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Donnerstag den 5. August
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Mheilmittel für die herzensdarbende Menschheit und hat das unermeßlich Gute, daß sie nie zur Sophistik werden kann. Schauen Sie mich einmal an, Traute: ehrlich und unerschrocken! Und nun antworten Sie mir: lieben Sie Everftedt?"
Da jagte ein gewaltiger Schrecken durch ihre Glieder. Sie riß sich zitternd los, und das Blut wich aus ihrem! Gesicht, während sie stammelte:
„Nein! — O nein, Herr Pastor! Ich verabscheue ihrt ja! Ich hasse ihn!"
Sie brach plötzlich in Schluchzen aus.
Moebius nahm sie mit väterlicher Zärtlichkeit in seine Arme. Er streichelte ihre Wangen. Er sprach leise und liebevoll.
„Sie hassen ihn und Sie verabscheuen ihn. . . Das ist das Geständnis, das mir noch fehlte. Traute, wenn es Ernst wird zwischen Ihnen: vergessen Sie die kleinen Wuirden, die sein hochfahrendes Ungestüm Ihnen schlug. Wenn der Mann kommt, bringt er Ihnen viel Liebe entgegen. Und dann denken Sie daran, daß Sie seine Retterin werden können."
Sie merkte nicht das Zittern seiner Stimme. „Ich?!" fuhr sie auf, ich seine Retterin?! —" Ihre Augen wurden groß und strahlend. Aber es währte nicht lange/ und aller Glanz erlosch. Sie schüttelte den Kopf. „Er kommt nicht," flüsterte sie, noch unter Dränen. „Er spielt nur... iD, er ist doch schlecht!"
Moebius hielt sie noch. Er spürte das Beben ihrer jungen Glieder, vermeinte auch, ihres Herzens Klopfen zu hören. Da wußte er ihr Geheimnis. Es ging in die Tiefe. Es war kein fröhliches Tändeln mehr: im Dunkel der Gefühle regte sich die Leidenschaft.
Das tat ihm weh. Er war Everstedts nicht sicher. Er suchte nach einem Trostwort, das ihm nicht leicht wurde.
„Sie müssen Vertrauen haben, Traute," sagte er. „Auch zu sich selbst. Zu den nnbeschwingten Seelchen gehören Sie ja gottlob nicht. Warten Sie ab und versuchen Sie, ihir kennen zu lernen. Das ist auch auf der Oberfläche unseres gesellschaftlichen Treibens möglich; es findet sich immer Gelegenheit, ein Stück von der Selbständigkeit des Wesens in unserm Nächsten auszuspüren. Nun trocknen Sie Ihre Tränen. Der Küster soll nicht glauben, daß Ihre Beichte so schwer war. Und noch eins, Kind: wenn auch er sich gegen Ihre Modellbesuche erklärt hat, dann machen Sie Schluß damit."
„Er wird triumphieren — und das will ich nicht!"
„Liebe Traute, wenn Hohes auf dem Spiel steht, soll man nicht trotzen. Sie sagen: er wird triumphieren. Gut. Wissen Sie denn so bestimmt, daß sein Triumph nur ein« kleinliche Regung sein würde?"
Er sah, wie sie schwankte. Ihr Trotz hielt noch an. Sie tupfte mit ihrem Taschentuche die Augen. .Es zuckte fiebrig um ihren Mund. Dann nrckte sie.
„Ich habe Kruse schon gesagt, haß ich am Mittwoch
Das nette Mädel.
Roman von Fedor von ZobeltiA (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Das Rot in den Wangen Trautes hatte sich noch tiefer gefärbt. Der Eifer, mit dem sie den Worten des Pastors lauschte, ließ ihre Augen glänzen.
„Da wäre er also nicht der schlechte Mensch, für den ihn so viele halten?" fragte sie.
„Keineswegs. Denn das scheinbar Schlechte würde nur eine Gegenbewegung sein zu dem gefesselten Besseren. Das klingt philosophisch, ist aber durchaus natürlich. Im Kampfe mit der eigenen Mißachtung siegt oft das Nickere. Und dann tritt der Prozeß unserer Entwicklung in seine schwerste Krise, in jenes niederdrückende Stadium der Traurigkeit, das sich erst wieder in Freude wandeln kann, wenn wir über die Widersprüche hinauskommen und Suchen und Finden sich ergänzen in der alldurchdringenden Macht der Liebe."
Er schwieg einen Augenblick. Trante war, als hätte sie eine Fortsetzung seiner Predigt gehört. Sie wußte: dieser merkwürdige Mann, dessen reformatorische Schriften weit über die Kreise der theologischen Welt hinaus Aufsehen erregt hatten, stammte aus einer Schauspielerfamilie. Sie entsann sich auch, gehört zu haben, er hätte in,seiner Jugend selbst einmal auf den Brettern gestanden, ehe er dyzu gekommen wäre, jeüte Studien zu vollenden. Und manches an ihm, vor allem der Tonfall seiner Stimme und die getragene Würde seiner Gestikulation, erinnerte noch an das Theater. Aber es war sicher keine gemachte Pose und vor allem keine gewollte; es kam von innen heraus. Und so war auch der Eindruck auf Traute ein starker. Sie verstand nicht alles, was er sagte; es wurzelte doch zu sehr in religionsphilosophischer Auffassung, als daß es ihrem Begreifen leicht geworden wäre. Aber sein Schlußwort klang ihr noch im Ohre: die Wendung von der alles durchdringenden Macht der Liebe, und sie legte sie sich in süßer Harmlosigkeit als weltlich und sinnlich gemeint aus und sagte schüchtern:
„Kruse meint auch, daß Everftedt zu den Männern gehöre, die nur durch eine Frau zur Vernunft gebracht werden könnten."
Das fuar eine so herzliche Naivität, daß Moebius lächelnd ihren Kopf in seine Hände nahm und sie auf die Stirn küßte.
„O, Sie glückliches Kind!" rief er. „Was sind Ihnen alle Konflikte der Seele und alle metaphysischen Probleme! Sie lösen sie leicht. Und Sie haben recht, wenn Sie in der Liebe den Pulsschlag der Welt finden, der lauter tönt als alle Mechanik des Geistes! Sie ist auch ein Glaube, der Berge versetzen kann, und dringt mit ihren Erschütterungen tiefer als spekulative Vernunft. Sie ist das große


