211
Gutes stiften!" Frau Krukenbcrg schreibt: „Gute Bücher über Erziehung in die Hand zu nehmen, ist jungen Frauen warm zu empfehlen. Es ist immer von Wert, kennen zu lernen und nach- zrrprnfen, was andere aus praktischer Erfahrung heraus als gang- baren Weg empfehlen." Und in denr Vorwort zu dem Buche „Die Erziehungskunst in der Familie" heißt es: „In jeder Familie, ob vornehm oder gering, sollte ein praktisches Erziehungsbuch vorhanden sein, das in prägnanter, frischer und anziehender Weise die Errungenschaften einer rationellen Pädagogik den Eltern zugänglich macht." Sicher ist, daß keine Ausgabe so reiche Zinsen trägt, tote die für ein gutes Erziehungsbuch.
Freilich muß ein Buch über die Erziehung des Kindes im 6. bis 14. Lebensjahre, über die des Schulkindes auch den neuzeitlichen Forderungen entsprechen; es muß die alten bewährten Er- ziehungsgrundsätzc im Lichte der neuen Pädagogik darstellen, mutz auf den Ergebnissen der Kindererforschung fußen, es muß aus ihm Gegcnwartsluft wehen, es muß Neuland bieten.
Man spricht und schreibt jetzt viel über „staatsbürgerliche Er- zichtritg der Jugend" und über „Jugendpflege" ttnd faßt dabei besonders das 14. bis 17. Jahr ins Auge. Das ist recht und gut. Man darf aber dabei nicht vergessen, daß die sicherste und festeste Grundlage zu einem guten Staatsbürger im 6. bis 14. Lebenslahre, während der Zeit der Schulpflicht, und zwar in der Familie gelegt wird. Die Eindrücke, die das Kind in dieser Zeit und in diesem Kreise empfängt, und die Tugenden, die dem Knaben und Mädchen da anerzogen werden, z. B. Religiosität, Gehorsam, Wahrhaftigkeit, Einfachheit, Anstand und gute Sitte usw. bleiben fürs ganze Leben, weil sie wurzelecht sind. Darum Haben alle maßgebenden Faktoren in Gemeinde und Staat die Pflicht, alle Bestrebungen, die darauf gerichtet sind, die Erziehung der Kinder innerhalb der Familie zu fördern, kräftig zu unterstützeit. Je mehr die Eltern ihre Pflicht und Schuldigkeit tun, desto weniger hat man später in die richtige Bahn zu lenken und zu korrigieren. Auch in der Erziehung gilt das Wort: „Vorbeugen ist besser als Heilen." Ein Hauptmittel aber, damit die Eltern ihren Sohn, ihre Tochter während der Schulzeit verständig und gewissenhaft erziehen, erblicken wir, wie wir schon angegeben haben, in der Verbreitung von Büchern, die den Eltern die Irrtümer und Irrwege zeigen, vor denen sie sich bei der Erziehung des „Schulkindes" Hilten müssen, die ihnen die redjten Erziehungsmittel angeben, die sie über "die Bedeutung nüd'Aüfgabe'ber Schule aufklären, die ihnen sagen^lme sie am besten mit der Schule Hand in Hand' gehen und 'Ne überhaupt ihr pädagogisches Verständnis fördern.
