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§ 2. Der Pfennig gilt soviel tote dte Marr.
8 3. Wer am meisten bietet erhält den Zuschlag.
§ 4. Der Bursche mutz mit dem gestrichenen Mädchen dte drei ersten Tänze tanzen. _ , „
H 5. Er darf auch die ganze Kirmes mit ihm tanzen.
§ 6. Das gestrichene Mädchen muß dem Burschen einen Leih-- oder Liehstrautz schenken und an dessen Hut befestigen.
§ 7. Nur dadurch wird die Sach' qiltig und fest
§ 8. Das erzielte Geld kommt in die gemetnschastltche Ku> messekasse; mir machen uns dafür einen guten Tag."
„Wer etwas gegen die Bedingtmgen etnMtoenden hat, tu' zeitig das Maul auf, oder schweig', hernach/' ,
„Ich frag' an: was macht dte, auf dte feilt Gebot getan wird?" fragte Konrad Hillberg. „ ,,
„Sie nimmt die Katz' untern Arm, dte hält sie auch warm.
Lorenz Wagner. Zuerst: Wer bietet auf Kathrilies
herbei.
(Fortsetzung folgt.)
Bingel?"
„Fünf! Zehn! Zwanzig! Vierzig! hundert! Zweihundert! Dreihundert Mark!" hieß es.
Lorenz Wagner: Fritz Scholl hat das höchste Gebot. Zum ersten, zweiten und drittenmal! (Es wird zugeschlagen.)
Vor den Fenstern wird stark mit Peitschen geknallt und Vivat hoch! gerufen. .
In dieser Weise dauert die Versteigerung fort, bts der ganze Vorrat untergebracht ist. Zuletzt fragte ein Bursche: Da ist z. B. die schöne Witwe Mine Windberg; kann sie nicht mitverstrichen werden? Sie hat Geld, ist lebenslustig und möcht' auch wieder einen Mann haben."
„Wir können einen Verstrichsversuch machen," antwortete Lorenz Wagner. „Wer bietet auf Mine Windberg? Niemand? Witwen werden sonst freilich nicht verstrichen."
„Aber sie gehen auf den Strich!" schrie einer aus dem Hintergrund. I '
„Ich habe auf dem Herweg einen beinernen Gamaschenknopf gefunden, den will ich für die Mine opfern," schrie ein anderer.
„Ich biete sechs alte Hessenbatzen demjenigen, der die Mine über die Grenze bringt!" rief ein dritter.
„Da kein Gebot mehr erfolgt, wird der Verstrich geschlossen und genehmigt. Vivat unsere Kirmessemädchen sollen leben!" rief Lorenz Wagner.
Die Versammlung bricht in großen Jubel aus, der mit Peitschengeknall unterstützt wird.
„Nun noch ein schönes Lied, das auf unsere Kirmessemädchen paßt: „Sah ein Knab' ein Röslein stehn."
Das Lied wurde gesungen; andere folgten nach. 'Dann gingen die Burschen nachhause und wünschten sehnsüchtig die Kirmes
Vie Aalender.
Ein Freund unseres Blattes schreibt uns:
Um diese Zeit und schon lange vorher ergießt sich eine wahre Hochflut von Kalendern übers Land, Büchern und Heilen in allen möalichen Stärken und Formaten. Jede politische und religiöse Partei erscheint mit ihrem Leibjahrbuch, jedes Familien- und Sonntagsblatt, das etwas aui sich hält, gibt ein solches heraus, selbst die Warenhäuser und Versandg-ffchäste bis hinab zum dunkelsten Geheimmittellabrikanten wollen nicht zurückstehen. Da gibt es Kalender iür Offiziere des Benrlaubtenstaudes, Soldaten aber Waffengattungen, Richter, Viarrer, Lehrer, Schüler, Handwerker, Krieger-, Turner- und Säugervereine, Genossenschaiten und wer weih was noch alles. Provinzial-, Landschaits- und Kreiskalender hat man auch schon, und tote lange wirds noch währen, bis auch die Kleinstädte tmb Dörfer mit ihren eigenen Jahrbüchern aui den Plan treten? Und bei allen diesen Erzeugnissen handelt es sich, soiern man den Prospekt oder dem Waschzettel Glauben schenken darf, um „Volksbücher im besten Sinne des Wortes', viele wollen angeblich die Heimatliebe stärken, nicht wenige auch die Schundliteratur bekämpsen.
