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hat sich zu Tode gekurpfuschcrt. r , ,, .
Wer heute die prächtige Ruine der Rudelsburg besucht und an der Spitze des Burgsrieds in lapidaren Buchstaben die Zuschrift liest: „Samuel hilf!" — weiß sich diese Worte wohl kaum zu erklären. Sie erinnern an einen Mann, der zu den volkstümlichsten akademischen Wirten gehörte und fünfzig, ^ahre lang auf der alten Bergveste Kannen und Kännchen Lrchten-c Hainer Bier geschwungen und kredenzt hat. Anfang der zwanziger Jahre lies; der Besitzer der Rudclsburg die Burg, die lange Jahre verlassen, verödet und verfallen dagelegen hatte, leidlich restaurieren, und da sich alsbald ein immer lebhafter werdender Fremdenverkehr einstellte, setzte er einen Wirt ein, der den Besuchern die einfachsten Erfrischungen bieten konnte. Es war zuerst wohl nicht Liel mehr Äs Lichtcnhaiucr Bicx, SchmkrnMllen
troffen wurde. Jil seinen gesunden- Tagen brauchte man sich keine große Muhe zu geben, um von ihm linsanft an die Luft befördert zu werden. Seine Gäste nannte er du und bedienteUe nicht. War der Hausknecht, der gleichzeitig den Kellner spielte, aber nicht mit sich spaßen ließ, nicht zur Stelle, so holte sich jeder, was er wünschte, namentlich die Kruke mit Köstritzer Bier, das damals als ein vortresfliches Katerbier galt. Er achtete gar nicht darauf, was verzehrt wurde, und wer nicht bezahleii konnte, kreidete selbst die Zeche an die Stubentür,, an der Hunoerte von kleinen vergilbten Namen und Zahlen standen. Wer nicht zahlen konnte — aber wehe dem, der sich nur einen Ulf Mit dem Aukreiden machte. Die Tür galt in Jena als eine Sehenswürdigkeit und wird meines Wissens noch heute im städtischen Museum aufbewahrt. Ernst konnte das Kollegieuschwänzcn nicht leiden und wenn ein Student wiederholt des vormittags zu ihm kam und Ernst hatte ihn im Verdacht, daß er das Kolleg verbummele, so setzte es eine Standpauke, die an Eindriugtichsert nichts zu wünschen übrig ließ, und cs wurde auch> nicht ein Tropfen Bier verzapft. In den letzten Jahren seines Lebens war er von heftigem Asthma geplagt und saß stöhnend Winter, und «ommer neben dem Ofen in der Gaststube. Das Geschäft ging dabet ruhig seinen Weg. Ende der siebziger oder anfang der achtziger Jahre starb er. Der einfache Mann hatte viel Gutes getan und sein Andenken ist noch heute nicht erloschen.
Ein anderes Jenaer Original war „Papa Dietsch", von 1836—55 Kneipwirt des Burgkellers, auf dem noch heute dw bekannte Burscheirschast Arminia haust. Auch bei ihm gab es einen stattlichen Punip, der bei manchem lange ^ahre ms P.n- listerium hinein reichte. Von Zeit zu Zeit machte sich Papa Dietsch auf die Reise, um seinen Schuldnern „nachzureiten und Geld einzutreiben. Im allgemeinen sind die „Tretvogel keine angenehme Erscheinung; aber Papa Tietsch wurde von leinen alten Studenten, wohiii er auch auf seiner Treibjagd kam, mit freudigem Hcflloh empfangen und festlich bewirtet. Denn er zog in aller Gemütlichkeit wieder von dannen, wenn man ihm die Taschen auch nicht füllte. Auf einem solchen Ausflug ereiltes ihn der Tod in der Schweiz, in Brühlnau im Kanton Aargau, ^er dortige Pfarrer Johann Brümann war alter Burgkcllcraner Und hielt dem Weltreisenden die Grabrede. Seine übrigen 'Schweizer Freunde und Klienten setzten ihm auf dem Brühlnauer: ^-riedhof ein Denkmal, das die Inschrift trug: „Er war em Gläubiger .
