Ausgabe 
4.5.1911
 
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von rraiser Wilhelms I. Jugendliebe

fnl) imtb hörte er, trotz aller Nachforschungen, mehr von der braunen Carmen noch von dem verzweifelten jungen Manne. Ebensowenig sah er je wieder etwas von den dreißigtausend Franks, du er ini; Eifer der Dienstbereitschaft inj guten Glauben geopfert hatte.

mehr von Ihnen hören!" , ,,

Der Brief war diesmal mit der großzügigen Unter; chnft

-,Vallembleuse" versehen. , . s

Herr Gsmissant aber durchlebte bei der Lektüre dieses Briefes

.... , v.. «ft . . . CYYl I fliMl Ali?

meinem Namen zu gefügt, entziehe ich Ihnen von Stund an mein. Vertrauen und die Regelung meiner Geschäfte, yd) Will nichts

Wahr? Carmen."

Entsetzlich!" seufzte Ballembleuse, Wahrend der Notar nur stljihsam ein Lächeln unterdrückte.

Einige Stunden später kehrten GoMd, folgsam sind resigniert,

Kries an Sie."

Vergebens hielt Görard den kleinen Zettel vor seine tranen- feuchteu Angen. Er verunochte keinen Buchstaben zu entzistern. ©ic/' bot er.

"Mein Lieber! Tu begreifst, daß ich nicht länger bei Dir bleibe. Man kann sich ja auch aus der Ferne gut sein. Nicht

M w herrlich

reinen Herzen! Solch unschuldig kindisches (!) Gemüt!! Wo solche Eigenschaften vorhanden sind, da linden alle Ermahmmgem die zum'Besten dienen sollen, freien Eingang, und es.wurde ein Leichtes sein, die kleinen Mängel zu beseitigen, vorziiglich wäre «sie für einen höheren Rang bestimmt. . . Der eine Tag im herr­lichen Fürstenstein war für mich ein Gemisch von Freude »mA Beklommenheit, das mich in einsamen Augenblicken uberlvaltigte!

des Namens, den Mari trage, und andere psychologische Motive mehr. Die schwarzäugige Carmen begann zu schluchzen Und stampfte zornig mit dem zierlichen Fuß auf den Boden:.

Tu darfst mich nicht verlassen/ erklärte sie schließlich ener­gisch.Du hast mir dein Wort gegeben. Und du Wirft mich

einige -oanrnvien cuiycyunviai, |uvn twy

Der junge Mann bestieg den Zug, der ihn nach seiner Garnison! bringen sollte. Gdmissant gab sofort folgendes. Telegramm auf!

Y. X. 3. 2. 1.

' Poste restante

Vallembleuse, Dordogne.

Die Operation ist geglückt. Unser Freund kehrt geheilt in

seine Garnison zurück. Brief folgt." .

Und er erwartete ein Tanktelegramiii des Graten.

Das Telegramm blieb indessen aus, ebenso die Antwort auf seine ersten drei Briefe, die er unter derselben Ehiffer aus gab,

Ti piTiit ett

.Aber mein Fräulein, Sie gedenken doch nicht einen achtzchn- jährigeii Jüngling ohne eigenes Vermögen zu heiraten. Sie, eme namhafte Künstlerin!" entgegnete der Notar, schemoar verivundert. 'Achtzehn Jahre? Erst achtzehn Jahre?

.£), ich will arbeiten! Wir werden zu leben haben.

Mer nichts zu essen," warf Gemissant trocken tut. Dann wandte er sich dem' jungen Mädchen zu und spracht freundlich: Mein Fräulein, ich hoffe. Sie werden nach Frankreich mit dem zurückkehren wollen, der Sie liebt und der durch längere Wwesen- heit aus seiner Heimat sein Leben zerstören würde. fch Sie in dieser Angelegenheit um eine kurze Unterredung unter vier Augen bitten? Herr Vallembleuse, Wir kommen gleich zurück! ' Eine Viertelstunde später betrat Herr Gamissant allein wieder

bebandeltm mich mit derselben freundschaftlichen Liebe und Nn- besangenheit als sonst, und ich, konnte ich wohl nnbefangM sem! Täuschen mußte ich die geliebten Gegenstände! Natürlich Mit großem Bedacht und allmählich darf ich nur m mein neues Bei- itdnitcTt ÜB er 9 cl^en.

