Ausgabe 
3.8.1911
 
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Renaissancebaues Stt tun, folglich soll man der Schule auch nicht bas Aussehen eines solchen gebe it. Man soll auch nicht einfach eineBiedermeier"-Front, oder irgend eine andere hinstellen, wenn sie nicht paßt zu Grund­riß und Zweck des Baues. Dem Beschauer muß das neue Haus K erkennbar sagen: hier steht ein modernes Schulhaus. Und lb muß eine Fassade gefunden werden, die dies zum Aus­druck bringt. Der von dem Kunstbeirat vorgezogene Entwurf ent­spricht keineswegs allen seinen Wünschen, aber da ein besserer nicht vorliegt, so - ist er vor dem anderen zu empfehlen und als geeignetere Grundlage einer erneuten Durch­arbeitung anzusehen.

Der Widerstand, den die-Anregungen des Kunstbeirats finden, ist bedauerlich, denn er zeigt, wie sehr die Bedeutung künst­lerischer und ästhetischer Fragen unterschätzt wird sicher nicht zum Vorteil des Aussehens unserer Stadt. Denn eine Stadt­verwaltung hat die vornehme Aufgabe, vorbildlich zu bauen, das Beste hinzustellen, um anregend auf die heimische Baukunst zu wirken, indem sie nicht immer wieder alte Formen ohne Be­rechtigung wiederholt, sondern neuen Gedanken und Formen zum Durchbruch verhilft.. Das gilt ganz besonders für einen Bau, m dem die Jugend einer 'langen Reihe künftiger Geschlechter erzogen werden MI, der ihr tagtäglich sagen soll, was Kunst und Schön­heit ist. Hierfür zu arbeiten ist des Schweißes wert.

Großvaters Garten".

Von F. Zahn.

, Der Abteilungsvorsteher und Lehrer der Gartenkunst an der ktonigl. Gärtner-Lehranstalt zu Dahlem schildert in seinem soeben erschienenen höchstiuteressanten und lehrreichen BucheUnser Garten" (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig) recht niedlich die alten traulichen Gärten^ unserer Großeltern, ivie wir sie in den engen Winkeln kleiner Städte glücklicherweise auch heute noch finden können.

Welche Erinnerungen an sröhliche Stunden der Kindheit werden noch heute wach, wenn wir deiner gedenken! Wie ist er im Laute der Jahre mehr und mehr aus seiner Einsachheit heraus- getreten, nut einem Hauch von Poesie umwoben. Noch heute sind die einfachen Liirien seiner Emleilung, seine Umgebung und all die vielen Einzelheiten genau im Gedächtnis festgehalten:'

Die Gartenstube, die unter einem Dach mit dem den Hos ab­schließenden Stallgebäude lag, die dichte Weinlaube, die an der Rückseite in ganzer Ausdehnung sich anschloß, unter ihren Schatten den groben Familientisch aufnabm, rechts des Nachbars Scheune, deren Wand hoch hinaus von Wein am Holzspalier gedeckt ivar, die Rabatte davor mit Schneeglöckchen und Primeln und Veilchen, mit der heute so seltenen Traubenhyazinthe (Muscari botryoides), nut Tulpen und Scilla dazwischen. Tas war ein Blühen lind Düsten schon im Frühling, besonders zeitig und begünstigt dadurch, daß die nahe Wand, von der Südsonne krästig durchwärmt, die Warme zurückstrahlen ließ. Denken wir weiter an beit mit Bur eingefaßten Mittelweg, zu dessen Seiten rechts und links auf den Rabatten Stachel- und Johannisbeeren wuchsen, mit Kaiserkronen, Akelei, Bartnelken und brennender Liebe (Lychnis chalcedonica), Dem fliegenden Herz (Dicenthra speetabilis), dem Eisenhut, dessen Blüten der Kinder Freude war, ließ sich doch aus ihnen eine mit Pierden bespannte niedliche Kutsche Herstellen; gleich große Freude bereitete das Löweumaui (Antirrhinum), dessen Blüten bei leichtem Druck das Mäulchen öffnen und die gelben Stallbgefäße, den bunt gefärbten Schlund zeigen. Der Nachtviolen starker Tutt lockt am Abend Nachtfalter und Eitlen, am Tage im Sonnenlicht umsummen Bienen von Nachbars Bienenstand und dickköpfige Hummeln die Blumen. Weiterhin ist Großniutlers Kräulerbeet mit Schnittlauch, Salbei, Esdragon, Pfefferminz, Wermut, Bohnenkraut und anderen, Heilzwecken und Würzen der Speisen dienenden Kräutern. Auf dem Beete vor der Laube stehen Rosen und den Untergrund decken Levkoien, Reseda, Portulak und Heliotrop, im Frühjahr der aold- gelbe bis dunkelbraune Goldlack; es macht sich auch wohl anstelle der Rosen m der Mitte eine dicke Pfingstrose (Paeonia) breit. Hinter den Rabatten wachst, in Reih iind Glied nach der Schnur gleich- maßig gepflanzt und gesät, was die Küche erforderte an Gemüse u^*en öbfibäume stehen zwischen den Beeten, und ivenn der Wmd die Blütenblättchen abgeschüttelt hat, liegt es wie Schnee °m, grauen Boden. Hinten im Garten an der Grenze ist dichtes G^usch aus Glieder, aus Schneebast und Rotdorn. Violett, weiß und rot blüht es, die Spiräen am Rande hängen weit über mit den blutenubersaten, schneeigen Ruten und reichen herab bis zur Erde, die Efeu, Immergrün und Veilchen decken. Dort am Hasel- ousch hat unter dem dichten Gezweig eine natürliche Laude sich ge- vildet, eine einfache Bank nach alter Zimmermannsart, derb gear­beitet und fest gefügt, ladet zum Sitzen uns ein, ein zum Lesen Plätzchen au t$en ®,nneit und Träumen so gern ausgesuchtes - _ So war der Garten, entwickelt aus dem Nützlichkeitsprinzig heraus, dem der Benutzung als Ausenthaltsraum, als Stätte, den

