Ausgabe 
3.6.1911
 
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her?elolde.

Roman von Georg Freiherrn von OmptedG (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Meine Schwiegereltern hatten geschrieben, ich sollte mit ihnen zusammen sein. Aber ich wich dem aus. Nur keine Menschen sehen, und wären es die liebsten gewesen. Darum trafen wir uns nur auf.Stunden in Bozen. Und wieder saßen wir vor demGreiff" am Platze dessen von der Wogelweide. Wieder drängte sich die Menge und saß auf den weit hinausgeschobenen Stühlen. Der Himmel war mit funkelnden Sternen behängt, und drüben in der Ferne ragte im unsicheren Glanze der Himmelslichter König Sau­rins Rosengarten.

Wie Mädchen gingen wieder bei der Musik am Platz mit den Burschen, die Nelke hinterm Ohr, mit lachenden, blitzenden Zähnen in der schwarzen Pracht ihres Haares, alles wie an jenem Tage, da ich mit Maria hier gesessen.

Wieder war eine Sängergesellschaft da, die Koschat­lieder sang. Auf und nieder schritten in ihren weißen Kleidern die Kellnerinnen zwischen den Gästen. Douristen, meist in Lodenröcken, deutsche Bergsteiger. .Alles, alles wie einst.

Wir saßen stumm in all der Abendpracht, in all der Lebensglut, in all dem harmlosen Genuß des Daseins. .Wir saßen stumm in unseren schwarzen Kleidern.

Pier Plätze waren am Msch. An der Stuhllehne mir gegenüber lehnten unsere Schirme und Stöcke, und jedes­mal, wenn mein Blick hinüberging, kam mir zitternd der Gedanke: dort saß Maria. Mir war es manchmal, »als müßte ich mich zu ihr wenden, als gewahrte ich ihren Schatten, als neigte sie sich zu mir, blickte mich an mit ihren schwarzen Augen, als wollte sie sagen: Fritz, ist das nicht schön?

Der Geheimrat starrte vor sich hin. Marias Mutter hatte die Hände gefaltet. Sie war älter, viel, viel älter geworden in der kurzen Zeit. Beide schienen nur der Musik zu lauschen. Ich aber hörte nichts, ich blieb mit meinen Gedanken.

Da fühlte ich eine Hand, die mir leise über den Arm strich, und so weich! dieser Griff war, ich fuhr erschrocken auf. Ich sah in meines Schwiegervaters Augen, die mich groß anblickten. Er neigte sich flüsternd zu mir:

' Dort hat sie gesessen.

Dann merkte ich, daß der starke Mann nicht mehr sprechen konnte. Seine Augen wurden trübe, es quoll rn ihnen empor, er wendete sich ab, er stand: auf und ging davon.

Wie ich nun mit Marias Mütter allein war Und' wieder keines ein Wort redete, wußte ich: hiev kannst du nicht bleiben.

Wir brachen auf. Auf dem Platz sind dann wir drei lange noch auf- und abgeschritten, auf der anderen, Seite fern vomGreiff", daß die Musik uns nicht so rn hre Ohren klänge. Ab und zu blieben wir stehen, und der Geheimrat sah hinauf zum Rosengarten. Und als wollte er seine Gedanken zwingen, andere Wege zu gehen, er­zählte er von der Pracht jener Felsenwirrnisse dort öden.

Wir sahen hin, während er sprach. Die Niesenmauer, mit den wilden Türmen links daneben, stand unbeweglich wie sie gestanden, schon seit Milliarden Jahren. Sie schien herabzuschauen auf uns, mitleidig fast, als wollte sie sagen: Was seit ihr Menschen, die ihr kommt und geht dreimal alle Jahrhunderte?

Langsam traten wir dem Denkmal dessen nahe, der dort in steinerner Ruhe stand, der einst gesungen jenes, Liebe ist zweier Herzen Wonne".

Und ich dachte an den Abend, da der Dichter uns das Dunkel seines Schatten gegönnt, daß wir die Lippen auf­einanderfügen könnten, ich: und Maria.

*

Da stand ich nun oben in König Laurins Zaubergarten. Das schien der rechte Ort für mich. Nur Felsen und Ein­samkeit. Hier fühlte ich mich wohl. Hier störten mich auch die Touristen nicht, die in Schwärmen zur Bajoletthutte kamen. ' , ...= _

Im wilden Hochtal des Rosengartens, wo Nichts mehr gedeiht, umstarrt von den gewaltigen Riffen der Dolo­miten, habe ich Wochen zugebracht.

Es war ein trüber Tag, als ich hinaufkam mit einem Führer, mir, der unbekannt war mit der furchtbaren Ein­samkeit des Hochgebirges, den Weg zu weisen. Bis zuletzt huschten die Nebel so tief, daß ich von der Hütte nichts ge­wahrte. Endlich lag es vor uns, das kleine Bauwerk der Menschenhand, wie ein Würfelchen nur in dieser Welt der Steine.

Ich erhielt ein wrnziges Zrmmer für mich allein, die beste der Zellen, die es gab. Ein schmaler Raum Mit Holzwänden, einem guten Bett und Tisch und Stuhl. Was brauchte ich mehr? Ich räumte meine Sachen ein, hing Wettermantel und Kleider auf, machte mir meinen Tisch gemütlich und legte Briefpapier zurecht, als wollte ich schreiben. ,, t,.

Doch wem? Mit niemandem reizte Mich die &erbtn- dunq. Die Welt schien abgeschnitten hinter mir. Als rch dann am Abend beim Kerzenschein mit dicht geschlossenen Läden, während draußen tief die Nebel spukten und der Wind die Schindel,l auf dem Dach rüttelte, am Tisch saß, die Feder in der Hand, da fragte ich mich: An wen I ollst du schreiben? , ,,, _

Ich mußte schreiben. Zu lesen gab es nichts. Der Schlaf floh meine Augen. Ich mußte schreiben. Die Kerze flackerte. Ich sah mich um in dem kleinen Holzgemacch in dem kaum Ra,lm war für den Msch neben dem- Bett,