Ausgabe 
4.5.1911
 
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f FH muß Ihnen etwas sagen!

-Sie sah mich erstaunt au. Ich wiederholte!,

h Ich bin hierher gekommen, nm Ihnen eine Bot­schaft zu bringen, eine frohe, eine eine Botschaft, wie ich fo etwas in meinem Dasein noch nie einem Menschen Habe mitteilen können.......

Ich stammelte nur noch etwas. Ich wußte nicht, wie mein Glück in Worte fassen, war es doch das erste Mal, daß ich gegen einen Dritten davon sprach. Da, ja da. . . ging mein Temperament völlig mit mir durch. Mir war es wie in seligen, jungen Leutnantstagen, wenn mich eine Stimmung überkam, daß ich die Arme hätte breiten mögen und rufen bei einem Ritt am Morgen durch den taufrischen Wald':Gott, wie herrlich sind deine Werke!" Mir war es wie in jenen Augenblicken junger Freundschaft,, wie damals, als zunr ersten Male die Liebe an mein Herz Kocht, wie einst, als ich gleichsam wie im Traume einher- itt, stehen blieb vor jedem hübschen Geschöpf, zu rufen: Wie bist du schön!" Mich überkam es wie immer noch, wenn mir etwas Besonderes, Großes bevorstand, daß ich vor Erregung, vor Jubel, vor Frerche den Maßstab ber Dinge vergaß.

Und im Aufschwung meiner Seele, daß ich zum ersten Mal jemand erzählen sollte von all meinem unsäglichen Glück, ergriff ich Herzeloidens Hand war sie nicht meine Freundin, mein Kamerad? und rief mit lachenden Augen, mit roten Wangen, mit fliegendem Atem:

Herzeloide! Ich will es Ihnen nur sagen. Herze- löide, ich bin doch eigens dazu von Pernese herübergekom­men, ntit ihnen, mit ihr, die unten wartet. Ich bin ja der glücklichste Mann unter der Sonne geworden. Ich habe nie geglaubt, daß mir armem, elendem, altem Kerl noch so etwas passieren könnte. Mir ist das größte Glück wider­fahren! Ahnen Sie es denn nicht? Herzeloide! Herzeloide! Ich habe ein Mädchen gefunden, das denkt wie ich, das glaubt wie ich! Ein Mädchen, das mit mir lacht und mit mir weinen würde. Aber, Herzeloide, wir weinen nicht! Wir lachen, wir jubeln den ganzen Tag. Herzeloide, und sie ist schön, reizend, lieblich. Sie ist schwarz mit hellem Teint. Das Wunder der Wunder! Sie hat schwarze Augen! Sie hat winzige Ohren, kleine Hände, einen ganz dünnen, königlichen Hals. Und eine schlanke, zarte, biegsame Ge­stalt! Herzeloide, freuen Sie sich mit mir. Sie müssen teilnehmen an meinem Glück. Sehen Sie, deshalb bin ich gekommen, um es Ihnen zu erzählen! Herzeloide, sie will Sie gern sehen! Darf sie kommen? Oder kommen Sie hinab? Sie... sie. . .

Ich hatte wie ein Wirbelwind gesprochen, und obwohl ich Herzeloide in die Augen geblickt, während ich redete, hatte ich doch nicht sie vor mir gesehen, sondern Maria, die ich schilderte. Nun fühlte jch aber, das Herzeloidens Hand in der meinen weich und widerstandslos wurde, uach- Ueß und mir zu entgleiten begann. Ich griff fester zu, schaute das Mädchen an und gewährte ein entfärbtes, wachs- gelbes Gesicht mit geschlossenen Augen.

Was ist Ihnen? fragte ich noch, dann fiel Herze­loide steif wie ein Stück Holz um. Ich versuchte sie zu halten, ich stützte sie mit aller Anstrengung, doch sie ent- älitt mir und sank auf den Teppich. Ich rief niemand kam. Da ich gemeint, nebenan Kinderstimmen zu ver- Uchmen, eilte ich an die Tür zum Nebenzimmer, öffnete und ries:

Bitte, ist jemand hier? Kommen Sie schnell . . .

Die Erzieherin, mit den bseihenMädchen am Tisch sitzend, fuhr auf:

r Was ist denn? Bin ich erschrocken!

! Dem gnädigen Fräulein ist unwohl geworden.

f~ Ach, um Himmels willen . . .

Wir stürzten ins Zimmer zurück. Aber Herzeloide hatte sich erhoben. Sie lehnte an einem Schrank, das Taschen­tuch vor den Lippen. Noch immer sah sie gelb aus wie Wachs, aber sie faßte sich, und als ich fragte, ob es ihr besser ginge, nickte sie. Ich trat mit der Erzieherin zu ihr. Wir wollten ihr zureden, etwas Wein zu trinken sie lehnte ab, obwohl sie ganz schwach war. Da kehrte allmählich die Farbe in ihre Wangen zurück, und sie begann zu lächeln, etwas müde noch und gezwungen, aber es war doch ein Zeichen, daß sie wieder Herr über ihre Sinne zu werden begann. Nun bat sie förmlich um Entschuldigung, daß sie die Besinnung verloren und meine Freude gestört hätte. Es war rührend, wie sie sich anklagte, als ob sie zu nichts

nütze wäre auf der Welt, als den anderen ihr Glück zu ver<z gälten. Es klang zart und rücksichtsvoll, und doch schwirrte fast unhörbar ein Oberton mit wie Bergrämtheit und! Schärfe. Etwas, das ich an ihr noch nie wahrgenommen Hatte.

