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Darbende Millionäre.
Nicht jedem gereichen Millionen zum Glück«; em charakteristisches Argument für die Eitelkeit alles Goldes liefert %. B. die Geschichte eines englischen Multimillionärs und Sonderlings, der kürzlich in Locklev Hall in Welwyn starb und von dem eine mig- lischc Wochenschrift allerlei Merkwürdiges zu erzählen weiß. Seit nahezu 50 Jahren hatte sich Mr. G. E. Dornig, dieser Besitzen reicher Güter und Inhaber einer jährlichen Rente von mehr als lejuer halben Million, von der Welt abgeschlossen. und führte tii seinem Heim das Leben eines Einsiedlers. Als er 'kürzlich starb, traf itttoit in brnt Hause des Verstorbenen die herrlichsten Kimstschätze im Zustand grenzenloser Berivahrlosungen. Kostbare Gemälde; Werke von Holbein, Fra Bartolomeo und anderen alten Meistern, fand man achtlos an der Wand gelehnt, die gentalte Fläche der Tapete zugekehrt, dichte Staubschichten hatten sich auf den Gemälden gesammelt und bezeugten, daß sie seit vieleri Jahrzehnten so gestanden hatten. In den Ställen waren die prächtigen Equipagen vom Holzwurm zernagt, der Eingang zum Hause Ivar dicht umsponnen von einem Efeugerank, das sich bis zum Wappenschild emporgewunden hatte und jedem Fremden den Eingang ver- perrte. Kein Geräusch durfte den Besitzer zu Lebzeiten stören, pgar die Schafherden mußten abgeschafft werden. Und in diesem verwahrlosten Hause, zwischen Schutt und Staub, und von keinem Menschen gesehen, starb der Multimillionär eines einsamen Todes.
Das erinnert an den Fall eines englischen Lords, der vor wenigen Jahren in einer armseligen Hütte nahe bei der Waterloo Bridge starb. Der Lord, der über ein Einkommen von jährlich 600 000 Mark verfügen konnte, bewohnte eine jämmerliche kleine dunkle Stube, an den Wänden fand man als einzigen Schmuck die Illustrationen von Zeitschriften; der wunderliche Millionär verließ bei Tageslicht niemals diese Behausung; nur hin und wieder schlich er sich des Nachts auf die Straßen, um planlos umherzuwandeln. Kein Mensch durfte je sein Allerheiligstes betreten, seine karge Mahlzeit mußte ihm auf die Schwelle gestellt werden, und erst wenn der Speiseträger wieder fort war, holte der Sonderling sein Mahl herein.
Während Sir Henry Äelves Broughton so sein Leben ver- brachte, wanderte ein noch viel reicherer Mann als Bettler verkleidet durch die Straßen von Petersburg, rief die Mildtätigkeit der Passanten au und schleppte dann die Ausbeute deS Tages in das Armenviertel der Stadt, wo er in einer baufälligen alten! Hütte kümmerlich sein Dasein fristete. Hier saß er dann schweigend mit einer alten .Haushälterin, er litt int Winter die Qualen der Kälte, weil er zu geizig war, tun heizeit zu lassen, ja er kochte des Abends int Dunkeln, tun die Ausgabe einer einzigen Kerze zu sparen. Zwanzig Jahre lang trug er denselben erbärmlichen Anzug, der längst über und über mit Flicken besät war und nicht mehr erkennen ließ, aus welchem Stoffe er ursprünglich bestanden haben mochte. Und doch war dieser Bettler mtb Einsiedler einer der reichsten Großgrundbesitzer und Eisenbahnnragnaten von ganz Rußland, reicher wie mancher König. Als er starb, hinterließ er ein Vermögen von rund 100 Millionen Rubel.
