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Das nette Mädel.
Roman von Fedor von ZobeltiA (Nachdruck verboten.).
(Fortsetzung.)
Traute war nun wieder daheim. Auf dringendes Verlangen ihres Vaters hatte der Arzt sie noch einmal untersuchen müssen. Er fand sie immer noch ein wenig blaß, aber sonst vollkommen gesund. Viel Milch, lautete wieder seine Vorschrift. Die bekam Traute, dafür sorgte schon die Mutter. Frau Auguste war wie umgewandelt. Sie war nicht mehr der ewig schimpfende Wachtmeister. Sie verlangte von Traute auch keine Beaufsichtigung der Kinder; Helene mußte ihre Schularbeiten allein machen, und Emma mit Theachen spielen; die Jungen kriegten Katzenköpfe, wenn sie zu laut lärmten; bei Tische bekam Traute häufig etwas Besonderes: sie sollte gepflegt werden.
Frau Auguste war von Köhler eingeweiht worden: der Mann aus Quetzaltenango hatte nochmals in aller Form um Trautes Hcnrd angehalten. Das war so zugegangen. Köhler hatte Jonathan W. Brigham um Stundung seiner fälligen Zahlungen bitten müssen. Die Geschäftslage war derartig, daß er nur unter ungeheurem Verlust hätte verkaufen können; ein Teil des Lagers war sogar schon verpfändet worden, um einen drängenden Gläubiger zu befriedigen. Brigham sparte bei seiner Antwort kein Geld: er kabelte. Er kabelte, daß sein Schwiegervater nie sein Schuldner sein könne; alles weitere mündlich; er treffe am 24. Juli vormittags zehn Uhr mit dem Dampfer „Washington" ein. Das Telegramm hatte einen Briefüber- holt, in dem der schnurrige Mann noch eingehender geworden war. Er wollte partout eine deutsche Frau haben, und er hoffte zuversichtlich auf die Hand von Fräulein Trante. Dann kam eine sechsseitige geschäftliche Erörterung, die Herrn Köhler sehr erfreute.
Nun mußte man alles tun, um Traute in guter Stimmung zu erhalten. Auch Friedrich war der Ansicht, daß sie Rücksichten auf Haus, Firma und Familie zu nehmen habe. Er war noch kleinkrämischer als der Vater und ganz ohne Initiative und zitterte vor der Gefahr eines Zusammenbruchs, den er bereits dicht vor sich sah. Er war immer in Ängsten; selbst hinter den Briefen Brrghams suchte er nach unsinnigen Motiven und sorgte sich, daß der „verrückte Zwickel" in Guatemala noch im letzten Augenblick seine Absichten ändern könne.
Jedenfalls wurde Traute nunmehr als kostbarstes Objekt des Hauses behandelt. Man hatte lange hin und her überlegt, ob man sie vorbereiten sollte, aber endgültig den Entschluß gefaßt, damit bis zur Ankunft Brighams zu warten. Köhler hatte die heimliche Hoffnung, es weroe irgend etwas an dem Manne sein, was Traute besonders
gut gefallen könne. Was, wußte er nicht; vielleicht bev Bart oder die Augen oder der exotische Eindruck.
Traute ließ sich gern „pflegen". Als sie zum ersten Male wieder ihr fleines Stübchen betrat, hatte sie eins seltsame Rührung ergriffen. Sie neigte jetzt leicht zu Tränen, die ihr ost ohne jede äußere Veranlassung in die Augen schossen, und spann sich in Sentimentalitäten ein. Die Begrüßung der beiden hübschen Blumenmädchen von gegenüber, die ihr einen Kranz aus weißen und roten Rosen durch das Fenster warfen, stimmte sie mehr elegisch, als daß es sie freute. Vor dem Zubettgehen stellte sie sich im Hemd und aufgelöstem Haar vor den Spiegel und» setzte sich den Kranz auf den Kopf, und nahm sich vor, sie wolle die Bestimmung treffen, so begraben zu werdem Es trat öfters ein, daß sie mit Todesgedanken tändelte. Eine Romanszene, in der sich ein schönes Mädchen aus unglücklicher Liebe ertränkte, las sie mehrfach durch. Nur fand sie den Tod durch Ertrinken schrecklich; er entstellte so.
Da sie nichts zu tun hatte, versenkte sie sich wieder in Träumereien. Sie dachte viel an Everstedt, aber ruhigeren Gemüts. Sie wollte in der Stille ihrer Gedanken endgültig Abschied von ihm nehmen. Und dabei verfolgte sie in der Zeitung mit Spannung alle Familiennachrich^- ten, immer in der Erwartung, die Verlobungsanzeige der Komteß Liebenau zu finden. Das hatte sie sich fest vorgenommen: bei der Hochzeit Everstedts wollte sie sich heimlich in die Kirche schleichen; kein Mensch sollte sie sehen; aber der Feier wollte sie beiwohnen. Und ließ es sich irgend machen, so sollte am Tage nachher ihre Verlobung mit Fred Dewa veröffentlicht werden. Sie dachte sich das wie einen großartigen Trumpf.
Die ewige Romanlektüre rief eine spielerische Romantik in ihr wach. Fred Dewa erschien ihr zwar wie ein Kind, das noch der Beaufsichtigung bedurfte, aber seine Werbung auf Umwegen hatte doch ihre sehr niedlichen Seiten. Der hübsche Junge hatte den Papa gefürchtet und war deshalb nicht mit der Sprache herausgerückt; und da ihn der Papa vorläufig in Nummero Sicher gebracht, hatte er einen andern beauftragt, ihr sein Herz aufzudecken. Nun hatte sie zwei, zwischen denen sie wählen konnte. Aber die Werbung Kruses dünkte ihr in der Erinnerung wie ein ironischer Spaß, Der Mann hatte sie so unheimlich angesehen. Sein Blick war wie eine gierige Hand gewesen, dis ihr die Kleidung herunterreißen wollte. Sie hatte das Gefühl, als wolle er sie nur heiraten, um sie malen zu können, wie Gott sie geschaffen hatte. Und dachte sie das> so wurde sie rot. Da hielt die Courage, mit der sie in die „Gesindelsaison" zu treten gedachte, nicht mehr stand.
Ach du lieber Himmel, mit ihrem hohen Mut und der Kühnheit ihrer Entschlüsse war es ganz vorbei. Von der Goldenen Horde war Eva Delbrück einmal als Abgesandte zu ihr geschickt worden. Die „Caritas" war in unerhörtem Aufblühen; urplötzlich hatten alle Spitzen der Stabil


