schließlich gegeben.
'4. M a t.
Sir Ttzomlas Reade hat folgende Information gesandt: „Ich Lvar von Mitternacht bis ein Uhr in Longwood. Das Kalomel hatte die gewünschte Wirkung. . . . Ich hatte Doktor Arnott gebeten, Mich wissen zu lassen, wie die Situation heute morgen wäre und ich empfing eben beiliegenden Bericht, welcher der beste der Woche ist. Bericht: „Er erscheint mir nicht schlechter, eher besser. Er hat eine ziemlich gute Nacht verbracht, aber er ist noch immer äußerst schwach. Jedoch habe ich nach gründlicher Ueberlegnng heute mehr Hoffnung als gestern und vorgestern. Teilen Sie dem Gouverneur mit. Das Schlucken hält an."
Den ganzen Tag blieben die Doktoren Shortt und Mitchel ständig in Longwood. Mehrere Adale versuchten sie, von dem? Gouverneur unterstützt, General Bonaparte zu sehen: aber vergebens. Graf de Moncholon hätte es ihnen gern gestattet, aber Wie schon vorher, fürchtete er die schlechte Wirkung, die das Erscheinen Fremder auf den General ausüben könnte.
'Doktor Arnott meldete um neun Uhr abends: „Eben verlasse ich unfern Patienten, er liegt in tiefem Schlummer. Er hat kein Schlucken, seine Atmung ist leicht und im Laufe des Tages hat er für jemanden in seinem Zustand eine bedeutende Menge Nahrung zu sich genommen."
Die letzte günstige Nachricht!
meinte er, wenn man ihnen die Gelegenheit verweigern wurde, zu sehen, tvas ihre gewohnte Geschicklichkeit unter den gegenwärtigen Umständen leisten könnte. Er erwähnte dre außergewöhnliche Heilung des Marinekapitäns Meynell, der m Plan- tation so gefährlich krank gelegen hätte, daß man ans das Aeußerste gefaßt gewesen wäre. O'Meara hatte ihn als verloren erklärt, aber dank den Aerzten Baxter und Thompson war er doch wieder hergestellt worden. „Mit einem Wort Herr Graf," wiederholte und schloß der Gouverneur, „ich wünsche lebhaft, daß der englischen medizinischen Wissenschaft wenigstens der Versuch gestattet sein möge, sein Leben zu retten." .
Inzwischen hatte Doktor Arnott.folgende Mitteilung gesandt: „Im Zustand des Generals kann ich seit gestern abend 10 Uhr keine Veränderung wahrnehmen. Er hat in der letzten Nacht bis drei Uhr ruhig geschlafen. Dann wurde er erregt und begann ohne Zusammenhang zu sprechen. Aber heute morgen ist er von neun Uhr ab ruhig, und ich verließ ihn eben, als seine Atmung eine leichte war."
Kaum war dieser Bericht empfangen worden, als es General Bonaparte nicht mehr so gut ging. Doktor Arnott teilte mit, daß der Patient wieder von Unruhe und sehr starkem Schlucken ergriffen wäre, und er Doktor Antommarchi vorgeschlagen hätte, ihm eine Dosis Kalomel zu geben. Dieser hatte sie jedoch verweigert, aber gleich nach dem Gespräch zwischen dem Gouverneur und dem Grafen de Montholon hätte er gebeten, mit den Aerzten Shortt und Mitchell beraten zu dürfen. Diese waren Doktor Arnotts Ansicht. Da Doktor Antonrmarchi aber auf seinen Widerstand beharrte, erstattete man Graf de Montholon Bericht darüber. Und mit seiner Zustimmung lvurde dem Patienten das Kalomel
5. Mai.
Unr sieben Uhr morgens belehrte ein Signal den Gouverneur, daß General Bonaparte in drohender Todesgefahr träte. Einen Augenblick vorher hatte der Sterbende zwei oder drei Worte zu Graf de Montholon gesagt, man glaubt, daß es die letzten tvaren.
