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Graf Wilhelm Werner Hatte einen Diener in Spetter, namens Melchior Schenk; der wat von Leipzig gebürtig und von dem Grafen von Jugend uns erzogen worden. Er konnte ihm alle Seine Rechnungen und anderen Geschäfte versehen, ganz getreulich, Und war feinem Herrn ein guter Diener. Wie es aber zugeht, das; die Diener einander verführen, so geschah es auch da. Das gute Männlein kam hinter den starken Rheinwein; den verbuchte er lo wohl und machte daraus ein solches Handwerk, daß ihn schließlich' ein Kindleweh, wie mans nennt, anstieß. Der Graf hatte den Diener lieb, und was man seiner Gesundheit halber tun konnte, daran ward nichts gespart. Man riet ihm, den Zorn und den überflüssigen Wein so viel als möglich zn fliehen und zu vermeiden. Das konnte aber mein Weingänsle nicht halten, er wußte und konnte den Wein nicht lassen, woraus dann schließlich folgte, daß er zu Speyer in aller Jugend, int besten Alter mit Tod verging; geschah den dritten Octobris anno 1553.
Vermischtes.
• Eine wichtige Erziehungsfrage bespricht der bekannte Straßburger Kinderarzt Prof. Dr. Schlesinger unter den» Thema „Kind und Alkohol" in einem Buch, das soeben im Mäßigkeits-Verlag, Berlin W 15, mit dem Titel „Vorn ersten Elsaß-Lothringischen Kursus zum Studium der Alkoholfrage, Bericht, Vorträge, Ansprachen" erschienen ist. Prof. Schlesinger führt da aus: „Eine Differenz der Ansichten über die Wirkung des Alkohols auf die wachsende Jugend besteht nicht mehr. Abstinente wie Mäßige, Aerzte wie Schulmänner stimmen darin überein, daß auch der mäßige Genuß alkoholischer Getränke dem Kind nachteilig werden kann, daß er zum mindesten überflüssig ist. Die Bekämpfung des Alkoholismus im Kindesalter, überhaupt die Beseitigung des Alkoholgenusses der Kinder greift das liebet an der Wurzel an; der Kampf gegen den Alkoholmißbrauch bei den Erwachsenen wird nur dann einen vollen Erfolg versprechen können, wenn er in zielbewußtec Weise das Heranwachsende Geschlecht, die Jugend, vor den Gefahren schützt. In diesem Teile des Kampfes kommt der Schule eine große Bedeutung zu; ihr erwächst hierin eine große Ausgabe. Der wichtigste und unentbehrlichste Stützpunkt in diesem ernsten Kampfe ist aber doch das Elternhaus, die Familie, und da ist natürliche Voraussetzung ein vorbildliches Handeln und Verhalten der Eltern.
' * D i e Weiberstadt. Froissy, ein kleines, nicht weit von Paris gelegenes Städtchen im Departement Oise, ist mit Frauen so überreich gesegnet, daß die Damen dort sämtliche Aemter bekleiden, von dem der Stadtsekretärin bis zcc dem der Briefträgerin. Im vorigen Jahre war das kleine Postamt von Froissy in ganz Frankreich das einzige, das sich trotz aller Drohungen dem Streik der Post» unb Telegraphenbeamten nicht anschließen ivollte. Ten Telegraph des reizvollen Ortes bedienen drei junge Mädchen, denen eine vierte Jungfrau als Depeschenausträgerin hilfreich ztcr Seite steht. Die kleine Bahnflalion steht gleichfalls unter weiblicher Obhut, und die Dame, die hier die oberste Leitung hat, vereinigt in ihrer Person drei ivichtige Aemter: das einer Fahrkarten- verkäüferin, das einer Wartesaalivächierin unb das einer Stationsvorsteherin. Damit ist aber die amtliche Tätigkeit der Frauen von Froissy noch nicht erschöpft; acich als Flurhüterin fungiert eine Frau, und eine andere hat als Stadtpolizislin öffentlich zu. verkünden, wer innerhalb einer bestimmten Frist ir den heiligen Stand der Ehe zu treten gedenkt; die Standesamtsbotin tut das, indem sie nach alter Sitte mit einer großen Trommel durch die Straßen zieht, an allen Straßenecken stehen bleibt, die Leute zusammentrommelt und mit einer Stentorstimme — es gibt auch Frauen mit Stentorstimmen — die Namen der künftigen Ehepaare aus- ru't. Die meisten Geschäfte des Städtchens werden von Frauen, meist verwitweten, geleitet oder verivaltet. Bor einiger Zeit hatte man sogar einen tveiblichen Stadtrat gewählt; der Präsekt mußte jedoch auf Grund der französischen Wahlgesetze die Wahl für ungültig erklären. Die „Gazetta di Torino", der das alles und noch mehr aus Paris berichtet wird, fügt hinzu, daß die männliche Atinderheit der Stadt schon ost gegen das Weiberregiment revoltieren wollte — aber es blieb meist beim Wollen. Der jüngste Ansturm galt einem Barbierladen, der gleichfalls unter weiblicher Oberaufsicht steht. Die armen Männer wollten sich nicht länger von einer Fratt einseifen lassen nnt> beschlossen, den Laden in Verruf zu erklären. Die Fran Barbier rächte sich aber, indem sie einen Tag nach der Verrufserklärung durch ein großes Plakat kund und zu wissen tat: „Morgen wird, ohne daß eine Preiserhöhung stattfindet, ein Pariser Künstler meine Herren Kunden rasieren." Der Künstler aus der Hauptstadt erschien auch in einer gesitcbt elegante» Kleidung und bewaffnet mit einem fabelhaft großen Rasiermesser, mit welchem er in unglaublich kurzer Zeit einen Kunden
rasierte; aber es war attch danach: alle Herren hatten auf ihren Wangen blutige Schmisse ivie nach einer Mensur, und als sie da nächste Mal kämen, wolllen sie alle iviedcr von zarter Frauenhand bedient werden.
