Ausgabe 
4.5.1911
 
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sie von seinem Fenster aus vorÜbÄrfahren. Unmittelbar borttitti zitternd und wie im Fieber, eilte er M ihnen, und dann. .

habe sie wieder geseh en!" schreibt er noch an demselben Abend, -/und was habe ich gefühlt!!! Wenn im ersten Augenblick hie FreUde auch jeden anderen Gedanken beengte, so stand als ein Gespenst im nächsten Augenblick doch wieder sogleich das ganze Leiden vor mir!! . . . Mit Mühe riß ich mich wieder raus, und ein Blick auf sie, die so herrlich, liebevoll und froh aussah, stärkte mich wieder! . . . Aber die wenigen zusammen gewesenen Augen­blicke reichen ganz hin, um mir den Umfang des Glücks M zeigen, welches ich im Begriff stehe auf ewig zu verlieren."

Die glücklichsten Tage seiner Liebe erlebte Prinz Wilhelms ials er im Februar 1825 die Familie Radziwill in Posen besuchte, So unerwartet noch so schöne Stunden des Zusammenseins zu erleben" undvon liebender Hand gepflegt zu werden", scheint fhm geradezuromanhaft".Keine Feder vermag das zu schildern, was ich in den drei Sagen in Posen empfand! Diese vertraulichen Unterhaltungen mit einem Wesen, das man so lange still, aber so innig und von Lanzer Seele geliebt hat, von dem man drei Jahre lang schmerzlich und kummervoll getrennt war, während welcher Zeft man sich nur durch Briefe ferner kennen lernte, um Mit einem Male so vereint und am Ziele sich zu sehen, wo Ver­trauen und Zutrauen mit jeder Stunde wuchs und man sich von neuem kennen lernte diese Augenblicke muß man erlebt haben, NM sie zu verstehen und zu begreifen!" - - - Und etwas später fügt er hinzu:Wie mir nach Elise bangt, kann ich gar nicht sagen; ohne ihr ist mir alles einerlei jetzt, ja, wenn ich ausgehen Muß, ist es mir ordentlich leid, weil es meine Träumereien stört, die nur ihr gehören, und da kommt es mir vor, als störte man eine Unterredung mit ihr."

Er ahnte nicht, wie bald sein Liebestraum zerrinnen sollte^ im Juni 1826 fiel die Entscheidung, die König Friedrich Wil­helm III. selbst in einem herzlichen Schreiben seinem Sohne mit­teilte und die für den Herzenswunsch des Prinzen ungünstig sein mußte. So endete die Liebe zu Elisa, die das ganze brittfe Jahrzehnt seines Lebens ausgefüllt hatte und deren Andenknr Noch den fast Neunzigjährigen nach seinen eigenen Wortenüb er­mann te" mit schmerzlicher Entsagung. Am Tage, nachdem er die Entscheidung erhielt, schrieb er der Schwester Charlotte, der langjährigen Vertranten seiner Herzensnöte:Das lang Ge­fürchtete, das Schmerzlichste, es ist geschehen! . . . Was ich bis »um Herbst unausführbar wähnte, rst eingetteten, und das mit seinem ganzen Schmerz und seiner ganzen Herbheit! Nicht etwa ein Mitteilen desjenigen, wonach eine Entscheidung erfolgen könnte, nein, begleitet von einem Brief, wie ihn ein Vater vielleicht noch nie seinem Kinde schrieb, so gnädig, liebevoll, zärtlich aber bestimmt! Bis ins Innerste erschüttert stand ich da, meinen Augen, meinen.Sinnen nicht trauend, daß ich am schrecklichen Ziele stehe. . . So ist also mein Schicksal, das Schicksal der unglück­lichen Elisa entschieden! Oede und freudeleer erscheint mir zum zweiten Male die Zukunft; ach! nie, nie hätte ich es für möglich gehalten, daß Gott, nachdem er einmal so schwer schon prüfte, noch fein zweitesmal solch schrecklichen Ausgang bereiten würde! Doch kein Murren gegen den Willen des Höchsten! . . . Uns bleibt Nichts anders übrig, als uns dem ausgesprochenen Willen zu beugen und in unseren Herzen, die empfänglich für die göttlichen Wahr­heiten und Tröstungen sind, die Kraft, Stärke, Ausdauer und den Trost zu suchen, der allein von oben kommen kann! Gott wird Efernen nicht versagen, zur Tragung des Schwersten, denn er

e es! Seine Vaterliebe prüft uns, aber sie erhält uns auch! n, die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen! . . Bete Ar Elisa, Bete für mich, um Ruhe, Kraft und Stärkung." wie man Entfernungen und Gewichte schätzen lernt.

Mit Recht oder Unrecht haben einzelne Kritiker des modernen Unterrichtswesens immer wieder darüber Klage geführt, daß unser Erziehungswesen zu sehr darin gipfelt, den Geist unserer Kinder mechanisch mit Kenntnissen, Daten, Zahlen und Begriffen an» zufüllen, ohne dabei durch praktische Anschaulichkeit den entstehenden Vorstellungen fester umgrenzte Umrisse zu geben. Der bekannte amerikanische Pädagoge William Fuller hat in Chicago so­eben ein fesselndes Werk über das moderne Schulwesen veröffent­licht und weist dabei auf eine Lücke in unserem Unterrichtsplan hin, die iür die Kinder und später für die Erwachsenen von ein­schneidender Bedeutung werden kann.