Hierbei weisen wir auf ein Buch hin, das vor kurzem erschienen ist und über das die „Leipziger Neuesten Nachrichten" folgendes schrieben: „Einen vorzüglichen Ratgeber und Wegweiser, einen Freund und Helfer für die körperliche, geistige und sittliche Erziehung unserer Kinder während der Schulzeit bietet das unter dem Tit»l „Das Schulkind", Ratschläge an Eltern schulpflichtiger Kinder, vom Dresdener Bürgerschuldirektor a. D. H. Schindler herausgegebene Buch, das bei Alwin Hutzle, Verlagsbuchhandlung m. b. H. in Dresden (192 Seiten 8°, broschiert 1,30 Mark, gebunden 2 Mark) erschieneit ist. Das ist ein sehr zeitgemäßes Buch. Das Schindlersche Buch füllt unzweifelhaft eine Lücke aus, denn so reich auch der Büchermarkt an'pädagogischen Schriften ist, so fehlte es poch bisher an einem Buche, das die Frage!; „Vater, Mütter, was sollt Ihr über die körperliche, geistige, und sittliche Erziehung Eurer K'ütder tu ihrem 6. bis 14. Lebenslahre und über die Beziehungen des Hauses zur Schule wissen?" beantwortet, und zwar so praktisch, klar unb überzeugend, warmherzig und gemütvoll, gemeinverständlich und volkstümlich tote das vorliegende. Von den 62 Aufsätzen, die das Buch enthält, utöchten wir keinen ntissen. Ein jeder Aufsatz behandelt ein für Eltern schulpflichtiger Kinder wichtiges Thema, klärt auf und regt zuni Nachdenken an. Aber nicht bloß Eltern, sondern auch Lehrern, 'Geistlichen, Kindergärtnerinnen, allen, die mit der Jugenderziehung zu tun haben, Tarnt dieses wirklich gute Buch attgelegeuttichst empfohletr werden. Es verdient, daß es sich das Bürgerrecht in den weitesten Kreisen bjer deutschen Familie erwerbe,, daß es ähnliche Beachtung finden möge, wie seinerzeit Rousseaus „Emil" und Pestalozzis „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt". Und der Kgl. Bezirksschulinspektor Oberschulrat Dr. Prietzel in Dresden sagt in einem Gutachten über dieses Buch: „Es tritt würdig an die Seite von Michern ähnlicher Bestimmung (von Pestalozzi, Goltz, Sigis- mund, Matthias), ist aber handlicher. Möge das dauernd wertvolle Buch weiteste Verbreitung in deutschen Landen finden und das werden, was der Verfasser mit gutem Recht hofft: ein i^unenguell für die Eltern, ein Glücksquell für 'die Kinder uitd ein Kraftquell für das deutsche Volk." . .
Möchten doch alle Eltern, die Kinder ut die Schule Nhtckeu, und die, Dereu Lieblinge diese Ostern znm ersten.. Male zur Schule wandern, immer eingedenk sein der hohen Ausgabe, die ihnen gestellt ist: ihr Kind in der wichtigsten Zeit seiner körperlichen, seifig en und sittlichen Erziehung, im 6. bis 14 Levens, ahve, wahrhaft gut zu erziehen, sich zur Frest.de, dem Kinde zum Glück und dem Vaterlande zum Heile. Das Volk steht am höchsten, das feine Kinder, insbesondere seine Schulkinder, am besten erzieht und unterrichtet. _______________
Das Schulkind.
Wieder naht Ostern, und damit die Zeit, in der das Schul- kind im Mittelpunkte allgemeinen Interesses steht. Prüfung, Prüfungsarbeiten, Ausstellung der Hefte, Zeichnungen,. Nadel- pnd Handfertigkeitsarbeiten, Osterzensuren, Versetzung in eine höhere Klasse, Abgang nach einer höheren Schule, Schulentlassungsfeier, Anmeldung und Aufnahme der Abc-Schützen in die Schule: das alles bewegt das Denken und Fühlen der Knaben unb Mädchen, die die Schule besuchen, erregt das Interesse der Eltern vufs! lebhafteste, beherrscht die Gespräche in den Familien, in denen schulpflichtige Kinder sind, und lenkt die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf das Schulleben und auf die Erziehungs- fragen der Gegenwart überhaupt. Das ist auch ganz berechtigt, beim die Kinder sind die kostbarsten Schätze der Eltern und das höchste Gut der Nation. Je sorgfältiger die Kinder in Haus und Schule erzogen werden, desto besser werden die künftigen Geschlechter und Zeiten, desto höher steigt die geistige und sittliche Kultur eines Volkes, und desto mehr wachsen sein Ansehen, seine Macht unb sein Wohlstand. Kinder- und Jugenderziehung ist zugleich.auch Volkserziehung und Volkswohlfahrt. Und mit Bezug hierauf hat der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg vor kurzem gesagt: „Ich erblicke in der kernigen Erziehung unserer Jugend eine unserer Wichtigsten Aufgaben."
Vater und Mutter, können kein größeres Werk vollbringen, 'als ihre Kinder gut zu erziehen. Das ist die verantwortungsvollste Aufgabe ihres Lebens, und das ist die. Kunst, die am. schwersten ist.