Ein anderer Millionär, der ein armseliges Leben führte, war M. Colasson, der vor wenigen Jahren noch als einer der reichsten Männer von Paris galt. Im Jahre 1874 verlor er bei einem Brauduiiglück seinen über alles geliebten Neffen, und schwor nun alle Eitelkeit der Welt ab. Er blieb zwar in seinem prächtigen, palastartigen Hotel in der Rue Galileo, aber er selbst bewohnte sstur zwei Räume, die er nie mehr verließ und die mich niemand betreten durfte, der alte Diener ausgenommen, der ihm täglich seins Mahlzeiten brachte. So lebte der Millionär jahrelang in völliger Einsamkeit und ernährte sich ausschließlich von Brot, Eiern und Wasser.
In St. Louis lebt noch heute ein vielfacher Millionär in der größten „Armut". Vor einigen Jähren faßte I. Eads How plötzlich den Entschluß, sein prächtiges Heim in St. Louis zu verlassen, verzichtete auf alle Bequemlichkeiten, die seine Millionen ihm bieten konnten, und verurteilte sich selbst zur größteit Armut. Im Armenviertel der Stadt bezog er in einer alten Hütte ein dunkles Zimmer, und hier haust der Exkrösus itoch heitte, kocht sich selbst sein Essen, fegt die Stube und macht das Bett, ja wenn er in einer Woche mehr als sechs oder acht Maik ausgibt, macht er sich Vorwürfe, ausschweifend zu leben.
vermischte».
* ©in österreichisch-amerikanisches HeiratS- a m t. Eine Wieiterin, Fratt Irma Bleyer, hat in Neivyork ein Heiratsbureau eröffnet, in welchem nur Ehen zwischen Mitgliedern des österreichischen Hochadels und reichen amerikanischen Erbinnen verntillelt werden sollen. Sie hat in den Zeitttngen der amerikanischen Großstädte riesige Anzeigen veröffentlicht und einen Mitarbeiter der „World" mit cinigeit besonders entpsehlenswerteit Exemplaren ihres reichen Lagers bekannt gemacht. Abzttgeben sind n. a.: zwei Prinzett, Brüder, der eine 23, der andere 25 Jahre alt, beide Offiziere in einem in Wien garmsonierenden Regiment. Sie besitzen zwei Schlösser in Böhmen und je drei Millionen Gulden; die amerikanischen Fraueit, die sie suchen, müssen mindestens ebenso
viel haben. Dann ist da ein 38 Jahre alter böhmischer Gras und ein 34 Jahre alter tirolischer Baroit, der gesellschaftlich auf so hoher Stufe steht, daß bei Hofsesten nur die Erzherzoge den Vorrang und Vortritt vor ihm haben. Eine aitdere Prachtnummer der Madame Bleyer ist der Gras Httgo Christallinitsch (!), ein 30 Jahre alter Leutnant im 4. Dragoner-Regiment und Besitzer eines schönen Schlosses. Der Graf ist, wie Frau Bleyer verrät, bereits in Amerika gewesen und dort mit diversen „Erbinnen" bekannt geworden. Mit den iiteisten ivar er so ziemlich zufrieden, zwei aber erschienen ihm ganz „unmöglich": eine, weil sie bei all ihrer Schönheit — und ihr Gesicht ist wirklich schön — so fett ist, daß ihre Fettleibigkeit selbst durch ihre vielen Millionen nicht entschuldigt werden kann; die andere, tveil sie Bratkartoffeln mit den Fingern aß, was einer amerikanischen Millionärin erlaubt (ein mag, einem wohlerzogenen Europäer aber ein Greuel ist . . . Ob das „Heiratsaint" da iticht ein bischen phantasiert hat?