Auch die Universität Breslau hatte einen akademischen Wirt, dessen Name heute noch fortlebt. Das war der Kneipwirt Raczek. In den trüben dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Burschenschaft in Breslau von der Polizei verfolgt und bedrängt wurde, fand sie Unterschlupf bei Raczek, bei sich vor der Polizei und den Behörden nicht fürchtete In der Studenten^ schäft wurden diese Burschenschafter deshalb Raczeks genannt und später nahmen sie selbst zu Ehren ihres alten Wirts diesen Namen an, den sie bis auf den heutigen Tag fuhren.
Zu den seltsamsten Wirten aller deutschen Hochschulen hat aber wohl der Dr. Bahrdt gehört, der Ende des achtzcchflen Jahrhunderts bei Halle a. S. einen Weinberg und eine Wem- schcnke belaß, in der er den Studenten und Philistern eigenes Gewächs verzapfte. Bahrdt war Professor und — Generalsuperm- teudcut gewesen, ein Gelehrter von Ruf, cme Kampfnatur, von seinen Gcgncrii „Bahrdt mit der ehernen Stirn genannt. Er war ein ivisscnschaftlicher Klopffechter, der viele zugcdeclt hatte und selbst von vielen zugedeckt war. Als er des Haders muoc wurde, kaufte er sich den Weinberg und entwickelte.hier eme für einen Gelehrten unglaubliche Geichaftsbetrieblamkect. Zuerst strömten ihm aus begreiflichen Gründen die Studenten zu, aber schnell wußte er alle andern Stände in leine schenke zu,ziehen, in der er selbst an der Spitze einer langen Tafel zu prastdiereX pflegte Die Studenten wurden ihm nicht untreu, trotzdem er keinem einen Heller pumpte, für damalige Zcitverhaltmiic eme Unerhörte Waghalsigkeit. Er war ein riesiger Reklamerich und ersann immer neue, aber nicht immer ganz lautere Tricks, um das verehrliche Publikum anzulocken Man erzählt sogar, daß er eines Tages einer Bauersfrau acht Groschen gegeben, habe, damit sie in der Stadt verbreiten Sollte, er habe sich m der Saale ertränkt. Der Streich zog: von der Stunde an stürmten Studenten und Philister fast die Schenke, und der würdige Mann saß auf seinem gewohnten Platz und trank m stoischer Ruhe Semen Schoppen Wein. Seine Wissenschaft erstreckte sich auch auf die Medizin. Als er zu kränkeln anfing, behandelte er sich Selbst und
lind Thüringer Käse, was nt'an dort oben erhielt, und! zwar nur mit Sonntag, wo die Leute aus der Umgegend den Berg empöre nominell. Der erste Wirt hieß Gottlieb Wagner. Er war noch ein junger Bursch, als er' den Ausschank übernahm. Zu dem Nanicu Samicl scheint er sehr schnell gekommen zu fein; die Herrn Studenten tauften ihn so. Wenn sie nämlich in fröhlichen Scharen auf der Burg mit durstiger Kehle eintrafen und vom Burgwirte nichts zu sehen Ivar, dieweil er noch nicht ständig dort oben hauste, so gingen sie an den südlichen Felsrand und riefen üben die Talschlucht nach dem nahen Kreipitsch hinüber: „Samicl hilf!" In Kreipitsch lag das Gut der Herren von Schönberg, der Besitzer der Rudelsburg, und wenn der Ruf nach Dem; Gutshofe drang, so wurde Gottlieb Wagner schlcimigst mobil gemacht, mit der nötigen Atzung zur Burg entsandt und dort natürlich mit Jubel einpfangen. Als ihm später zu seinem vollen schwarzen Haar ein starker schwarzer Bart wuchs, schien der Name aus dem Freischütz für ihn um so geeigneter und sein simpler bürgerlicher Name geriet darüber ganz in Vergessenheit. Aus tausend und abertausend Studentenkehleii ist ihm der Ruf entgegcngebraust, namentlich wenn zu Pfingsten alte und junge Korpsstudenten aus allen deutschen Gauen in die „Rudelei" einzogen und einen gewaltigen Sonutagsfrühschoppen mit dem berühmten Fuchssturm abhicttcn. Die Studenten betrachteten ihn bald als den Ihrigen und sind ihm fünfzig Jahre hindurch tren geblieben., Oft war er bei ihnen zu Gast in Jena, Halle und Leipzig, in jungen Jahren ein trinkfester Mann und voll ausreichenden Mutterwitzes, uni auch einen derben Ulk, den sich studentischer Uebermut hier und da mit ihm gestattete, glücklich parieren zu können. Oftmals ist er im Fremdenbuch der Burg angesungen. Wenig bekannt ist es, daß auch Fritz Reuter dem „Berggeist auf der Rudclsburg"- ein längeres Poem in hochdeutscher Sprache gewidmet hat.
