Tml TlUi'-i srnd
Wtil8s : ,_ \ ,,
Oluuiil
Die weiße Frau.
Roman von W. CollinS.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
XIV-
Mein Interesse an der Fälschung war jetzt zu Ende; und mein einziger Zweck, indem ich den Brief anfbe- wahrte, tvar, ihn für die Zukunft zu benutzen, um das einzige noch für mich übrige Geheimnis aufzuklären, närn- lich wer eigentlich Anna Cathericks Water gewesen. Ihre Mutter hatte in ihrem Briefe ein paar Bemerkungen falten lassen, die mir hierin dienlich sein konnten, sobald Sachen von unmittelbarer Wichtigkeit mir Muße ließen, mich damit zu beschäftigen. Ich verzweifelte nicht daran, mir Gewißheit über diesen Punkt verschaffen zu können; ich hatte nichts von meinem Interesse verloren, zu ermitteln, wer der Water des armen Wesens sei, das jetzt in Mrs. Fairlies Grabe zur Ruhe gelegt war.
Demzufolge versiegelte ich den Brief und legte ihn in mein Taschenbuch, um ihn zur Hand zu haben, sobald die Zeit gekommen sein würde, die Sache wieder aufzunehmen.
Der folgende Tag war mein letzter in Hampshrre. Sobald ich abermals vor der Behörde zu Knowlesbury und bei der vertagten Untersuchung erschienen, konnte ich frei sein, um mit dem Nachmittag- oder Abendzuge nach London zurückzukehrem
Mein erster Gang des nächsten Morgens war, tote gewöhnlich, nach der Post. Der Brief von Marianne war dort, aber mir schien, als man ihn mir in die Hand gab, daß er sich ungewöhnlich leicht anfühlte. Ich öffnete das Kuvert voll Besorgnis. Es lag nichts als ein kleiner, einmal zusammengelegter Papierstreifcn darin. Die wenigen eiliggeschriebenen, halbverwischten Zeilen, die derselbe ent» hieÜ, waren folgende:
„Komm zurück, so schnell du kannst. Ich bin genötigt gewesen, unsere Wohnung zu verlassen. Komm nach Go- wers Walk, Fulham (Numero fünf). Ich werde dich erwarten. Beunruhige dich nicht um uns: wir sind bewe wohl und in Sicberheit. Wer komm zurück.
Marianne."
Die Nachricht — eine Nachricht, die ich sofort mit einem Versuche neuer Anschläge von feiten Graf Foscos in Verbindung brachte — überwältigte mich förmlich Ich tand atemlos mit dem zerknitterten Papiere in der Hand da. Was hatte sich zugetragen? Welche schlaue Schändlichkeit hatte der Gras in meiner Abwesenheit entworfen und ausgeführt? Seit Mariannens Brief geschrieben, war eine Nacht vergangen — es mußten noch viele Stunden vergehen, ehe tch zu ihnen zurückkehren konnte — es konnte sich bereits inzwischen «in Unglück ereignet haben.
Und hier, so viele Meilen von ihnen entfernt, hier mußt« ich bleiben — zur Verfügung, doppelt zur Verfügung des Gesetzes!
Endlich nach einer dreistündigen Untersuchung sprachen die Geschworenen die bei plötzlichen Todesfällen übliche Erkenntnis aus. ©ie fügten dem förmlichen Urteile noch eine Bemerkung hinzu, daß keine Belege für die Art unÄ Weise, in der die Schlüssel genommen worden, vorhanden, und daß der Zweck, zu welchem der Verstorbene in die Sakristei gegangen, unerklärt geblieben. Dies schloß dre Untersuchung. Es wurde dem gerichtlichen Repräsentanten des Toten überlassen, für dessen Beerdigung zu sorgen, und die Zeugen durften abtreten.
Entschlossen, keine Minute länger zu verlieren, bezahlte ich meine Rechnung im Gasthofe und bestellte mir einen Wagen, um desto schneller in Knowlesbury anzulaugen. Ein Herr, welcher hörte, wie ich den Befehl erteilte, und sah, daß ich allein fahren würde, unterrichtete mich, daß er in der Nähe von Knowlesbury wohne nnÄ frug, ob ich etwas dawider haben würde,, den Wagen und die Ausgabe für denselben mit ihm zu teilen. ,Jch nahm seinen Vorschlag wie eine Sache an, die sich von selbst versteht.
Unsere Unterhaltung während der Fahrt drehte sich natürlich um den einen Gegenstand des Ortsinteresses.
Mein neuer Bekannter war einigermaßen mit dem Advokaten des verstorbenen Sir Percival bekannt und hatte mit ihm eine Unterhaltung Über dessen Vermögensange- legenheiten und den nächsten Erben gehabt. Sir Percivals Verlegenheiten waren in der ganzen Umgegend so wohl bekannt, daß sein Wvokat aus der Notwendigkeit eine Tugend machte und die Sache unumwunden eingestand. Er war gestorben, ohne ein Testament zu hinterlassen, und selbst, falls er ein solches gemacht, so besaß er kein persönliches Eigentum, über welches er testamentarisch hätte verfügen können, indem seine Gläubiger bereits das ganze Vermögen verschlungen, das ihm seine Frau Angebracht hatte. Der Erbe des Besitztums (da Sir Percival keine Leibeserben hinterließ) war der Sohn eines Vetters von Sir Felix Glyde, ein Offizier in der königlichen Marin:. Er sollte sein Erbteil tief verschuldet finden; doch konnte es sich mit der Zeit davon erholen, und falls der „Kapitän" sparsam war, so konnte er vor seinem Tode doch noch ein reicher Mann werden. _
So sehr ich auch mit dem Gedanken, möglichst schnell! nach London zurückzukehren, beschäftigt war, hatten doch diese Mitteilungen (welche sich später als vollkommen richtig herausstellten) einiges Interesse für mich. Mw schien danach, daß ich gerechtfertigt sei, meine Entdeckung von Sir Percivals Fälschung geheim zu halten. Der Erbe, dessen Rechte er sich angemaßt, war derjenige, dem! das Besitztum jetzt zufiel. Sein Einkommen während der letzten dreiundzwanzig Jahre, welches von Rechts wegen ihm Mte zusatten [owent war von Mr Percival bis auf W