Auf dem Wege von Plantation nach Longwood übergab man dem! Gouverneur ein Billett Doktor Arnotts:
„Er liegt tnt Sterben. De Moncholon bittet mich, ihn nicht zu verlassen. Er wünscht, daß ich den letzten Seufzer aushauchen sehe."
Jedoch verschlimmerte sich der Zustand des Sterbenden erst wach drei Uhr. In diesem Augenblick schickte Doktor Arnott folgende mit Bleistift geschriebene Zeilen:
„Der Puls ist am Handgelenk nnfühlbar geworden. Die .Wärme verläßt die Außenfeite des Körpers, aber er tarnt noch «finge Stunden aushalten."
Um halb sechs Uhr meldete der Arzt wieder:
„Es geht ihm schlechter: feilte Atmung ist beschleunigter find schwerer."
Und einige Minuten vor sechs Uhr — gerade als die Sonne Mtergfitg —। wurde folgende Nachricht empfangene
„Soeben ist er verschieden,"
Vermischtes.
* „Gebt niemals eine Unterschrift . ..’ Die friedliche Stadt Ferrara hat seit kurzem ihre S e n s a t i o n: überall spricht man nur von den wackeren alten Damen Zeni, Mutter und Tochter, die seit einiger Zeit der Gesellschaftsordnung trotzen und sogar vor der Gewalt des Staates nicht zurückschrecken. Als vor einiger Zeit der alte Herr Zeni, ein mehrfacher Millionär, starb, hinterließ er seiner Tochter und seiner Enkeltochter nicht nur sein riesiges Vermögen, sondern auch einen kostbaren Rat. Von seinem Sterbebette aus flüsterte er den beiden Frauen zu: „Traut niemals einem fremden Menschen, und vor allem: Gebt nie
mals etite Unterschrift." Nach diesem Worte haben sich die beiden Damen getreulich gerichtet: sie haben seitdem keinen Dienstboten mehr im Hause, und wenn die Pächter kamen, um das Pachtgeld zu bezahlen, verweigerten sie eine Quittung und verzichteten lieber am das Geld. Eine Reihe von Pächtern' wollten dann die Aecker kaufen, aber keinem Advokaten der Welt wollte es gelingen, den alten Damen die Umerschrift zu einem Kaufvertrag abzuringen, obgleich sie eigentlich gegen das Geschäft nichts einzuwenden hatten. Als einer der Pächter kam, um 30 000 Lire zu bezahlen, verweigerten die Damen wiederum die Quittung, und verzichteten lieber auf das (Selb, das der Mann schließlich zufrieden wieder mit nach Hause nahm. Aber schließlich kam es, wie der „(Sortiere della Sera" berichtet, zum Skandal, denn die Zenis wollten auch ein zwangsweise Verkaufes Grundstück nicht herausgeben. Der Gerichts- vollz eher, der endlich die Möbel der beiden alten Damen pfänden wollte, fand das Haus verbarrikadiert, und wie laut er auch im Namen des Gesetzes Einlaß verlangte, kein Mensch antwortete ihm. Alit Hilfe der Feuerwehr kam es schließlich zur regelrechten Belagerung. Nach einer langen Weile öffnete sich ein Fenster und die Damen verlangten, man möge sofort abziehen. Nun trat die Feuerspritze in Tätigkeit; man sprengte die Haustür und der Gerichtsvollzieher konnte endlich das Mobiliar versiegeln. Die beiden konseguenten Damen aber waren inzwischen durch eine Hintertür geflüchtet und zur Präkektur geeilt, um Hilfe zu erbitten, Als sie später heimkehrten, rissen sie ohne weiteres die Siegel von beit Möbeln ab, tmb noch heute vermag ihnen niemand klar zu machen, daß es sich bei all dem um ein durchaus gesetzliches Porgehen handelt. Tie mißtrauischen Damen beharren in dem Glauben, von Räubern und bösen Verbrechern verfolgt zu werden.