Besondere Sorgfalt muß auf die Erziehung des Kindes von seinem 6. bis 14. Lebensjahre vollendet werden, denn das ist die wichtigste Entwickelungsperiode. In dieser Zeit wird der Grund gelegt für die künftige Charakter- und Herzensbildung und für das Wissen unb Können und für die Brauchbarkeit unb Tüchtigkeit im späteren Leben.
Aber wie viele Fehler unb Mißgriffe, mitunter große UND ganz unverzeihliche, werden bei Der Erziehung der Knaben und Mädchen gerade im Alter vom 6. bis 14. Jahre begangen! Wie viele schädliche Maßnahmen werden da getroffen! Wie viele gute Gelegenheiten zur Entwickelung gewisser Fähigkeiten werden verabsäumt! Manche Eltern verzärteln und verhätscheln, ihr Kind, andere behandeln es übermäßig streng, wohl gar bart. Die einen zeigen eine viel zu weitgehende Nachgiebigkeit uud ein Einwilligen in alle Launen, bei den anüern nimmt das Verbieten, Befehlen unb Kommandieren keine Ende. Unb aus, welcher Ursache geschehen all' diese unb andere Verkehrtheiten unb Torheiten? Aus Unkenntnis unb Unüberlegtheit, ja oft aus lauter Gutmeinen mit dem Kinde.
Viele Eltern haben niemals ernstlich darüber uachgedacht, was sie tun müssen, um ihr Kind zum Gehorsam, zur Wahrhaftigkeit, tzum Fleiße, zur Sparsamkeit, zur Höflichkeit 'usw. zu erziehen, unb haben nie ein Buch über KinDererziehung gelesen. Viel Kummer und Sorge, Jammer und Elends unb viele Tränen finb ost die Folgen solcher Nuterlassungen.
Doch wie ist bem liebel zu begegnen? Die Väter, unb Mütter müssen sich für Erzichungs- unb Schulfragen mehr interessieren, fw über sie besser unterrichten, müssen pädagogicher denken lernen. Das beste Mittel, nm das zu erreichen, ist das Lesen guter Erziehungsbücher. Leider wird dieser Weg noch viel zu wenig beschritten. Wie manches Elternpaar besitzt 60, 100 und noch mehr Bücher über Literatur, Kunst, Geschichte, Geographie, Naturwissenschasteu und für die Unterhaltung, aber nicht ein einziges Buch über Kiudererziehnng. Treibt jemand Geflügel-, Bienen-, Blumenzucht usw., so erachtet er es für unbedingt geboten, darüber ein Buch zu besitzen. Ist denn Wndererziehuug nicht noch viel wichttger und schwieriger? Ist denn, eine gute Erziehung nicht das beste'Kapital, das Eltern ihrem Kinde mit auf den Lebensweg geben können?
Vater und Mütter sollen sich bei der Erziehung her Kinder nicht ausschließlich auf Herkommen unb Brauch, auf bie Einfälle des Herzens und gesunden Menschenverstandes oder wohl gar nur auf den Zufall und auf glückliche Umstände verlassen- Nein, das würde sich schwer rächen. Die Eltern, müssen bei . der Erziehung nach festen Grundsätzen versahren, die ans richtigen Anschauungen und Vorstellungen herausgewachsen sind. Dahin gelangen sie aber nur, wenn sie von der Erkenntnis durchdrungen sind, daß sie im Vater- unb Mutter beruf nie auslernen, daß sie sich darin beständig weiter bilden müssen. So wie nun jede Hausfrau es für nölig erachtet, ein Kochbuch zü besitzen, so sollten jeder Vater ünü jede Mutter es als notwendig ansehm, ein Erziehuugsbuch in bett Hänoen zu haben, in dem ein jedes immer unb immer wieder liest und sich in zweifelhaften und schwierigen Fällen Rat holt. Zum Glück bricht sich diese Ansicht immer mehr Bahn. Von berufener Seite aus wird Die Mahnung: „Eltern, lest Bücher über Kindererziehung!" immer lauter erhoben. So von Ellen Key, die bas Wort „Das Jahrhundert des Kindes" geprägt hat. — Der bekannte pädagogische Schriftsteller Wolgast sagt in seinem Buche „Ganze Menschen": Ein Büchlein mit einer kurz gefaßten Darstellung der elementar ft en und my beftriitenften Erziehungsgrundsätze aus praktischen Regeln und Beispielen dürste, wenn es gut und wirksam abgefaßt ist, viel