8tlld)teti und Gemüsen zu ziehen, auch Blumen, zu und das Zimmer. Gestimmt auf Wahrheit war der Garten, er wollte nichts anderes scheinen, als er war;

Benutzungsmöglichkeit, Zweckmäßigkeit und Wahrheit, das machte M,c.°!yte$en?! *)a8 machte ihn schön. Seine einfache, regelmäßig« Austeilung, sein achsgemäßer Aufbau auf das Gartenzimmer, seine Raume und Plätze roetfen auf architektonische Gestaltimg hin.

Und em anderer Grund, weshalb ich diese Erinnermtgen wecke, um so recht den Unterschied hervorzuheben zwischetr der praktischen, zweckentsprechenden Anlage, der traulichen Gemütlichkeit des alten Gartens gegenüber der konventionellen Form, der kalten Pracht des heutigen. Früher war er behaglicher Wohnraum, heute ist er leider oft diegute Stube", die nicht benutzt, die nur angesehen werden Ql'' öte nur dazu da ist, zu zeigen:Unsere Mittel erlauben uns oas.

, Der heutige Mensch, dem ein stetes Vorwärtshasten eigen ist, pat e^ vielfach verlernt, mit dem Garten und für den Garten zu leben, daher auch nur konnte es kommen, daß sich eine Art kon- DenttoneUer Repräsentationsgärten einjuburgern vermochte. Die

. meran trifft nicht im ganzen Umfange den ausübenden Gartner, sie ist zum größten Teil der Entfremdung der Besitzer vom Garten znzufchreiben. Mit Genugtuung und Freude zugleich kann festgestellt werden, daß die Aufklärungsarbeit der letzten Jahre schon gute Erfolge gezeitigt hat, daß wir auf dem besten Wege sind, ®tn., wirkliches Gartenheim unS wieder zu erobern, es zum Teil schon haben.

vermischte».

ff. Eine irische Insel, die keine Steuern Se« S a hl enwi II. Der Grafschaftsrat von Sligo an der Westküste Irlands wird augenblicklich von einer Insel in Atem gehalten, deren Bewohner sich weigern, die Steilerpflicht zu erfüllen. Tie fragliche Insel ist Jnnishmnrray und liegt in der in den Atlantischen Ozean mündenden Dotalbucht. Der Steuerbeamte hat tn seinem Bericht an die Regierungsbehörde dargetan, daß er anr dem Festlande kein Boot habe bekommen können, das ihn nach der Insel bringen wollte zu einem Zwecke wie Steuerein- treiben; und in der letzten Sitzung des Grafschaftsrats von Sligo wurde festgestellt, daß vor wenigen Jahren zwei Ratsbcamte, die W demselben Zwecke auf der Insel zu landen versuchten, durch die Einwohner vom User aus mit Steinwürfen zurückgejagt wurden. Die Frage ist nun, wie eine Landung auf der Insel bewerkstelligt werden könne, und em Mitglied des Gvafschaftsrats hat jener! letzten Sitzung allen Ernstes den Vorschlag gemacht, man solle emen Dreadnought aus dem nächsten Kriegshafen in Anspruch nehmen. Dabei ist die Insel nur 2>ch Kilometer lang und 800 Meter breit; und nur ungefähr 14 Familien wohnen aus ihr, die sich in der Hauptsache von Gerste, Kartoffeln und Fischen nähren. Aber diese Bewohner sind ein geistig regsames Völkchen. Wenn sie auch weit von dem Mittelpunkt der hohen Politik leben und wenig Gelegenheit haben, Zeitungen zu lesen, 'so sind sie doch stets über alle lausenden Ereignisse im Leben des Landes und m der Weltpolitik gut unterrichtet. Selten haben sie unter­einander Streitigkeiten, und diese zu schlichten, ist einer der Inselbewohner, ein hochbetagter Manu, beauftragt, der gleichsam der König der Insel ist; im allgemeinen aber herrscht aus dev Insel die größte Einigkeit. Auch ihren Gottesdienst haben dis Inselbewohner selbständig geregelt. Jeden Sonntag mittag kommen sie in den Ruinen einer kleinen Kirche, die aus dem 16- Jahrhundert stammt, zusammen, und bringen dort dem Herrn ihre Gebete dar. Es gibt nur einen einzigen Tag im Jahr, an dem auf der Insel getraut wird, zu diesem Zwecke kommt ein Geist­licher vom Festland herüber; und dann werden fröhlich die fälligen Hochzeiten gefeiert.

* Bekenntnis. Meister Knieriem:Wat heulste, Bengel? Schusterlehrling:Die Frau Meistern hat mir verhauen!" Meister Knieriem:Dummer Junge und wenn sie mir zehnmal verhauen würde ich würde doch glücklich ein, wenn ick bloß ihr Lehrling wär'!"

G tter-Rätsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a & a, c c, d d( c 6 6 ß, g § g h h h h, i i i i, 1 1, n n, r r r r r r, s s s s, t t t t, w w der­art einzutragen, daß die senk­rechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Angesehene Körperschaft.

2. Ort in den Rheinlanden.

3. Provinz in Kaukasien:

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Alle Bäume laffen sich nicht biegen.

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen UMversttäts-Buch- und Sten.druckerel, R. Lange, Gießet