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diplomatisch zu.

(Fortsetzung folgt.)

sogar Ihre schö--ich meine, Ihre langen Haare zum Opfer

gebracht haben."

Nun war es ihm endlich klar, daß sie ihn für. euren anderen hielt, und schmerzlich durchzuckte ihn zugleich die Erkenntnis, daß er wahrscheinlich ihre bezaubernde Liebenswürdigkeit einzig diesem Irrtum zu danken habe. Es war natürlich seine Pflicht, ihn zu zerstören, vorher aber wollte er doch wenigstens wissen, wer der Glückliche war, dem ihr verräterisches Erröten und ihr holdes Mchelu gegolten. . .... , ~

Sie haben mich also erkannt. Nirn, nteut gnädiges Fräu­lein, darf ich daim auch vielleicht erfahren, wer ich Ihrer Meinung nach bin?" _ , z _ . oe. ,

Warum nicht? Sie sind Stanislaw Kamarinski, der be­rühmte Virtuose. Und ich fürchte, daß ich nicht lange die einzige bleiben werde, die Ihr Inkognito durchschaut." ,

Hans Volckmar hatte dm Namm des Klavrerkünstlers wohl schon hier und da in den Zeitungen gelesen, aber er hatte tveden den Mann noch sein Bildnis je gesehen, und darum auch Nicht geahnt, daß er ihm so zum Verwechseln ähnlich sem solle. SBeitn nur das glühende Gesicht seiner Tänzerin nicht so über alle Maßen hübsch gewesen wäre! Er hätte sich dann gewiß viel leichter zu bent selbstverleugnenden Entschlüße aufgerafft, sie mit einem un­zweideutigen Wort über ihre sonderbare Täuschung aufzuklarm. Aber ein Vergnügen, wie er es beim Anblick dieses süßen Gesicht­chens .empfand, wur^e ihm sicherlich in seinem ganzm Lebm nicht wieder zu teil. Darum brachte er die mahnende Stimme seines Gewissms zrim Schweigen und zögerte den unausbleiblichm Augen­blick der Enttäuschung noch ein wenig hinaus.

Wahrscheinlich geschieht es auf Grund irgmd eines Porträts, daß Sie Stanislaw Kamarinski in mir zu erkmnm glauben. Denn gesprochen haben Sie ihn doch wohl nie."

Sie schüttelte den Kopf.Nein. Und das sollte ich Jhnm eigentlich nicht erst bestätigm müssen, obwohl es gewiß verzeihlich ist, wmn Sie über dm vielen Menschen, von dmen Sie beständig umdrängt werden, ein einzelnes Gesicht vergessm."

Das deinige vergesse ich gewiß nicht wieder," dachte Hans Volckmar, während seine Tänzerin weiterplauderte.

Ich habe Sie in Dresden zweimal spielen hörm. Nachher durftm wir nicht mehr hingehm. Die Jnstitutsvorsteherin hatte es verbotm, weil tvir zu viel von Ihnen sprachen. Seitdem sind ja nun schon beinahe anderthalb Jahre vergangen, und Sie habm sich inzwischen auch ein wenig verändert. Aber ich wußte es bereits aus der Mitteilung einer ehemaligen Pensionsfrmndin, daß.Sie stattlicher und männlicher geworden seien."

Das ist ein Interesse, für das Ihnen Stanislaw Kamarinski Niemals dankbar genug sein kann, mein gnädiges Fräulein.",

Ach, Freundinnen schreiben einander ja alles mögliche," wehrte sie etwas verlegen ab.Und es geschah auch wohl nur, weil sie wußte, daß wir hierher nach Liebenthal gehm würden. Sie hätten übrigens keinem Menschen etwas von Ihrer Absicht ver­raten dürsm, wmn Ihnen so viel daran lag, unerkannt zu bleibm."

