geldes war die praktische Notwendigkeit für Sir Percivals Existenz, und die An­merkung seines Advokaten neben der Klausel in dem Kon­trakte war nichts, als dessen selbstsüchtig offenes Bekenntnis.

Mr. Fairlies Antivort kam mit umgehender Post. Sie lief auf etwa folgendes hinaus:

Wollte nicht der liebe Gilmore die außerordentliche Güte haben, seinen Freund und Klienten nicht wegen einer solchen Kleinigkeit, tote einen entfernten Möglichkeitsfall, zu quälen? War es wahrscheinlich, daß eine junge Frau von einundzwairzig Fahren früher als ein Mann von fünf­undvierzig Jahren und ohne Kinder sterben werde? War es dagegen in einer so jämmerlichen Welt, wie diese, möglich, den Wert des Friedens und der Ruhe zu überschätzen? Und falls diese zwei himmlischen Güter einem für eine solche irdische Kleinigkeit, wie die entfernte Aussicht auf zwanzigtausend Pfund geboten würden, war das da nicht ein guter Tausch? Ganz gewiß. Also warum ihn da nicht ein gehen?"

Ich warf den Brief voll Widerwillen von mir. Gerade als er zu Boden fiel, wurde an meine Tür geklopft und Sir Percivals Advokat, Mr. Merriman, trat herein. Ein korpulenter, wohl genährter, lächelnder, freundlicher Ge­schäftsmann ist von atteut mit dendn man zst schaffen haben