Jch erhob mich. Sie sollte sich erst erholen, darum! schlug ich ihr gar nicht vor, meine Schwiegereltern und Maria heute noch kennen zu lernen, und verabschied dete mich:

Leben Sie wohl, Herzeloide. Schonen Sie sich. Gute Besserung. Und schreiben Sie mir eine Karte, wann wir einmal zu gelegener Stunde wiederkommen können!

t Sie wollen wiederkommen? Oh, das ist hübsch von Ihnen und wann?

. Wann Sie wollen.

_ Ja, ich weiß, nicht. . . vielleicht. . .

Meine Braut möchte so gern Ihre Bekanntschaft! machen.

Sie griff es lebhaft auf. Ihre Züge veränderten sich, sie lächelte jetzt wirklich. Sie fragte, indem sie meine Worts wiederholte:

r Sie will meine Bekanntschaft machen?

h- Dazu sind wir ja hier!

Herzeloide schien zu erwachen, als wären ihr meine Eingangsworte, wo ich von Maria erzählt, ganz entgangen.: Sie erhob sich:

! Kanu ich sie sehen?

Jch rief jubelnd:

i Soll ich sie Ihnen bringen?

Aber sie ging mit mir zur Tür, und nun war sie wieder ganz das einfache, natürliche, bescheidene Wesen, als das ich sie kannte. Doch ich litt es nicht, daß sie hinunterging: sie war vielleicht noch schwach, der Schwindel, Blutarmut oder was es war, hätte sich wiederholest können. Jch kämpfte mit mir, ob es nicht doch besser wäre, den Besuch zu verschieben, aber die Eitelkeit siegte. Ja, die Eitelkeit, denn ich war so stolz auf meine Maria, daß ich den Augenblick nicht erwarten konnte, sie Herze- loiden zu zeigen. Darum bat ich, Herzeloide möge einen Augenblick nur warten, ich käme sofort zurück. Dann rannte ich die Treppe hinab in den Garten, wo die drei warteten. Ich erzählte, was geschehen, und bei meinen Worten blickten sich die Eltern an, dann entschied der Geheimrat, sie würden auf keinen Fall mit hinauf gehen, nur Maria sollte mit mir den Besuch machen.

Es werden zu viel Menschen! Wir kommen einmal wieder! meinte Frau von Fryburg,

(Fortsetzung folgt.).

(Ein diskreter Auftrag.

Humoreske von Frederic Boutet.

Autorisierte Uebersetzung von M. Doering,

Da der Briefumschlag den Vermerkpersönlich" aufwies, so öffnete Herr Notar Gsmissant, der gewissenhafte Rechtsanwalt/ das an ihn gerichtete Schreiben mit dem Poststempel DordognÄ eigenhändig. Der Kopf des Briefbogens trug das Wappen des ©tafenVallenÄeuse", eines feiner vornehmsten Klienten, dessen Vermögen zu den bedeutendsten der Pariser Aristokratie gehörte,

Der Notar las mit gespannter Aufmerksamkeit:

Mein lieber Gsmissant, ich bedarf Ihrer in einer schwierigen, sehr peinlichen'Angelegenheit, zu der Regelung ich um Ihre strengste Verschwiegenheit ersuche, deren ich, in meinem Verträum auf Ihre oft erprobte edle Gesinnung im voraus versichert bin.

Die Mitteilung der traurigen Angelegenheit allein beweist Ihnen wiederum mein volles Vertrauen Ihrer Persönlichkeit und Ihrer juristischen Tüchtigkeit gegenüber. Um mich kurz zu fassen:: Mein Sohn Gerard ist aus dem Heere desertiert und zwar nur das Unglück noch größer zu machen ist er mit einer! Artistin entflohen. Ein VallenMeuse Deserteur! Um einer Liebelet willen! Noch begreife ich nicht, wie ich diese Schreckensbotschaft die mich heute früh 'wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf, über­lebte. Mein Vetter, Oberst Pommeri, der Vorgesetzte meines Sohnes, teilte mir dessen Flucht aus der Garnison Lyon privatim! mit. Noch ist nicht alles verloren! Wenn Gerard binnen bret Tagen zum Regiment zurückkehrt, so kann dieser Knabenstreich vertuscht werden. Zum Glück ist die Spür nicht verlorm. Das. Paar hat sich nach Brüssel gewandt, wo es unter dem! NamM Herr Und Frau (!) Vallard oder Valland in einem' Hotel meuüls, Boulevard Hainaut 68, Wohnung genommen.

Sie müssen nun, mein lieber Gsmissant, sofort nach Brüssel reisen uüd meinen Sohn zur Rückkehr bewegen. Bieten Sie dem Mädchen Geld: zehntausend, wenn es sein muß, auch zwanzig- tausend Franks, Auf die Summe kommt es! nicht an! Bringen