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das überaus liebliche Bild deS Florentiners Sandro Botticelli im Berliner Kaiser-Friedrich-Museum, wo die Engel, bte Maria mit dem Kinde umgeben, neben Leuchtern auch prächtige Litten tragen; gerade diese Lilien tragen zur Erhöhung des feierlichlieblichen Gesamtcharakters wesentlich bei. Im, Mittelalter wurden die Lilien von den Mönchen als Schmuck für die Marrenaltäre gezogen. Hier sei auch noch einer Hochpoetischen Sage gedacht, die uns Hofsmann von Fallersleben tn dichterischer Form überliefert hat: Sollte ein Mönch sterben im Kloster Corvei an der Weser, so legte der Engel in den Chorstuhl des Fraters eine Lilie, um ihn so zu mahnen, sich auf ein seliges Ende bereit!
tragen. Den Fran-
toar die Nelke schon früh bekannt (das Datum ihrer Einführung ist unsicher, etwa Ende des 16. Jahrhunderts) und ihrer wird oft im Volkslied gedacht als einer schönen Zierde des Bauern--, «artens. Georg Hoerner«
zu machen. ~
Historisch spielte die Lilie in Frankreich die größte Rolle und wurde ja bekanntlich unter den Bourbonen deren Wappenblume. In der Schlacht bei Zülpich gegen die Memannen gelobte Chlodwig bekanntlich, Christ zu werden, wenn der Himmel ihm den Sieg verleihe. Da erschien ihm ein Engel des Herrn und überreichte ihm eine Lilie mit der Weisung, sie als Schwert zu gebrauchen. Dieses Himmelszeichen entflammte den Mut der Krieger aufs neue und verhalf ihnen zum Siege. Ludwig IX. setzte bei seinem Kreuzzug (1248 bis 1254 gegen Aegypten) zuerst 3 Lilien in sein Banner. Bereits unter Ludwig XII. fehlten Lilien in keinem Garten Frankreichs, und wenn man wirklich von einer „Nationalblume" sprechen kann, dann ist es die Lilie ganz gewiß für Frankreich jahrhundertelang gewesen. Dre ranzösischen Künstler haben die Lilienblüte bekanntlich tn einer ast unkenntlichen, sehr bekannten Form stilisiert und man sieht ie auf jedem Stück aus dem Haushalt bourbouischer Könige, so z. B. häufig auf Tafelservicen, auf Rüstungen und Thron- .mänteln. _ ...... ,
Die zweite Beherrscherin des Blumenmarktes ist die mehr demokratische Nelke. Unzufrieden und ärgerlich über eine ergebnislose Jagd begegnet die Jagdgötttn Artemis einem harmlos-ver- gnügten Ritter. Sie beschuldigt ihn in ihrem Zorne, das Wild durch sein Flötenspiel verscheucht zu haben, und reißt ihm die Augen aus, die sie weit.von sich schleudert. Aber schnell kommt die Reue und auf ihr Flehen läßt Zeus aus den Augen zwei Nelken wachsen, deren Blüten zum Zeichen ihres Ursprungs einen leuchtenden Fleck im Innern, ein „Ange", tragen. Den Fran- S gebührt das Verdienst, sich zuerst, und zwar seit Jahr- erten, mit der Kultur der Nelke befaßt zu haben. Aus dem 2. Kreuzzug Ludwigs IX. (1270 gegen Tunis gerichtet) brach in seinem Heere die Pest .aus. Der König, selbst ein eifriger Botaniker und Kräuterkundiger, soll damals durch den kräftigen Geruch der Nelke viele Krieger, denen man einen Extrakt davon einflößte, gerettet haben. Oester spielte die Nelke, eine Rolle in der Geschichte Frankreichs, so war sie die Lieblingsblume des großen Feldherrn Condö, des großen Siegers von Roeroy (Ludwig II. von Bourbon geb. 1621), der eine besonder« Schrift über die Nelkenzucht herausgab urw die rote Nelkenblüte zum Zeichen der französischen Sozialdemokraten machte. (Heute ist bekanntlich die rote