* © dj u ij t ä t o tu i e r u n g für Ehefrauen. Der Rev. Francis Rawel, Pastor an einer Methodisteitkirche in Chicago, ist ein energischer Verteidiger ehelicher Tugend, und um die verheirateten Fraueit vor den Nad)stellungeit der bösen Männer zu schützeit, hat er nun, wie der „Aralde italiano" aus New-Pock berichtet, ein eigenartiges Verfahren entdeckt, um die Don Inans abzuschrecken. "Er will ben allzueisrigen Verehrern weiblicher Schönheit die Möglichkeit der Attsrede nehnten, daß sie int guten Glauben gehandelt hätten, tveil es ihnen unbekannt getreten wäre, daß die angebetete Frau bereits verheiratet sei. In einer Predigt hat der Rev. Francis Ratvel feine Idee der versammelten Gemeinde unterbreitet. „Um die verheirateten Frauen ztt erkennen ttnb sie ztt schützen vor bett Nachstellungen jener Männer, bie der Anmut des weiblichen Geschlechtes nicht tviderstehett können, schlage ich vor, daß jede Ehesratt an dctttlich sichtbarer Stelle tätowiert wird, so daß Mißverständnisse nicht mehr möglich fittb. Diese Methobe ist keineswegs neu, sie wird in Neuseeland längst geübt und ich glaube, daß sie unseren Zieleit entsprechen wird". Aber der Reverend will nicht nur bie Ehesratten tätowieren, er will auch bett Kuß beseitigen, zum miitbefieit bett Kuß mit ben Lippen. Daher hat er auch seine Gemeinbeaugehörigen ermahnt, bett Lippett- knß zu unterlassen tntb statt besten alle Gefühle ber Zärtlichkeit im Nasenkttß zusatntnenznfaffen, ber baritt besteht, daß mau bie Nasenspitzen aiteinatiber reibt.
* Fettleibigkeit mtb KörPerhaltuu g. Stärker und glaubwürdiger als Chiromanten und Wahrsagerinnen, iverdett die Aerzte fortan, nach oberflächlicher Betrachtung der Silhouette eines Patienten, veraussagcu können, ob ein Jüngling oder eine Jungfrau ihre „Linie" für immer behalten werden, oder ob ihre Person im Laufe der Jähre durch häßliche Fettleibigkeit entstellt werden wird. Nach Dr. Francis Heckel, der derartige Studien zu seinem Spezialfach gewählt hat, ist die Fettleibigkeit fast immer die Folge schlechter Körperhaltung. Die „Snobs", die mit dem Hut im Nacken, den Brustkasten vornüber gebeugt, die Schultern nach unten gezogen, die Beine sozusagen nachschleppend, einherschreiteu, sind stets zur Fettleibigkeit verdammt. Nach Dr. Heckel fühtr die schlechte .Haltung ztt einer latenten Selbstvergiftung, die die Fettsncht zur Folge hat. Verhüten kann man die Fettleibigkeit durch eine normale, ungezwungene Haltung und durch einige veritünftige und einfache Muskelübungeu. Diese Uebungen sind um so notwendiger, als sich in den letzten Jahrzehnten eine langsame, aber sicher fortschreitende Degeneration aller intellektuellen Rassen bemerkbar macht. Heckel bat bei allen denen, die geistig arbeiten, eine Zunahme der Ko Pf mässe im Verhältnis zur Körpermasse festgestellt. Bei der klassischen Statuen stellt der Kopf den siebenten oder achten Teil der Gesamthöhe des Individuums dar; jetzt aber findet man oft, daß der Kopf den sechsten Teil (oder auch noch etwas mehr) der Statur darstellt, was auf eine Neigung zum konstitutionellen Arthritismns (Gicht) und zur Rhachitis (Englische Krankheit) schließen läßt.
Magisches Dreieck.
I Jn bie Felber nebenstehender Figur fittb bie Buchstaben aaabeeggnnnnrss berart einzutragen, baß bie einander ent- J sprechenden wagerechten und senkrechteit
Reihett gleichlautend folgendes bebeuten:
1. Mädchennamen.
2. Ungarisches Komilat-
3. Nebenfluß der Donau.
4. Teil von Spanien.
5. Einen Buchstaben.
Auflösung in nächster Nummer.
Anflösttng der Charade in voriger Nnmmek: A itt e t f e.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