u ntent langer »et ÄNI i Als später doch Verhandlungen darüber eingeleitet wurden, ob Feme gut sein Nicht die Eb enbnrti gkeit der Prinzessin Elisa erimeien oder durch - flU ' } « eine Adoption sicher gestellt werden konnte, wechseln hofftiungs-

volle Stimmungen mit tiefster Verzweifluiig ab. Am 18 ^anuar 1822 sah er die Geliebte nach längerer Trennung wieder. Die Radziwills kehrten an jenem Tage nach Berlin zumck, und er iah

Die tiefgehende Bedeutung, die dis unglückliche Liebe zu der schönen Prinzessin Elisa Radziwill mit ihren aufwühlenden inneren Kämpfen für die Charatkerl ildUng des lUgerftlich.n Prinzen! Wilhelm von Preußen gehabt hat, ist durch eine Reihe von Ver­öffentlichungen der letzten Jahre in ein Helles Lichr geruckt chordem Alle drei stiegen die Treppe zum «mipiauyaiuiun yumwi. «w. In diesem schönen Liebestraum, der über das watete Leben oe»

hielt Herr Gamissant dem jungen Mann eine halbstündige Rede I Prinzen noch einen verklärenden Schimmer breiter, hat We Romaiw

über die Pflichten der Kinder gegen ihre Eltern, über die Ehre I Uk sich ausgelebt, die ill seiner schlichten und einfachen ^catstp

Uver,0ie Hineyren oer ni u I Ie^)er geblüht hat, als man bisher ahnte; das tritt aus einen

fesselnden zusauiMeichäugenden Darstellung dieses Dramas de« Entsagung besonders deutlich hervor, die Paul Bail len mij Maiheft der Deutschen Rundschau veröstmtlicht unb m der ev die wenigen bisher bekannten Briese des Prinzen Wil­helm für die Jahre 18181826 aus einer reichen Petersburgerl Briefsammlung wesentlich ergänzt. Wir Uhren aus der an Kämp­fen und Wechselfällen so reichen Entwicklung dieser tiefen Liebes­beziehung hier einiges aus dm Briefen des Prinzen an, die zu­gleich die Stärke und Reinheit seiner Empfindilug und die Schwere seines inneren Ringens Wie seine hohe Auffassung von dm Pslichren^ die ihm seine Stellung auferlegte, kennzeichnen. ,

In der ersten Zeit, als der Prinz Klarheit über seine Emp- finduiig gewann, wollte er entsagen, da er die Schwierigkeiten, :tc - die einer' Verbindung mit ihr im Wege standen, wohl erkannter . Darf ich | deutlich spiegelt sich der Widerstreit seiner Gefühle und Entschlüsse! ig unter vier | in einem Briefe aus Lübeck voM Jahre 1820 aus:So habe ich alsd stich zurück!" I den (Äitschluß nun gefaßt, E. ganz zu entsagen! Ein Entschluß^ der mir in der Entfernung von ihr erleichtert wurde zu fassen/ Salon ~ | aber welche Gefühle mich ergriffen, als ich, sie rn Fürstenstein

pen ^awii f @6taiy I wiedersah, kann ich nicht beschreiben. ^ch bm gewiß nicht blind

"Herr Graf Sie brauchen nur noch mit Mir zUM Bahnhof I in Beurteilung ihrer und erkenne so manches Mangelhafte an LN fahren. Der Zug nach Paris geht in einer halben Stunde," | ihrer ganzen Haltung bei feinden ZorMgen wnb wnent

Und Carmen?" wiederholte Gerard beunruhigt. Sie ist fort für immer," erklärte der Notar. . Fort? Wohin? O, mein Gott! jene ward ,ich töten . .