Heimlichkeiten soll man heimlich betreiben, das ist eine golden« Wahrheit," stimmte Hans Volckmar, der sich durch die drolliga Verwechselung von Mffmte zu Minute mehr belustigt fühlte,

Zwei Wochen im Harem eines Maharadscha.

Die amerckamsche Schriftstellerin Mrs. Jack Gouraud, die vor wenigen Wochen ein fesselndes Werk über Indien bernnsgegeben hat, kann sich rühmen, zivei Wochen lang tm Harem eines indischen Grobkönigs gelebt zu baden; nicku als flüchtige Besucherin ist sie in das sonst unzugängliche Allerheiligste eingedrungen, sie hat das Leben, ine Freuden und Leide» der Haremsfrauen an sich selbst er­fahren, um ein wahrheitsgetreues Bild von dem Dasein jener orientalischen Frauen zu gewimien, die für den Europäer hinter einem gebeiinmsvollen Schleier der Legenbenbilbung verborgen sind. In einem interessanten Aufsatz, der in einer groben amerika­nischen Zeitschrift veröffentlicht wird, schildert sie ihre Beobacht­ungen uiid zerstört die phaniastischen Vorstellungen, die der un- eingeiveihte Westeuropäer gewöhnlich mit dein Begriffe eines orientalischen Harems verbindet. Der Harem ist alles andere, als sozusagen eine Sammlung schöner, liebenswerter Frauen; in den streng von der Außenwelt abgeschlossenen Frnuengenrüchern bauseir mehr alte häßliche Frauen als schöne Geschöpie uird der Siirn der Bewohnerinnen ist keineswegs darauf gerichtet, die Gunst des Herrn auf sich zu konzentrieren; ja, es gibt last gar keine Rivalität. Der Harem ist einfach die Familie des Maharadscha, die Faintlie, die sein Vater ihm vererbt bat und die er hinnehmen muß als etwas Gegebenes, nicht anders als etwa der Thron und die Herr­schaft. Er kann wohl, trenn die Laune ihn dazu treibt, die Zahl der Harentsfrauen vergrößern, aber es ist ihm versagt, auch nur eine einzige jener Bewohnernmm der Frauengemächer zti ent­fernen, die ihm unbequem ober unsympathisch ist. So koutmt es, daß die Geniahlinnen des oriemalischen Fürsten gewöhiilich nur eine kleine Minderzahl des Harems bedeuten, der sich in viel größerem Maße aus Tanten, Verivandten, ans den Müttern seiner Halbschwestern tind schließlich der eigenen Mutter und Großmutter

zusammensetzt. Die allen Zeiten, da die Feldherrn die schönsten Rrauen des besiegten Feindes als Trophäen mit heimbrachten und ihren Fürsten als Beute barboten, sind längst vorüber unb bie Art, wie heute hin unb wieder eine junge Frau in einen

Harem ausgenommen wird, hat gar nichts mehr von jener

fernen Romantik, die einst um diese Frauengemächer spielte.