Nette das Abzeichen der französischen Sozialdemokraten, während die Bourbonen-Anhänger weiße Nelken im Knopfloch tragen.) Conds vergaß seine Lieblinge auch im Gefängnis nicht, er suchte bei der Pflege seiner Nelkentöpse Trost für sein Elend im Kerker, und als ihn seine Gattin mit seinen Freunden aus dem Gefängnis befreite, soll er begeistert ausgerufen haben: Es ist fast nicht zu glauben, während der alte Kämpfer Nelken zieht, führt die Frau mit Glück und Verstand ben Krieg. Die Nelke galt in Frankreich stets als Symbol der Tapferkeit und mutiger Entschlossenheit. Während der großen Revolution schmückten sich die Opfer der Guillotine mit roten Nelken als Zeichen der Todesverachtung. Früh kam die Nelke nach den Niederlanden und wurde dort als große Kostbarkeit gepflegt. Wie stolz man auf schöne Nelken war, steht man an dem Männerbildnis des I. van Eyck im Berliner Kaiser-Friedrich-Museum, wo dieses eine prachtvolle dunkelrote Nelke in der Hand trägt. Auch in Deutschland
Vermischter.
kf. Tugendkönigin und Athletin. Ein Fräulein Wall er y hat soeben in ihrem Heimatsdorfe Vinay nahe bei Grenoble den „Rosenmädchenpreis" empfangen. Ein Rosenmädchen ist ein Mädchen, das mit allen Tugenden ausgestattet ist, damit ihm vom Bürgermeister der Rosenpreis, d. h. eine Summe, die so groß ist, daß sie mit dieser Mitgift einen Gatten finden kann, auch wenn sie alle jene Tugenden nicht besäße, ausbezahlt werden darf. Da der Wettbewerb um den Rosenmädchenpreis alljährlich in vielen französischen Dörfern stattfindet, so gibt es sehr viele Rosenmädchen. Vor ihnen allen aber zeichnet sich Fräulein Mallery aus, well sie nicht bloß mit großen Tugenden, sondern auch mit großen Kräften ausgestattet ist. Sie ist sechs Fuß hoch und pflügt Mit ihrem Vater dis Mecker. Sie hebt mit Leichtigkeit 200-Pfund- gewicht«. Neulich wollte ein Arbeiter aus dem Gut ihres Vaters «nen Sack mit Weizen hochheben, um ihn auf den Kornboden
zu kragen. Der Sack war ihm aber gu schwer, und er rief nach Hilfe. Fräulein Mallery lächelte und kam zu ihm. Sie hob den Sack, der über 200 iKg. wog, auf, als wäre es ein Federball, legte sich ihn aus die Schulter und trug ihn hinein.
* Opium-Reform beweguna in China. Der Kamps der chinesischen Regierung gegen den Opiumverbrauch hat, einer Notiz der „Oesterreichischen Monatsschrift f. d. Orient* zufolge, bereits recht erfreuliche Ergebnisse zu verzeichnen. Die Einfuhr des Opiums in China ist von 51 000 Kisten im Jahre 1907 aus 30 654 Kisten im Jahre 1910 gesunken. Es soll sogar diese Einfuhr sich nicht mit dem tatsächlichen Verbrauch decken, da man von der irrigen Spekulation ausging, der Opiumgenuß werde nicht so schnell abnehmen, als es tatsächlich der Fall war. Nach einem im Jahre 1907 zwischen Großbritannien und China abgeschlossenen Vertrag sollte die indische Opiumaussuhr nach China beständig verringert werden und im Jahre 1917 ganz aufhören, falls gleichzeitig auch der chinesische Opiumanbau entsprechend abnehmen würde. Dieser geht auch wirklich in überraschendem Maße zurück. China ist nunmehr bestrebt, darauf hinzuwirken, daß die indische Opiumausfuhr bereits früher aushöre als im Jahre 1917, und findet auch hierbei das Entgegenkommen der britischen Regierung, obgleich für diese ein erheblicher finanzieller Ausfall mit einer solchen Nachgiebigkeit verbunden [ein wird.