kf. E ijn e Sprache, in der man sparen k a n n. Wer Gelegenheit hat, in Belgien zu reisen, kann dabei bedeutende Ersparnisse machen. Beweis: man schlage den zweisprachigen Eisen- bahnflihrer Belgiens auf und lese auf Seite 705 tu bet Abteilung bet Preise für Speisen unb Getränke, bie beit Bahnhofswirten amtlich vorgeschrieben fiitb. Dort ist aufgeführt: ein „bock beige“, also ein Glas Bier, bas ftanzösiich gefordert wirb, Preis 30 Centimes. Dagegen kostet ber „belgische Bock", also ein Glas Bier in vlamiänbischer Sprache, nur 25 Centimes. Man könnte glauben, biese seltsame Preisfestsetzung solle einen Schutz für bie inläubische Bieterzeugung barflellen, aber das ist ein Irrtum. Wer ettva den roten Bordeauxwein dein belgischen Bier vorzieht, macht die gleiche Erfahrung : es kostet ein „verre de Bordeaux“ 30 Centimes, während „een glas Bordeaux" ivieder für 25 Centimes zu haben ist. Das heißt, wenn man Bier lind Wein aiisschaltet und sich mir an das Geld hält, baß mau 83*/? Centimes in vlamländischer Sprache ebenso zu bewerten hat, wie 1 Francs, bei, mau auf französisch in den Mund nimmt.
* Trunksucht unter den Tieren. Im Grunde genommen ist die Natur manchmal selbst die große Verführerin bet Tiere zur Trunksucht, ba sie es sich zuweilen zur Aufgabe macht, für unsere untergeorbnettii Mitgeschövfe förmliche Schenken zu eröffnen. So gibt es in Australien Bäume,cheren Harz bie Assen tmb Papageien leibenschafllich lieben, unb bas sie berauscht. Die Elefanten trinken bekanittlich gern Whisky, wenn sie ihn bekommen. So lesen wir auch schon im Buch ber Makkabäer, baß mau tut Altertum die Kriegselefaiiten mit neuem Wein berauschte, um sie zum Kampf zu ermutigen. Tiefer Brauch hat sich bis auf unsere Zeit erhalten, nur mit dem Unterschieb, baß matt bett Wein durch Rum ersetzt. Die Bären unb Affen trinken Bier mit demselben Hochgenuß wie utaticher Student unb versuchen auf alle Weise, sich tu bett Besitz von Braunttvein zu setzen. Biele Nenyorker Pferde» besoitbers aber bie Bratierpferbe ergeben sich deut Trünke. Mit Malztrebern gefüttert, fassett sie eine leidenschaftliche Vorliebe für bas Bier, bas man ihnen auch häufig verabreicht, tvodurch sie au Umfang zuuehmeu tmb zuletzt Anfällen von Delirium tremens erliegen. Die Eule wirb blütbürftig, wenn sie betrunken ist, unb auch bie Papageien unterliegen beut Einfluß des Alkoholismtts. Schlangen trinken gern Gin, und sogar Fische können sich an Alkohol gewöhnen.
VersteSrötse!.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben tu lochenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Maltakartosseln — Landkarte — Gerichtsgebäude — Mehlsuppe — Lasttier — Mttsensohii — Kurzsichtigkeit — Vergißmeinnicht —
Biedermann — Roggenfeld.
(Auflösung in ber nächsten Nummer.)
Auflösung bes Rösselsprungs in voriger Numiner:
Es gab’ noch mehr ber Zähren In bieser trüben Welt, Wenn nicht bie Sterne wären Tort an bem Himmelszelt;
Wenn sie nicht uieberschattten
In jeher klaren Nacht Und uns habet vertrauten, Daß Einer,droben tvacht.
Nedaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbruckerei, N. Lange, Gieße»