Im Juli 1877 konnte Samicl das fünfzigjährige Jubiläum seiner Burgivirtschaft als dreiundachtzigjähriger Greis feiern. EH war für den Alten mit den noch immer hellen, frohen Augen ein großer Ehrentag. Ein Jahr dsarauf starb er.
Im Burghof rauscht die Linde, Es sitzt der Zecher Schar An alten Eichentischen, Der Stoff ist frisch und klar. Die alten Mauern grüßen So freundlich und vertraut. Wie oft hab' ich dies alles. Als Studio einst geschaut. Es sind die alten Bilder, Rur eines fehlt auf Seel'; Das ist der alte Burggeist, Der wackre Samiel!
Aus -er Romantik -es Gol-sucherlebens.
Die Chronik der großen Goldiuude ist eine Kette von wunder, lieben Zufällen, irgend eine nichtige Einzelheit euflchied über die Entdeckung von Gotdlagern, die Hunderte, von Millionen wert waren; säst immer mutet die Geschichte erfolgreichen Goldsuchens an ivie eine Verherrlichung der Macht des Zufalls. Das zeigt auch ein Aussatz der „Lectures P ou r t o u s“, ber sich mit dieser Romantik des Gotdsucherlebens beschaitigt. Wie wurden z. B. die berühmten D i a in a n t g r ii b e n von St i m b e r l e xj eutoeckt, die seitdem der Menschheit Milliarden Werte zugesuhrt haben? Ein kleiner englischer Beamter, der in jener damals noch öden uiid verlassenen Gegend reifte, hielt aus einer kleinen Bureusarm Rast. Vor dem Halise spielten zwei Kinder Murmeln, und um die Zeit totzuschlagen, spielte der Beamte mit. Aber die Murmeln der jlinber batten ein merkwürdiges Aussehen, kleine, rundliche L-teme, die bisweilen seltsani aufblitzteu: der Seltenheit wegen gab der Beamte den Jrmgeus ein paar Groschen und nahm die stemchen mit. Als er sie sväter in Kapstadt zusällig einem Kenner zeigte, bot man ihm sofort 16000 Mk. für die beiden „Murmeln. Es ivaren Diamanten von reinftem Wasser. Schleunigst kehrte der Beamte mit einem Freunde zu jener Bureusarm zurück, lieg sich von ben Kindern die Stelle zeigen, wo ,ie ihre Murmeln sammelten; eine kleine Schlucht in der Nahe des väterlichen Hau e-. Das Ivar der Auiaiig der Diamaiiteumineu voir Kimberlep. Und ähnlich vollzog sich auch die Entdeckung der gewaltigen G o l d l a g e r von Clondyke. Es war im Jahre 1897, drei arme Trapper tagten in jener Einöde, das Wild war selten, man war schon sehr cMmutigt, und eines Abends beschloß man, in dem Fluste zu flschen. Man erwischte auch eine prachtvolle Forelle. Stabet sah mau es auf dem Grunde des seichten Baches gelblich blitzen, einer ber Trapper wurde aufmerksam: kern Zweifel, der Flubsmid entgielt Gold. Schon am nächsten Tage begannen J)te diel Manner Mit dem „Waschen", unb innerhalb von drei -ragen hatten sie für 32000 Mk. Gold. , , .
Die reichen Silber bl etmt nett von Rattelsnake - Lode in Neumexiko verdanken ihre Entdeckung einer Klapper- fdüanae Es war im Jahre 1877, als zwei Goldsucher, Dugcm und Pitcher, iiach einer mühsamen und fruchtlosen Wanderung im Gebirge heimkehrtcn. Eilte Klapperschlange versperrte ihnen den Weg, die beiden Männer rafften schleunigst Steine au und^warfen nach dem giftigen Reptil. Sie trafen, und schließlich traten sie