Nur eins ist geblieben: die strenge Abgeschiedenheit der

Haremsbeivohnerinnen uitb die träge Untätigkeit ihres Ledens. Die Pflege ihres eigenen Körpers ist der einzige Inhalt des Tages. Tas Morgenbad, der nnrbtigfte Teil bes Tagewerkes, wirb zu einer umstänblichen Zeremonie ausgebaut, bie wenigstens zivei Stunden dauert; dann beginnt die Toilette. Ihre Haupt­arbeit liegt in den Händen einer Masseuse, aber ein Europäer ver­mag sich keine Vorstellung davon zu machen, zit welcher Vollendung der Orient gerade diese Art der Körperpflege entwickelt hat. Es ist eine Kunst, die sich von Mutter auf Tochter vererbt, em sinnvolles Eingehen auf die feinsten Veräderimgen der Mttskel- unb Nervenstränge, aber mehr ein zartes Betasten als ein grobes Massieren. Die Abreibung eriolgt mit Hilfe von parfümierten, kost­baren Geleit, die die Gemächer in einen wollüstig schweren Dunst von Wolilgerüchen hüllen; wie die europäische Frau sich vielleicht am Abend 511111 Erscheinen in einer Gesellschaft rüstet, so bereitet sich die Orientalin für die tatenlose Leere des Alltags vor; doch die Kunst der Kammerfrau beschränkt sich nicht auf bie Massage unb auf bie Schminke, nut der Gesicht unb Fingernägel behandelt werden; wie die Modedame des Westens de» Teint tbres Antlitzes mit kundiger Hand verbessert und die Natur verbessert, so pflegt die Orientalin ihren ganzen Körper, jedes Glied wird nut Essenzen unb Salben beljaubeit. Wie sehr bie Körperpflege zeitlich auch ausgedehnt wird, schließlich ist sie doch zu Ende, bie kostbaren, golb» gestickten Seibengemänber werben angelegt unb ber schönste Teil des Tages ist vorüber. Was nun ? Kann bie Orientalin die Früchte ihrer Körperpflege zeigen? Es ist niemand da, der sie be- rounbert, unb es bleibt nur eins, wodurch die Eintönigkeit des Tageslaufs sich unterbrechen läßt: essen. 'Dian ißt aus Langeweile, man ißt, weil mau schlechthin nichts anderes tun kann. Denn körperliche Bewegung, Anstrengniigen unb Amenthalt in frischer Luft sind ber Haremsbewohnerin versagt; auf einem parfümierten Kissen liegend, silberne Schalen mit Leckerbissen und schwerduiteube Liköre an ber Seite, liegt sie da, starrt gleichmütig dem Rauche ihrer Zigarette nach ober greift allenfalls zu bem franzöUschen Roman, ber neben ihr auf einem Tabouret liegt. Nur hi» unb roiebcr unterbricht eine Ausfahrt in die Kaufläden diese stumpfe Tatenlosigkeit; doch auch bann, wenn bie verhängten Sänften nahen, muß ber Basarbesitzer bie auweienden Kunden schleunigst entfernen, beim fein Fremder darf im Laden sein, wenn Oie Haremsfrauen des Maharadscha eiufaufen. Tie liebste Beschäftigung bleibt aber das Spiel nut Edelsteinen, mit ungefaßten Rubinen und Smaragden, die man nachlässig durch die Hand gleiten läßt und lauscht, wie sie tu silberne Schalen berabfallen.Vier Tage lang _ ertrug ich dieses Leben. Tann würbe in mir ber Geist des Widerspruchs mächtig. Ich hatte mir gelobt, 14 Tage lang das Leben dieser Frauen zu teilen, ich schlief nut ihnen in den duftschwülen Räumen, die emem das Atmen erschweren, und badete, aber zur Mittags­zeit mußte ich hinaus, mußte Menschen sehen und sprechen. Wäre mir das versagt gewesen, ich wäre bem Wahnsinn anbenngefalleii. Aber jene Finnen iverben nicht wahnsinnig, sie leben und träumen und haben unb schlasen, bis ber Tob sie aus bem Harem entführt.

humoristisches.

* N etres Wort. Student:Was hast bat denn mit deinem hübschen Thermometer angefangen, den dir zum Geburtstag dein Alter geschenkt hat?" Bemoostes Haupt:O, den hab ich verqueckfilbert!" , , , ,

* Wink. Feldwebel (zum Einiähngen, der einmal dem Feldwebel einen Hasen verehrt hat, der von dem Vater des! Einjährigen selbst erlegt war):Ihr Herr Papa ist wohl krank, daß er schon so lange nicht auf der Jagd war?"

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Nameiwätsels in voriger Nummer : Euqeuie, Amanda, Elisabeth, Pauline, Elfriede, Helene; Emilie.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- unb Steinbriickerei R. Lange, Gießen-