Der junge Mann eilte zur Tür. Gomissant hielt ihn zurück: Herr Ballembleuse," besänftigte ihn der Anwalt mit trübem Lächeln,Sie haben Ihre Liebe an eine Unwürdige verschwendet. Dieses Mädchen hat eingewilligt, ans Ihrem Gesichtskreis zu j Benommenyen, verschvinden gegen eine Abfindungssumme von dreißigtau md AmMnd ahnW,Wasinmn^SAMgen war Mnt^^ Franks, die ich ihr sofort anweuen mußte. Hier ist der Abschieds-

«gfw Mild MÄck! Die EM Meinchj . VW Herr GÄnissM, stolz Utid triumphierend, Nach PariszUrstL

Md NW memen Sahst Ws alle Faue zurim- ^ f ber Notar seinen Schützling, nachdem er ihm noch

SS 5» Ä8Ä» weinen M I einige Banknoten eingehändigt^ selbst stich den^Lyoner MM schätzten Anwalt mit dieser Mission betraue, weil es mir selbst unmöglich ist, diese Reise zu unternehmen Meme Ischias halt mich am Sessel gefesselt. Auch ist die Grasin tmeder so lerdend » sie auf keinen Fall von der entsetzlichen Sache etwas erfahren darf Aus diesem- Grunde ersuche ich Sie, lieber Notar, dm Briefe Und Telegramme, diese Affäre betreffend, mu-unterChlsfer. Z A. X. 3. 2. 1. postlagernd Dordogne Amt Vallembleuse, zu senden. Ich lasse alles durch ineineil getreueir Kanmierdiener ab-- holen." Bitte reifen Sie unverzüglich! Seren SW vmteyerr, daß ich Sie als V«d und als Ammlt gle^ ^"A^m stoch I Endlich "nitschloß ^ich^ G^issant^^istem'^nergisÄM Appell,- » »wsBäs«rb,näRä« ~ ***, brünett, .zierlich .u«b Ieibh(I) j f ) )«-chteifriae Notar, dem der I meinem ehemaligen Kammerdiener Firmm gründlich haben hmters. - Ohne Zögern rüstete sich dtt PjUcyreiirige uomr, o.. i , > lassen! Der Mensch verstand es meisterhaft, meine

delikate Auftrag seines zahlungsfähigen Klienten ! I « fälschen Er ist's, Ihrer Beschreibung nach, der

schmeichelte, zur Abreise. Auf dem Wege zuni Bahnhof gab er. MW M W0Mn.^vw ^es zu spielen. Und der Ihnen persönlich folgendes Telegramm auf, I einer' Helfershelferin die dreißigtausend Franks abgeknöpft

N * W CkM mi* isfesS*, ÄdääÄ

Der Notar nahm den nächsten Zug nach Brussel und sUMiieoeie Mn?egitiiuu/a^ cYTmon nnn mt mein

Unterwegs seinen Feldzugsplan. T . a

Als Herr Gämissant im bezeichneten Hotel des Boulevard ümiMitt nach Herrn Balland fragte, erklärte der ersichtlich ver­legene Wirt, unter seinen Gästen befinde ftchnumand dieses Namens. Der Notar widersprach. Der Wirt fragte, ob m ein Pülizeib^mter sei. In diesem Augenblick kam em junges > Paar die Treppe herunter. Der Notar erraiuue j 4«* «rr WrtAfnrMWnneit. wefir von der braunen

nach der Beschreibung die Gesuchte>i. Er näherte sich dem jungen Mann und flüsterte ihm ehrerbietig zu; . «

Herr Graf von Ballembleuse, würden Sie nur eine kurze Unterredung gewähren?" . .

Sie irren sich, mein verr; ich bm nicht , . , Der Notar fuhr im Flüsterton emdringlicher fort. firnlt Mutier liegt int Sterben, und Ihr Herr Baier . . .

' .Meine Mutier! Was ist mit ihr!" rief der junge Mann erschreckt, ohiie feine Identität länger zu verbergenLiebe Carmen ! dir begreifst!" entschuldigte er sich ferner Dame gegemibm, Er wird sich beschwätzen lassen," Murmelte -das hübsche Mäd­chen, nur deut Notar verständlich. . .. , Y. - .

Alle drei stiegen die Treppe zwn Empsaiigssalon hinauf. Hier VttoYi- os»TV heut iintden ÄtMtit eine IiCubKiinbiße