Unglau blich, ivas iür ein Schund sich im Kampf gegen die Schundliteratur breit macht! Nun, soweit die Kalendermänner hinter ihren Ladentiichen noch geduldig auf den Käuier warten oder uns unentgeltlich und postirei bedienen, ist der Segen zu ertragen. Aber wehe, dreimal >vehe, wenn sie zu hausieren anheben l Tann kommt der Händler aus der Stadt, der eine ganze Sammlung mit sich führt, der Polizeidiener des Tories, dein die 25 Proz. Provision, die ihm irgend ein findiger Großverlag versprochen hat, den eilenden Schritt beflügeln, der Herr Kirchendiener, der den Gnstav-Adolf- und Missionskalender vertreibt, der Agent des „Sonntagsboten', der Vertrauensmann unserer Partei, der Schriftführer unseres Vereins, der im Auftrage des Vorstandes einen Piaffenbezug in die Wege geleitet hat (der Verdienst kommt der geschwächten Vereinskasse zugute), kurzum, einer reicht dem andern die Tür. „Tu lieber Gott,' rufen ivir verzweifelt aus, „was sollen wir mit all dem Zeug?' — „Aber, verehrter Herr, das hier ist doch was ganz anderes, und denken doch an den guten Zweck!' Und das Ende vom Lied ist, daß wir wieder um einen Kalender reicher und um eine halbe
Mark reicher sind. Nun aber ist'S Schluß, der nächste Kalender- menich wird ganz energisch abgeschüttelt. Er läßt nicht lange auf sich warten, er bittet, fleht, weist auf die schlechten Zeiten, den knappen Verdienst, aus eine kranke Frau, eine Schar kleiner Kinder hin, und sein Kalender kostet nur 25 Pfennig, enthält einen wunderhübschen Buntdruck — na, man ist schließlich wieder mal kein Unmensch. Vielleicht aber addieren wir die Kalendergelder einmal gelegentlich zusammen und wir werden sehen, daß wir iür das schöne Geld einen Klassiker oder irgend ein anderes gutes Buch hätten erstehen können, besten literarischer Wert einige Dutzend landläufiger Kalendergeschichten und -Aufsätze wett überragt.
Vermischte».
kt Das Doppelhuhn und seine Rabenmutter Von einem Doppelkücken, das vier Beine und vier Flügel hat, berichtet die als zuverlässig bekannte französische Wochenschrift „La Nature'. Dieles merkwürdige Tier ist in Croix de Berny an der Seme aus dem Ei gekrochen. Höchst merkwürdig ist das Verhalten der Mutter, das der Besitzer des Hühnerhofes, ein Herr Herzog, beobachtet hat. Augenscheinlich wollte die Mutter von ihrem mißratenen Kücken nichts wissen, denn Herr Herzog sand eS außerhalb des Korbes, in dem sie ihre Eier ausgebrütet hatte, gänzlich unbeachtet vor. Herr Herzog packte es in Watte und brachte es an einen warmen Ort, darauf setzte er es wieder ins Nest zur Mutter^ aber am nächsten Tage hatte diese eS wieder gewallsatn aus dem Korbe entfernt und getötet. Die genauere äußere Untersuchung zeigte, daß augenscheinlich zwei verschiedenen Geschlechtern angehörige Keime miteinander verschmolzen waren.
* E i n e A u s st e l l u n g z u r B e k ä m pf u n g d e s R a u ches. Aus London wird berichtet: Eine intereffante Ausstellung wird im Mai des kommenden Jahres aui den Grundstücken der königlichen landwirtschaftlichen Halle in I s l i n g t o n bei London eröffnet werden: eine Ausstellung zur Bekämpfung des Rauches. Das Unternehmen ist von der britischen Gesellschaft für Ranch- bekämpfung veranstaltet; die Gesellschaft wurde vor zehn Jahren gegründet mit dem Ziele, durch die Einführung von Rauch- verzehrungsapparaten die Atmosphäre Londons von den Aussonderungen der Fabrikschornsteine zu reinigen. In der bevorfiehenden Ausstellung werden Vorrichtungen und Ver>ahreu zur Rauch» bekämpfung und zur Rauchverzehrung vorgeführt werden.
* Schlechte Aussichten. Gutsbesitzer: „Nun, Herr Oberförster, Sie hätten ja geheiratet, hab' ich gehört; wie geht » Ihnen denn in der Ehe?" — Oberförster: „O met, schlecht, bi« Dackeln san scho ausgerissen !" ,
* Ein guter Stoff. A.: „Gut, daß ich, dich treff«. Ich habe für dich einen famosen Stoff zum Lustspiel. — B. (Dichter, frierend): „Ach was! Stoff zum Winterüberzleher toüte mir lieber!"
Schachaufgabe.
Schwarz.
«bcdelgh
a b c d e f g h
8
8
6
6
5
5
3
2
Weiß.
Weiß zieht und setzt in fünf Zügen Matt.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Geographischen Verschiebrätsels in vorige« Nr.l Innsbruck
Halle
Belgien
Parts
Bern
Bochum
Schweiz
Breisgau
Illinois.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, Ä. Lang«, Gießen-