kf. Vom lockeren Zeisig itnb’ anderen Vögeln^ Unter den Tieren, mit denen in der Sprache die Menschen verglichen werden, spielen auch die Vögel eine nicht unbedeutend« Rolle. Da begegnet uns zunächst der lockere Zeisig, so beginnt ein Mitarbeiter des „Kosmos" eine hübsche Plauderei, auch einfach lockerer Vogel genannt, der als Spaßvogel sich auch wohl einer gewksfen Beliebtheit erfreut; ferner der einfältige Gimpel, der sich leicht ins Netz locken läßt; bann der Pechvogel, her gern auf den Leim geht; wie hierbei an den Vogelsteller zu denken ist, so auch bei dem Ausdruck auf etwas erpicht sein, eigentlich vom Vogel, der nicht loskommen kann. Wir sprechen ferner von einem sonderbaren Kauz, wobei wir an die sonderbaren Gebärden dieses Vogels, seine Verbeugungen und dergleichen denken. Eine wenig erfreuliche Erscheinung ist der Schmutz- oder Dreckfink, während die Mistfinken, d. h. Landwirte, noch nicht unreinlichs Leute zu sein brauchen. Von einem, der körperlich oder geistig übermüdet ist und gar picht mehr mittun will, sagen wir, daß er — wie ein vom Fluge ermatteter Vogel — die Flügel hängen läßt; und wenn er schließlich ganz ab ist, heißt es: er kann, nicht mehr Piep sagen. Im Gegensätze dazu nennen wir einen allzu lebhaften und unruhigen Menschen einen Wippelsterz, niedd. Wippstert oder Wippstät, d. h. Bachstelze, einen geschwätzigen aber Papagei. Und wiederunr ist einer, der viel Leid erfährt, ein Unglücksvvgel, und einer, der gern alles schwer ansieht und überall Unrat wittert, ein Unglücksrabe; man denke an die Gabe der Vorherverkündigung, die gewisse Vögel im alten Volksglauben haben. Solche Unheilverkünder sind ja sonst auch als Unten verschrien, weil die Unke überall ihren unheilverkündenden Ruf hören läßt; sie unten, oder unten einem etwas vor, wie man sich ausdrückt. Einen Langbeinigen, der wie der Storch int Salat einherschreitet, nennen wir Storch oder Storchbein; einen, der feine Kinder wie angeblich der Rabe seine Jungen behandelt, Rabenvater; Spatzenkopf ist einer, der keine „Grütze" im Kopf hat und über alles gedankenlos hinweggleitet; Kiebitz einer, der beim Kartenspiel den oft unbequemen Zuschauer abgibt.
Artthmogriph.
1 10 5 11 Stadt in Steiermark.
2 11 lyrischer Dichter.
3 9 8 7 9 Fluß in Frankreich.
4 8 7 4 9 viel gebrauchte Flüssigkeit.
5 2 3 4 9 10 schmackhaftes Tier.
6 9 10 7 9 4 französischer Maler.
7 8 9 10 9 wichtiges Organ.
8 10 8 3 griechische Gottheit.
9 10 7 5 weiblicher Vorname.
10 5 4 4 9 schädliches Tier.
8 7 7 ein Fluß.
4 10 5 4 4 9 kaufmännische Bezeichnung.
11 9 8 3 8 3 munterer Vogel M
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen ben Namen eines Jugendschriftstellers ergeben.
(Auflösung in der nächsten Nummer.)
Auflöfung des Dichterquadrats in voriger Nummer:
H
0
B
E
L
E
8
C
H
E
I
B
8
E
N
N
0
R
M
A
E
P
H
E
U
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Bnch- und Steindruckerei, R. Sange, Gießen.