* Die Philosophie des Z i g a r r e n k e n n e rs. Der Mensch hängt nun einmal an alten Vorurteilen und liebgetvonnenen Gewohnheiten, und es ist die Aufgabe des Philosophen, ihm den scharfen Spiegel der Wahrheit vorzuhalten, ihm den falschen Glauben, an beit er sich klammert, mit den Wurzeln aus dem Herzen zu reißen. Als ein solch radikaler Zerstörer menschlichen Wahns erweist sich der englische Schriftsteller Sidney Brooks, der sich die Aufgabe gestellt hat, alle die Verurteile unb hinfälligen Meinungen ber Zigarrenraucher von Grund mtf zu vernichten. Jur Auftrag der „Times" hat er die Zigarrenfabrikation in Havanna studiert, die besten Zigarrenkenner gefragt und eifrige Arbeit der Lösung des großen Problems gewidmet: Wie kann man eine gute Zigarre erkennen, ohne sie zu rauchen? Und wie so oft die Philosophie dem sehnsüchtigen Btenschenherzen nur Steine statt Brot bietet, ihn au§ all seinen Idealen reibt rmd vor das leere Nichts stellt, so ist acich Sidney Brooks Antwort für alle Zigarrenraucher eine höchst trostlose. „Alle die Theorien und Mittelchen," so schreibt er, „durch die man den Werl einer Zigarre vor dem Geccccß ausfindig machen ivill, sind hinfällig. Absolut falsch ist der Glaube des harmlosen Durchschniltsraccchers, daß ein dunkles Deckblatt einen schweren und ein Helles einen leichten Glimmstengel berge. Die Farbe ber Zigarre hat mit ihrer Stärke überhaupt nichts zic tun. Ganz sinnlos ist es auch, bie Zigarre zu drücken oder oit ihr zu riechen. Das gibt keine irgendwie brauchbaren Anhaltspunkte. Jrregesührt wird auch, wer sich etwa auf die Farbe oder Festigkeit der Äsche verlassen will. Die besten Havaicnas brennen mit keiner weißen, sondern mit stahlgraccer Asche, die ziemlich leicht adfällt. Flecken an einer Zigarre sprechen weder für ihre Güte, noch für ihre schlechte Qualität. Ob eine Zigarre feucht ist ober trocken, ist nur Modesache. Der Amerikaner bevorzugt bie feuchten, der Engländer die trockenen. Tas cvichtigste ist, daß eine Zigarre richtig abgelagert ist, b. h. bie Folgen der Seekrankheit, bie sie beim Transport zu überstehen hat, völlig überivcmden sind. Die Länge bet Lagerung muß in einem richtigen Verhältnis zu ber Länge ber von ber Zigarre zurückgelegten Reise stehen. Aenßere Anzeichen für bie Güte einer Havanna gibt es nicht: man muß sie rauchen."
* I n der Sprechstunde. Arzt: „Ihr Mann müßte das Rauchen unterlassen. Freilich gehört dazu ein eiserner Wille." — Frau: „Den habe ich ja, Herr Doktor!"
* Aus Umwegen. „Sie müssen entschieden nach Marien- bad!" — „Wie kommen Sie denn bei meiner schlanken Figur bnranf?" •— „Na, weil Sie immer so dicke tun?"
* Verplappert. Sonntagsreiter: „Neulich bin ich mit meinem' Schimmel über jenen breiten Wassergraben hinweggesetzt!" — „Wirklich?" — „Aus Ehre. . . dapon habe ich doch dir Erkältung!"
* Die Geschiedene. „Sie haben schon den brittenl Gatten?" —■ „Ich— einer .Hat,mich immer dem. andern empfohlen!"
* A u s e in em S o l d ai e nb r i e f e. „Liebe Eltern! Mein Unteroffizier ißt Leberwurst für sein Leben gern! Blutwurst rührt er nicht ait; das nächste Mal schickt also bloß Blutwurst!"
* Unter Strolchen. „Es is »ich zu jloben, lvat de Welt jetzt fortjeschritteu is!" —■ „Ach, quassele nich, wenn de beite wat stiehlst, wirst de jerade so injesperrt wie vor hundert Jahren!" ___________
Skat-Ausgabe.
Da alles paßt, tourniert Vorhand mit folgender Karte:
b £><3 <3 -fr * * + <3 T
f>f><3<3) I+ + ++J
f [£> <3 <3
*_J 1 & J3C
♦ ♦'
l*_±J
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Er tourniert so günstig — jedoch keinen Wenzel — daß er sein Spiel mit Schneider gewinnen konnte. Mittelhand hat in ihren Karten ein Ange weniger als Hinterhand. Was lag im Skat, wie waren die übrigen Karten verteilt unb wie mußte gespielt werben 2 Auslösung in nächster -Nummer.
Auflösung des Gitkervätsels in voriger Nummer:
F
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Redaktion: «.Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversikätS-Buch- und Steindruckereh R. Lang^ Gießeck