Fuller will in den Schulen praktische Uebungen im Abschätzen von Entfernungen rind Gewichten eingeiührt sehen, um Blick und Urteil der Kinder zur eigenen Beobachtung anzuregen.Wie traurig die Tatsache auch ist, alle Kenner der Schulverhältnisse muffen zu­geben, daß der Durchschnitt der höheren Schüler so gut wie gar keine Fähigkeit besitzt, eiirfache Entfernungen oder Gewichte ab­zuschätzen. Wie oft tritt im täglichen Leben die Notwendigkeit an mrs heran, eine Strecke oder ein Gewicht zu beurteilen, überall in Buchern und Zeitungen wird von Metern, Kilometern, Meilen, «tlogrammeii und Zentnern gesprochen, ohne daß die Mehr- zahl der Menschen sich eine wirklich anschauliche Vorstellung von »er Bedeutung dieser Maße macht." Denn damit, daß man weiß, ötn Ktloineter hat 1000 Meter, oder ein Kilogramm 1000 Gramm,

rst für die geistige Aneignung der Vorstelluitg so gut wie nicht» getan. Fuller hat in seiner Lehranstalt probeweise Versuche im Entfernungsschätzen angestellt und die Ergebnisse waren im Anfang trostlos schlecht. Bei einer Auseinandersetzung über die Entfernung eines benachbarten Gebäudes zeigte sich, daß die Mehrzahl der Schüler keinen Begriff davon hatte, wie groß eine Entfernung von 100 Meter eigentlich ist. Diese Beobachtung veranlaßte den Pädagogen, in seiner Anstalt im Schulhofe gewiße Strecken ab* stecken zu lassen, um so den Schülern Entsernungsvorstellungen zu vermitteln. Bereits nach kurzer Zeil machten sich die Früchte dieser einfachen Anweisung geltend, und bei späteren Schätzungen waren die Ergebnisse so günstig, daß Fuller diesen Anschauungsunterricht im Entfernungsschätzen beibehalten hat. Er beginnt in der Regel damit, an die Schüler Fragen über die Größenverhältnisse ihres Klassenzimmers zu stellen, Höhe, Breite und Tiefe werden geschätzt, und so lernen es die Schüler, mit sonst tot in ihrem ©elfte auf­gestapelten Maßeinheiten lebendige Begriffe zu verbinden. In ähn­licher Weise wurde dann der Anschauungsunterricht auf Gewichte ausgedehnt und führte auch hier in kurzer Zeit von beschämender Unsicherheit der Vorstellungen zu festen, klaren Begriffen.

Vermischtes.

Ein Roman des Prinzen Lulu. In Mar­seille ist in diesen Tagen eine Engländerin gestorben, die sich Rebekka Clark Jackson nannte, die nach den Dar­stellungen der französischen Zeitungen die Geliebte von Na­poleons einzigem Sohn gewesen ist. Sie soll dem kaiser­lichen Prinzen, der im Kampfe gegen die Zulus in Süd­afrika dann ein so tragisches Ende fand, ein Kind geschenkt haben, dessen Pflege die Kaiserin Eugenie übernahm. Die Tatsache, daß ein Sohn des Prinzen Lulu lebt, wurde vor einigen Jahren durch einen Engländer bestätigt, dem die Erziehung dieses Enkelkindes Napoleons III. übertragen wor­den war. Der Knabe war damals Zögling einer katholischen Schule in einem Londoner Vorort. Nach seinen Papieren war er der Sohn der Charlotte Watkins, die in der Zeit, da sie den kaiserlichen Prinzen kennen lernte, mit einem gewissen Kelly verheiratet war, der 1879 in einem Londoner Krankenhause verstarb. Um ihren Gatten unterstützen zu können, hatte Charlotte Watkins eine Stellung bei einer Eis­bahn angenommen und lernte dabei den Prinzen Lulu kennen, ohne freilich zu wissen, wer der Jüngling war. Das Idyll währte etwa drei Monate; wahrscheinlich um diesen Be­ziehungen ein Ende zu machen, gab die Kaiserin Eugenie ihrem Sohne die Erlaubnis, nach Südafrika in den Krieg zu ziehen. Die beiden Liebenden trennten sich, der Abschied war schmerzlich. Wem sie ihre Liebe geschenkt hatte, erfuhr Charlotte erst nach dem Tode des Prinzen, als die Zeitungen sein Bild veröffentlichten. Sie verschwand dann auf geheim­nisvolle Weise aus England und überließ ihr Kind der Obhut einer mildtätigen Freundin. Man weiß nur, daß Charlotte sich nach Australien einschiffte; seitdem hat man nichts mehr von ihr gehört. Man glaubt jetzt festgestellt zu haben, daß die kürzlich in Marseille verstorbene Frau Clark Jackson mit Charlotte Watkins identisch war. Genauere Einzelheiten über das Leben des Prinzensohnes sind nie bekannt geworden; doch es scheint, daß die Kaiserin Eugenie vor einigen Jahren auf einen Tag nach Paris kam, um der Prüfung ihres Enkelkindes beizuwohnen.

* Boshaft. Mitgiftjäger (Verliebtheit heuchelnd):Am liebsten möchte ich mein süßes Frauchen aufessen." Hey:: Nun, warum nicht. Sie leben ja so schon von ihr!"

Magischer vreieck.

I Jn die Felder nebenstehender Figur sind _______ die Buchstaben aaeeeekkll n r 8 n a derart einzutragen, daß die einander ent» --I sprechenden wagerechten und senkrechte« Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Wohlriechende Blume.

2. Biblischen Namen.

3. Stadt in Persten.

4. Teil von Kurdistan.

5. Einen Buchstaben.

Auflösung ui nächster Nummer.

Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer r Für die Jugend ist das Beste gut genug.

öirdaktton: K. N

eurath. Rotationsdruck und «erlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckeaet, R. Lange, »ietze»