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Donnerstag den 2- März ßu

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Das Witwenhaus.

Roman von Helene von Mühlau.

Gvrkletzung.) (Nachdruck verboten.;

Die Pastorin ^lag Int seidenen Himmelbett. Es war ein schönes, "großes Bett ans braunem Holz mit prächtigen Schnitzereien itnh Goldverzienrngen. Es war so breit, daß cs beim Umzug nicht durch die Türen gegangen war; man hatte es anseiuandersägen nnb mit Eisenhaken wieder zu- samrnenfügen müssen.

Nun stand es in dem niedrigen Zimmer des Saale­hauses und sah etwas verirrt aus. Die hohe Eisenstange, die den seidenen Himmel trug, stieß gerade an die Decke, und inan wußte eigentlich gar nicht recht, was dies Beit vorstellte. Es frappierte im ersten Augenblick durch feine Größe uns» Brette, und ntan mußte förmlich suchen, um die kleine Pastorin in den schwellenden Kissen zu finden. Ihre dünnen Aerinchen lagen auf der hellseidenen Stepp­decke, und ihr schmales Gesicht, von den herabhättgenden, grauen Haaren umrahmt, sah erschreckend bleich und mager aus. '

Daß dieses wundervolle Bett so einfach verkommen mußte, daß kein Mensch es ordentlich lüftete, die Flecken ausrieb und die Risse zustopfte, das war der Kosh Jam­mer. Gern hätte sie einmal ein paar Nachmittage dafür geopfert, aber die Gräfin war ja so eigen, die mochte nicht, daß ntan ihr was zu Gefallen tat.

Gutett Morgen, Frau von Htlbach! Gesegnetes Neu­jahr!" begrüßte ste Frau von Htlbach.Mir ist nicht ganz wohl; wir waren gestern bis nach zwei Uhr bei der Hänf- letn, nun, Und ich vertrage so was nicht!"

Bleiben Sie nur liegen!" bat Fran von Hilbach, als sie merkte, daß die Pastorin sich aufrichten wollte.

Ich suche mein Taschentuch!" sagte die.Sehen Sie doch bitte mal nach, Frau von Hilbach. Wenn es nicht unter dem Kopfkissen ist, muß ich es in der Kleidertasche haben, ich wollte Ihnen die Miete bezahlen."

Es war in der Kleidertasche.

So," meinte befriedigt die Pastorin,nun muß ich aber auch mein Portemonnaie noch haben, denn in dem Taschentuch bewahre ich nur das Gold. Sehen Sie doch mal nach, ob es vielleicht auch in der Kleidertasche steckt!"

Frau von Hilbach suchte und fand es nicht, und die Pastorin überlegte eine Weile.

Ah," sagte sie,ja richtig, ich bin vorsichtig, Frau Von Hilbach. In dem großen Sessel, der am Ofen steht, hab ich's zwischen die Polster des Sitzes und der Arm­lehne geschoben. Greifen Sie ein bißchen tief hinein, dann finden Sie's."

Ms Frau von Hilbach es ihr gebracht hätte, schüttete sie den Inhalt des Taschentuchs und des Portern"nnaies Kus ihre Steppdecke.Einhundertfünfundsiebzig! Mark muß

tch alles in allem noch haben; zählen Sie mal mit, Frau von Hilbach. Fünfundsiebzig Mark bekommen Sie, blieben mir hundert, nun ja, übermorgen bekomme ich Pension, es reicht wirklich gut diesmal, Feuerung habe ich noch bis April, auch Kartoffeln, ach, würden Sie nicht mal in der Küche nachsehen, ob meine Grude noch brennt; ich habe immer solche Angst, sie könnte ausgehen!"

Auch das tat Frau von Hilbach imb setzte sich dann wieder an das Bett.

So! Wollen Sie mir quittieren, Frau von Hilbach?" bat die Pastorin n.nd gab ihr ein Stück Papier.

Nun, Ihr Doktor ist ja jetzt wohl fort?" fragte sie nach einer Weile und sah Frau von Hilbach for­schend an.

Ja," antwortete die leise, und ihr armes Herz zuckte wieder zusammen.

Es ist wirklich ein Jammer, daß Sie durch diesen: Badegast so gelitten haben im Ruf, Frau von Hilbach. Sie glauben gar nicht, was man sich alles erzählt. Früher hatte man Mitleid mit Ihnen, wenn man auch manches von Ihnen komisch fand, aber jetzt ist man entrüstet. Sie such aber auch wirklich zu unvorsichtig gewesen, Frau von Hilbach. Erstlich war es doch schon an und für sich komisch, daß Sie so monatelang neben ihm int Zimmer schliefen; dann ist's auch im ganzen Ort bekannt geworden, daß er jeden Abend bis spät in die Nacht bei Ihnen saß, und gestern, nein, Frau von Hilbach, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glau­ben. Die Hänflein hatte ihre Freundinnen, die Specht, die Apothekerin von drüben und ntich zur Neujahrsfeier mit Punsch und Pfannkuchen eingeladen.

Nun, da ich mich bei Ihnen in letzter Zeit so über­flüssig fühlte, war ich natürlich froh, daß die Häuslein sich meiner annabm. Wir erzählten uns natürlich von dem und jenem, dre Specht und die Hänflein sprachen über das Pensionat, das sie in Naumburg einrichten wollen, das wissen Sie doch, daß die sich jetzt ganz zusammentun, nicht wahr? Nun, und von Ihrem Badegast sprachen wir auch, und die Specht behauptete, Sie hätten ein regel­rechtes Verhältnis mit dem, Frau von Hilbach. Ich be­stritt das natürlich und sagte, so was traute ich Ihnen denn doch nicht zu, nun, und dann mußten Sie mich selbst so sehr Lügen strafen." .. .

Sie hielt einen Augenblick inne und sah forschen« in Frau von Hilbachs Gesicht.Um zwölf, wie die Glocken läuteten und auf der Wilhelmsburg der Choral anging, sind wir auf den Balkon.gegangen, und die Specht sagte gleich:In der großen Laube sitzt jemand!" Erst wollten sie die Köchin der Frau Häuflein herunterschicken, um zu sehen, wer es war, aber dann sagte die Apothekerin:Ein­mal müssen sie ja doch wieder herauskommen; bei dev Kälte können sie doch nicht bis morgen früh drinbleibenl'< und wir warteten also trotz dem. Schnee. .Eine von MH